Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1927)
- Date
- 1927-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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wü* Frankfurt a. AI., den 6. Januar 1987 3. Lchewat 5687 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Nr. 1 3t&onnexneni a& Januar 1924; ^d«rrttschlc»rtb» 1 ©olbmatt ~rrrsrrcrUich; 91 u s I a n t>; 35ierteCs Ui>tt l;yi luitfAm guUuUmU müaM JSÄ Ut Dsittf-tz-Ssts^Lich' 6Ltlli»ä 8— i Slih^ÜÄ 1 Dölläv» EttSlLttL 1 stz.» äb 1. 3uli f rankreich 85Fr.; Belgien 7 Belgs;Holland3 fl.; Italien 30 Lire; Jugoslawien 85 Din.; ttauen 7.50 Lit.; Rumänien 300 Lei; Polen 4 deutsche Goldmart zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowalei 25 Kronen; Ungarn 50000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige.. Set Ssraelti ecf^eint leben .Sonnersiaa. Snferate 40 Solbpf. für bie flebcngefpaliene BUmJAMinUUUL fllfiAAUiUtAU lAfiUU KÜ MMiMMLU liill QMUUJUUiUlä 8U#BÖ M. Dis % mm bLStts RsIlLtitszsUs» IGts TLittsUts t.80 ML. »öÄsütr TMssitL L— ML» Thiffregebühr in Höhe eines dopv. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 5842 sow. durch sämtl. Annoneen-Exved. des In- und Auslands Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langeftr. 7, If, Tel. Hansa 4641. Platzoorichr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Veclaa auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) flc. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 7980). — Postspackasfenamt Budapest Nr 18424. — Postscheckkonto Warichau Nr. 190737. — Postscheckamt Zürich Nr. Vitl 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24889 — Böhmische Unionbank in Prag — Ba ica Marmarosch Blank & Co. in Bukarest - Filiale des Wiener Bankoeems in Agram. — Der Gerichtsstand rar alle au; Abonnements od;r aus Inseraten sich ergebenden Z rhlungsverpslichtungen ist Frankfurt a. M. 3 Rabbiner Dr. Ehrenlreu Vst* Ein halbes Jahr ist verstrichen, daß wir den Frankfurter Raw, Rabb. Dr. Breuer b"xi serioren Baien. uni nun Mt Das ienWe Ouiem ium am fvlfdjen Ernbe einer zweiten Mavtjpljae. Utabb. Dr. Ehrentreu, der Münchener Raw, ist im Alter von nicht ganz 73 Jahren am Dienstag v2Lk rmgu Grabe getragen worden. Einer der Wenigen war Ehrentreu. Und wir sahen zu ihm hinauf wie zu einem Gelehrten, der aus alter, thorareicher Zeit zu uns hineinrygte. Kein Kämpfer, kein Sturmgeist, aber ein treuer Schlüsselbewahrer der jüdischen Gelehrsamkeit, ein Gaon, wie deren heute auch der Osten nur MD m gMWm MU: Der MM nur noch wenige hat, war Dr. Heinrich Ehrentreu. Ehrentreu ist 1855 (10. Adar 5614) in Alt- Ofen bei Budapest geboren. Sohn eines thorakundigen Kaufmanns, lernte er in jungen Jahren bei dem nachmaligen Prager, und Hainburger Oberrabbiner Mordechai Hirsch V"XT, und erhielt da die erste Grundlage für das Jeschiwästudium. Die weitere Ausbildung dankte er zum weitaus gropn TM« IösiMlill znNllgfjsTnianii In Ungarn, unter Heitnng des Naööt Keiwel P l a.ul^"Lpdeffen Äeblingsschüler er war. Zum ISIV 25,2 nach Preßburg kam er erst Anfang der 70er Jahre, ein Achtzehnjähriger und bereits im Besitze eminenten talmudischen Wissens. Er verblieb noch weiter in Preßburg in der Nähe des 'iBio v^V'von dem er ebenfalls, wie von dessen Vater, die Rabbinatsautorisation in besonders lobender und ehrenvoller Fassung erhielt. Zu den profanen Wissenschaften kam Ehrentreu erst später, als der jüdische Mensch auf der Basis der Thoralehre und Gottesfurcht in ihm fast ganz.ausgeveifi roar. Wan M nirtj, mo er n r i j o < < « « < < ' ' - ' sich einige Jahre als Hauslehrer bei der bekannten Familie Vondi betätigte und sich dabei in erstaunlich kurzer Zeit für die Universität vorbereitete, .ging er nach Heidelberg, wo er Philosophie, klassische Literatur, orientalische Sprachwissenschaft und noch anderes studierte, all das in den Dienst der Thoraforschung stellend. Buchstäblich dienten ihm im Sinne von Maimonides die modernen Wissenschaften, die er nun itirifi lirrfft mpi fii? iis twdtt- Cr war der Typus h.es großen rrn u n d.des jüdischen Gelehrten. So gereift und gefestigt, zog es ihnzuversten Qu'elle. zurück, zu 'seinem ersten Lehrer Rabbi Mordechai H i r s ch, .der damals als Oberrabbiner in Prag wirkte. Dessen Tochter begleitete ihn bald darauf, 1888, als Lebensgefährtin nach München. Die bald vierzigjährige Wirksamkeit Ehrentreus in München ist die Geschichte eines AufstuM mHt rllzi» ln firufflüfii rnn 1n$MlL ten Menschen, Der den Weg zur Höhe ohne Kampf, einzig durch die Macht seines Wissens und seiner starken Persönlichkeit findet, sondern auch des Aufstieges der gesetzestreuen Sache und des Thoragedankens in München und in Bayern. Er ist zunächst Prediger des „Frommen Vereins", aus dem sich aber unter seiner Leitung nach und nach die Synagvgengemeinde O h e l Jakob herausbildet, die im religiösen Leben führend ist, nachdem sämtliche religiösen Jnstitu- \mm m m MD ipg MMYW MW Mi. Ein reges jüdisches Leben, eine echte Thoraatmosphäre entwickelt sich um Ehrentreu. Es werden Schiurim für Schüler, Studenten und Baale Battim eingerichtet und stark besucht. In Predigten und Schrifterklärungen nimmt der Rabbi Gelegenheit, .den immer größer werdenden Kreis seiner Gemeinde in die Tiefen des jüdischen Wissens einzuführen und den gottergebenen 86e^ lev zu zeigen, afss ÜBor|[jjen&er des Bes Din, vor dem sich unzählige Dine Thora abspielen, hat er Anlaß, ein echter Schüler Ahrons, auf den Frieden hin zu arbeiten, als väterlicher Berater der Mitglieder, die feine Freunde sind, säet er Liebe, die in vier Jahrzehnten reiche Liebesernte bringt. . Doch ist der w a h r e, echteEhrentteu mehr als auf Kanzel und Katheder in seinem Studierzimmer zu finden. Von hier aus sprudelt der Wissensborn in reichem Strome nach allen Richtungen aus. Halachische Fragen kommen aus allen Enden an ihn heran, und feine TstHurvQUs Asigsn rnrt ifyver auf fahetfyafiem •; , ' und beispielloser Vertrautheit mit aller einschlägigen Literatur beruhenden Gründlichkeit den NJ2 x-isv'bv, erinnern an die Responsen der ganz Großen der früheren Jahrhunderte. Seine Veröffentlichungen auf dem Gebiete der talmudischen Forschung in den Jahrbüchern der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft würden schon allein genügen, diesen Jahrbüchern hohen Ewigkeitswert zu. sichern. Nabinowitz. der Wjgls WWW Dssumiipw!!* fiflBSf, U Sv sich zum Zwecke feiner Vorstudien längere Zeit in München aufhalt, in Ehrentreu den verständnisvollen Freund und eifrigen,, sachkundigen Mitarbeiter. Der letzte Band dieses heute für das Talmudlernen schlechthin unentbehrlichen Werkes ist nach dem Tode von Rabinowitz von Rabb. Dr. Ehrentreu herausgegeben worden. Er wäre nach dem Tode von Rektor Hofmann V'ST dessen berufener kongenialer' NachfslM m Mb&mivfmmv juöifi«. ®si Mtz man auch in, Berlin und man trat an den fast Siebzigjährigen in München heran. Ehrentreu konnte sich aber nicht entschließen, in diesem Alter seine Gemeinde, die er zur Höhe geführt hat, zu verlassen. In der Agudas Jisroel Deutschlands war sein Ehrenplatz im Rabbinischen Rate, der die geistige Spitze der deutschen Landesorganisation bedeutet, von selbst gegeben. Den Erfolg seiner rastlosen Arbeit durfte der nun Verstorbene vor drei Jahren bei Anlaß jüiltßE TO. GMMlM, Dö W DM MD ffigü. ehrung von allen Seiten entgegengebracht wurden, überblicken. Es war ihm die hohe Freude vergönnt, Kinder zu sehen, die in seinem Geiste leben, ja, in seiner Art lehren und wirken. Ein Sohn beschenkte den Vater zu seinem 70. Geburtstage mit einer Schrift über „ M a s s o r a - Bemerkungen in der rabbinischeu Literatur"^ ein zweiter Sohn wirkt als an lev VrErsH^ zu Frankfurt a. M. Wir haben wiederum einen Großen in Israel verloren, und das deutsche Judentum hat doppelten Anlaß, den schweren unersetzlichen Verlust zu beklagen. Möge sein Andenken in einer Zeit, da. unsere Jugend aufwärts strebt, dieser Halt und Ansporn, sein, wy p' inibt- IVochenrundschau. Die Pogrome in Rumänien und internationale Abwehr. Der Kleinkrieg in Rumänien gegen die Juden hört nickit auf. nimm! sogar tn nerfefjärfier F3ßrn £U. JDte ÜlÜct&emtÜer srnden am o b e i der Straße gute gelehrige Schüler. Ueberfälle auf Eisenbahnwagen, auf jüdische Cafes, Mißhandlung jüdischer Passanten sind in Bukarest, Jassi, Kischinew, Czernowitz und anderen 1