Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1927)
- Date
- 1927-02-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Der Israelit Seite 2 Nr. 6 beispielsweise in Paris, eine ganze Kolonie strenggläubiger Wiener Jünglinge gebildet hat, da dort nicht nur am Sabbat offenhaltende jüdische, sonstsM Mich «i $ 1j ü ä i [ 4) i Zlösell jungen Leuten unter Einräumung der Sabbatruhe Beschäftigung gegeben haben. Diese Unternehmer waren nämlich der Anschauung, daß A n g e - stellte,dieihrerReligioninsolchem Maße ergeben sind, daß sie auch vor den schwersten Opfern nicht zurückscheuen, auch ihren Dienstgehern die Treue bewahren werden, und tatsächlich haben sie mit den Wiener orthodoxen Jünglingen die allerbesten Erfahrungen gemacht. Warum sollte das, was in Paris möglich war, nicht auch anderswo möglich sein? Der Einsender meint: „Cltt Vööjllch Mph? [v manchen Sljef bavon überzeugen, daß er seinem Unternehmen nicht nur nicht schadet, sondern ganz im Gegenteil nütztz wenn er unter seinen Angestellten auch einen jungen Mann besitzt, der mit dem nötigen Verständnis für die Bedürfnisse des kaufmännischen oder industriellen Betriebes auch das Gefühl IWM SsmtDarreitjemem DienMver gegeiMer dafür verbinden würde, daß er es ihm ermöglicht hat, seinem Glauben und dem Glauben seiner Väter treu zu bleiben. Gern würde ein solcher junger Mann bereit sein — ja es erscheint fast überflüssig, diese Selbstverständlichkeit noch besonders hervorzuheben — die ihm am Samstag und an den Feiertagen freigegebene Zeit durch intensivere Arbeit und freiwillige Mehrarbeit an den übrigen Wochentagen Nicht nur öinMringsn, sSttööM sdßäb Noch doppelt und dreifach zu ersetzen. Jeder Chef würde sich durch Einstellung eines strenggläubigen jungen Juden eine wertvolle Kraft sichern, der er vollstes Vertrauen schenken und die er zu den mannigfachsten Leistungen verwenden könnte." Wir unsererseits übersehen nicht die Ge» fahren, denen sich ein religiöser junger Mann «llfffstzst ffsnn n sich ln einem Wischen MschliM, das den Sabbat nicht kennt, des Sabbatprivilegs erfreut. Zumeist sind es die jüdischen Angestellten, die den sabbathaltenden Kollegen wie das mahnende Gewissen hassen und danach behandeln. Für ganz junge, noch nicht in sich gefestigte junge Menschen ist hier die Versuchung groß. Allein, was hier von der besseren Zuverlässigkeit und größeren Vertrauenswür- -igkNtDkssürseineNeligionOpsßr bringenden jungen Kaufmanns gesagt wird, ist absolut und unwiderleglich wahr. Wollten dieses zunächst einmal alle f a b b a t h alte n d e n Firmen beachten und berücksichtigen statt den Sabbat solchen Angestellten zum unverdienten und ungewünschten Geschenk zu machen, die mit ihm nichts anzufangsn rnissön, rvahrlich, das Problem b«m{i schon gum größten Telle gelöst. Die Verteidiger Scholom Schrvarzbart's und Louis Marshall. Vor einiger Zeit hat der Präsident des American Jewish Committee, Louis M a r s h a l l, in einer Sitzung dieses Komitees gegen die jüdische Presse Vorwürfe erhoben, daß sie Scholom Schwarzbart, der die tödlichen Schüsse auf Petljura abgab, fast schon als Nationalhelden hinstellt. Herr Marshall führte aus, Schwarzbart habe seine Handlung in einer Geistesverfassung Hgflnpn, Daß er mm MMmchen m. Me Tat sei jedoch nicht gu beschönigen. Die Art der Darstellung seitens eines Teiles der jüdischen Presse rufe auf Seiten der Ukrainer eine Gegenbewegung hervor. Damit hat Marshall das ausgesprochen, was auch wir schon, ohne die Rückwirkung auf die Ukraine zu berücksichtigen, wieberljali 3um STusbruc? bracfyien. Der Verteidiger Schwarzbarts, Advokat Henry T o r r e s, richtete nun an Louis Marshall ein Schreiben, in welchem es u. a. heißt: „Als Verteidiger nicht allein Schwarzbarts, sondern auch, und dies im Besonderen, der jüdischen Sache, habe ich die Pflicht, den irrigen Vorstellungen meines amerikanischen Kollegen mit Bezug auf die- Tat Schwarzbarts und ihre wirklichen Motive entgegenzutreten. Herr Marshall, dem ja das traurige Schicksal der jüdischen Bevölkerung Osteuropas nicht unbekannt ist. Mint m MMN OAMkil Der ulraimWn Wgrome. die von den Soldaten Petljuras unter der direkten Verantwortung ihres Chefs veranstaltet wurden, nicht zu kennen. Herr Marshall spielt aus die Gegenbewegung der Ukrainer an. Niemand hat je daran gedacht, Petljura mit der Ukraine und dem ukrainischen Volke zu identifizieren. Herrn Marshall scheint die Stimmung unter dem' ukrainischen Volk selbst nicht bekannt zu sein, er scheint nicht zu wissen, daß die Ukrainer nicht allein 'in Rußland, sondern auch eine große Zahl ukrainischer Orgamfairtortert tm Ausland cs •enirüj’tet able^nertj mit ber Pslljuras HyntPgicN gu werden. Cr weiß es im Besonderen nicht, daß Petljura, nachdem er mit den polnischen und rumänischen Gegnern der Ukraine paktierte, auch seine früheren Anhänger gegen sich hatte. Es ist möglich, daß im Eifer der Diskussionen Uebertreibungen vorgekommen sind und manche in Schwarzbart doch einen Helden sehen. Dies berechtigt aber bei weitem nicht, die Geistesverfassung des Angeklagten anzuzweifeln, der die volle Verantwortung für seine Tat auf sich nimmt. Gewiß ist Schwarzbarts Tat aus einem ungervötznNchsn Erregungszustand zu erklären. Den, Ursprung DiLsSk ElMMH Mp mutz tttätt iiöchgehen; man tolrb ihn in den furchtbaren Pogromen finden, deren Zeuge Schwarzbart war, und in denen seine Eltern und nächsten Verwandten vernichtet worden sind. Der Prozeß Schwarzbart wird sich folgerichtlich zu einem Prozeß gegen Pogrome und Pogromschuldige umgestalten. _ 10. Februar 1&.7 l Es geht hier nicht allein um das Schicksal Schwarzbarts, I sondern auch um das Schicksal Tausender von Juden, j deren Leben noch bedroht ist. Es gilt, durch volle Klar- TiiÄung vor Dem AlMsiM Der qqot Wett mm Atmosphäre zu sHasten, in der Psgeoms unmöglich sind." Und trotzalledem hat Marshall recht. Ob es gelingen wird, mittels des Prozesses die Atmosphäre in der Ukraine von Pogromkeimen zu befreien, ist immerhin zweifelhaft. Sicher ist aber> daß der große Rummel um Schwarzbart einer Heldenverehrung gleichkommt, auf die Verherrlichung der Blutrache hinausgeht, die auch unt r den eigenen Umständen, die Schwarzbarts Tat menschlich begreiflich machen, u n j ü d i s ch bleibt und, über das Maß der jedem Fehlenden nach Recht und Gesetz zukommenden Verteidigung hinaus, keine Rechtfertigung und Reinwaschung verdient. Die Zuden im heutigen Rußland. (Schluß.) Einen besonderen Charakter weist die Arbeit IN W e l ß r u § I a n b auf, roo ich auf meiner NÜckveks? ans? machte, um mich mit den allgemeinen Verhältnissen des Landes und hauptsächlich mit der „Ort"-Tätigkeit vertraut zu machen. In der weißrussischen Republik leben ca. 530.000 Juden. Juden wie Weißrussen betrachten die jüdische Gleichberechtigung, den Anteil der Juden am staatlichen Leben als eine Selbstverständlichkeit. Jüdisch ist ebenso wie Weißrussisch als Staatssprache anerkannt. Ern^t rmh DU TiM gliederung Der Juden in Die Staatswirtschaft betrieben. Diese Eingliederung geht infolge allgemeiner Verarmung des Landes und der Rückständigkeit der industriellen Entwicklung sehr langsam vor sich. Die landwirtschaftliche Ansiedlung der Juden bildet einen Teil des staatlichen Arbeitsprogramms. Von der Landwirtschaft leben gegenwärtig in WLkßSUtzlätt) 7Z76 jüdisch? Familien, von bcucu 1211 in kollektiven und 6125 in individuellen Wirtschaftsbetrieben angesiedelt sind. Für den nächsten Zeitabschnitt sind für die Judenansiedlung weitere 32.000 Desjatin Boden bereitgestellt, von denen ein großer Teil erst trockengelegt und gerodet werden muß. Auf dem Gebiete der Meliorationstätigkeit leisten die Juden Pionierarbeit. Es soll hier nur die Tätigkeit der Melioratrons- ZSllössöllschäfj ertüal)nj werden, bie bxe 8uben im Städtchen Starobin (Kreis Sluzk) gegründet haben. Jedes Mitglied dieser Genossenschaft, die zunächst 430 Desjatinen Sumpfland zugewiesen erhält, leistet seinen Anteil und widmet der Melio- Von Rabb. Dr. TR. L. Bamberger in Sdjönlanfe. Hält ein Schaltjahr bei uns feinen Einzua und die Zeit kommt, wo wir das zweite Buch der Thora, S^fer jp lesen beginnen, glich M ,<§cha>-wölvimtat ' llnrn Einzug bei uns RurWeM gen sind jene geheimnisvoll erscheinenden Zeichen JV-71 v'22lV in unserm Luach verständlich und noch Wenigeren ist der Grund und die Bedeutung dieser Fasttage geläufig sodaß eine Erörterung d'eser Fragen jevesmai von neuem willkommen sein dürste. Während der Schaltjahre ist seit mehreren Jahrhunderten Brauch in vielen Gemeinden, daß an jedem Donnerstag von pivtp mns bis n*ixn mzns gefastet wird und Selichoch g sagt werden, in vielen Gemeinden unterbleibt bas ^ofkn, doch werden Seit* öjmö aflfoaf. Dcr Grund, der zur Einführung dieser Fasttage führte, tft nach einer Mitteilung des my» naa folgender: Wir pflegen haldjähilich nach d m Peffach- und Sukkotfestdreimal, ijtpi zu kosten Da im Schaltjahr die Zeit von SurKor bis Peffoch vier Wochen länger ist als in gewöhnlichen Jahren, hat man diese Fasttaae eingesührt. Sehr sinnreich und voll ethischer Tiefe ist der Grund, welchen der da'ür mitteilt Er sagt nämlich: Mehr als fonW müsse man tat Scbaltscchr dem Sefctiuixio ©ekanlt'-n in feinem Innern Mauntge(»?N, d?NN würde der Mond am Schdvfungsmorgen nicht mit feiner Anklage vor Gott hingetreten fein, wäre es nicht notwendig geworden, einen Ausgleich zwischen Mond- und Sonnenjahr herbeizuführen. Der Mond sei nämlich, so erzählt der Midrasch, vor den ^errn der Welt bingetreten und habe g-^agt: Cs ist doch nicht möglich, daß zwei Könige sich einer und derselben Krone bedienen. Daraufhin habe ihm Gott geantwortet: ,Gchr hin und verringere Dick". Die Anklage eines Geschöpfes durch ein Mitgefchöpf bedarf der Sühne und da das Schaltjahr an dieies Vergeben erinnert und A-ßens fch»lt>lg machen, gefastet werden auch ro’r uns dieses 4?erfpfl Im Schaltjahr von uns Man wählt die Abschnitte von nw bis mxn deshalb, weil jene vier Fundomentoiiebren. welche zum Fortbestand der Welt im Leben beobachtet werden müssen nmn Tia^n rmtpn in den acht ersten Abschnitten des zweiten Buches der Tbora uns gelehrt werden. Israels Leiden in Aeoyvten oeronlaßten es. feine Handlungen zu prüf n urd Besserung s.ines Lebenswandels anzustreben. nniiüf es 3ur WlUphttli Mr Dolleslleikhrs Uäg. zum Mevki (in AkäWteu UND am Scvllfmeoy, znm Verständnis für Recht und Gerechtigkeit, zur Ilebernohme der Thera und -um bereitwilligen Spenden von Gob?n für die allgemeinen Zwecke hingeführt. Auch bei uns — so fiifrf n"hw weiter aus — sollten die Fasttage diese Wirkung opslösen. Nock ein anderer Gru^d wird mitgeteilt. Der länger als sonst andauernde Winter vrrurfacht meb' Krankheiten, namentlich Kinderkrankheiten, als sonst und deshalb Selicholh und Festtage. Für die Richtigneu diesem regrcssp Die sratracDfi Dal öie SeltcLo «z kdtk'11 KDen Donnerslag allemhalben eingesührt wird. Weshalb gerade der Donnerstag, nicht der Montag, für diesen Fasttag gewählt wmde, dürfte wohl in kalendarischen Rüchfibten seine Begründung finden, da der Donnerstag während dieser zwei Monate im Schaltjahr weniger mit einem Holbsesttog. an dem das Fasten verboten, kollidiert, als der Montag. Schließlich sei noch daraus hingewiesen, daß die Selichoth für die Schouwow mtat in den ve'schiedknen Minhogim die verscbiedenarligNe GcstaUung ÜNgMoMMöN Habs». Wik ßSMtStt selche Sellchoch für Dsutschlaub, Polen. Böhmen, Möhren und Italien. In der zu den ä'testen Gemeinden Deutschlands zählenden Gemeinde Wo ms hat man anscheinend diesen Minbog nicht akzeptiert, wenigstens kennt der berühmte Wormse Kuntros (Lulzbach 5, 4. 93) keine Selichoth für diese Fasttage. Das Fürther Minhagl'uch teilt mit. daß der Fürtber Minhag es nicht jedem zur Pflicht macht, an diesen Fasttagen witzusasten, vielmehr eine Geldauslösung zuläßt. Auch brauchen von jedem einimmn mm alle aut noTitroe orTaftrt in IMD'M imi smeiuiai soll fester Tofttu DDer einen Fastlag auslösen. Eine entsprechende Einteilung iür die alte und die neue Synagoge ist dort mitgeteilt. An dem Fasttag, an dear der Betreffende zu fasten bat, hat auch Frau und Ktnd sich zu beteiligen. Knaben, unter 15 und Mädchen unter 14 Jahren brauchen an dem Fasten nicht teilzunehmen.