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Der Israelit · 1927-01-27 · Heft 4 (27.1.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 4 (27.1.1927)
Date
1927-01-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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I Duftige Sabbatgrütze. Nach dem Talmudifchen. % mmfönifT Als einst dem Ehaos sich entwunden Die schöne Welt mit all dem Bunten, Was unser Auge rings entzückt, Ward mit dem Schabbos sie beglückt. Als seines Schaffens Ziel und Krone Reicht ihn. der Meister uns zum Lohne, Des Weltenbaues letzter Stein, Die Sabbatruhe mußt es sein. Wenn sechs der Tage ernst verfließen, 8M SKmrmmir M gfulfOfR; - $n Weihsstimmung still verklärt, Da euch der Sabbatgast beehrt. „Gut Schabbos" schallt der Gruß entgegen Seit alter Zeit und allerwegen. „Gut Schabbos", wie das traulich klingt. Wie das die jüd'sche Seele schwingt! Lenkst M m fernem L-NÄ die schritte Und triffst die kleinste jüd'sche Hütte: „Gut Schabbos", dieses Zauberworts Verrät dir Bruder, Schwester dort. . Und selbst auf duft'gen Blumenwegen Ziehn zarte Grüße ihm entgegen; Der Farben Schmelz, der Blüten Hauch Weiht ihm der alte jüd'sche Brauch. So i)ör±, mas sich in grauen Tagen, Aur Jeit des Talmud zugetragen. Am Freitag wars, im Lichterschein Erstrahlt das Bethaus hell und rein. Ein frommer Greis lenkt ohne Säumen Den Fuß nach den geweihten Räumen; Hat angelegt das Festgewand, Zwei Sträuße trägt er in der Hand. Da unterbricht ihm seine Schritte Ein anderer und stellt die Bitte: JD, WUNMIichöv Msnk MfläJl, Wozu dies Sträußepaar gehört." Der Alte lächelt fromm und milde: Die Blumenredenzart im Bilde:' „Sochaur, gedenk der heil'gen Pflicht Des 'Sabbats Und vergiß ihn nicht. *) Sochaur, gedenk beim Glase Wein, Beim Festesmahl und Lichterschein, Mö Q)Df oinft |Qinß Mt QßDaut: Begrüße froh die Sabbatbraut. „Hab Dank," spricht jener, „für die Lehren, O, könnt'ich immer solche hören! Die Deutung find ich klar und nett; Doch sagt: wozu sei dies Bukett?" llnb jeterft^) ber <S±rä it^e gtoetiert Beginnt der Alte nun zu deuten: Schlagt auf das fünfte Mosesbuch, Dort lautet anders nun der Spruch: SchoMaur/o nimm in treue Hut Des Sabbats himmlisch reines Gut. Schomaür, stör seine Ruhe nicht, Sobald erstrahlt das Sabbätlicht.; *) Für den Laien fei bemerkt: Das Sabbatgebot ist in der Thora in zweifacher FoMMrsgedrückt. Bei den Zehn Geboten im 2. Buch Moses heißt es tot g e d e n k e des Sabbats, bei jenenim 5. Bch. M. dagegen iivp ääöb m .MMikiWM ..Dn^MH^W.dstEMddusch ein DönWWtt zur SabvaMmgüygr. myv ist negattv: tue nichts, unterlasse jede -Arbeit, Hamit du die Ruhe nicht entweihst. Ein Ruhepunkt sei dieser Tag In deines Hastens Wellenschlag, Bis der Havdoloh Licht und Duft Bon neuem dich zur Arbeit ruft. Ssrvsrt der Alte. Und UfymM Nimmt er zum Gotteshaus die Wende Und mengt sich in der Beter Schar, Die dorten fromm versammelt war. Aus der Leidensgeschichte des Rabbi Jomtow-Lipmann Heller. (Schluß.) Es gelang nach vieler Mühe, die Strafe auf 10.000 Taler herabzusetzen und Ratenzahlungen zu bewirken. Seines Amtes als Oberrabbiner von m&v R LUstMänn entsetzt.. Der Rabbi war befreit, aber bar aller Mittel, seelisch erschüttert, stark verschuldet und heimatlos. Für den 5. Tamus setzte er einen Fasttag ein für all seine Nachkommen, es war der Tag, an dem er den schweren Gang nach Wien angetreten hatte. In Anlehnung an eine frühere Begebenheit erzählt er von einem bedeutsamen Traume. ..Als er Pch den Kopf darüber zerbrach, ob das Verhängnis über ihn und seine Schriften von Gott, bestimmt sei, wurden ihm im Traume die hebräischen WMk UgkWi Wim irnnnjfnnm* m mi §r rüde in der Woche zum Wüchenübschnitte „Chukas". Er sah in Targum nach und fand die Worte Km'nNT rriNA mr? K7 und er wußte, daß die Prüfung ihm vom Himmel auferlegt wurde. Für einen F e st t a g am Tage der Befreiung, hatte er vorerst keinen Grund, denn noch war der Druck nicht gelöst. , Im Tamus 1631, also nach drei Jahren, war er endlich mit Hilfe edler Wohltäter in Prag, Wien und Frankfurt mit den, Ratenzahlungen. fertig. Ein Öa^>r j^ttier ^tng er über Gu£)Ittt nadj><S r c> st- N emir ow in Wolhynien, wo er als Oberrabbiner .gewählt wurde. Ein Jahr später können Frau und Familie Nachkommen, da Prag inzwischen vom Feinde erobert wird und erst-nach der Wiederbefreiung der Stadt die Wege offen werden. Kurze Zeit darauf wird er nach der großen Gemeinde in W l a d i m i r, Wolhynien, berufen. Inwiefern er von da aus und später an der V i e rl änd ersy nod e mehr oder weniger fiiljrettb ßeietltgi ist, läßt sich nicht äktsnmäßig fsstftellen. Äuch hier in Äolhynien hat er ^embe, b!e ihn beim Landesfürsten verleumden, hat er eine Aera von Leiden und Gefahren zu überstehen, wovon wiederum ein Familien-Taanis zeugt. Später erhält er die Gunst des Landesfürsten und wird von ihm in seinem Amte bestätigt. Körperlich zermürbt durch die vielen Schickungen, aber geistig stark und ungebrochen, wird er am eurrausrstte ioäi m Mann nan no öamen, als öberrabbmer in Krakau gewählt. Am T7N nn zieht er, mit großem Jubel, sogar mit einer Art Fackelzug empfangen, dort ein. Nun ist er in den ruhigen Haken eingekehrt, wo er sich eines glücklichen, ungetrübten Lebensabends erfreuen darf. Jetzt ist es Zeit, das Versäumte nachzuholen und dem Familien-Taanis auch einen Familienfreuden tag anzufügen, er ist am 1. A d a r, bezw. in der Nacht z umzweiten Rausch C h a u d e s ch t a g, an dem er als Oberrabbiner von Krakau bestätigt wird. Hier ist Krakau stirbt er nach zehnjähriger ehrenvMer.^Wni..stärkstem^ WWUMWM, WU 75 Jahren, 4M',^UetKHMi3EinLebeN,^1amöfbe-! wegt und reich an Arbeit und Mühen, aber Kraft t Wr.4 m und Geist ausströmend, Segen spendend bis zuletzt, geht zu Ende. Seine ganze Leidensgeschichte ist in einem kleinen, dünnen Büchlein ausgezeichnet, die Produkte jeines ^ö^eri^en (Bei Jt e & füllen aber gange Regale unserer Bibliotheken. Wir haben bis Bücher genannt. An deren Spitze steht der große Mifchnakommentar, der ihm den Namen gibt „Tausfaus Jomtow". Angeregt zu diesem Kommentar wird er, wie er in der Einleitung schreibt, von seinem Lehrer, dem hohenRabbiLöw, der neben seiner tiefen Talmud-Lehrtätigkeit, im Kreise seiner Jünger, auch M i s ch n a s ch i u r i m für Laien einrichtet und das Mifchnastudium intensiv pflegt. Die Erklärungen in „Tausfaus Jomtow" dürften auch Geist vom Geiste des hohen Meisters sein. Welche Vsbsutung er dem Stuliuiii ber SbijtJjna bernilfit, zeigt er am §chlu??e der Einleitung, in Berufung aüf einen Ausspruch des Raw Huna: rvon p» denn, so heißt es in der Schrift um ’D na DX2j?K nns? Dura. Er nimmt das Wort um im Sinne von Mifchnälernen. Was uns noch nebenbei interessiert: In Bayern gebaren, in H e f e n bte erste Ansbilbnng rrhaltcUj in Prag für sein Dubrnttmr gklittkn, inWolhyniendie Judenheit geführt, inKrak a u als Führer der polnischen Judenheit gestorben und heute von a l l e r W e l t als Leuchte der Diaspora gefeiert. Das istv"i'rnsvi Das ist die jüdische Internationale, die Internationale der Thora, die eine Teilung und Scheidung nach Landesgrenzen nicht kennt. Diese Teilung zwischen Ost und West setzt erst ein, als zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der sogenannten Aufklärung sich das Judentum von den Quellßn Dar Thora ßntpnl. Eine neue Zeit bricht an, und wenn nicht alle Zeichen trügen — die Jugend strebt wieder zu den Quellen unserer Kraft. Möge, ihr unter all den andern Großen auch Rabbi I o m t o w L i pm a n n Heller, der „Tausfaus Jomtow" auf diesem Wege Führer sein '’nv Me Steine reden. Don Dir. Dr. Elias in Kürtü. Unaufhaltsam scheint der Zug der Zeit, alle Stätten der Thora und des Gottesdienstes der Vergessenheit anheimzugeben. Auch unsere Stadt hat nur mehr einige kümmerliche Reste der Vergangenheit in die „neue" Zeit hinübergerettet. Umso lieber wendet der Blick sich jenem weiten stillen Felde zu, wo dicht aneinander gedrängt die Bewohner des alten Fürth zusammen mit denen von Nürnberg und Zirndorf vorn Kampfs bss Lsbsns ansvuhtsn. Staf Sujgere Symmetrie baben {ie wenig ffierl gelegt. Die innere Harmonie, der Friede mit ihrem Schöpfer, entschädigte sie für die Unebenheiten des Erdbodens. So bieten die unregelmäßig bald vorwärts bald rückwärts liegenden Gräber ein Bild ihres äußeren Lebens. Und die Zeit hat das ihre getan, ym dieses Bild zu vervollständigen. Schief und schräg stehen die Steine, vmm uDir Dem Bddoi manche Darunter, aller den Seelen der Großen, die darunter liegen, konnten Wind und Wetter der Zeiten nichts anhaben. Im Jahre 1607 wurde der Friedhof eröffnet. Früher wurden die Toten in Schnaittach begraben. Der Vorbeter, der die Gebete der Gemeinde vor Gott zu bringen hatte, führt die Reihe n. Nicht weit davon entfernt liegen auch schon Rabbonim. Der Stein des dritten Rabbiners, Menachem Man b. Mosche ist freilich hart mitgenommen. Von den Schrecken des schwedisch-polnischen Kriegs..hierher gerettet, stellte er an diese Welt W »WMHch.7 MP 8MW-M M ilM btzgraben, seine Grliösiyrisk'hat' öie Zeit in Vervollständigung seines letzten Wunsches un-

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