Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1926)
- Date
- 1926-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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2. Dezember 1926 ~207Kislen? 6687 Nr. 49 Frankfurt a. Al., den «l^ss EUl Cenfraforgan fOr das orthodoxe Jiidenfnin /jffjfly Wl II Begründet von Dr. Lebmann ln Mainz. J Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab.Januar 1824: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar: England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich und Belgien 28 Fr.; Holland 2 fl.; Italien 28 Lire; Jugoslawien 83 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien 280 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowaket 28 Kronen; Ungarn 80880 Kronen; Dänemark 8 Kronen; Norwegen 6 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 48 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30Nf. 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Der Kampf ging und geht weiter und wird sein endgültiges Ende erreichen erst am „letzten fiip TAzr", ah &4W, HAch D&aMa, „iU'IEwte hinaussteigen werden zu dem Berg Zion, um zu richten den Berg Esaus, auf daß dem Ewigen das Königtum wird . . ." Die Weltweisen des Talmuds verstanden es anders als die Heutigen, über die Dinge und durch die geschichtlichen Berschlungenheiten bis ans andere Ende zu schauen. Und Gegenwartsleid unter wildtobendem Cäsarenwahnsinn hinderte sie nicht, auch in diesem welthistorischen Prozesse zwischen Edom und Israel den Ausgang glücklich für beide Teile zu sehen. Wie würden sie sonst den Schriftsatz, mit dem dieser Bruderkampf schon im Mutterschoßs seinen Anfang MMMt, "(lUM 4M WÜ dem Hinrvei? auf Antoninus und Rabbi Iehuda begleiten, diesen Rabbi und diesen Kaiser, die ein inniges Verhältnis um Gottes und der höchsten Menschheitsideen willen auf Tod und Leben verband!? Noch erstaunlicher müßte uns die talmudische Erklärung im Zusammenhänge mit ihren weiteren Ausführungen zu dem Nachsatze öx^oüx^i fa»’ anmuten: „Spricht Jemand, Rom und Jerusalem seien gleich hoch oder gleich tief, so glaube es ihm nicht; glaube aber, daß, wenn das eine in die Höhe schnellt, das andere in die Tiefe sinkt, wie es auch der Prophet Jecheskel mit dem Worte zeichnet: rrnnn nx^vX'in Glücksfülle schwelgt das eine, indes das andere der Verödung verfällt." Wie paßt nun diese tausendmal wahre geschichtliche Feststellung zu Antoninus und Rabbi: miß süMN gsvsds fii M zmzi lMörstrellenben Völker personifizieren? Will der Schriftsatz in talmudischer Beleuchtung auf die unversöhnliche- Gegensätzlichkeit von Edom und Israel Hinweisen, so wäre es doch wohl logischer und richtiger, Nero und Hillel, Hadrian und Rabbi Akiba usw. zu nennen? Antoninus, *) der nach talmudischer Erzählung seinem jüdischen Freunde willig und freudig in die höchsten Höhen jüdischer Gotteserkenntnis und Lebensauffassung folgte und insgeheim sogar in das Bundeszeichen Abrahams getreten sem soll, als Widerpart von Rabbi kann unmöglich den Kampf, den Widerstreit, die unversöhnliche Gegensätzlichkeit, die Unmöglichkeit für beide Völker, auf gleicher Höhe zu bleiben, wie sie sich aus der Fortsetzung des Bibelverses ergeben soll, darstellen. Aber eben darum! Das in prophetischer Gedankenwelt wurzelnde Weisenwort zeigt schon am Anfang das letzte Ende. Das große Ringen zweier Welten, her Zrveck dss Kampfes ist aber ber Steg, unb Sieg ifi nicfjt Sieberlage bes anbe* ren, sondern Erh ebung auch, und erst recht, für den U n t e r l e g e n e n. Antoninus war einer der Frühgeborenen, einer von denen, die ihrer Zeit um ein bedeutendes vorauseilen und mit denen eine gütige Vorsehung fast in jedem Geschlechte Einzelträger einer besseren Zukunft der Welt schenkt. Möge im Auf und Ab der geschichtlichen Geschehnisse der Kampf mit wechselndem Glücke (Tay rot xV w» hdt) toben, das letzte Ziel und der Sieg aller Siege ist schon in dem ersten Worte klar gezeichnet. Entscheidend für das Verhältnis der beiden Welten zueinander sind 9Intontnus unb SU ah h i. Äuch ber Makkabäersteg bei Modin konnte nur als Etappe zu diesem letzten Ziele seine Bedeutung erhalten und sich von Jahrhundert zu Jahrhundert erhalten. Als Teilsieg im fast dreißigjährigen Kriege der Makkabäer gegen syrischhellenische Macht und Kultur, hätten ihm schon die nächstfolgenden Jahre des Niederganges, des Verfalls und gar die späteren Jahre des nationalen Zusammenbruches allen Wert genommen, allen Boden entzogen. Wenn darum der Talmud fragt: nsun 'xvso soll damit gewiß nicht eine dem letzten jüdischen Kinde im letzten Dorfe bekannte Sache zum Gegenstände einer Preisfrage gemacht werden. Gemeint ist: Was soll uns, heute noch, Chanuka bedeuten, heute, Nachdem all das, was Makka- - A) motten in diesem Zusammenhang« in «ine wissenschaftliche Untersuchung über die Identität dieses Kaisers nicht eintreten. Nach Rappaport handelt es sich um Märktis Aurelius' Antoninus. der 161—180 regierte. Siehe jedoch Hoffmann im „Magazins Jahrg. 1892. bäerschwert uns erobert und noch mehr dazu längst wieder in die Brüche gegangen ist? Wollen wir uns an imaginären Siegen berauschen, von denen eine darauf folgende endlose Leidenszeit alle Spuren weggewischt hat? Und wenn Talmud diese Frage kurz mit der Erzählung vom Oelwunder im wiedergeheiligten Tempel beantwortet, so soll damit gesagt sein: Nicht das Schwert, nicht der Heldenkampf und nicht einmal der Sieg ist es, dem unser Licht und unser Lied in den Golusjahrhunderten geweiht ist, sondern das Licht gilt dem Lichte. Makkabäer als Träger jüdischen Heldentums wären für uns höchstens eine stolze Erinnerung nur, Makkabäer als Retter des bedrohten jüdischen Geistes, als Erhalter des den Weltstürmen ausgesetzten jüdischen Lichtes, als Befreier der heiligen Lehre, hie später nach hem Zusarnrnenbruch über Sabne uns als ßebenslltbl In ble Selten hlnausbegleltet hat, als solche sind sie die Helden unserer Tage, unserer Zeit, n 1 n pn Dnn ww3. Wie im Menschenwesen der Körper nur Träger der Seele ist, diese aber in himmlische Höhen emporsteigt und von dort noch Licht und Leben ausstrahlt, wenn der Leib längst, verfallen ist, so verhält es sich im ganzen im Leven der Geschichte. Konkrete geschichtliche Ereignisse und Erscheinungen, ortbedingt und zeitgebunden, verfliegen, zerstieben und verfallen mit den Menschen, die sie führend oder leidend erlebt haben. Ueber den Boden der geschichtlichen Eret9ntffe aber ergebt ji«^ ber Sinn^ bie Seele ber Geschichte, leuchtend in die spätesten Zeiten. Ohne Tempel, ohne Staat, ohne territoriale Einheit, in Entbehrung all dessen, was damals als Basis des nationalen Lebens geschützt werden sollte, wirkt heute das Chanukawunder in seiner Lichtreinheit in und auf uns mehr denn je zu einer Zeit unseres nationalen Glückes. Insofern gilt auch vom Chanukalicht das uns geläufige Wort NM nn» es ist das Licht der jüdischen Volksseele, das wachsend hinaufstrebt, um wQ'n winx^zum Lichte des Weltenlebens, der Weltkultur anzusteigen. Und hat sich der Makkabäersieg, wie ihn Talmud sieht, bis zu seinem letzten Stadium ausgewirkt, dann erfaßt er in gleichem Maße Sieger und Besiegte und das große letzte Ende ist das Kapitel von A n t o n i -?t %£ & uitb SR ct £> £> t r ms 3BeIfitiTx|ö||enbe enoeUert. Obadia, der Edoms Schuld und Schicksal mit lapidaren Worten zeichnende Prophet, sagt es klar genug in dem Satze, der. in. der Folge gleichsam das Motto des Chanukafestes gewor-