Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1927)
- Date
- 1927-01-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 Der Israelit 6 .Januar M7 die Behandlung der Patienten in jeder Beziehung eine vollkommen gleiche und daher geradezu vorbildlich. Der Einsender des vorigen Artikels wiederholt seine Vorwürfe ganz so, als hätte er die Erwiderung des v . Herrn Wronker auf seinen früheren Artikel nicht richtig gelesen oder wenigstens nicht ganz verstanden. Es wäre sonst nicht denkbar, daß er seine Ansicht wiederholt. daß „öii lorrKr MM m unnmitmm unir ös» ösm Mittölstands nngshökättdätt Kursen verschlossen sind, weil diese die hohen Sätze nicht erschwingen können" und noch dazu bemerkt, Herr Wronker sei in diesem Punkte gleicher Meinung mit ihm. Herr Wronker hat gerade in Erwiderung auf diese Vorwürfe Daten angeführt, die eigentlich dem Einsender zur Genüge zeigen sollten, wie unberechtigt seine Vorwürfe sind. Konnte sich jedoch der Einsender hiermit nicht zufrieden geben, so hätte er der Anregung des Herrn W. zufolge sich an dis zuständige @Mß mmbm könnr». tu ihtt Mö tu Zenoüen Zoleü informiert halte, ober hätte die von Herrn W. «NgekÜNdgte Veröffentlichung der statistischen Zahlen seitens, des Hilfsvereins, die die Leistungen für die Juden Deutsch- ■' lands beweisen werben, abwarten sollen. Nachdem Herb Juda keines von beiden getan hat, vielmehr'ohne weitere Prüfung feine Ausfälle wiederholt, ist es schwer, nicht an dessen bona fide zu zweifeln. .: Ich als Kenner her Verhältnisse der Etania ginge gar nicht auf die Ausführungen ein, wäre nicht zu befürchten, daß diejenigen Kreise, die die Verhältnisse weniger kennen und auf deren Unterstützung die Etania großen Wert legt, durch einen solchen Artikel vollkommen falsch orientiert werden könnten.; Nachstehend gebe ich einige Ziffern, Hü welchen mir die Unterlagen seickns's der Etania in frdl. Weise zur Verfügung gestellt wurden: -■ •r 1. €5m Qatjre 1925 mären von 204. WtnniB 9Q öEutföjer Nllkilllllllltlll) lllsll fllsl M. Prozent. 2. Diese 96 deutschen Patienten haben zusammen 11706 Verpflegungstage genossen, durchschnittlich pro Patient 120 Tage., 4.' > 3. Das daraus entstandene Defizit entspricht 3700 Berpflegungstagen, die den deutschen Patienten kostenfrei gewährt wurden, d. h. theoretisch wurden mehrmals 30 deutsche Patienten drei Monate lang vollständig um sonst verpflegt. < r ' 4. Praktisch haben voH; 96 deutschen Patienten nur 28 den vollen Verpflegungssatz gezahlt, während die rest lichen 68 sich in die oben erwähnten Vergünstigungen geteilt, bezw. durchschnittlich Preise, die sich zwischen Frs. 5.— und Frs. 8.— pro Tag bewegten, bezahlt haben. mgkll ist klfWlW Daß Die ZBoDl* taten der etania ln ganz antzerarvönMly hohem Matze deutschen Patienten unbemittelter Kreise und Angehörigen des Mittelstandes zugute kommen. Nebenbei, fei bemerkt, daß Patienten anderer Länder gleiche Vergünstigungen genießen. Der von Herrn Juda angeführte Vergleich der Etania mit einem nichtjüdischen erstklassigen Hotel ist vollkommen abwegig. Es ist mir einfach unerklärlich, wie Herr Juda ein Sanatorium wie die Etania, dem bekanntlich ein in allen Fachkreisen — weit über die Grenzen der Schweiz hinaus — anerkannt erstklassiger Chefarzt vorsteht und in dem ein Assistenzarzt und Schrnestern tätig sind, mit linsm Hstsl KSMWll ksu». Hzvr IM Weiß aber ganz genau, warum er bfefen Vergleich zieht, und nicht die Etania mit einem anderen nichtjüdischen erstklassigen Sanatorium in Davos vergleicht. Er hätte dann nämlich zugeben müssen, daß andere hiesige erstklassige Sanatorien Pensionspreise verlangen, die mit Frs. 18.— aufwärts beginnen und hätte somit zugeben müssen, daß der von der Etania geforderte Durchschnitts-Pensionspreis von Schw. Frs. 13.75 als angemessen anzusehen ist. Daß auf die jeweiligen pekuniären Verhältnisse Rücksicht genommen wird, brauche ich nicht mehr zu betonen, nachdem dies aus den angeführten Ziffern klar hervorgeht. Die Propagierung des Projektes betr. „Erbauung einer Lungenheilstätte im badischen Schmarzrnald" ist an 0N^ fÜl* $41 Hlir zii ß^rliße», llnveronlmorlllch o bc> r tfl es oon bem Önnfenber, baß er aussordert, von nun an bis zur Verwirklichung des Projektes, ja sogar bis zur Sicherung der Existenz der zu gründenden Lungenheilstätte im Schwarzwald (ein Zeitpunkt, der überhaupt nicht .oorauszusehen ist) nichts mehr nach dem Auslande zu"geben. Die logische Gegenmaßnahme wäre, daß die Etania nunmehr von heute ab keine deutschen Patienten mehr aufnehmen würde. Diese Konsequenz wäre fürchterlich. Es bleibt öxrkssr? uttf>ebing£ Pflicht <xucf) 5>er b^uijefjert i«nw in n,eitestgehenh?m Maß? gU Äubenhell^ bre Äb fördern. Siegfried Strauß. (Wir teilen — abgesehen von der Anzweiflung der bona fides des ersten Einsenders — durchaus die Meinung, die in den vorstehenden .Zeilen vertreten wird. Die Diskussion scheint uns im übrigen erschöpft und wir schließen sie hiermit. Red.) 4 ,1 Vermischtes. 22. Deg. unseres «ttjMsdll KOWY herrscht nach tvtt vor echt jüvischcZ Leven. Täglich wirv „gelernt". Die Verbreitung des Thorastudiums steht obenan. Während aber bisher nur unsere Alten miay und mn in sich aufnahmen, stand unsere Jugend abseits da. Deshalb ist auf Anregung des um die Gemeinde sich sehr verdient machenden Herrn Lehrer und Prediger M. Moses der hiesige Talmud-Thora-Verein daran gegangen, auch die Jugend, Damen und Herren, zum Lernen heranzuziehen. An jedem Freitag Abend, versammelt sich im freundlich dekorierten Gemeindesitzungszimmer dieselbe, um die Pirkeh-Dwaus mit Erläuterungen aus dem Munde des Genannten zu hören und nachzulsrnsn. Lehre und Leben wirb in ben Bereich JUfpr^n. Zist eine wahre .§reube, anguhören, mit welcher Liebe und Interesse, welchem Ernst und Begeisterung unter geschickter und sachkundiger Leitung die Jugend sich an der sich anschließenden Diskussion, die alle religiösen und weltlichen Fragen berührt, beteiligt. Herr Lehrer Lachmann, der sich ebenfalls um Ausbau und Gestaltung der Abende anerkennend bemüht, weiß seine alle 14 Tage stattfindenden Schiurim über Dinim recht wirkungsvoll zu gestolten. Noch dem Jkntcit findet stets ein demiii!i<^es!He! jommenjem Hhannka Freitag-Abend konnte das geräumige. Lokal die Deilneh mer kaum,-fassen. Herr Moses lettete den Abend m, einem jiußerst fesselnden und geistreichen Vortrag üb« „Die Bedeutung der Makkabäerksimpfe für die heutige Zeit" ein. - Nach gemeinschaftlichem Gesang des .. ns» wurden' der Jugend Süßigkeiten und sonstige Leckereien gereicht'? Karlsruhe, 4. Jan. Anläßlich des fünfzigjährigen Be stehens des Jugendvereins Chinuch Neorim zu Karls ruhe hatte sich die jüdisch-orthodoxe Jugend und deren Angehörige zu einer Fest- und Gedenkfeier am Sonntag den 26. Dezember (21. Tebeth) morgens 10.30 Uhr in den Räumen des Künstlerhauses zahlreich eingefunden Der Ehrenvorsitzende, Herr Jacob Ettlinger, gab in längere Rede euren Rückblick über die Geschichte und Wirksamkeit des Vereins, der ein Mittelpunkt des jüdi- Mm LMlis uns m töuniBruimtn Der ötitoruna m geMM mit Worten Dar Wstzmnt Des langjahtigs» geistigen Führers, Rabbiner Dr. Sinai Schiffer n"» dessen w2ivm der Verein als Jubiläumsgabe in Druck geben möchte und ferner der weiter verstorbenen Dozenten Dr. Kramer .und Dr. B l u m g r u n d n~y, sowie der verstorbenen Gründer und Mitglieder und besonders der Kriegsgefallenen, dankte unter be fonderer Anerkennung den gegenwärtigen Dozenten, ins besondere Herrn Rabbiner Dr. Michalski und den Mit gliedern des Vorstandes für ihre treue Mitarbeit. In warmen und begeisternden Worten gab er dem Wunsche einer weiteren ersprießlichen Vereinstätigkeit Ausdruck Herr Rabbiner Dr. Michalski sprach über die Bedeutung und die Aufgaben der jüdischen Jugend und führte in geistreichen Worten dabei aus. daß das Feuer der Ecflcnrcruna für Die lauroD M Der WiWn JuWnD nie VLklöM« mvgs wie düS FäUSr des Dornbusches Herr Maier A.ltmann schilderte das harmonische Zusammenwirken der Vereins mit der Israelitischen R e l i g i 0 n s g e s e l l s ch a f t. Herr I. M. L 0 e b, Dieburg, würdigte in längerer humorvoller Rede die Mitwirkung des Vereins in dem Dreifrontenkampf der jüdischen Jugend gegen Antisemitismus, Materialismus und Jndifferentismus, Sigmund Würzburger aus Mannheim brachte die Grüße des Nachbarvereins und Rechtsanwalt Jfäac Rosenherm, ein Enkel von Samuel Strauß, dem verstorbenen hochherzigen und hilfsbereiten Förderer des Vereins, überbrochte Wünsche ber 9f g w b-a s vr g.am isati 0N unter Hinweis auf das örtliche und zeitliche Arewus, das die jüdische Jugend eint. Eine Abendunterhaltung mit musikalischen Darbietungen und einex^ wohlgelungenen dramatischen Vorstellung des ChinuiH im, Wandel der Zeiten hielt Mitglieder und Gäste bis MXspäter Stunde vereint. Seidenu. Garn-Handelsges. 47 Bleid enstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Slick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art Familiennachrichken. Geburten: Walter Davtz», Sohn des Herrn Elias Daube und Frau Heüriette geb. Pfeuffer. Königsbach (Baden), 29. Dezember 1926. Frankfurter Berichte. „Verwirf uns nicht zur Zeit des Alters . . „Die Not ist groß!" Es ist dies ein allgemeines, abgebrauchtes und nichtssagendes Wort. Tritt uns aber die Not einmal in lebendiger Gestalt aus den matten Augen und zitternden Lippen eines Unglücklichen entgegen, '0 erfaßt uns doch der Jammer des Ganzen bis, ans .Deri ., . . TittS 2irre meinet Öieb-aflnon unb tritt verlegen ein. Sie ist , alleinstehend/ mittellos, krank und vierundsiebzigjährig. Ist um so mehr hilflos, als ihr auch der Weg des HilfesUchens versperrt ist — durch Vergangenheit, Tradition, durch Erinnerungen an frü-' Heren'Wohlstand. Ihre Eltern führten großes und offenes Haus. Ihr Mann, es istnoch gar nicht so lange her, hatte für Andere gesorgt, aus Eigenem und Fremdem . gebrochene Existenzen aufgerichtet. Ein halbes Jahrhundert fast war sie fromme, gütige, liebenswürdige, nimmer rastende Vorsteherin eines gastlichen. Hauses, in GkmkiiM MD MMMst eine Lame. M llewüm noch Das gute Haus, «Der sie kann mä)f mehr die Miete zahlen und wird , vom Damoklesschwert der A u s m i e t u n g anhaltend bedroht, sie .-besitzt noch Möbelstücke, wertvolle Gegenstände, stumme Zeugen einstigen Glückes,, aber sie sind verpfändet,' mit -Verfchlkvßmarten des Völlziehungsbeamten versehen. Gas-und Licht sind gesperrt, im Keller keine, Kartoffel, keine' Kohle und kein Holzscheit. Lange Tage-hatte die Fraunichts Warmes zu'sich.genommen.. Ihre Hände zittern,. r^)ps Qlppert -hebert^ a>enrt 'per {ie ifi no^ eine i«m?| (H: fl[tm'0Dtfil) QUtCr Kleidung, mit der klaren gewählten Sprache der besseren Gesellschaft von früher. Wo ist der Weg, um Linderung^!urn Brot zu erhalten, Abwendung,der Gefahr, morgen schon kein Bett und kein Kissen für das alte Haupt mehr zu haben? . . Sie wendet sich an. den Redakteur. Redakteure sind^ wie Aerzte und Geistliche, die Geständnisse entgegenzunehmen haben, diskret. Auch find es Menschen, die im Rufe stehen, alles zu wissen, alles zu können. Er steht' aber ratlos dem aus altem schönem Gesichte starrendem Elende gegenüber, der Redakteur; versucht ihm zu Leiber zu rücken mit der einzigen Waffe, die ihm zu Gebote steht, mit der Feder. Er' hat wider Erwarten Erfolge Ein Inserat von zwei'Zeilen bringt-Zuschriften, Anfragen, Ratschläge in Fülle, aber auch einige kleine Geldsendungen ein. Es kann der Greisin über diesirglk fiel m ZJaats MMMMM merDan. diu lEDter Veit in Diner vayMM» KlsinstaLt ob mit Lebensmittslpaksten gedient fei. Natürlich! - Und. er schickt, sie einmal und noch einmal Mit den liebenswürdigsten Begleitschreiben, als hätte er sich zu enfchuldigen . . . Es ist erhebend, wie rasch und leicht es ist,. die Saiten des Erbarmens im jüdischen Herzen' anzuschlagen. Vier Wochen sind seitdem verstrichen. Das Hnserärchen, ist v e r g e s s e n. Die schwingende' Saite im jüdischen Herzen hat sich beruhigt, ist wieder straff gezogen. Bis auf den edlen Herrn in Bayernder immer noch von Zeit zu Zeit seine Paketchen direkt an die Dame schickt, fragt und schreibt und rät und schickt keiner mehr etwas. Aber die bleiche Not spricht weiter aus-, den Augen, aus dem Munde der rührend hilflosen ©rcifin. Die M mteDir Dom IMüffßiir anMüMit." ffii Ist IDlDMt E kst ö k und die Mietsrückstänbe brücken, bas Gespenst der zwangsweisen Auslogierung grinst bei- Tag und bei Nacht. Die angesickerten Spenden sind, längst zu Ende. Jeder Tag beansprucht aber sein Rechte Wann wird die Greisin in einem geheizten Zimmer, bei. Licht und nach einem auf dem freigegebenen Gas hergestellten ^eingenommenenwarmen Mahl sich wieder träumend den Erinnerungen früherer Tage hingeben: dürfen? Wieder hat der Redakteur zu der einzigen ihm gegebenen Waffe gegriffen. Wird sie wieder einen Trefstrmorf»en? Sin tropfen auf -einen Nein- FVeundc« es ist eip Tropfen warmer Liebe, warmen. Glückes in ein altes Menschenherz geträufelt, basr wie es noch jung und kräftig war, sehr warm für Anderegeschlagen hat. Wer hilft wieder?-— — „(Ein Freitag-Abend". -Der im Auftrag der Zentralwohlfahrtsstelle der deut-- chen Juden in Berlin hergestellte jüdische Wohlfahrtsilm „Ein Freitag-Abend" wird am Sonntag, den 16. Januar 1927 in den Saalburg-Lichtspielen, Stiftstraße„ auf Veranlassung der Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege vorgeführt. Aufgabe des Films ist 'es, zu zeigen^ mie di-e jüdische Wohlfahrtspflege «n her Wirklichkeit QrBOitßt. BW Film fsll im M&fe* Pro^onbonrUtel '■ein er soll vielmehr ln allen Greifen ber jüdischen Bevölkerung Interesse für die Wohlfahrtspflege wecken undein anschauliches Bild von dem großen Werke geben, an dem wir alle beteiligt sind. Der Anklang, den der Film in einer großen Reihe oon Städten gefunden hat, war so stark, daß die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege getzlaubt hat, ihn ' auch der jüdischen, Bevölkerung in - Frankfurt,' einer- Stadt, in der so unendlich viel zur Bekämpfung'der sozialen Not geschieht, vorführen losfen zn,. müssen-- Wir- -öü^lrti besholb 1 ltnj-ere ^ilbi^chen 1 r?gen Besuch des Wohlsührtsstlmes aus. Eintrittskarten sind zw '' haben bei der Zentrale für jüdische.Wohlfahrtspflege, . Langestr. 30, Tel. H. . 9548, außerdem durch Vermittlung^ pon Frau H. Besthöff, Palmstr. 10, bei der jüdischen^ Frauenvereinigung. Fördert die am Schabbos geschlossenen Betriebe! ' Unter diesem Motto hat die Ägudas Jisroel-Jügend- Organisation vorerst für Frankfurt eine Aktion ernge-' leitet, die darauf. gbzielt,. die lebhafte Propaganda sürdie Betriebe und Handwerker durchzuführen, die am M«SSS Mk TMM Mag WMDM MM. M DWtM' DkyW.,MM' Cil"fiiftö M MMN, Ar MM in Frage kommen, Aufammengestellt. Diese Liste , fall alsdAyrk auf verschiedenste Weise veröffentlicht werden, - Die Firmen üiid Handwerker, die' noch keine Aüfforderüng erhalten haben, sich an dieser. Aktion zu beteiligen, Mkden gebeten, unverzüglich, sich - unter Firmen- und-'