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Der Israelit · 1926-12-16 · Heft 51 (16.12.1926) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 51 (16.12.1926)
Date
1926-12-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seile 14 Nr. ZI Der Israeli! 16. Dezember 1828 das waren eure Eltern, die auch Bauern geworden sind. „Kinder, ich bin jetzt müde," jagte er wieder einmal. „Uebermorgen ist das Schowuosfest, da wollen wir morgen im Walde Birken holen und die Synagoge grün schmücken." Die Birken mußten wir allein holen, und als wir bei Löb> die Schlüssel zur „Schul" holen 'wollten, durften wir nicht hinauf. Unser Freund lag krank im Bette und leise, leise schlichen wir um das Häuschen und spähten nach den Fenstern. Dort oysn sich NM Tnbbnt-MHmMag gewöhnlich me Dorhönge aussmanvsr und alter Freund erschien, um mit himmlischem Lächeln zu fragen: „Heute wollt ihr doch keine Geschichten hören?" Doch da kam er-schlecht an und nicht eher gaben wir Ruhe, bis er auf der alten Ruhebank faß und seine Geschichten auskramte. Und wenn an solch einem Sabbat die jüdischen Häuser ihren Dornröschenschlaf zu halten schie nen, da lachte Löb nur. Schlaf am Tage — das galt als Faulheit bei ihm —. Früh war er der erste und abends der letzte . . . Tat die Dreschmaschine brummend und lärmend ihre Arbeit, so half keiner eifriger als er. Das war diesmal ein trauriges Fest, das wir ohne unseren alten Freund verlebten. Die Mkmor in foinam Wall kannten ihn schon von weitem und eilten ihm entgegen und liehen nicht nach, bis er ihnen Futter gestreut hatte. Heute gackern sie ungeduldig und eilen ruhelos den Hühnersteig auf und ab, rennen zur Trepp, ob Löb nicht herunter kommt, sie zu füttern. Niemand denkt an sie, auch nicht an die beiden Ziegen, die sonst immer von Löb gemolken werden. Er spricht mit ihnen, wie wenn sie seine menschliche Sprache verstünden und wenn sie niedliche Junge hatten, so polsterte er ihnen die Schlafstätte sorgfältig aus, damit sie ja keinen Schaden litten. Angstvoll und ungeduldig klingt heute der Schrei der hungrigen Ziegen. Warum schreitet er nicht die hohe Steintreppe herunter? Nur die Schmalen, Me!m «m iüWfen wohnen, tun wie gewöhnlich. Unaufhörlich schießen sie durch das schmale Fensterchen hinein, heraus, immerzu, ohne müde zu werden. Alle Jahre vor Sabbat Schemini öffnete Löb dieses Fenster, das den Winter übersorgfältig mit Stroh verdeckt war, weil dann vom nahen Flusse oft empfindliche Kälte hereinstrich. „Schemini, da kommen sie, nämlich die Schwalben," sagte Löb stets und als er einmal vor Schemini vergessen hatte, zu öffnen, da strichen die Schwälbchen stundenlang am Fenster entlang und pickten am Glas, bis Löb sie hinein ließ. Unsere alte liebe Bank ist heute leer. Die Stunden schleichen traurig dahin und am Ausgang des Wochenfestes schieben sich von fremder Hand die Vorhänge auseinander und statt des alten?reunbes blickt jemcmb msi ffpstxs Wm% M UNS herunter: „Kinder, sagt es nach: boruch dajan hoemes!" Run wußten wir es: Löb wird sich nie wieder zu uns auf die Bank setzen und erzählen. Er wollte noch recht alt weredn, 90, 96 und noch älter, doch es ist anders gekommen. Die Männer gingen die Treppe hinab und gossen sich dann Wasser über die Hände. Da schrie ich laut auf und rannte weinend heim zur Mutter. Seit. Der Zeit MSM ich mich ttichb wehr auf Me Vanö setzen und später wunderte ich von daheim fort. Älß ich viel später wieder einmal in die Heimat reiste, da war im Dorfe alles ganz anders geworden. Nur noch wenige jüdische Familien wohnten, daviele waren in die nahe Stadt, andere ngch< Amerika gezogen, Viele Häuser waren an Christen, verkauft, und dfe alten hölzernen MesusguS längst abgerissen. Sy auch Lobs.Haus und. seine. Bgsik' war verschwunden, weg gerissen, verbrannt, ich weiß es nicht und habe auch nicht gefragt. i‘;. Wep. so ryanche, Geschichte, die wir auf der Bgsif.von Lpd gehört hatte.n, karp.vrip, pup.ngch., yielsssi. JÄ)^n . Weder in' den Sinn und ich will einige' davon hier niederschreiben. 1. D i e K ö n i g i nt omm t. Es war einyral an einem schönen Freitag- Nachmittag. Da hieß es im ganzen Dörfchen: „Denkt einmal an! Die Königin kommt heute hierher. Sie hat sagen lassen, daß sie alle Leute besuchen und sich in allen Häusern umsehen wolle. Und dort, wo es ihr am besten gefällt, dort werde sie beim Mahle mitessen. . . ." Das war eine Aufregung! Jeder dachte: ich will alles so schön Herrichten, daß die Prinzessin bei uns zu Abend ißt. Der Bürgermeister ließ dis EteHött fegen; der Schammes lief in die Synagoge, um sie so sauber zu kehren, daß kein Stäubchen mehr sichtbar war. Er nahm das alte Poroches vor der Heiligen Lade ab und zog den schönsten Vorhang auf. Der war aus grüner Seide und hatte in der Mitte eine goldbestickte Krone. Nun wurde die Thorarolle aus der Lade gehoben und nachgesehen, ob sie auf der richtigen Seite aufgerollt war. Denn die Königin hört gerne allerlei Ge schichten aus der Thora. Der Schammes hob die Thora nun auf und fein Sohn durfte sie mit einer bemalten Wimpel umwickeln. Weil er bald Bar Mizwah war, lernte er auch, wie man ihr den samtenen roten Festtags-Mantel umkleidet. Er schmückte sie mit lauter feinen Sachen, mit einem siltzAeUAll den er aus ^re Brust rolle hängt. Daran klingeln kleine Glöckchen gar lieblich. Auf die zwei hölzernen Köpfchen kamen silberne Kronen. Zuletzt, bevor er sie in die Lade zurückstellte, gab er ihr noch eine silberne Hand. Nun schloß er zufrieden den Oraun-Hakaudesch, wie man die Lade auch nennt. Jetzt putzte er das rote Glas vom Ner-tomid, füllte es mit frischem Del und zündete es wieder an; denn das soll immer brennen. Dann noch geschwind nachgeschaut, ob die Leuchter in Ordnung sind. Denn der Vorstand hatte gesagt: „Wenn die Königin in die Synagoge kommt, müssen alle Lichter brennen, daran hat sie ihre t>el£e ^reube." Nachbern er ben Kibbufchk>e«^er glänzend geputzt und den Kiddusch-WeM zurecht gestellt hatte, sprach er frohgelaunt: „So, nun mag die Königin in die Synagoge kommen, hier wird sie alles in schönster Ordnung finden. Und der Vorstand wird sagen: „Feist, du hast deine Sache recht gemacht." Auch der Rabbiner und seine Schüler hörten, daß die Königin bald komme. Da machten sie Schluß mit dem Thora-Lernen, klappten die Bücher zu und eilten nach Hause. Der Rabbiner sprach zu seiner Frau: „Komm, ich will dir helfen, damit du rechtzeitig fertig wirst mit der Arbeit. Wie lange wird es dauern und die Königin ist da." Da hackte er Holz und machte damit den Sabbatofen zurecht. Ja, er half sogar Tische und Stühle hinyustragen, damit seine Frau und Töchter die Zimmer sauber wischen konnten. Und nun würbe MMMAiE MM Mb! Die MlUr zeit für die Königin zubereitet: Gute Suppe und Schalet und Fleisch mit Sauce. Auf den Tisch kam ein schneeweißes Tuch aus Leinen, ein Salzfäßchen mit silbernen! Deckel und unter dem seidenen Berchos-Tüchlein versteckt, lachten zwei große Weißbrote in heimlicher Freude. In. den Tellern spiegelte sich die Sabbatlampe und die glitzernden Löffel kicherten leise, als ihre Freunde, Messer und Gabel neben sie gelegt mürben. Für n solchen Besuch M? Ms Sachen aus dem Schrank. Um den Besuch beonders zu ehren, brachte der Rabbiner eine Flasche Wein aus dem Keller. Auf ihrem, Schild tand geschrieben: „Wein aus Erez Israel". Stolz tgnst .sie da nehen ihreyfi Freundj deW Hidhusch- Iiecher. Der wollte sich mit der hochmütig droben hängenden Sabbatlampe herumstreiten, wer von ihnen der schönste sei, Da hob aber die Frau- Rabbiner mahnend den Finger, und drohte: „Still etzt, seid verträglich, haltet Frieden miteinander; )epn wo. Zank- und Unfriede ist, da kehrt die Königin nicht ein!" Kinder und, Große bähen und>waschen, sich, kfejden sich, femM wie. sonst und. der, Bester, erche,int ich, sihMrzeä Anzugs Er nimmt die Mctz im an der Hand upd,spricht: Laßt, uns nun eilem wir gehen zur Synagoge, Nortrrsirddie Königin zuerst empfangen. Sie kommt so leise, daß man es gar nicht hört; alle Türen öffyen sich ihr von selbst. v' In der Synagoge wird gesungen: „Lecho daudi likras kalloh," und als das Lied zu Ende ging, da wendeten sich alle Leute zur Tür, verneigten sich zweimal und sangen: „Komme, ö Braut, komme du Braut!" Da war mit einernmal die Königin da. Und wißt ihr, wie sie heißt? Königin Sabbat! . ... Alle Lichter strählen doller und alle Aua-sn schausn ftsudjß deM. DU Königin ist da. Jubelnd fingt die Gemeinde der Königin zu Ehren ein Lied: „Mismaur schir lajom haschabos!" (Schluß folgt.) Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren ober sonstige Angaben rellgionsgesehlichen Charakter» auf ihre AuveWstgkeit zu prüfest: Jac. E. Eisenmann Grünestrasse 12 Telefon Carolus 42493 Vermögen: 220 Miliidnerl Mark ESei-atüiig jg rsmstjsvsll Yersicherungsiweigeri LBARBARlNÖ Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet’ 1887 Cigaretten CIGARREN Tabaka feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von , Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstr 81 T"*'“ H““ 33,1 Zeit 88 I [ Versnnd nach auswärts sein 10 ö Jdhreh bewährt von Millionen gerr.unteelh Es ist recht erfreulich, daß auch frommen jüdischen Kreisen sich Gelegenheit bietet, inmitten des Berne r Oberlandes solche Winterkuren zu genießen. Viele, die im Sommer in Grindelmald ein herrliches Stück Alpenwelt sahen, haben heute noch Sehnsucht nach den Bevgriesen im ewigen Schnee, nach den Gletschern in majestätischem Glanze. Umgeben von Wetterhovn, Eiger und Nlettenberg liegt Grindsluxild «m Bsrgesrcrrki» x>oc rauhen Winden geschützt, nur 1100 Metel ü, M. Erhv-- lungs- und Nuhebedürfügen bieten die Wälder mit hochragenden, schneebedeckten Tannen und Erlen einen wohltuenden Ferien- und Kuraufenthalt. Die Hochgebirgswelt ist die Heilstätte für Nervöse und Rekonvaleszenten. Das milde und gesunde Klima wird von ärztlichen Autoritäten empfohlen, denen die dünne Luft im Oberengadin nicht zuträglich für die Herztätigkeit scheint. Im Hotel Silberhorn, wenige Minuten vom Bahnhof, mit ZenlllllUiguilg MV MI kMMiillitktkii Zimmern. Bietet Me ÄösiM^iü, §rWru F. 5? \) n, beste ^ßenfion bet mahkgen Preisen von Mitte Dezember ab. Je zahlreicher von dieser gastlichen Stätte Gebrauch gemacht werden wird, desto wohler werden sich die Gäste fühlen und immer wieder in diesem Alpenidyll Kräftigung und Heilung, finden. Ritters Hotel, und Reftäuramö in Wüesb.a d e n-, Bef,: T h. Bm y.m, Telefon 6370, unter Auficht des Herrn Rabbiner Dr> Ansbacher, ist wieder, eröffnest. Fließendes., kaltes und warmes Wasser in allen Zimmern. Zentralheizung — Lift — Bäder im. Hause.. Anerkannt vorzügliche Verpflegung. Mäßige. Preise. WränstMtstch aMKiSrrT M r. diiüt n iral gesöllschaf TO} ifübjt

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