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Der Israelit · 1926-12-16 · Heft 51 (16.12.1926) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 51 (16.12.1926)
Date
1926-12-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Beilage nr. 51 1926 M mm Alles koscher... Mi HnIMisthl SflfSIWf. Von Ssriel Snrlebach. (Schluß.) „Und als viel wurden die Tage und der Mann Jochanan mehrte zu sitzen in. unserer Mitte, da standen auf die Häupter der Gemeinde und sprachen: Gelobt der zu uns gesandt seine Boten und richtet die Schritte des Menschen. Wollen wir ihn tun lassen den Dienst am Heiligen und er schlachte das Tier und gebe es uns. Wir alle freuten uns des Tages und sprachen: Gro^^ git uns gefommen unb roaliei des Amtes, ein Schüler des Heiligen, N. Climelech . . Wir aber, der Kleinste in Juda, haben ein Auge geworfen auf ihn und wußten nicht. Und wir beklopften das Faß und es war hohl. Deshalb und darum ist ausgebreitet meine Seele vor der Herrlichkeit Eurer Größe und möge es ihr gefallen, Kunde zu geben, uns, seinem Knechte und Hörenden seiner Worte wegen JochaNan des Mannes, was er ist und welches feine Natur und ob wahr sind die Worte, die er gesprochen. Cs ergießen sich der Segen und der Friede von oben aus Euch und alles was Euer ist, nach dem Flehen des Kleinen, der sich wälzt im Staube der her <SLeteIjir±ett. Michael, Salm meines Darers, unseres LcP rers und Heiligen R. Pinchas, Verfasser des „Tautropfen der Nacht" sein Andenken zum Segen. Hüter der Hlg, Hut, hier in Pechnislowka, sie möge Stadt Gottes erbaut werden. Geschrieben ist es in Pechnislowka. Gerichtet nach Moschitza. Bis ein Brief von Pechnislowka nach Moschitza kommt, vergeht ein halbes Jahr. Liest man den Brief in Moschitza, kocht die Stadt. Die Frau des Fuhrmanns schreit und tobt. Als sie sich beruhigt hat, geht sie zur Frau des Schlächters und will sie auf der Stelle verfluchen oder wenigstens erschlagen. „Dein Mann, der Graf hat meinen Jossele umgebracht!" f>5r±9 . ■. . Wewer . . .? Schlagen sie sich und schimpfen. Und als sie dessen müde sind, geht Jossels Frau nach Haufe, überschläft die Sache, und beschließt am nächsten Morgen, daß ihr Jossele gar nicht gestorben ist. Er will sie bloß ärgern, . . . stellt er sich tot . . . Oder er . hat einfach ausreißen wollen und erzählt dem Raw eine ganze Geschichte: Der Rebbe gestorben, der Mann gestorben, das Herz schwer, ein Brief , und noch ein Brief, ein hohles Faß . . Oel mit Oliven . . . So verdreht man dem Raw den Kopf. Was versteht der von Männern und überhaupt von ihrem Jossele ... Joffel ist sicher nicht gestorben; denn wozu soll er mit einemmal plötzlich sich hinlegen und sterben? . .. . Alles Schwindel Beschließt sie. Und sie überlegt schon, was sie ihm an den KM merfen mirD, MMN er Beimrommt bev Drückeberger . . . sagt einfach, er sei gestorben . . .. Diese Männer . . . . Inzwischen überlegt sich die Frau des Schauchet die Geschichte. Was ist das für eine Art und Weise? Sagt, er fährt nach ^Lifensk und bleibt irgendwo in einem Dorf und schächtet. Unb wenn der Fuhrmann tot ist, kann man schon nicht mehr nach Lisensk fahren oder nach Hause kommen? . . . Wie läßt man Frau und Kinder einfach sitzen, fragt nicht, schreibt nicht und schlachtet in Pechnislowka? ... Und sie beschließt, hinzufahren und ihm den Kops zu waschen. Und sie überlegt sich schon die richtigen Schimpfworte . . . Weiber . . . * die ganze Stadt . . . Alles koscher ... Ich will die Sünde tragen. Sollen alle zufrieden sein; ich werde braten für sie . . ." „Aber Juden aßen doch trejfe . ." „Rebbe, ich habe immer die Brache gemacht." „Nun und ..." „Alles koscher, Rebbe . . ." Versteht sich, daß man den Fuhrmann abgesstzt und durch viele Fasttags die Sünde ZU büßen Nehmen sie eine Fuhre und fahren. Fahren und schimpfen. „Deiner hat ihn umgebracht, der Lump!" ^Schweig, sag ich Dir. W.as braucht er mitten auf dem Weg zu sterben? Wie? Damit mein Jochanan mich sitzen läßt? Ha? . . ." „Wer ist gestorben? Jossele? Ich werd' dir geben!, ausgerissen ist er und ich werd ihn mir schon holen. Zerreißen werd' ich ihn! , . ." „Was für Zerreißen? Er ist doch tot!!" „Tot ist er? Und wer hat ihn erschlagen, wie? Deiner . . " „Unl> voev hat rnrch erschlä^en Mit MetNM Kindern? Deiner!, der Tölpel." Und sie einigen sich, daß man beide zerreißen wird, Jochanan und Joffel . . . * . Inzwischen steht Jossel und schächtet. „Alles koscher" ... Die Metzger tanzen. Kaum rattert man auf den Markt, springt die Fuhrmannsfrau aus dem Wagen, stürzt auf Jossel zu, umarmt ihn und prügelt ihn, schreit und schimpft: was soll ich Euch sagen? . . . Weiber... Läuft auch Jochanans Frau hinzu, fragt, wo „tfyr&v" ifi, artitBorioi Soffel: „©efiorfcenl ^shr?it Vf flhrFi ^1««. Urrihalst sich das Mar und die Frau reißt an Josiels Bart. „Nu, was Hab' ich gesagt? Wer ist der Mörder? Deiner! ..." Es wird ein Auflauf und man erfährt die ganze Geschichte. Und wer sind die lautesten Schreier? Die Bester! Sie haben gleich gemerkt, daß da was nicht in Ordnung ist, aber was soll man tun, die rohen Metzger . . . Trejfe hat man gegessen . . . ihretwegen. Die Bester schreien, der Raw ist schuldig, er hätte ihn prüfen müssen. Aber der Raw selbst ißt überhaupt kein Fleisch, und gehört hatte man auf ihn nicht ... * Und man nimmt Jossel und bringt ihn zum Sogjer. Soll e r : ercifefjetbert, toas matt trtti machen soll. Es war schon in dem letzten Jahr vor jener Geschichte . . . und der Kozker läßt fast niemanden an sich heran. Endlich schmuggelt man ihn herein. Sagt der Kozker: Ochsen! . . . Ihr wißt doch, er pflegte schon damals immer zunächst zu sagen: „Ochsen!" und dann erst zu reden. Spricht er so mit Jossel: „Hast ihn erschlagen?" „Rebbe . . ." „Versteh, nicht, Gott behüte, angerührt, sondern vielleicht beleidigt, oder so - . ." „Nein, Rebbe" ... „Wann hast du das Papier genommen? . ." „Nach seinem Tod." — „Und warum?" — „Erst einfach so. Dann habe ich mir überlegt, daß ich kein Geld habe ... nichts zu verdienen ist . . . habe ich gemeint, einem Schächter wird mnn eöer Wen wie einem miDrmann^ .. SM ter habe ich schon gar nicht inehr zurück gekonnt . . . Habe ich geschachtet..." „Und warum hast du keine Schaales gemacht? Nie . . ." „Rebbe, ich wollte, alles soll koscher sein, alles . . . Der Metzger soll nicht schimpfen auf den Raw und der Raw soll nicht böse werden müssen. Die Frauen sollen zufrieden sein ... Die Tiere, suchte. Vielleicht ist aber die ganze Geschichte nur erdacht, um die „Kozker" in schlechtes Licht zu stellen. Ainderecke. JüdisHe Kulturvilder für die Jugend. Von Iulius Straus. 1. Auf der Bank. Sie stand vor der hohen Treppe, die hinauf in das niedrige Häuschen führte. Aus rohen Baumftämmchen hatte der Viehhändler Löb sie gezimmert, kurz nachdem er mit seiner jungen Frau ins Haus gezogen war. In den Feierstunden abends saß er auf ihr und wartete, bis sich aus der Iudengafse die Männer und Knaben zusammenfanden, um in der Synagoge Maariv zu beten. Am kühlen Sommerabend wurden aus der Bank die Neuigkeiten ausgetaufcht. Bon Zeiftmsrn man kanrnl? n?ch iVknisil bie Eisenbahn mar mm rneg vorn Dorfe unb rnenn die Händler Musliner und Oppenheimer von der Frankfurter Messe zurückkehrten, so ließen sie in der Synagoge „Gomel benschen" als Dank, daß.sie die beschwerliche Reise gut Überstunden hatten. Jenerzeit war Löb noch jung und kräftig. Wir aber kannten nur den alten „Löb". Das war sein Vorname, aber Jung und Alt nannte ihn nur so, Wenn er auf der Bank saß, wir Kinder dicht gedrängt um ihn herum und er dann erzählte aus alten und uralten Zeiten, Lustiges und Trauriges, jüdische Märchen und Geschichten, die er oft selbst erfunden, wie lauschten wir da atemlos. Wollte er aufhören, so rief es wie aus einem Mündel „Noch mehr, mehr! Weitercrgäljlett! " Sann sagte er; Kinder, ich bin fetzt müde. Dch bin nun bald 86 Jahre alt, aber mit Gottes Hilfe will ich noch älter werden. Mein Vater ist 90 Jahre geworden, mein Großvater gar 96, war einen Tag krank und starb. Er handelte mit alten Kleidern und Schuhen, mein Vater wurde Viehhändler und ich habe zuerst das gleiche Geschäft erlernt. Zu meines Vaters Zeiten durften die Juden noch kein Feld kaufen und wenn sie ihr Brot verdienen wollten, mußten sie mit irgend etwas Handel treiben. Sie waren nicht gut gelitten bei den Bauern, und kam einer auf den Hof und ins Haus, so dachte der Bauer gleich: „Der Jude kommt und will mich betrügen." Weil einzelne Juden unrecht taten, glaubten sie, alle Juden sind so und weil wir in hebräischer Sprache beten, denken sie, es steckt Böses dahinter. Da wollte ich nicht länger mehr Händler sein und kaufte mir einige Felder. Ich war der erste Jude hier im Däne. Der mioDor ein Bauer aenrnrnen ist. Zuerst lachten die anderen Juden mich aus. Hoch dort oben seht ihr den Draht vom Erub gezogen. Der war früher viel niedriger. Da kam ich mit der ersten Fuhre Heu nicht durch und der Draht riß ab. Da hob ich ihn höher hinauf, und als die Dreschmaschine zum erstenmal in meinen Hof kam, da mußte der Draht noch höher hinauf. Jetzt machten es die anderen Juden mir nach,

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