Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1927)
- Date
- 1927-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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l£ Seite 10 Nr. 5 Dex Israel i t 3. Februar 1827 nicht nur aus wahrhafter Güte geboren worden war. Da fing Kaß an: ..Heute habe ick) nach langem Warten einen §o!in ffir m! ä) fc« wird auch in meinem Haufe eines Kindes Stimme lebenswerte Tage ankünden." Die fturmdurchbrauste Nacht kam ihm in den Sinn, und wie er mit <Zott gestritten, und was der Herr in sein Herz gegeben. „Aber mit meiner Frau habe ich noch nicht gesprochen," fügte er hinzu. Wieder standen die Gäste starr; und Stille lag über der Stube. Jakob Rothschild sagte nach einer Weile: „Besprich dich in Ruhe mit deiner Mrrjarn! Wir kennen sie: sie ist hilfsfreudig wie keine sonst. 8öer Abgabe von seltenem Ausmaße?" Schwer hob sich Katz aus dem Sessel mit samtnen Armlehnen und geschnitzten 'Tierköpfen. Sein Gesicht war gestrafft und zwischen den Brauen furchten sich zwei Falten. Er sah nach der Standuhr, deren langes Pendel mit leisem Anschlag hin und herschwang. Die bronzierten Zeiger standen um üJtinuten nor MN Uhr. Fast vMlstlug es ihm die Stimme: „Schlagt um das Kind ein warmes Tuch und gebt es mir! Ihr aber wartet hier, bis das Uhrwerk zum Schlage ausholt! Bin ich dann mit dem Knaben noch nicht zurück, dann ..." Schon griff er nach dem eingebündelten Kinde, war auf der Straße, bog um den Laufbrunnen und verschwand hinter einem mauerumgebenen Garten. Seine Frau Mirjam stand am Fenster. Als sie ifjn erblitflies sie in den ^r»s wnb klinkte bas MIM iöribln auf. llnD leise, wie Milieu in Maiennächten fallen, sagte sie: „Gib mir das Kind!" Und trug es feierlich-langsamen Schrittes durch den weiten Hofraum, durch Scheune und Halle, durch das feiertäglich gerichtete Wohnzimmer in die Schlafstube und legte es in ihr Bett. ^vsks war \tjx Stritt aas Stritt ^esol^t. Nan aber siel er aus beu Divan und schluchzte. Ein neues Kochbuch. Der ..Jüdische Frauenbund" hat durch den Israelitischen Frauenverein in Düsseldorf und die Jüdischen Haushaltungsfchulen in Frankfurt a. M und Berlin ein neues Kochbuch ausarbeiten lallen, das sich durch übersichtliche Anordnung und Reichhaltigkeit des Inhaltes auszeichnet. Abgesehen von den geschickt zusammengestellten Speisefolgen für Wochen- und Festtage und für verschiedene Arten ber Haas Haltsführung, dringt das Kochbuch sine 8u!almnsnH«üllN8 £« fUc und Küche, Abhandlungen über Eruw Tawfchtlin, Challonehmen. Einrichtung der Küche, eine Darstellung der Ernährungslehre, Ratschläge für Einkäufe und hauswirtschaitliche Rechnungsführung und eine Art volkskundliche Darstellung über die jüdischen Gerichte, ihre Entstehung und Symbolik. In dem Hauptteil des Buches wird das Einmacken und die Krankenküche, sowie die vegetarische Kost besonders behandelt. Auch die Ausstattung des Buches, das nur Mk. 3.— kostet und vom Frauenverein in Düsseldorf. Schützenstraße 9 zu beziehen ist, läßt nichts ju «.ünfchsn übrig. Hm Jo fch merklich er ist es uns, &äß WÜ schmucke Buch, soweit gesetzestreue Kreise in Betracht kommen, nichtsdestoweniger ablehnen müssen» weil der auf Seite VII bis X enthaltene einführende Artikel über die Speisegesetze offensichtlich von neologer Seite geschrieben ist und den fundamentalen Glaubenssatz des überlieferten Judentums, die Göttlichkeit der mündlichen Lehre, kurzerhand negiert. Der Verfasser behauptet beispielsweise, die Thora verbiete im zweiten Buch Mosis, 22, 30 lediglich den Genuß von solchem Fleisch, das ,auf dem Felde zerrissen" gefunden wird, also nur den Genuß ÜÜlßg TMN..KM DflU RllllMM MMM IDDEDfilt sei. Erst die weitere ..Entwicklung" häbd dSti Bögriff -Trefa* über sein ursprüngliches Anwendungsgebiet weit ausgedehnt, und erst die Mffchna habe das Wort geprägt, jedes Tier, das erfahrungsgemsttz nicht leben kann, ist Trefa. Nach dem gleichen System behauptet der Verfasser, genau wie die Karäer es getan haben, die Thora kenne lediglich ein Verbot für das Kochen des Böckleins in der Milch der eigenen Mutter. Er kennt sogar den Grund des Verbotes und weiß mitzutellen. daß es „grausam" sei, das junge Tier in der Milch seiner Mutter zu kochen, und daß es eine naturwidrige Perversion darstelle, die zur Aufzucht bestimmte Muttermilch fltr ben RfltöenööHnf x ' " ~ |tt< **i» i«n«| (J jW benutieii. 9Cie t>ei tien *1 < lllttjItMl >• II , ,| tut Trefagesetzen habe auch hier .die Tradition das Verbot weit über seinen ursprünglichen Sinn yüsged hnt". Wie der Verfasser hiernach von den im Geists der liberalen Nichtltuisn also uutsrr ichtsten A«Ü^frS«tN 26ahrung der Trefa-Gefetze und der milchigen und fleischigen Küche mit allen damit verknüpften Schwierigkeiten und Entbehrungen verlangen will, ist unverständlich. Vermutlich werden sich die Hausfrauen die gleiche Kompetenz zuerkennen wie jene mythischen Persönlichkeiten, die sich nach Ansicht des Verfassers erlaubt haben, die göttliche Lehre durch willkürliche Ausdehnung auf Gebiete, die vom Gesetzgeber ursprünglich nicht ins Auge gefaßt waren, abzuändern. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß der Frauenbund, der bei der Herausgabe des Buches, wie der ganze sonstige Inhalt zeigt, offenkundig den besten Willen gehabt hat, die Gefühle der ge Weise zum Opfer gefallen ist. (Man den jüdischen Katakomben in Morn). Prof. Dr. Hans Lietzmann, Berlin beschäftigt sich mit der Erforschung der jüdischen Katakomben in Rom» alten Grabstätten des griechischen Diaspora-Judentums, die für die Wissenschaft von ungewöhnlichem Wert sind. Es gelang ihm, eine im Park des Fürsten Torloane gefundene Grabstätte durch Messungen. MlSNIMM. MMMMM MID MMMMM bet Wissenschaft zu erhalten, wobei bedeutsame Ergebnisse in Inschristen der Grabmäler ziltage traten. Man erkannte daraus, daß in Rom nicht eine geschloffene jüdische Gemeinde war. es bestanden mehrere Gemeinden, die sich um die verschiedenen Synagogen gruppierten, wie z. B. die Synagoge der Eompester usw.; sie bestanden nicht nur aus Raffejuden, sondern auch aus Proselyten, wovon sehr viele Grabsteine Zeugnis ablegen. Die Katakomben sind in den Erdboden als Stollen hineingetrieben und rechtskünstlerisch mit Säulen, Rundbögen und anderem Architekturzierrot geschmückt. Sehr reich und farbenfreudig ist die Bemalung der Wände. Es lllMS IDttltfffignilMt, MM llM MkllMMlNMWkN Kstakombö», bäum ein halbes Dusienv. Iviffemrmn» lich erschlossen und ln würdigen Publikationen festqehalten werden würden, da sie vom Untergang bedroht sind. Die italienische Regierung und der Vatikan haben mit der Erhaltung der christlichen Katakomben zu tun. sodaß sie keine Mittel für die Erforschung der jüdischen Katakomben haben. (Ire Mondrakete). Aus dem Lande der unbellkSlUtSll MMMAM LlllllMt Mk MlMM Ctft Astronom wolle von seiner Sternwarte aus eine Rakete abschießen, welche den Mond erreichen ihn, wenn auch vorerst unbemannt, erforschen und mit seinen Spuren beladen zurückkehren soll. Ein bumorbeoabter Provinzler meint dazu, man solle auf die Rakete als guten Wunsch für den Herrn Professor die Inschrift setzen: ip-n vw3 ’3 Sttft '2'1X ft3 ft *|3 '13 Sttft ^13' 'l'XI TM33 •n»*ft (Rakete und ipm sind gleichen Stammes). Ainderecke. Wer weiß es? Frag ett: { « e m E«ge 1. WU bönnrn Prüder m Iahrzeit haben, der eine mutz fasten, der andere nicht? 2. Wie Kann an einem jüngeren Kind vor einem älteren (‘ft,a vollzogen werden, trotzdem beide gesund sind? 3. Welche Mizwo darf weder bei Tag, noch bei Nacht geübt werden? 4. Scherzfrage: Welcher Gegenstand kann zu seiner Mizwo erst gebraucht werden, wenn er zerbrochen ist? Wochenkalender. vom 6. — 12 Febr. 1927. vom 3. — 10. Adar 8887 Samsiag Jan. 5 "HR 3 nnvw Sonntag 6 4 Montag 7 5 D’aaw 'n Dienstag 8 6 Mittwoch 9 7 Donnerstag 10 8 D'aaw 'n Freitag 11 9 Samstag IO tr ist aurschtteßlich Sache der Leser, die lm Inserate«, keil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder Mlf WMK MMnrMWHr» °°f Zuverlässigkeit zu prüfen. L.BARBARINO Frankfurt a.M. INHABER A. STERN gegründet 1887. 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Offenbach). — Verlag .Israelit", Frankfurt n.B. —Druck Sermon Verlagsgccn^tfuct a. SR.