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Der Israelit · 1926-12-23 · Heft 52 (23.12.1926) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 52 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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23. Dezember 1926 Nr. 52 67. Jahrgang Frankfurt a. Al., den 18. Teweth 6687 Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. MbonneüieNI ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ber- ““.ljt * " - «»—•«- j Dollar; ™ “ ' " ' " ~ " 7 Zlotv: Schrveir k Fr.: Tsck>eck>o-Slowarei 28 Kronen; Ungarn 80000 Kronen; Dänemark -lli lB8I»igin & ÄFFHffJj «Tpnen- Einsrln«mm?r , Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die flebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 78 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.- ' Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. ST ' ' Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenqnnah Berlag des Israelit G. m. b. H., Franks a. M., .Gr. Eschenheimer Straße 23, D Sxo. burc^ fihntt. 9lTmonccn*®3»ci>. bes $«* u»tb Slttetwide ef SchÄigtFrgzW. 7. II TLl.SE Ml. MMaMr. flBltl _ Mk.; Tarif. Bet laufenden den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) llc. l98Ü2. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79805. - Postspackaffenamt Budapest Nr. 18424. — ____ “ ■ ' 9 ‘ Zürich Nr. Vlll 72o4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag — öanca Marmarosch Blank & Co. tn MrschauNr.^l^E —PsäschÄkamtZliei^^rr. Vlll'-ZÄ Jnkassö^Ban'k Rotterdam — PöNcheckamtDmsierdämNr.24869 — Böhmischerrnionbänk'in — Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt «r. M. Kraft und Geist.'' „Der Dtener trägt das Licht dem Herrn voran, Gott aber zieht seinem Volke voraus „mit der Wolkensäule bei Tag. sie auf den Weg zu führen und nachts mit der Feuersäule, ihnen voran zu leuchten^Talmud AbodahSara 11.) In der bunten Mannigfaltigkeit der Völkerwelt sind die Grenzen, die die Nationen nach Wesen, Eigenart, Schicksal und Geschichte schei- ©otjgenau a&gejtecH. Mii bettt äwrjj' w>' &em „Genius eines Voiles" bezeichnen unsere Weisen den Komplex der seelischen und sittlichen Eigenheiten, der eine einer Rasse entsprungenen Völkerfamilie von der anderen auszeichnet. Bezeichnend für die Eigenart des 'Volkes sind seine genialen Geister, auf die sich all die Eigenheiten und Sonderheiten konzentrieren, wie sie, sozusagen in aufgelöster Form, sich auf die ganze Volksgemeinschaft verteilen. Vor diesem Gesetze im Völkerleben sind alle ^gleich gehalten. Auch Israels Seele und Leben, Wesen und Wirken spiegeln sich deutlich im Leben seiner Großen wieder. . Kölker Vollbrachter, Großes guv Entfaltung Der m a t e r i eil e n Kräfte im Menschen und in der Natur. Israels Ausgabenkreis war und ist auf anderem Grund gezogen, auf dem Gebiete der Moral, zur Entfaltung der geistigen Kräfte im Menschen und in der Schöpfung, zur Verbreitung der Gotteserkenntnis und der aus derselben sich für das Kind Gottes ergebenden sittlichen Konsequenzen. Das Leben mit Schönheit und Anmut zu umgeben, war das Ziel der Völker, so sie sich zu einer idealen Höhe erhoben, Israel stand von jeher im Dienste der Heiligkeit, um das Leben mm Döiran NeiniM m fasern, es mit einem geistigen Inhalt gu erfüllen. -- Haben die alten Phönizier Handel und Industrie mittels der Schiffe und Karawanen der Welt gegeben, haben die Griechen der Welt die lachende Kunst geschenkt, haben die Römer mit ihren gepanzerten Legionen Mut, Tapferkeit,. Mannesstolz und die Macht eines starken menschlichen Willens durch die Welt getragen, so hat *) Nach dem soeben erschienenen vortrefflichen hebräischen Werke btnv* 120 von Robb. I. I. Gutentag, Sachotschin (Polen) frei bearbeitet. Das Werk, das vom Verfasser zu beziehen ist, gibt in einer Reihe geschlossener Darstellungen in formvollendeter Sprache ein Bild der jüdischen Welt- und Lebensanschauung und behandelt auch aktuelle Probleme. der Jude all die ineinander gehenden Räume im Bau der Menschenkultur mit Licht versehen, hat dem Menschen das höhere Ziel gewiesen, mit der heiligen Schrift, mit dem Gesetze der Moral und Liebe, mit den in die Weite und Tiefe gehenden Idealen seiner Propheten. Wer von ihnen mehr für das von allen Menschen heißersehnte Glück gelebt und gearbeitet hat, kann heute keine Frage sein, da nach einem Blutvergießen ohnegleichen, dem vier Jahre lang alle Machtmittel des Körpers und Geistes und die letzten Errungenschaften der Kunst und Wissenschaft DiMM miigiöfi Die Mer ratlos in wm Räten ausschauen nach dem, was jüdischer Genius schon vor Jahrtausenden als Ideal und Ziel der menschlichen Gesellschaft gesetzt hatte: Frieden, Liebe, Gerechtigkeit, Völkergefetz. In einer Zeit, da die klirrende Waffe des Mannes größten Stolz und höchsten Schmuck ausmachte, lehrte Talmud (Sabbat 63): „Es gehe der Mann — am Sabbat — nicht hinaus mit Schwert,. Bogen, Panzer, Lanze usw. Die Weisen sagen: es gereichen diese Dinge dem Menschen zu Unehre, wie es heißt: Und sie werden umschmieden ihre Schwerter in Ackergeräte." In' diesem Werturteil liegt gewiß keine WsichherMW. feine Feigheit. Der SuBe wilW. wo es Not tat, seinen Mann gu stehen, und das Militärzeugnis, das ihm die Römer, gewiß Fachmänner, in dieser Beziehung, ausstellen, ist ruhmvoll. Diese bedienten sich, je nachdem, der jüdischen Kraft und fürchteten sie. Allein, nur Mittel zum Zwecke war die Faust, war die Waffe, der Zweck'war ein heiliger: die Rem- und Heilighaltung des jüdischen Lebens. Die Walter, des Geistes konnten, gereizt, gezwungen, in ihrem Heiligsten bedroht, auch Helden der Faust werden. Josefus Flavius sieht die Dinge nrit römtfcf)er Brills, aber er muß in seiner g?g?rr Stflon kegengen: geht uns Nicht UM Heldenruhm, um Beulemachen oder Gebietseröberung. Wir greifen nur dann nach dem Schwerte, so sich jemand an unsere Lehre heranwagt." Und ein Früherer, ein jüdischer Propagator hellenischer Philosophie, P h i l o n:. „So war es von jeher ihre Art, ihr Leben freudig für ihre Lehre hinzugeben, als ging es nicht in den Tod, sondern in ein schöneres Leben. Lieber Tod, als um ein Jota nur von den Gesetzen der Väter abzuweichen. Und diesem Heldentums ist es zuzuschreiben, daß bei all den Leiden, die über Israel hinfluteten, nicht ein Strich von seiner Thora in den hochgehenden Wogen unterging." Kein Wunder, daß der Talmud, diese große Speicherkammer des schöpferischen jüdischen Geistes von vielen Jahrhunderten, in dem alles jüdische Leben im Wechsel der Zeiten seinen Niederschlag findet, die Helden, die mit Körperkraft zur Ehr und Wehr für Israel im Kampfe standen, kaum bei Namen kennt, auch die nicht, die es, wie die Makkabäer etwa, nach unserem Ermessen wohl verdient hätten, daß ihnen ein Denkmal in dieser Galerie gesetzt werde. Könnte jemand, .der den Talmud und seine von den höchsten sittlichen Impulsen getragenen Lehrer kennt, auf den Gedanken kommen, daß hier Ab- JWl unDaiUDartnt als MlkkiMn fügt? finde man bofi Nicht vötHessätt, ttt -Sk MifchN« sogar diejenigen ehrend und dankbar zu erwähnen, die sich verhältnismäßig minimale Verdienste für das Heiligtum und seine Inneneinrichtung erworben haben (s. Joma 3,10, Schekalim 5,1, ebenso Jeruschalmi). Verdienten die Hasmonäer-Helden, die uns den Tempel gerettet und gereinigt, nicht zumindest ebenso ein Wort des Dankes und der Anerkennung? Die Antwort braucht nicht weit hergeholt zu werden. Der Talmud ist das Buch des jüdischen Volkes im tiefsten und weitestem Sinne, er ist das Buch seiner Seele, seiner. Vergangenheit wiD Wer 3ufunft: mm was Der WM? Sk? jüdischen Volkes, üuf CitiäigrUttd SMUht, geschaffen, uns und der Welt gegeben, findet darin seinen Ausdruck in der Form der Halacha, der Morallehre, der Volkserzählung, der unverbindlichen agadischen Deutung. Es ist das Buch, vom jüdischen Geiste für den jüdischen Geist geschaffen, >ein Buch der Erziehung für Generationen, ein Siegelbewahrer des jüdischen Lebens, und bestimmt, späteren jüdischen Zeiten den Stempel aufzudrücken. Zeitgebundene und notbedingte Heldentaten, die nicht Ausflüsse des jüdischen Geistes. sondern. vorübergehend ^jjerer LchuPMun lvsvsn. können nicht darin stabilisiert werden, sie könnten bei Mißdeutungen zur Verfälschung der jüdischen Eigenart führen. Wie wir es in den Jahrzehnten nach den Makkabäern wirklich erleben mußten, daß durch den Krieg entfesselte Leidenschaften und geweckte Triebe zu einer Machtgier führten, die, dem Volke wesensfremd, ihm zum Verhängnis wurde. Dreißig Jahre Makkabäerkrieg konnten auch in Judäa nicht vorübergehen, ohne die bösesten Instinkte zu wecken und eine neue Generation in der Verherrlichung der Kriegskraft und der Siegerkrone aufwachsen zu lassen. Es kamen daher die ganz und gar unjüdischen und unnötigen Macht- und Eroberungskriege zur Zeit

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