Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1927)
- Date
- 1927-02-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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und JLel?re Pa Jagotjistlje Heilaae aomilsraelif Organ -es Kun-es gesetzestreuer Mischer Kehrer Deutschlands. c.v-cx. Religion und Lharakterbildung. Bon Är. Lr, Das Buch, das Fr. W .Förster übcer ^dieses Thema geschrieben hat, *) ist im „Israelit" schon einmal besprochen worden. Aber der Autor, der durch Bücher wie die Iugendlehre, Lebenskunde u. a. .sich einen Namen in der pädagogischen Welt gesichert hat, verdient es, daß dieses Werk, das im Gegensatz zu.früheren ganz religiös eingestellt ist, noch einmal gewürdigt wird, zurrtaf, da cs sehr otef Wtaterial 511m STufBoili unserer eigenen Sefrensanji^ämmg unl> 311t iBeförffi Ullflüll Neligionsuntkrrichts enthält. Wenn freilich Religion auf Charakterbildung einwirken soll, so bedarf es heute anderer Wittel und andere Methoden, die Jugend für sie empfänglich zu machen, als früher. „Denn je mehr der moderne Geist die ganze Atmosphäre der abendländischen technisch wissenschaftlichen Zivilisation durchdringt, die Schulen beherrscht, die Universitäten in seinen Bann hält, die Lehrerschaften erobert, desto mehr wird auch die in gläubigen Familien aufwachsende Jugend non .diesem Geiste durchsetzt und zersetzt werden und wird einer . anderen religiösen Geistes- und Seelenführung bedür- , fön. M m MQioniflß 1, M ms mi m jniangBi tr : fünderr wurde. ' Wir wollen für diese Blätter nur zwei Probleme r herausgreisen, die in dem erwähnten Werk eine eingehende Behandlung erfahren: Kann der weltliche Mo- " ralunterricht eine religiös begründete Sittenlehre er- -.fetzen, Und wenn nicht, wie ist dann die Religionsspädagogrk zu reformieren, daß sie unter den gänzlich /geänderten Seelenzuständen ihren Einfluß auf die Cha- . 'rattere gewinnen kann. Die erste Frage lautet nicht: Ist der sittliche Mensch .amh ohne Religion möglich? Denn diese Möglichkeit rann mmt WMMn MMn in KMk W!li £?rf}^efte :mb- TausMdö vö» Menschen öre MMoil aus irjnem Leben gestrichen haben, ohne unsittlich zu sein.» Wir wollen gar nicht fragen, wie viel von dieser Sittlichkeit auf |>i>e im heutigen Geschlecht noch fortwirkende Macht früherer Jahrhunderte langer religiöser - Erziehung, wie- Viel.auf die Furcht vor dem Gesetze und die Rücksicht auf die Gesellschaft zurückzuführen ist. Für uns handelt es sich gar nicht um den einzelnen sittlichen Menschen, sondern um die Sittlichkeit und darum, ob diese nach den SJefiisab-tmofim Bes religionslosen Erzieher eine ausrei- 4enU BogrLn^ng er^pt, Ml Mflß JßflfllÖfÖ MMsiUZ rung rmnötig macht. Seit der französischen Revolution mehren sich die Versuche, diese Frage entschieden zu bejahen, Moralunterricht an die Stelle des Religionsunterrichts an den Schulen einzuführen. So entstand in Frankreich die Ecole Laiqe und in Deutschland die von Jodl begründete Gesellschaft für ethische Kultur. Die unter d-er Herrschaft des Direktoriums aufge- Ueiu iauißtßj Haß Ms aititUe VkH xrurrft, roeiche bis •alhert relrarosen ßl&IH5ßSÖniHlfllßIl MIk störe, auch die geistigen Mittel besitze, erilö neue Begründung der ethischen Ideale zu geben. Nach Feuerbach steht die religiöse Moralbegründung auf der gleichennaiven Stufe wie die Zurückführung des Feuers auf den Gott Vulkan. Ihm und seinen Nachfolgern erscheint die transzendente Ethik nicht nur als überflüssig, sondern auch als gefährlich, weil ihre Normen nicht aus sozialen Bedürfnissen stamme und daher -den realen Bedürfnissen der fortschreitenden Kultur im Wege stünden. Geht man aber kritischen Blickes an die Begründung, die diese Männer -ihrer Ethik gehen, heran, so ergibt sich, daß sie gerade vom Standpunkt des realen t) M. W. görifer, MWll tM M^t^sjldrrng. Zürich unö MWg, Lebens und des real denkenden Menschen in nichts zerfließt. Das gilt vor allem für Comte, den berühmten Begrünber d«s ^o^itioismus -irr FrernkreLch, derirr seiner „NecoWruclion saus Diru" den Plan einer fenftqrren* weltlichen Begründung des sittlichen Lebens ausgearbeitet hat, um aus der methaphysischen Epoche zum positiven Zeitalter zu gelangen. Die Soziologie sollte an die Stelle der Theologie treten. Nur aus der wissenschaftlichen Durchdringung der Wirklichkeit könne das Sittengesetz gewonnen werden, dem wir unser diesseitiges Leben unterordnen können. Wer da sagt, mein Reich ist nicht von dieser Welt, habe auch kein Recht, dieser 2M1 WM 211 MWmn. MnsWMMWM, ein Kllll lev WzuschhÄi. als Bis grstzön MWus. m mm nur weben, leben und sind, leide nschaftstch erlebt, müsse die Gesittungswirkungen der alten Religion noch unvergleichlich übertreffen, da die Hingebung des Menschen yn seinen Nebenmenschen nicht erst auf dem Umweg über das Jenseits auf ihn gelenkt werde. Menschheitsdienst trete an die Stelle des Gottesdienstes. In diesem Sinne schreibt Seailles: Wir haben kein Recht für uns zu leben, sind verpflichtet, zu arbeiten für die Gesamtheit, weil die Gesamtheit gearbeitet hat für uns. Daraus ergibt sich das Gefühl innigster Verbundenheit mit allen: Brüderlichkeit. ün! Je fl^rieb ^Bourgeois ein ganzes 5&ucf), irr berrt er öarlegte, wie' Mt norangegangenen MWlkchter, sei? die Menschheit vor Jahrhunderten und Jahrtausenden gearbeitet und unter Opfern vorbereitet hat, was wir heute genießen. Diese Leistung fordert von uns Dankbarkeit, indem wir für die Erhaltung der Menschheit schaffen, wie sie für uns gearbeitet hat. Und in derselben Richtung-, wenn auch viel feiner und origineller argumentiert Guyau: Egoismus fei eine Verstümmelung des inneren Lebens. Für die lebendige Natur gebe es keine Trennung zwischen Ich Du. Opfern und sich ausgeben gehöre zur natürlichen Bestimmung des roahrhaft fruchtbaren Lebens, eher, noch als Er-. tvrrbkn, fei ber Qfus&rucl |ur ein fDoUnll!, fll Ausdruck für ausgesammelte Energien, die nach Entladung verlangen. Wer sich selbst realisieren will, müsse auch dieser Kraft, ja dieser Kraft als der höchsten und intensivsten in erster Linie folgen. So bemüht sich die soziologische Schule krampfhaft das einfache: „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst" von seinem religiösen Urquell loszulösen, Aber der Ersatz gelingt nicht. Comte selbst bekennt, daß die Wissenschaft allein nicht imstande sei, die Stellune m 8lW UMMsMnnns «"?gusU^". Darur» fordert er „die große LeweuWaft". m ..Kuli Dtr Mensche heit". Wenn sich aber der realistische Mensch dieses Gemisch von Wildheit und Undank, von Hochmut und Ohnmacht, von Mitleid und Grausamkeit vergegenwärtigt, so braucht er gar nicht erst bei Nietzsche und Schopenhauer in die Schule gegangen zu sein, um Huxley zu verstehen, der da sagt, daß er lieber eine Herde Äffen anbeten wolle, als die Menschheit. Wer in der Menschnfifli Wb-eyJjaupt -etroas Abstraktes sieht, bas ihu Mi iafien und nie gu %\mm 8?Tsf ftgfiftVrn roir:>r n>er in der Menschheit den Menschen sieht, mit dem er lebt und leidet, der wird nicht nur von Liebe bewegt, sondern auch von Haß abgestoßen, der sieht ihre Eifersüchteleien, Empfindlichkeiten und Gehässigkeiten, er sieht vor allem Undank und Mißdeutung genug, um in seiner Leidenschaft für die Menschheit, in der die Leidenschaften verbrennen sollen, abgekühlt zu werden. Die bloße Beziehung des Sittlichen auf den Mitmenschen kann so eher zum Ende alles Sittichen führen als zu seiner Begründung. Dazu kommt die psychologische Erwägung: Wenn uns auch die Soziologie zeigt, daß unsere sittliche Energie, unsere Selbstüberwindung der Gesellschaft zu ernte iomml urtb ihr ttiilji, so lästt sich büch nicht böT; über hm«estMsch?^l f+r ü •t-e Itte Leistung im ganzen des gesellschaftlichen Lebens verschwindet. Und wenn er zeigt, daß die ethischen Handlungen wertvoll sind, die den sozialen Zusammenhang des Menschen ermeiiern und »»erdichten, so »nie das Öel gurr» ffiefrieke &er üttettißeijt-iie^ jjl, [ö ÜÜÜ& der nüchtern Denkende doch fragen: Warum soll ich gerade. dieses Del liefern und der sozialen Ordnung zuliebe mein Ausleben verkürzen? Wird-die soziale Ordnung zugrunde gehen, wenn ich im Geheimen mir selber diene und nicht der Gemeinschaft? Höchstens wenn andere es auch so machen, dann habe ich erst recht keine Verpflichtung. Darum ist es verständlich, daß die stärksten Gewisftärrt gtgamDtr btr Mscllschim Ül2 «Ä gaüg P«rs8n? liches Gut zu verteidlgen glaubten, als etwas, was ihnen von oben her auferlegt sei, dem sie nicht untreu werden könnten, ohne bis in die Wurzeln ihrer Existenz ihren Abfall zu spüren. So wenig daher die Gedankengänge Comtes zu überzeugen vermögen, so wenig leuchten die seiner Nachfahren ein. Die Solidarität' mit der Gemeinschaft, die Seailles appelliert, kann doch auch zur vollendeten Cyarakterlosigkeit, zur Korruption, Lüge und anderen Verbrechen führen. Und den- Errungenschaften und Wöhltaten der vovangegangenen Generationen, an die Bourgeois erinnert, stehen doch unendlich viele, ach so zer- ^iör-en^e lebcnlpetnmen&c gefeitÜßlß, Ml UNS schmerzlich zum Bewutztsein bringen, Sah sie für sich und nicht für uns gekämpft haben, ja daß auch das gegenwärtige Geschlecht so viel unternimmt, was dem einzelnen zum Fluch gereicht. Wenn aber Guyau daran erinnert, daß Pflicht Ausdruck verborgener Kräfte ist, denen wir folgen müssen, um uns ganz zu realisieren, dann ist die Hingabe an übermenschliches Leben, wie es die Religion darstellt, erst recht eine Pflicht, eine Kraft, die alle andeern an Intensität und Reichtum überragt. (Fortsetzung folgt.) Entwurf zu einer Katechisatiou, wie zu einer tieferen Behandlung des Psalms 90. 1—12. Von Dr. Felix Werkheimer in Düsseldorf. Exposition des Themas: Wichtigkeit dieses Psalrns roege»» seines Berfassers. :» «.eifern ier groj^ie afler Das ist gleich ersichtlich, da der Psalm die Hinfaüigkelt des Menschenlebens zum Gegenstände hat. Es erscheint ihm wie Gras, das schnell aufblüht, aber auch ebenso schnell wiederum — nicht bloß verblüht, sondern dürre ist und abgeschnitten wird. Sind ja nur 70 Jahre in der Regel dem Menschen bestimmt, die auch im glücklichen Falle zu 80 sich vermehren, und diese Idhre selbst haben dabei noch so viel Mühseligkeit und Kummer äufzuöseifeü. ULiö rstHk M? MWigW Mi MökisÄn allein u»en!»et sich l>er göliliche Sänger zu, {öiiBerH auch und zwar als dem Gegensätze derselben, der Ewigkeit Gottes, der in jedem Geschlechte unsere Zuflucht ist, dagewesen ist, bevor die Berge gezeugt und Erde und Welt geschaffen waren. Dieser Ewigkeit gegenüber ist das Menschenleben nur -ein vorübereilender Tag gleich einer Nachtwache. In diesem Hinblicke auf die Ewigkeit Gottes empfiehlt uns der Vers 12 unsere Tage zu zählen und unserer Hinfälligkeit eingedenk sein, damit wir weisen Herzens werden. Thema ist demnach: Welchen religiösen- Nutzen haben wir zu e rw arte n, wenn wi r in stetem Hi nb licke auf die Ewigkeit Gottes unsere Tage ä ö B [ q n?