Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1926)
- Date
- 1926-12-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Settr 2 Nr. 10 Der o im l k t 8. Dezember 1326 dererseits wieder geht der Senat in Verordnungen aus den Jahren 1684 bis 1695 rücksichtslos gegen die Juden vor, indem er kurzerhand alle nicht, in der Judengasse wohnenden Juden aus der Stadt verweist und die Juden, die in der Judengasse wohnen, Sonn- und Feiertags auf diese Gasse beschränkt. So dürfen an Sonn- und Feiertagen Mst HM klsM? der Judengasse nicht öffnen. Tie dürfen in den Feldern und Wiesen an diesen Tagen nicht spazieren gehen, ja nicht einmal zu den öffentlichen Brunnen sich begeben. Auch dürfen sie in keinen Friseurladen gehen und in der Gasse sich nicht laut betragen. Die Juden waren in Frankfurt a. M. der sog. Stättigkeitsordnung unterworfen, die zuletzt noch im Jahre 1704 erneuert wurde. Das gut erhaltene Exemplar in der Sammlung. „Polizei und Judentum" trägt auf dem Umschlag das Judenzeichen, den sogen. „Judenfleck", mit dem sich die Juden kennzeichnen mußten. Plastisch DllMstM ist Üfif m ZMi MMstSlltSK Figuren des Frankfurter Bildhauers Kormis. Die in der späteren Zeit einsetzende freiere Behandlung des Judentums kommt in einer Senatsverordnung zum Ausdruck, aus welcher hervorgeht, daß sie auf besonderen Antrag der Rabbiner und „Baumeister" der Stättigkeitsjuden herausgegeben worden ist und die anordnet, daß jüdische Ehen in Frankfurt nur mit Zustimmung der Rabbiner und Baumeister geschlossen werden dürfen. Andere Ehen erklärt die Verordnung für ungültig. Zuwiderhandelnde werden aus der Stadt einfach ausgewiesen. Aus dem Jahre 1833 stammende Reisest ä e er galten non der tngtm|<Jjen erlangten Freizügigkeit der Juden und damit von dem Beginn des Durchsetzens staatsbürgerlicher Anerkennung. Reben * dieser rein verwaltungspolizeilichen Seite enthält die Sammlung aber noch verschiedene Darstellungen aus der damaligen Kriminalgeschichte, aus denen die Einstellung von damals, die in dem Juden den Verbrecher sah und ihm/alles und jedes Schlechte in die Schuhe zu schieben versuchte, spricht. Für üöll illküschöll Forscher m Mo Sammlung „Pollgei und Judentum" ein wahre Fundgrube. Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft. Von Dr. Mendel Hirsch (Fortsetzung.) Daß wir unsere Unterrichtsanstalt angekündigt, und offen und frei die Prinzipien dargelegt, auf die wir sie gegründet, wer hätte das anders erwartet? Und wer hätte auch erwartet, daß dieselben dem Herrn Dr. Heß, dem — wie er von sich rühmt — eigentlichen Schöpfer der Richtung, die wir beklagen, d^ni eigsNfstsksfN Risses, Der in unserer Gemeinde klaffet, wer hätte erwartet, daß sie ihm und seinen Ansichten gefallen? Er selbst gewiß am allerwenigsten! Und wahrlich, nicht, daß unsere Anstalt der Pflege des einzig-historifch-wirklichen Judentums, wie unsere und seine Väter es gekannt, gewidmet ist, nicht das bringt ihn in Harnisch, sondern, daß mir mit mWb MlslWüen ernster Sorgfalt auch dre allgemein soziale wissenschaftliche Bildung der Jugend versorgen, das bringt ihn auf, das gefährdet das Monopol, das er mit ins Grab zu nehmen gedachte, wenn auch nicht im Besitze des allein wahrhaften Judentums, doch der alleinige Pfleger der humanen Bildung im hiesigen Kreise gewese nzü sein. Hätten wir unsere Anstalt einem rabbinischen Judentum geweiht, wie der Herr Doktor in seiner Unkenntnis er sich einzig möglich denkt, und eine solche Schule gegründet,. „in welcher jedes deutsche Wort verpönt gewesen wäre",, vergnügt hätte er sich die Hände usih ww fii# unstvM Mhen last sen. Aber daß wirzu der Erleuchtung unserer großen - rabbinisch-talnmdischen Ahnen zurückgekehrt, in nachstrebender Hingebung uns die ihn im „ersten Worte der Verständigung" genannten geistigen Heroen unseres Volkes zum Muster genommen, das macht ihn für den wirklichen Sieg seines langjährigen Strebens zittern, und eben sein Zittern bürgt uns dafür, das Rechte getroffen zu haben. Mtt hkM ykssll Ds. Hkß sind KÜ fkMg, Wenn etwas noch die Begeisterung „der kleinen Heerde", wie der Herr Doktor uns nennt, für ihr begonnenes Werk hätte steigern können, nichts war so geeignet dazu, als die letzten Worte des Herrn Dr. Heß. Wir sehen den Abgrund, aus dem es galt, unsere Kinder und Kindeskinder zu retten, und danken Gott dafür, daß er so weit geholfen. Frankfurt a M., 19. April 1853. gez. Rabb. Hirsch. Mit der in unserem 7. Artikel mitgeteilten Erwiderung von Samson. Raphael Hirsch waren die Wolken rrn «Mli m THM bei ihrer Eröffnung bedroht hatten. Den schlagendsten Beweis für ihre Notwendigkeit hatte namentlich die zweite Erklärung des Leiters der Gemeindeschule für alle geliefert, die ihre Kinder nicht in den von der kompetentesten Seite dargelegten Prinzipien dieser Anstalt erziehen lassen wollten. Was zur Untergrabung dienen sollte, das gereichte, wie so oft, in Wirklichkeit zur Konsolidierung. Gleichwohl wurde im Kreise der Religionsgesellschaft mit großer Spannung de ersten öffentlichen Prüfung entgegengesehen. So groß war der Respekt vor der Gemeindeschule. Bei gar War es auch cm NM llemmlltWr Zllgthöit, ob dsnn wtEich.. „fromme" Lehrer fo Tüchtiges leisten könnten, wie die Herren vom Philantropin. Mag man nun auch den Wert solcher Prüfungen im allgemeinen mit Recht nicht hoch anschlagen: die Art, wie sie eine große Reihe von Jahren hindurch bei uns abgehalten wurden, gestattete sehr wohl, namentlich dem Sachverständigen, einen Einblick in den Unterrichtsbetrieb und ein Urteil über die Leistungen. Die wackeren Lehrer hatten mit treuer Hingebung gearbeitet. Der Erfolg roor ein jlängenber. Eine grojje fietjrern Der Realschule Der israelitischen Gemeinde waren gegenwärtig—die Prüfung dauerte die ganze Woche und sämtliche Gegenstände wurden in sämtlichen Klassen vorgenommen. Diese Kollegen, das sei ihnen noch nach Jahren dankbar gedacht, erklärten im Kreise der Gemeinde die Leistungen für vorzüglich, ganz abgesehen vom Hebräischen, werde auch in den Gegenständen der allgemeinen Bildung bei ihnen nicht mehr geleistet. Dieses gewiß unverdächtige Zeugnis bestätigte nur den unmittelbar gewonnenen Eindruck. Der Ruf der Schule war damit gegründet. (Fortsetzung folgt.) Aus lvemenwe» uud MreMvlOen, (Freitag Abend-Zusammenkunft und Sium des Das. Hajaumi!) Am Freitag den 10. Dezember findet die Freitag Abend-Zusammenkunft der Agudas Jisroel- Jugendgruppe ausnahmsweise im Lokal des „Mekor Chajim", Langestraße 18, statt, da der Welt- Schiur-Daf-Hajaumi unter Leitung des Herrn Halpern an diesem Tage seinen Sium auf die Mesechto Kidduschin begeht und die Sium-Feier im Rahmen der Freitag Abend- Veranstaltung begangen wird: Die Vorbereitungen zum Gküngm Dieser Mer M ToiMii oetroifen. Ml mit einer eöjt iudistzen Wincho Ml Mizwch zu rechnen ist. Eingeladen zu dieser Feier sind alle Mitglieder und Freunde der Agudas Jisroel. Beginn pünktlich 8 Uhr. (Neues aus der Agudas Rsroel-Jugendgruppe.) Die dritte Vorlesung des Herrn Red. Schachnowitz über: „Geistige und politische Strömungen im Judentum seit Mendelssohn" (Der Chassidismus) findet am Sonntag den 19. ds. statt. Beginn pünktlich abends 8.30 Uhr. Einlaß gegen Vorzeigung der Gastkarte. Die Vorlesung des Herrn Rechtsanwalt Dr. Jsaäc Breuer fällt am Montag den 13. ds. ausnahmsweise aus. - ' : Nach längerer Unterbrechung hat sich Herr Gerfön S ch n e r b wieder bereit erklärt, einen einmal wöchentlich;ficifcifmbe*tb.en; Schulchau ©rucf>=<3d^iur^ autfj Teil- «e^meroljtte ZSuröklhnng Q« TckMSVS ÜtN 11. Dezember findet zur genauen Festlegung des Schiurs um 4;30 Uhr hier im Lokal eine Vorbesprechung statt, zuder -alle Interessenten sich pünktlich einfindell wollen. Betreffend unsere dieswöchentliche Freitag-Abend-Zusammenkunft verweisen wir auf eine gesonderte Notiz irr dieser Nummer: „Freitag Abend-Zusammenkunft: und Sium des Daf-Hajaumi!" : '' (Chewrah Schäumer Mizwo.) Anläßlich des Ablebens von Seligmann Oppenheimer findet der all-- wöchentliche Schiur in der Wohnung des Herrn Leopold Oppenheimer, Bärenstraße 12, statt. (Dringende Bitte.) Die Geschäftsstelle der W e i b- Iiö)en Hflrforqiß (Qsraßlii. MauöNWMn zuv $Marung gemeinnütziger Bestrebungen) schreibt uns: An unsere Fürsorgestelle gelangen so viele dringende Bitten um Koltern, daß wir diese Bitten' der Oeffentlichkeit zur Kenntnis bringen wollen. Wir sind gerne bereit, auf telefonischen Anruf H. 3725 die Koltern abholen zu lassen: Anfragen sind an die Weibliche Fürsorge E. V., Langestraße 30, Zimmer 1, zu richten. (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten.) Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltet mit seiner Turn- und Sportabteilung am Samstag den 18. Dezember 1926, abends 8 Uhr in sämtlichen Räpmen der Fr an k für - Loge, Eschersheimer Landstraße 27, eine Chanuka- Feier mit künstlerischen Darbietungen, reich ausgestatteter Tombola u. a. m. Der gesamt« Reinertrag fließt dem K a m e ra de n -H i lfs fo n d zu. Der Eintrittspreis beträgt Mk. 2.— inkl. Steuer. Karten find in folgenden BDrDüraiMmisn zu mdm: MumMus ujmii?8. Kvissrstraßö 65 und Allerheiligenstraße 76, da. Goelheeck, Goethestraße 2, do. Wolfs, Zell 49; Ludwig Gutheim, Zeil 91, 1.; M. u. S. Adler, Hanauerlandstraße 50': Konditorei Freimark, Sandnieg 17; do. Goldberger, Leipzigerstraße 26. (Konzert Leo Magido.) Auf vielfachen Wunsch hat sich Leo Magido, der so rasch berühmt gewordene jüdische Tenor entschlossen, auch dieses Jahr ein Konzert zu veranstalten. Leo Magido, von Max Neumann entdeckt, hat sich heute so durchgesetzt, daß er die prominentesten Künstler der hiesigen Oper und auswärtiger Bühnen zu seinen Schülern zählt. — Das Konzert findet Mittwoch, den 16. Dezember, abends 8- Uhr im kleinen Saal des Saalbau statt. Vorverkauf bei Firnberg, Andre, Lina Schott: Hugo Hlchenberg ry'■$. El mar ieöcm meuiw in Dir MüensmüMMl unü ZulraulMM feines Wesens uni» jeber war ihm unwillkürlich hold, diesem Hugo Hichenberg, der jetzt zur ewigen Ruhe eingegangen ist. Er führte seit dem Tode seinen Mutter dieses lieben und goldenen Wahrzeichens aus dem Frankfurt der Hirsch-Jahre, ein einsames Leben und bevölkerte sich das doch mit jüdischen Jugendevinnerungen, an deren Bestem er unverbrüchlich festhielt. Wenn er an den crs-m ww vor dem ninv stand, so teilte sich ihirr etwas von der fortwirkenden Würde seines Vorbildes, des Oberkantors Julius Frieslander n"? mit. So bleibt er im Kreise der Seinen nicht nur, sondern auch im weiten Kreise all seiner vielen Freunde unvergessen, rrrmn- ___ ' M. Sp. Die Zubiläumsfeierlichkeiten in Alzenau. Alzenau. 26. November. Die hiesige israelitische Gemeinde feierte am 19., 20. und 21. d. M. das Fest des 100 jährigen Bestehens ihrer Synagoge, verbunden mit dem 25jährigen Ortsjubiläum ihrer Lehrers, Herr B. Wechsler. - In der festlich geschmückten Synagoge wurde die Feierlichkeit am Freitag abend begonnen, wobei der Alzenauer Synagogenchor den Gottesdienst verschönte. Samstag früh fand der eigentliche Festgottesdienst statt.. Seinen Höhepunkt erreichte derselbe in der Festpredigt unseres allverehrten Herrn Distriktsrabbiners Dr. Raph. Breuer, Aschaffenburg, welche allen andächtig Versammelten zu einem seelischen Erlebnis wurde. Unter Zugrundelegung des Sabbatpsalms 93 ns» nmi 7>my; legte der Redner dar. daß nur dart. tx>o bte, ,QeugrTtff<twerden und Treue finden «mp m«j nur da auch, dem Gotteshause Heiligkeit zukommt. Er führte aus, daß nicht nur im ov©,i wr das Gebet die Hauptsache bildet, sondern auch außerhalb desselben der Zusammenhang in dem Befolgen der Gebote im Hause und im., bürgerlichen Berufe nicht gelockert werden dürfe. Redner erinnerte an unfern Stammvater Jakob, der bei seiner Rückkehr von Laban ins Vaterhaus seine Kinder ermahnte 'ui -Din ’n^s m non, die fremden Götter ausihreu Häusern zu schassen und sich zu reinigen. Er ermahnte hre Zuhörer, hen SRammonlsmug und die ünsittlichkeit (nn=,m> zu bekämpfen, die sich im Volke 6reit^ mache. Dann werden ihnen auch die umliegenden Völker gleich Jakob nichts anhaben - können, von dem es heißt von ->n->i- ZuM Schlüsse seiner tief' chürfenden Rede verlieh Herr Dr. Breuer als Ausdruck des ^Dankes für sein bisheriges Wirken Herrn Lehrer Wechsler den mn-Titel unter Ueberreichung einer entprechenden Urkunde. Der Geehrte dankte in herzlichen^ Worten und ermahnte seinerseits die Zuhörer, insbeondere die Jugend den Worten des allverehrten Rednersauch die Tat folgen zu lassen. Abends fand im Ritterfchen Saale ein Festkommersitatt, der von sämtlichen Gesangvereinen, dem Turnierein und Kraftsportklub durch Darbietung, von Gecmg und Aufteilung von 5|SijramiDen r-ers^ö^t wg^d^. Bei öioeue VoistMv» HÜi Lvllw Mllisllig»' HM Me m\ii willkömtüen und gab ein Bild der Entstehung der Synagoge und der Geschichte der Gemeinde. ' Sodann feierteer die Verdienste des Jubilars'm'Schule, Gemeinde und.«