Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1927-01-27 · Heft 4 (27.1.1927) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 4 (27.1.1927)
Date
1927-01-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2450442-2450446--73790-2531220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Nr. 4 Der Israelit 27. Januar 1927 Die wissenschaftliche Diskussion über die Austritts-Entscheidung. ist ,,;«e mMMMgs (ZrffDotnunfl, Mi die vor fünfzig Jahren durch den Hirsch-Vambergerschen Vroschürenwechsel in Fluß gekommene halachisch-wissenschaftliche Diskussion der Austrittsfrage nach einem halben Jahrhundert neu auslebt und zu objektiv wertvollen Auseinandersetzungen über halachische Probleme geführt hat. Nachdem Rabb. Dr. Unna- Mannheim, ei« £uUl hu Würzburgsr Naws Yiv M der Konstituierung der „Achduch" versucht tzäUs, die halachische Begründung des S. R. Hirschschen Austritts-pvs in einzelnen Punkten durch halachische Argumente zu erschüttern, ist ihm unter dem Pseudonym „Gabiha ben Pesisa" Rabb. Dr. Klei n-Nürnberg in einer längeren Artikel- Reihe (Israelit Jahrg. 1924 Nr. 31, 32, 34) durch überaus gründliche Untersuchungen entgeoengetreten.,. die in der These gipfeln, daß die freiwillige Zugehörigkeit zu einer jüdischen Gemeinde, die irgendwelche gesetzeswidrige oder gar Snj'tUutt.orten unterhält, einen »jwisn -NVX' mindestens aber einen t»o« pur?' darstellt. Nachdem Dr. Unna seinerzeit bereits im „Jüd. Wochenblatt" repliziert hatte, hat er neuerdings nochmals auf der Generalversammlung der „Bereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner" den" Versuch unternommen. Dr. Klein zu widerlegen und im Anschluß daran auch die über das Halachische hinausgehenden allgemeinen religiösen Erwägungen, die für S. R. Hirsch, Israel Hildesheimer und ihrL Schüler in der Austrittsfrage maßgebend mm M, #.? bloß ^taktische" unb „gefühlsmäßige" Moments zu erweisen gesucyi. Unnas Ausführungen erschienen alsdann im „Jeschurun", Heft 7/8 und der Herausgeber des Jefchurun, Dr. Wohlgemutst sah sich veranlaßt, ihnen ein Nachwort anzuschließen, das wir zunächst im Wortlaut hier w'edergeben. Wohlgemutst schreibt: 1. Was die halachische Seite der Frage betrifft, so wird drr verehrte Autor es »erstehen, men« mir dem Zweifel Ausdruck geben, pö mll fernen AusfustüMZW hier das letzte Wort gesprochen ist. Sie haben ja auch gelegentlich der Veröffentlichungen an anderer Stelle begründeten Widerspruch erfahren. Das freilich scheint mir ein bedeutsames Moment, daß eine halachische Entscheidung, die konditionellen Charakter hat, von ihrer Kraft und Wucht viel verliert. 2. Man wird der Psyche des Austrittlers nicht gerecht, wenn man an' ihn bei seiner religiösen Einstellung die Forderung richtet, den Unterschied zwischen ihm und dem, der für das Verbleiben innerhalb der Gemeinde eintritt, als einen der bloßen Taktik anzuerkennen. Die Loslösung von allen Banden, die ihn — sobald es sich nicht um Zugezogene. handelt — mit .der stolzen Geschichte der alten Gemeinde verbinden, der Verzicht auf oft sehr schwerwiegende materielle Vorteile, die Trennung von FamMengliedern und Freurwen usw., das altes erfordert eine Selbstüberwindung und ein Ansmaß von Opfernbie rncrhr'tich nicht gebrncht merken Sonnten, roeitti' es sich ffiF iijn TWF wm lnttrsche Qltilgnfiien vielmehr um religiöse Güter, die sein Seelenheil berühren. 3. Ob das Trennungsprinzip innerhalb der Gemeinde, nachdem das Austrittsgesetz seine Schuldigkeit getan, als überwunden gelten kann, ist noch eine große Frage. Auch die religiöse Entwicklungsgeschichte vollzieht sich in Wellenbewegungen. Wir sind jetzt infolge mancher Umstände aus einem Wellenberg. Das Wellental wird uns piten (£r Jahrringen ber Geschichte nicht erspart bleä- Dtn. Ob Das lhvrattem sich ber Gesnhr anssetzen darf,-einer liberalen Mehrheit — und mit dieser werden wir im Galuth immer rechnen müssen — schutzlos preisgegeben zu sein, nur auf die Unterstützung nationaler Elemente angewiesen, die zumeist zum thoratrcuen Judentum kein inneres Verhältnis haben, das will wohl bedacht sein. Doch das Trennungsprinzip hat ja zwangsläufig auf weil größere Gebiete übergegriffen. So sehr in praxi die nationaljüdische Bewegung vielfach dem thoratreuen Judentum sich zu nähern sucht, so sehr bedeuier sie in ihrer Theorie durch die Eliminierung des Religiösen als konstituierenden Faktors des Judentums in ihren Grundprinzipien einen Abfall von der Lebens¬ und Weltanschauung des thoratreuen Judentums, wie ihn keine Sektenbildung und Reformbewegung jemals m ö2f mimüM jms. dumtuim mm kill, LM rft i° oft schon gösagt und auch in diösöN Blättern so eindringlich, und, wie mir scheint, einleuchtend ausgesührt worden, daß sich jedes weitere Wort erübrigt. Diese Frage greift auch innerlich weit hinaus über die Frage des Austritts und der Gemeindepolitik, wie ja auch an der Gegnerschaft gegenüber der Ideologie des Zionismus weitere Kreise des thoratreuen Judentums teilgenommen haben. Daß sich hier keine geschlossene Einheitsfront gebildet >hat, lag an einer Verkettung vieler Umstände. Das natürliche Uebergewicht der Vorkämpfer des Austritts, die j verschiedene Einstellung zur Kultur und Wissenschaft, - zur Frage, ob fto »’ eine einzeln e mxn, die wie in früheren Zeiten je nach Neigung zu erfüllen wäre oder ob sie unter den veränderten Verhältnissen und den un- MW sich mmbm MgtWMll m üMlMtM Vedeucung für bas Qeben \ebes Q'StZf, KSLMNöN müßte, das Streben, alle Kreise des Ostjudentunis, auch diejenigen, die der Forderung des Westjudentums nach Vereinigung von na Tn 03? min unversöhnlich gegenüberstehen, zu gemeinsamem Handeln, das doch eigentlich von gleichem Denken geleitet sein muß, zusammenzusassen, all das mußten Hinderungsgründe abgeben für ein innerliches Sichzusammenfinden der in der letzten und entscheidenden Frage „Primat der Religion oder Primat der Nation" auf demselben Standpunkte Stehenden. BO® jlllD Ölt WsMWN MMsUn 1° schwerwiegend, zumal siö noch Durch sehr wirksame Gesühlomomenle verstärkt werden, daß in absehbarer Zeit keinerlei Aussicht dafür vorhanden ist, daß eine der Richtungen sich als die allein herrschende hier durchsetzt. 4. Daß trotz dieser Differenzen, — die Hoffnung, daß die eine Richtungzu Gunsten der anderen auf ihre Prinzipien verzichtet, ist wie gesagt, für absehbare Zeit aussichtslos — ein Zusammenarbeiten ermöglicht wird, ist eine Lebensfrage des thoratreuen Judentums. lieber die Wege im Einzelnen können wir uns hier nicht verbreiten. Unendlich viel wäre schon gewonnen, wenn die Resolution, die auf der Generalversammlung des traditionell-gesetzestreuen Judentums unter /warmer Zustimmung der, Vertreter beider Rrchtungen angenommen wurde, 'mit eiserner Konseguenz besolgt würde. Die Presse in beidesi Lagern müßte aufs energischste von den verantwortlichen Instanzen überwacht werden. Dort wo Tatsachen zu melden sind, mag es bei der schlichten NölMöMtlUM DltlDitn Mk M M8WM -KkMlMr J-&U. Bse allsm nNr sollten NDe Gruppen an vus Wort denken: c>->inrr vivp i'nsi ins» nwp, das wir M dem Sinne nehmen: Sorge -dafür, daß die positive Tätigkeit in deiner Orgamsatton sich so reich und schön entfalte und solche Erfolge zeitige, daß ste ihr — natürlich immer im Geiste des thoratreuen. Judentums — zur Zierde gereiche, dann kannst du mit der Kritik einsetzen. ■ Aber es bleibt da so unendlich viel zu tun, daß es an Zeit und Lust zur Kritik und vor allem zu einer rein nwßtintn Mül fr&riöjr« Im nsusstsn Heft dsL „Jeschurun" ist nun eine durch ihre Präzision und ruhige Klarheit besonders ausgezeichnete Erwiderung Kleins erschienen, die den Argumentationen, Unnas Schritt für Schritt nachgeht und sie zurückweist. Die rechtliche Gemeinschaft von Orthodoxie und Neologie in der reformierten Einheitsgemeinde ergibt mit zwingender Logik ’T yvo rrrny ^aiy von seiten der ersteren, auch wenn rein r e ch n e r i s ch , d. st. zufällig die Steuerleistungen der Neologie höher sind als die Qvthodoxsn Instituticmsu kosten. Nach-ibrsbn^ip» 7"2-rrn rrnö'änZ^ll 8^ß8>?s Üll Charakter dieses yvo bestehen. Ueöerzeugend sind Kleins Nachweise aus der rirtfö' daß ein rrray nvD3 vi'v vorliegt vom Beginn der Uebertretung bis zum endgültigen Abschluß, d. h. solange auch nur e i n Richtlinien- Rabbiner aus der gemeinsamen Gemeindskasse für sein thorawidriges Wirken besoldet oder eine Schulanstalt zur Pflege des mr» im Aufträge der Gesamtgememde erhalten wird. Daß die Vorlage des Gemein.Lebudgers mit den einzelnen, den liberalL'.l Kultus und Unterricht betreffenden ipvfillonen •-■in. oplimä iLlML darstsllt, dürste unseres Erachtens kaum zu bestreiten fein und es erscheint schwer verständlich, weshalb Una ein solches snifl nur in einer speziellen Umlage, beispielsweise für eine Orgel, erblicken möchte. Theoretisch interessant ist die Idee Unnas, den rnsnw-Charakter der jüdischen Gemeinden der- Gegenwart rnit allen seinen für den Austritt Könsecsttellzztt LsLU-H SÜ5 Mt Mt zu schassen, daß er die moderne Gemeinde als „öffentlich-rechtlicheKörperfch a f t" in Gegensatz bringt zur alten Kehilla als einer privatrechtlichen Association. Nur diese letztere habe wsnw-Eharakter. Bekanntlich ist sich die juristische Wissenschaft über den Begriff der öffentlich-rechtlichen Körperschaft höchst uneinig: daß aber selbst die unbestritten höchste Körperschaft dieser Gattung der moderne Staat, Zu den lanscvdkn Dvchenohschmtte«. Ein Gleicyni?.^) .SSs Von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwikkau (Mähren). mn üy1? n'iaki *]*? imn bni yiöi? ■•'un irin brri irn inii ib 3^1 - . « - i'2'y3 In einer entlegenen Kleinstadt in Polen lebte einst ein sedr reicher Mann, der eine einzige Tochter ye er, äU si^ ßskllNWuM. QQMQ öerDötratet hätte. Dies wollte Ihm trotz aller Diühe länge llichi gelingen, denn feine Tochte--. die zukünftige Erbin seines ganzen vetlächtlichen Vermögens, befaß einen Fehler: sie war von .msgesuchter, geradezu abschreckender und abstoßender Häßlichkeit. Eines Tages erschien ein kluger und uewandter Heiratsvermittler und trug ihm eine glänzende Partie für seine Tochter an, einen jungen Mann, der alle guten *) Ein kurzer Auszug aus meiner demnächst erscheinenden neuen Gleichnisiammlung. Vgl. auch meine „Neuen Gleichnisse" Seite 82 und auch Mpv ÖMr SSHf i? f: ' : ©ößHfoBflfion unö Tllllßnökn m uco vkMMM ökk aber einen einzige» Fkhlök ßösgtz! öMö fülLiVüie Kurzsichtigkeit, die schon an Blindheit grenzte. Dieser Dehler, meinte der schlaue Vermittler, sei in diesem Falle geradem eine Wobltat und komme daher ganz und gar nicht in .Betracht, Denn sonst würde er in Anbetracht der vielen Vorzüge, die er besitze, aus die <^and feiner abstoßend häßlichen Tochter nicht reflektieren. Dieser Vorschlag gefiel beiden Parteien und die Heirat dieses sonderbaren Paares kam zustöllÖtl ft1?! tmc*? ein, was ber schirme ©djaDcDm Doiaii5TaQts; die hästttchs Hhdisin blleb natürlich weiter häßlich, doch der iunae Ehegatte sah es nicht und merkte es in keiner Weise. Und so lebten sic einige Jahre sehr glücklich und zufrieden miteinander. - Eines Tages traf in der Stadt, wo dieses gleiche oder ungleiche Ehepaar lebte, ein weltberühmter Arzt, ein Spezialist aus dem Gebiete de? Augenheilkunde, ein. Da die seltene Kunst dieses berühmten Ophtalmologen von ollen gepriesen wurde und da ihm de? Nus »oranahtQ, daß er geradezu ein ciiy npis sei. äußert? Per funpe &bemanrt ieit Estllllsch. die Hilfe dieses Wnnderarttes in Anspruch zu nehmen und sich von ihm behandeln zu lassen. Er bat Zur Beachtung. Infolge eines bedauerlichen Uebersehens ist auf Seile 2 der letzten Nummer (kleines Feuillelon, 1. Spalte) ein Enip bp unverändert ausgedruckt worden. Seite 1 und 2 der Nummer 3 des „Israelit" dürfen daher nicht weggeworfen, sondern müssen ebenso behandelt werden wie unbrau4)6ar geworbene Gsbstt»sicher oder sonstige niBB- TflUf WßlflJ?! ltzll HeilkUr stier bringe^ damit er auch Um voa ]tmm ttuBfinistösn Deck diese weigerte sich entschieden, diesen seinen Wunsch zu erfüllen; sie wandte ihre ganze Beredsamkeit auf, ihn von diesem Schritte zurückzuholten und schilderte ihm die Leiden, Qualcn unb Schmerzen, die seiner harrten, falls er genötigt wäre, einer so schweren und gefährlichen Operation sich unterziehen zu müssen. «Siehe", sprach beglückt der blinde Ehegatte zu seinem Freunde, ^siehe, wie gut und lieb meine Gattin zu mir ist. wie grenzenlos sie mich liebt rm& WÜ siS UW fflOIÜ WM WvM U. Nicht einmal ben heruhmten Hellkünsiler will sie mich besuchen lassen — aus lauter Liede und Zärtlichkeit". *2 Tor", crwiderte ihm lächelnd der Freund, „glaubst du denn wirklich, daß sie so nur aus Liebe zu dir handelt? Wenn sie dich der sichern Behandlung des berühmten Augenspezialisten nicht anoertrauen lassen will, so tut sie es aus — Liebe zu sich selbst. Weiß sie doch: Wenn du geheilt wirst und die normale Sehkraft erlangst, dann hat deine Liebe zu ihr ein Ende und ihr eheliches Glücksist DffllttOtCt - W iffifflsn -' ' Israel ist nicht so schlecht und verdorben, wie es den Anschein hat.. Wenn es fehlt und sündigt» dann geschieht es nur deshalb (wm bvn irr", irr"n), weil es scheinbar sieht, aber nicht richtig erkennt und begreift. „Seine Augen sind getrübt" (i'^yi ywn), daß es nur nicht sehe mit seinen Augen, und sein Herz es nicht fasse, daß es sich bekehre und gesunde". Und so wandert es häufig im Ginstern, mit „getrübten Ausibn" und vermag daher nicht, das Böse vom Guten zu unterscheiden. Diese Operation soll nun der Prophet vollziehen, seine Ausgabe besteht darin "m ttiniy ü^y zu heilen die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.