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Der Israelit · 1927-01-06 · Heft 1 (6.1.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 1 (6.1.1927)
Date
1927-01-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ftuifleto» in?.' Eine verirrte jüdische Seele. Aus der Tragik der ukrainischen PogroinZahre. Der erste Akt-d es hier erzählten Dramas.aus dem ukrainischen Leben spielt kurz vor Kriegsausbruch, in den letzten Julitagen des Jahres -1914, im kleinen Dorfe Surarvlchawka. langen ^a^ren fchvn wäl/nte eist Jude mit Namen Mendel Kitarow, seines Zeichens Viehhändler. Er war ein schlichter, wohlhabender Mann und erfruete sich eines guten Namens. Seine beiden Töchter Schifra und Mirjam wurden in nichtjüdischem Milieu großgezogen und bekamen nur selten ein jüdisches Gesicht zu sehen. Mirjam, me jüngere, war BüiMtcß manim bll'eb baherm und hals der Mutter bei der HällZarbeit. Schisra dagegen, von regem Geiste und lebhaftem Temperamente, schien das Elternhaus zu eng. Es trieb sie hinaus, in die Gasse, in die Weite. Da sie zudem auch noch sehr gut gewachsen und schön vom Gesichte war, witzig reden und hell lachen konnte, konnte es nicht Wunder nehmen, daß die Bauernburschen alle um ihre Gunst warben. Einer von ihnen, der Sohn des Dorfschulzen, Piätnicki,- hatte bei ihr auch mim. ms ts Die rnttm m ihrem MlscUll er? fuhren, war es zu spät. Die Tochter war bereits mit ihrem Geliebten, aus dem Dorfe geflohen. Lange dauerte das Liebesverhältnis nicht an. Die entlaufene Tochter kehrte zu Fuß in die Heimat zurück und die Nachbarn mußten sich für die Treulose einsetzen, daß sie die Eltern wieder aufnähmen. V Nach kurzer Zeit aber riß sie mit einem anderen Vanerndurf<k)en namens Äaknfesnko, aus. Kam Dann wieder unD behauptete, der Bursche habe sie gewaltsam verschleppt. Eine Zeitlang lebte sie in Ruhe und Frieden mit den Eltern. Dann erklärte sie eines Tages offen heraus, sie habe das jüdische Leben im Hause Und das kleine Leben im Dorfe satt und würde mit ihrem Verlobten Sawodski, dem Sohne eines reichen Dorfbewohners, von dannen gehen. Gleich darauf kam auch der Genannte und hielt bei den Eltern um die Hand der Tochter an. Er wurde schroff abgeiwesen. Schisra ging aber mit ihm, fand Unterkunft im Kloster, wurde dort getauft und heiratete den Sawodski. Dis Schande konnte dis Mutter nicht lange überleben, sic erkrankte unk starb balb k«v«wf« Der Vater mit der jüngeren Tochter siedelten gebrochen vor Scham und Schmerz nach Bratzlaw über. Indes lebte sich P a d a s s i a (früher Schisra) immer mehr in ihre neue Umgebung hinein, besuchte als fromme Katholikin oft die Kirche und * wurde, wohl um ihre jüdische Abstammung zu verwischen, grimmige Iudenfeindin. Alles, was irgendwie mit Juden und Judentum zu tun Hatte, verfolgte Ttßi mit fanatifffjer Wut. Das nützte ihr aber be! ihrem Manne nicht viel. Ein roher Mensch von Natur, behandelte er sie sehr brutal. Kinder waren aus der Ehe nicht entstanden. Die Stürme des Krieges fuhren über das Land, es kam die Revolution und als Reaktion darauf die Aera der blutigen Pogrome. Sawodski fand seine Lebensbestimmung. Er war Anführer einer Pogrombande und erwarb sich als Massenmörder einen gewissen Namen. Ihm zur Seite stand bei' dieser blutigen Arbeit ein ebenso veranlagter Pole namens Z e i t l o w s k i aus Tultschin. Jak u b e n k o, der frühere Geliebte Schifras, war Anführer einer anderen Pogrombande, die zuweilen mit der des Sawodski Hand in Jr^arti or{jeÜeie. lsicr^assicr^ öftets l/ÜhMt»! sich im Dorfe, an einem Tage zusammen mit ihrem Manne 73 Juden ausgeplündert zu haben. Trotzdem wurde sie von ihrem Manne stets nur „Zidowka" (Jüdin) genannt und auf die grausamste'Weise mißhandelt. Als er sie einmal auf. einer Bauernversammlung öffentlich als „Zidowka" beschimpfte, bekreuzte sie sich und schwor, zu beweisen, wie sie zu den Juden stehet - Darauf verabredete sie sich mit den bekannten Hetmans T u s> G r i s l i j a und K u s m e n k o, ||[|:p Daran Dornen an Die Die mpmn Miffenko, Swenigorodko u. a. überfielen, überall Ströme von Blut und rauchende Trümmer hinter sich lassend. Nur nach Bratzlaw wollte Padassia nicht. Etwas in ihr hielt sie vor dem Besuch des Städtchens, wo ihr Vater wohnte, noch zurück. Dieser letzte glimmende Funken von Kindesliebe in ihrem verrohten Herzen führte aber nur Traaödie, die Tiefe fealb. am 8. £?eferuar isri. Mllführls. ' ' * » An diesem Tage zog in Bratzlaw eine blutdürstige Bande ein, die von den berüchtigten Banditen Komada und Jakubenko geführt wurde, und richtete dort ein Blutbad an. Das ganze Städtchen verwandelten sie in einen Trümmerhaufen. Ins Quartier zurückgekehrt, rühmte sich Jakubenko in einer Versammlung im Hause Sarvodskis seiner Heldentaten und erzählte, wie er speziell an einem Juden, Mendel f iiaroro j Nackte genommen Ij» ciiie^ tote er it>n mitsamt seiner Tochter mit eigenen Händen umgebracht hätte. Er erzählte diese Geschichte mit besonderer.Betonung in allen Einzelheiten, in der offensichtign Absicht, Padassia, um deren Vater und Schwester es sich handelte, damit zu treffen, da er ihr es immer noch nicht vergessen konnte, daß sie einstens seine Liebe verschmähte. Diese Worte wirkten auf die Apostatin wie sin Blitz: Sie stand auf töte oon einer Natter gebissen, ihre Äugen waren blutunterlaufen, ff in Ton kam über ihre Lippen, aber ihre Hand drückte den Revolver, ab und Jakubenko fiel, ms Herz getroffen, zu Boden. Seine Freunde wollten sich auf sie stürzen, da legte sich der Ortsgeistliche ins Mittel und die Parteien wurden auseinandergerissen. Von diesem Tage an war eine Wandlung in der Seele der Renegatin vorgegangen, die sie nach außen nicht merken ließ. In ihrem Innern kochte der Haß gegen die Mörder ihres Hauses und ihres Volkes, auch gegen ihren trunksüchtigen Mann. Die Jüdin in ihr regte sich, schrie nach Rache, nach Vergeltung. Sie hatte lange genug ^fjmo^^crre der 9lo{|c!| gefetij. uni dteje kehrte sich jetzt gegen ihre Lehrmeister. Sie weigerte sich fortan, die Bande anzuführeN, und keiner nahm sich die Mühe, sie noch ferner dazu zu veranlassen. Man traute ihr auch nicht mehr recht, nach dem, was man erlebt hatte. Nach wie vor blieb aber ihr Haus der Sammelpunkt der Pogromführer, auch war hier das geheime Waff'enlager. In einer Nacht war im Hause große Beratung Mischen mns Banbenführern, Darunter auch SawobsU. Eine grbße Sache war!m Gange, die das Schicksal von hunderten jüdischen Seelen betraf. Die große Aktion, an der viele unter sich nicht einig gehenden Banditenführer beteiligt waren, erforderte größte Vorsicht. Um so mehr, als sich in der Gegend schon einige bolschewistische Strafabteilungen zeigten, die gegen die Pogromhelden ausgeschickt waren. Insbesondere gefürchtet war das achte Kubaner Regiment und die Rote Strafabteilung Nr. 3, in deren Reihen auch viele jüdische junge Leute aus Proskurow und anderen schwer betroffenen Städten wie die Löwen kämpften. Der Plan der Hetmans ging dahin, an einem bestimmten Zeitpunkte all ihre Horden im Dorfe zu sammeln, sie zu bewaffnen und nach Mitterzum UMgfLll (feukn auszurücken. Zunächst sollte der Hof des früheren Gutsherrn überrumpelt werden, in dem eine kleine Abteilung des Kubaner Regiments stationiert war, dann sollte es nach den Städten und Städtchen gehen, wo man keines jüdische Seele am LEn lassen wollte. ' In Padassiä, die scheinbar teilnahmslos in der Ecke hockte, erwachte die alte Schifra. Sie machte sich unbemerkt aus dem Hause. Im nächsten Dorfe erfuhr sie, daß im Wäldchen, etwa fünf mm oom Dorpe entfernt, m Die mau abteilung von Proskurow befand. Sofort begab sie.sich, dorthin, wo sie vom Kommandanten, dem Kommunisten Schigoretzki, einem Russen, empfangen und verhört wurde. Sie verriet ihm den ganzen Plan der Banditen. Padassia war ihm dem Namen nach nicht unbekannt, sie galt als Seele der gegenrevolutionären Judenpogrome. SDian tooltie iljr Eiterst ntc^>f gtanfeen. Afeer bann faßte man stoch einiges Vertrauen zu ihr, besprach mit ihr die Vereitelung des Planes und schickte sie mit bestimmten Instruktionen nach Hause zurück. Getreu diesen Instruktionen sorgte Padassia im Hause für ein wüstes Gelage. Die Banditen tranken so unmenschlich, daß sie nach Mitternacht alle wie tot in Schlaf versunken dalagen. Den draußen im Hofe wartenden Horden teilte Padassia "mit, daß die Waffenverteilung erst um drei 11i>r nachts erfolgen mürbe, jte möchten jtc£> tnzwischen alle bereit halten. — Was sich in der zweiten Hälfte der Nacht in diesem Orte zutrug, darüber berichteten die Zeitungen seinerzeit ausführlich. Im Hause Sawodskis brannte es lichterloh und das Feuer erfaßte auch die umliegenden Bauernhäuser. Die angesammelten Pogromkosaken kamen aus ihren Löchern und wollten an die Brandstätte. Da zogen von allen Seiten mit Pauken und Tromsiür« Ms MsHssristisHsn tStmfaSMmgm Daher und umzingelten das Dorf. Keiner kam lebend davon. Wer nicht von den Flammen erfaßt war, wurde vor dem Dorfe von den Flinten der Roten. Armee dahingestreckt. Da kam mit zerzausten Haaren ganz aufgelöst ein Weib auf den Führer der Roten Armee, Schigarotski, zugelaufen, fiel ihm zu Füßen und flehte ihn an, er möchte sie erschießend Es war P a d a s s i a, die frühere Schifra. Ihr Wunsch wurde nicht erfüllt. Sie sollte gefesselt und mitgenommen werden. Aber es gelang ihr, ihr Messer herauszuziehen und sich selbst zu richten. 3uDen begruben sie, als Ms Dorf wiener oon lieblicher (ftufje umgeben war, an Dri unb Siesie. So nahm ein tragisches Leben ein tragisches Ende. Eine verirrte jüdische Seele in der Ukraine und ihre Heimat in einem einsamen Grabe am Rande des Dorfes. Ainderecke. QM'* Eine AUdraschdarsiellung. Gott im Dornbusch. Im Dornbüsche ist Gott Moses erschienen, wie später auf dem niedrigsten der Berge, auf dem Sinai, um ihm und dem Volke zu zeigen, daß nicht im Großen, im Hohen und im Stolzen

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