Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1926)
- Date
- 1926-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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% Dezember IMS «0| Ein Centralorgan fOrdas orthodoxe Judentum (//öfc § JJ Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz. WWIBr # Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Merteljahrpretse (entsprechend dem deutsche» Inlandspreis, zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar: England 4 sh.; ab 1. Juli^ Frankreich und Belgien 7 Belga; Holland 3 fl.; Italien 30 Lire; Jugoslawien 88 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder» 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn 60000 Kronen; Dänemark 8 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige.- Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.80 Mk., vorletzte Textsette 2.— Mk.; Chiffregebühr in Hübe eines dop». Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inseraiaufträgen' tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks a. M., Gr. Eschenheimer Straße 33, Tel. Hansa 8843 sow. durch sämtl. Aimoneen-EiPeo. des In- und Auslands. Alleinige Inkeratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4841. PlatzvVÄjrhr. ohne Verbindlich!. Zahlungei^trek^ndenBerlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Sic. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postsparkassenamt Budapest Nr.'18424. — Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vül 7254 — Jnkaffo-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Böhmische Nntonbank in Prag — Banca Maraarosch Blank & CoJ.n Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. 8ss Sksktz Skgkll Schmutz- und SchuudlUerakur. Von Menachemfohn. Im Reichstag ist das Gesetz gegen die 'Schmutz- und Schundliteratur angenommen worden. Es soll ein großzügiger Kampf .geführt werden gegen die geistige Vergiftung der Jugend. Länderprüfstellen für literarische Erzeugnisse sollen eingerichtet werden, die sich der Nsichsprüfstells untsrzuovdnsn hätten. Das allgemetTte art ier den Ausführungen der einzelnen Fraktionsredner lebhaft zum Ausdrück. Minister Dr. Külz begründete die Varlage, indem er darauf hinwies, daß der Kampf sowohl prohibitiv, als positiv geführt werden müsse, die Schundliteratur müsse der Jugend ferngehalten und dafür Wertvolles geboten werden. Der Minister will eine Einladung ergehen lassen, an die Autorenverbände, an den Verband der deutschen Hochschulen, an die Tagespresse, die Vildungsvereine, die Volkshochschulen, die Bibliotheken, die Lehrervereine, die Geistlichkeit, an alle mit Kulturfragen sich beschäftigenden Verbände der Arbeitnehmer, an die deutschen Jugendverbände, die Deutschtumsverbände, den Buchhandel usw. Die Schundliteratur dürfe überhaupt nicht vom Stand- Pit it £ t e ettter get ft t gen 5Bem« gung NN g? vo w ri> 1 m eri en , | o n t e r n « l s ein. k ulturw i d r i g es gewissen loses Ge schüft su nternehmen, das Milli onenfach d i e d e u t s ch e I u g e n d verseucht. Was wir als Juden, als deutsche Staatsbürger hiezu zu sagen haben? Nun, Herr Staatsminister: es gibt keine größere Schmutz-, Schund- und Schandliteratur als die antisemitische, die nun seit fast 50 Jahren die deutsche Jugend vergiftet, ob als Tagespresse, als periodisch erscheinende Schrift, als Roman, Buch, Tafchenkalendet, Flugschrift. und dergl. Hier gilt es, einen wahren Augiasftaff 31t reinigen -henn trtarfdtfievk «IT VfY Wisch in Nr. 584 seines „Hammer" (Nvv. 19Z6) mit folgenden Auflageziffern völkischer Zeitschriften und. Standardwerke: „Hammer" 8000 Stück, „Reichswart" 6000, „Deutschlands Erneuerung" §000, „Weltkampf" 3000, „Deutscher Volkswart" 4000;: dazu etwa 35 000 bis<40 000 Stück für die '5 Zeitungen: „Deutsches Volkstum", „Alldeutsche Blätter", „Deutsche Wochenschau", „Psychokrat", „Dsutschsr Bsvmörts", Dos ergibt eine ©efamt= . - ( t ....... < mm m in« je t■:••• vezieherzayi für vie zehn wichtigsten vvMschrn Blätter von etwa 65 000 bis 70 000 Stück . . . Die drei ausgesprochen völkischen Blätter: „Deutsche Zeitung", „Deutsches Tageblatt" und „Völkischer Beobachter" verfügen über eine regelmäßige Auflage von ungefähr 120 000—150 000 Stück. Von den wichtigsten völkischen „Werken" erschienen: Einhart: „Deutsche Geschichte", 118 000; Wolf: „Angewandte Geschichte", 35 000; Kernholt: „VomGhetto zurMacht", 6000; „Handbuch der Judenfrage". 72 000 (davon feit 1919: Df 000 Iffil-)! FM! „Dßp tfilgmfiBMO UllDö", 90 000 Stück;- Salburg: „Hochfinanz" (seit Dezember 1925) 1350 Stück; Günther: „Rassenkunde des deutschen Volkes" (innerhalb drei Jahren) 30 000 Stück; Wichtil: „Wellfreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik", 49 000 Stück; Wundt: „Staatsphilosophie", 3000 Stück. Diese Zahlen sprechen Bände. Kein Staatsminister und keine Reichsregierung werden den Mut aufbringen, zu erklären, die antisemitischen Schriften s ei e n k e in Gift für die Volksseele, seien kein Sumpf, aus dem täglich Miasmen aufsteigen. Ein Blick in die. spezifisch jüdischen Zeitschriften, in das A-V-Blatt, in „Im deutschen Reich" zeigt in erschreckendem Maße die Verworfenheit/ den Pfuhl, die Verlogenheit unddie entsetzliche Sittenverderbnis der antisemitischen itrtb S«1>itrtfc»Iiierctiatr. Do ftijert Sryitn verte deutscher Tchulmümrer in Prüsungsnnsschüfsen zusammen, um die literarischen Neuerscheinungen. zu mustern nach streng ethischen Richtlinien; Jugendschriftwarten erscheinen separat oder als Beilagen zu pädagogischen Zeitschriften. Und auf der anderen Seite sieht man Blätter vom Kaliber des „Stürmer" (Nürnberg), der „Sturmfahne" (Würzburg), der „Flamme" (Bamberg) in den Händen von 10—16 jährigen Jungens und Mädels. Weithin leuchtets in Groß- und Fettdruck: „Das Geheimnis eines jüdischen Blutmordes", oder „Von Juden zu Tode gemartert", oder als Feuilleton „Der jüdische Mädchens-HätHtsr?". JNon r»sr?gksr«Hs oir«H bert Qfrti£e[ „SOßos I«. f 1SSS Zeitung Nr.44vvm 29: Dttoöer 1920^©. 571, Freisprechung eines Hetzapostels nach unerhörter Verunglimpfung und Beleidigung der jüdischen Religion. Wir sagen es darum ganz offen herus: „W ir glaub ennichtimg eringsten ane in en Erfolg des G es etz es g e g en die Schmutz- und Schundliteratur, solange noch solche Zustände in D e ii i f cf) I an b berrf cfr'e n. Lächerlick) ersthcmcn Bemühungen, aus ü? und Jugendbuch einen ethischen Extrakt Herauspressen zu wollen, solange in dicken Schwaden die Giftdämpfe des Judenhasses über, den deutschen Bode n z re h e n. Weite Kreise der Lehrerschaft, der Hochschulen und Wissenschaft sind selbst verseucht: sie können nicht berufen sein zum Aufbau von Wällen gegen die Schmutzflut und Schundliteratur, weil zu ihr in ersterLiniedie antisemitische zu rechnen ist. In diesem Zinns BlßlBißn Biß Worts m tlNNNMMstWßN Abgeordneten Rofenbamn verständlich: „In einem sogenannten „Hindenburgkalender" befinden sich sehr bedenkliche Inserate. Gegen solchen Schmutz wird aber das vorliegende Gesetz nicht a n g e - wendet werden." Die Verwunderung des Deutschnationalen Mumm über die ablehnende Haltung linksgerichteter Kreise ist ein Zeichen des schlechten Gewissens. Das Mißtrauen ist nur zu berechtigt. DerJudenhaßinjederForm und Phase bildet das Bleigewicht an all d en zur idealen Höhe streb ende n M aß n a h m e n dieses,Gesetzes. Wochenrundschau. Was geht in Rumänien vor? Die Vorgänge in Alt- und Neurumänien haben sich so zugespitzt, daß die jüdische Oeffentlichkeit nicht mit Stillschweigen darüber hinweggehen kann. Oberrabbiner Z i r e l s o h n in Kischinew hat s e i n M a n d atalsSenatorniedergelegt. Diese Tatsache spricht mehr und deutlicher für die Tragik der Situation als alle einlottgsttbstt VsrriHts SS Ztt tim »ermögen. Wrs |c^firrtm m«|je„ fie tuenn itejcr mutige mW unerschrockene Kämpfer für vas W dische Recht in der rumänischen Legislative sich dazu entschließen mußte, seine ferneren Bemühungen als zwecklos aufzugeben und lieber den Ehrenplatz, als Wachposten gegenstandslos geworden, aufzugeben, als durch fein Mittun für Handlungen und Unterlassungen, die gegen alle Begriffe 1