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Der Israelit · 1926-11-25 · Heft 48 (25.11.1926) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 48 (25.11.1926)
Date
1926-11-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Zur gefl. Mtiznahme. Die Mitglieder -es Bundes werden, um die Fortführung der Arbeiten des Bundes zu ermöglichen, dringend ersucht, den Jahresbeitrag pro 1926, sowie die Rückstände für 1924 und 25 an den Rechner Herrn Lugen Lttlinger Postscheckkonto 5319 baldigst abzuführen. Probleme jüdischer Erzieh»««. Bon Direktor Dr. Elias, Fürth. I. Welches Ziel hat sich der jüdische Erzieher zu stellen? Um diese Frage zu beantworten, greift der jüdische Lehrer auch heute noch gewöhnlich zu Herbart. Gibt es doch keine Theorie, die sich so in das Denken unserer jüdischen Pädagogen und Zöglinge,„ja-von da in Schule üpd Haus festgesetzt hat, wie die von der Ethik als Ziel der Pädagogik. Herbarts Leitsatz ist, daß die Pädagogik in erster Linie angewandte Ethik sei. Stammt er doch aus der Zeit, wo die großen Apostel der Humanität, die von einer Vernunftreligion als Grundlage und Ideal aller positiven Religionen geschwärmt hatten, die'Pädagogik beherrschten. Die Apologeten des Judentums beeilten sich nachzuweisen, daß auch unsere Religion dieses Ideal habe, und der jüdische Lehrer erhob Mo mit ZUM MI MslM Mit. Nun BßruDt äUt iiifi Ansicht — muß äuZgssMchött Uiöi>dstt, ohne sie herabsetzen zu wollen — auf ganz anderen Voraussetzungen als die jüdische Pädagogik. Denn das ethische Ideal der menschlichen Gesellschaft kann sich von einem Geschlecht zum andern ändern. Unsere Religion ist aber ein Absolutes, Unveränderliches. Die Zeit muß kommen, wo die Thauro als das Humanitätsideal der Menschheit und die Religion der reinen Vernunft anerkannt wird, und auch heute werden wir durch unsere Religion'schwerlich mit dem Sittengesetz in Konflikt kommen, da es ja unserer Thauro entlehnt ist, aber das sind Ergebnisse abgeschlossener Entwicklung. Die Thauro bleibt das Primäre, und wenn wir der Wahrheit die Ehre geben, so sagen wir: Ziel der jüdischen Erziehung ist nicht die Ethik, sondern die Religion. Der Ostjude hat da ein gesundes Empfinden, wenn er vielfach seine Hoffnung aus eine gute Erziehung seines Kindes zusammenfaßt, indem er sagt: „ä Jid soll er sein!" Wonach bestimmen mir aber Vildungsideal. Lshrml uu& flßiMiO Hsvbrvt sitzt ysMUi. M Mi Sills bes Älnbes, es komme xnofyev es roolle, beim Beginn ihres .Daseins „Tabula rasa" sei. Mit Kant schreibt u der Erziehung und Bildung die einzige und alles vermögende Herausarbeitung der Persönlichkeit zu. Wie Elischa ben Abuja im Perek sagt: „Wer mit Kindern lernt, gleicht dem, der auf ein unbeschriebenes Blatt Papier schreibt," so ist nach jener Ansicht Erziehung Anfang und Ende aller Entwicklung. Eine angeborene, gegebene Summe von Anlagen, individuelle Besonderheit oder gar jüdische Eigenart tritt zurück hinter den für alle gleichen Normen der Erziehung, die ihr von der Ethik diktiert sind. Demgegenüber stand Schopenhauer auf dem Standpunkt, daß die Erziehung außerstande sei, an dem durch die ursprüngliche Anlage determinierten Charakter noch etwas zu ändern. Wer denkt dabei nicht auch an die platonisch-talmudische Anschauung, daß alles Lernen nur eine Anamnesis, eine Wiedererinnerung an das vor der Geburt erlangte Wissen sei. Aber beide Extreme werden durch die Erfahrung tausendmal widerlegt. Die Wahrheit liegt vielmehr in der Mitte. Elischa spricht ja auch nur vom Unterricht und will nur die Produktivität des Jugendunterrichts, der 'KnpiJ'T 'kd-ii im Vergleich zum Lernen der Alten hervorheben. Sollte das Bild vom unbeschriebenen Blatt Papier absolute Geltung auch für den Charakter haben, dann wäre ja Elischa der lebendige Beweis gegen sich selbst, dann wäre, aus Elischa kein Acher geworden. nrnis» sVs nimm mpn Vs -nimm npn 12V ms mm: Thora verlangt Erbe und Erwerb, setzt voraus die Erbschaft von Ahnen, die ihr eine snoos, ein Heim bereiten, in das sie immer wieder einkehren kann, verlangt aber auch die Erziehung, den Erwerb späterer Geschlechter. Auch hier zitiere ich das oben erwähnte Wort, „ä Jid soll er werden". Als Jude ist unser Kind geboren, und doch muß er zum Judentum erst erzogen werden. An den aus der jüdischen Abstammung resultierenden Besonderheiten darf der jüdische Lehrer genau jo toenij achtlos oorü6«r^,eyen, rote an ben e rotiert Wahrheiten «ni» Fee-ernngen DnSentnin?, w?nn so drängen sich immer schwere und schwerste Probleme jüdischer Erziehung auf, die bei allem Verständnis und bei aller Liebe zum Beruf nicht zu lösen sind. Aus dem Briefe eines jüdischen Landlehrers. ... Ich folge gerne Ihrer Aufforderung, um Ihnen, nachdem ich jetzt nahezu feit einem Jahre hier in dem weltverlorenen Odenwalddörflein als wohlbestallter Religionslehrer, Vorbeter und Schochet tätig bin, Bericht zu geben über - das, toas icf| irr biejem Qatjve erjaf)ren «ttb an NN- Weltkenntnis in mich «»ftjfinsnr ganze Menschen aus unserer Erziehung heroorgehen -men habe. Sie wissen, wie ich erfüllt war niit Dem sollen. Darüber hinaus müssen mir Die inDioiDuellen besten Wollen, ein echter, jüdischer. Lehrer zu werden Typen der Kinder berücksichtigen, wenn aus der Mauroscho eine m'aurosso werden soll. Vom jüdischen Kinde ausgehend, fordert die jüdische Pädagogik als Voraussetzung, den Geist und das Gemüt und die Lebensbedingungen jüdischer Kinder zu berücksichtigen, wenn Bildungsideal Lehrziel und Methode aufgestellt wird. Wie aber erkennen wir die jüdischen Besonderheiten? Experimentelle psychologische Untersuchungen sind zuerst von Nichtjuden an jüdischen Kindern in nichtjüdischen Schulen angestellt worden. Allgemeinen. Wert können wir diesen Untersuchungen aber nicht beimessen. Nicht etwa darum, weil die daselbst gefällten Urteile nicht zutreffen, sondern weil die Bedingungen, unter denen die jüdischen Kinder im engen Verkehr mit MtWisAm mulm uns MMn Die stfenatt Wss Seelenlebens unb (SnimlMuttgsgattges verwischen, wenn nicht verleugnen lassen. Neben andern Mängeln ist das der Hauptfehler, der den Versuchen Dr. Ruppins und Nemeteks anhaftete. Immerhin waren es verdienstvolle Anfänge. Der verstorbene Direktor des Frankfurter Philanthropins, Dr. Adler, sah hinter solchen Experimenten nur Versuche zur tendenziösen Lösung der Frage, inwiefern jüdische Rasse, jüdischer Geist und jüdisches Gemüt a priori etwas Eigenartiges darstellen. Nach seiner Erfahrung und seinem allgemeinen Eindruck gibt es bei den deutschen Judenkindern gegenüber den nichtjüdischen überhaupt keine Besonderheiten mehr, höchstens unbedeutende Reste von solchen. Aber meiner Ansicht nach, muß man gar nicht Zionist sein, um die Forderung Bernfelds nach systematischen Forschungen experimentell-psychologischer Art unter jüdischen Kindern' zu unterstützen. Wenn ein so vorsichtiger Psychologe wie Spranger eine Besonderheit der jiibtfcbert Sugenb nnnimmt, so ist es wohl der Wtühe wert, ilnbrjuc^un^en Darüber Tendenz zu bekräftigen, sondern um Erziehung zu ermöglichen. Selbstverständlich darf hierbei nicht von einer kleinen Gruppe jüdischer Kinder ausgegangen werden, erst recht nicht nur von deutschen, denen eine fast zweihunderjährige assimilatorische Erziehung den Stempel aufdrückt. Das Material experimentell-psychologischer Art und erst recht statistischer Aufzeichnungen kann nur verwertet und für die. Jugenderziehung nutzbar gemacht werden, wenn eine über alle jüdischen Schulen sich erstreckende Organisation das aus ihnen zu entnehmende- Material sammelt, wenn unter Mitwirkung aller jüdischen Lehrer die Schüler anderer Schulen erfaßt werden, wenn endlich die Geschichte der jüdischen Erziehung und jüdische Kinderbiographien berücksichtigt und verarbeitet werden.. Ich denke da nicht etwa an ein großartiges kostspieliges Institut, sondern an ein anspruchsloses Unternehmen, das nichts braucht als ein Zentrum, wie es an einem der Lehrer- oder Rabbinereminare leicht etabliert werden kann, an eine ordnende Hand, und, was die Hauptsache ist, die sachliche Untertützung der Erzieher, Direktoren und Studierenden, die das Material.bereichern und verarbeiten. Wenn wir nicht das Seelenleben und den Entwicklungsgang der jüdischen Jugend aufzudecken versuchen. bmrxif>e .stelle Lbl individuelle unt eme und stets für Mehrung jüdischen Lebens und jüdischer Lehre einzutreten, mit jugendlichem Ungestüm mich einzusetzen für mm und miss, damals als unsre alma Mater ihre Tore hinter uns schloß und uns als neugebackene Jugendbildner ins Leben setzte. Und jetzt drängt es mich, meinem Herzen Luft zu machen und Ihnen zu erzählen, was mich nach fast einjähriger Wirksamkeit erfüllt und bewegt. Ihnen, mein väterlicher Freund, sage ich gewiß nichts Neues; denn Sie stehen ja feit Jahrzehnten bereits mitten im öffentlichen jüdischen Leben, sind in rastloser Lehrertätigkeit alt und grau geworden; Sie kennen die jüdischen Verhältnisse in Stadt und Land, Sie wissen, wie es in früheren Zeiten in den Gemeinden ausgesehen und welche gewaltige, grundstürzende Veränderungen im Verlaufe weniger Jahrzehnte sich vollzogen haben ... min m lW m ninpnn Ich also zlMt non mou HIH Alhältlichäll Behältnissen reden will, so kann Ich Ihnen erzählen, daß das Einkommen, das mir meine aus etwa 18 Familien bestehende Gemeinde bietet, nicht geradezu ein fürstliches zu nennen ist, aber meiner angeborenen Bescheidenheit, welche Eigenschaft, wie die wohlhabenden Mitglieder meiner Gemeinde meinen, mir sehr gut zu Gesichte stehen soll, genügt es, um meine leiblichen und übrigen Bedürfnisse zu befriedigen. Unser Dörflern läßt in seiner Weltvergessenheit nicht das Verlangen nach großstädtischen Genüssen aufkommen. In dieser weisen Erwägung hat mein wohllöblicher Gemeindevorstand mein Gehalt nebst Nebengesällen schon so beniesen, daß ein junger Mann nicht in die Gefahr kommen kann, allzu große Ansprüche an das Leben zu stellen und ich mich wohl hüten werde, gelegentlich doch einmal über die Stränge zu schlagen. Ich zeigte schon in meiner Seminaristenzeit Spuren eines werdenden Sonderlings. Wenn die Kollegen die Straßen der Großstadt durchzogen. fometi bas bte vorn Elternhause nicht gerade sehr Mchlich M OliUII brächte» ffleftbÜrfen „JLfa, (0 blieb Ich am liebsten auf unsrer Rüde sitzen und suchte die Welt der Bücher kennen zu lernen. Diese embryonale Erscheinung meiner Seminaristenzeit habe ich auch in Amt und Würden beibehalten und so reicht mein Einkommen immerhin, um mir von Zeit zu Zeit ein schönes iso oder ein gutes Buch kommen zu lassen. Wenn ich dann in meinem einsamen Stüblein - sitze und mich in die Welt jüdischen Geistes oder in die Welt der Vergangenheit vertieft habe, dann vergesse ich meine dörfliche Umgebung, dann bin ich reich in meiner Armut. Es gibt aber Kollegen in meiner näheren und ferneren Umgebung, Männer, die zum Teil eine stattliche Kinderzahl zu ernähren haben, die im Dienste ihrer Gemeinden ergraut sind und trotzdem kaum ein höheres Einkommen besitzen als ich, der ich noch in den Anfängen jüdischen Lehrerdaseins stecke und nur für meine eigene, mir natürlich sehr wichtig und bedeutend erscheinende Person zu sorgen habe. Ich sage Ihnen, verehrter Freund, es sind die reinsten Lebenskünstler! Wie es möglich ist, daß diese Männer ein lebenswürdiges Leben zu führen imstande sind, daß sie einen täglichen Kampf ums Leben für sich und ihre Familien zu kämpfen vermögen und doch nicht erlahmen in der Aufrechterhaltung ihrer jüdischen Lehrerideale, das ist mir ein noch immer ungelöstes Rätsel. 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