Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1926)
- Date
- 1926-11-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 48 Der Israelit Der fingende Golem. Stücke jüdischen Gepräges haben einen besonderen Reiz für die Frankfurter Bühnen. Zur Zeit wird im Frankfurter „Neuen Theater", nicht zum Schaden derer, dje wegbleiben, „Der König der Schnorrer", die schlechte Bearbeitung eines schlechten Romanes vop Zangwill, angemessen schlecht gespielt. Im Frankfurter Opernhaus kann man den Golem des hohen Rabbi Löw singen hören.. Er singt nicht übel, und er verdient es, im Gegensätze zum Schnorrerkönig, daß man ihn sich ansieht und ihti anhört. Die Golemerzählung fand itt den letzten Jahren audem Wege des Romanes und der Bühne, auch Eingang in die nichtjüdische Welt. , Die. Ueberlieferung in ihrer Urform ist schlicht und frei der dramatischen Komplikationcn. M LdDi ann.fiöi Höhl DMhhMm m Pkäd itn 16. Jahrhundert, großer Kabbalist und Freund des mystisch veranlagten Kaisers Rudolf II., fertigte sich einen Golem (zu deutsch: plumpe Tonpuppe) an und hauchte ihm kraft des „heiligen Namens" Lebensodem ein, so daß er ass treuer, stummer Diener ihm und dem Ghetto seht nützlich war. Da sich aber der Golem an die ihm gewordenen Aufträge buchstäblich genau hielt, ohne was zu .unterlassen oder hinzuzufügen, so war Vorsicht höchlichst geboten, der. kleinste. Regiefehler konnte Unheil heraufbeschwören. Und so geschah es auch, daß einmal, am Freitag kurz vor Sabbateingang der Golem mit der Mordaxt jn der Hand durch die . Straßen raste, alles furz und klein schlug und zuletzt noch ganze Stadtteile in Brand steckte. Cs blieb dem hohen Rabbi, der nun einfehen mußte, daß er die Grenzen seiner Kraft überschritten hatte, nichts anderes übrig, als dem gefährlichen Tonklumpen den Geist wieder, zu entziehen und ihn in seinen leblosen puppenhaften Urzustand zurückzurufen. In der Alt-Neuschul zu Prag wird bis auf den heutigen Tag, angeblich zum Andenken an diese gebannte Gölemgesähr, am Freitagabend zweimal das Mismor für den Sabbattag" gesagt — weil der Rabbi damals mitten in diesem Psalmgebete die Synagoge ver- ‘“ff*" mugte[ UM m tl Uk8ös8?sgjMKIIp bannen unv dann Del seiner RllMyr ln öle Synagoge den Sabbatpsalm noch einmal von vorne anfing. Auf dem Dachboden der alten Schul soll sich in irgend einer Ecke der leblose Tonklumpen noch befinden, an den sich aber keiner heranwagt. So hatten mir uns die Sache als Kinder erzählt. Bemerkt fei, daß diese nur eine von den vielen Golemgeschichten ist. Die Chassidim wissen auch von einem Golem des B a a l - S ch e m T o w zu -erzählen, Rabbi Cajm David Assulai von einem andern kongenialen Kollegen des ungeschlachten Prager Schreckensgesellen. M moberne Prag« MWe um Brot und Meirynk konnte an diesem Stoff so wenig vorbei- 88E Hßäirtjtt? aus Bolero -einen Roman, in den er alle dunkle Symbolik der Zeit hineindichtete. Ferdinand Lion, der den Stoff zu einem Operntext für Eugen d' A l b e r t bearbeitete, stellte an die Seite des Golem eine Lea, Pflegetochter des Rabbi, in den Mittelpunkt. Der Rabbi hatte dem Golem Leben gegeben, Lea gab ihm das höhere Leben, die Zunge, das Wollen, die Seele in all ihren Bewegungen, Schwingungen und Erschütterungen. Golem und Lea sind, man weiß nicht wie, seelisch miteinander verknüpft, sein Leben ist ihrer Seele ein Stück. Er wird zum Allvernichter, weil man sie ihm zu entziehen versucht und Lea haucht ihre Seele aus in dem Momente, da derRabbi gezwungen ist, seinem Geschöpf, dem Golem, das Leben zu entziehen. Man sieht: die Bretter der Golembühne bedeuten nichts weniger als die Welt. Was sich auf ihnen drei Stunden lang singend, mimend, gestikulierend unter dem gewaltigen Brausen eines verstärkten Orchesters bewegt, ist Mystik, Prager Mystik, Mystik des 16. Jahrhunderts, und wir bezweifeln stark, ob es jüdische Mystik ist, trotz der wiederholt harmonisch hineinspielenden Töne aus „Moaus Zur" und „Kol Nidre". Ein Stückchen düsteres deutsches Mittelalter, das in jüdischer und rabbinischer Gewandung einen Abend lang am Die BüDne manDeit. MI Clnöimk Dlßtöt bei allen unverwischlich. der Rabbi des Robert vom Scheidt sowohl, wie der Golem des Jean Stern, nicht minder die Lea der Elisabeth Friedrich. Das Prager Ghetto, die alte Synagoge, der Sternenhimmel darüber, der Ausblick durch das geöffnete Ghettotor auf die Türme und Zinnen der Stadt, die Judenansammlungen, und nicht zuletzt eine Vision, im himmlischen Strahlenglanze auftauchend und verfliegend, zeigen, was eine Regie und eine moderne dekorative Kunst alles vermögen. Die Musik, über die sich Referent kein Urteil anmaßt, soll des Komponisten von Tiefland durchaus würdig sein. Arnold Zweig über Lesfings „Nathan der Weife". Ein Buch der reifen inneren Äusgeglichenheit, weiser psychologischer und ästbetiscker Einsichten. mttrmmsmnrmö SST KMW eiaenaemrmten onis M'S» das IMS der. vellimme Verlag 3. 211.©d aely. Berlin in i.ArnoId Zweig, Leifing, Klef,st, Büchner Drei Versuche" zu erlesenem Genüsse darbietet . Mächtige, zackige Lebenslinien sind hier mit großem Blick und großem Wurf ausgedeckt 25. November 1926 und nachgezeichnet und in den Gesamtkomplex und das Einzelbild ihrer Werke hineingestellt. Aus der Fülle des gedanklich Hochstehenden und Freiblickenden seien hier einige Stellen aus der Betrachtung über Lesstng wiedergegeben ..und darum werden wir „Nathan der Weise" überhaupt nicht weiter als Drama wörten. sondern als Gedicht, gls Lesfings Vermächtnis, als sein Wort an die europäische Gegenwart. Er. dürfte, aus hex Maske des Juden reden, ünd zugleich den Juden reden lassen — nicht hräüsend ovü einmaliger Lebendigkeit und auch, sich zürückschlagend gegen die Schmachi die. dem Juden ohne Sinn, Grund und Recht, nur seines Andersseins, > s eines < Minderheitsmals.. seiner. Wehrlosigkeit wegen .angetan wird, wie Shakespeare den Juden süßtet sondern' mild, überlegen,. — realistisch, yüd Üetstia — aükdeklärt. wie er iLpittöza sah und Moses iflrenDölefnDni feinou .MM, MW m% irr: MM heiterest. Freund — den Juden reden lassen nicht.wie ein Ding r»on Fleisch und Bmt, Leidenschaft , und Lebensdrang, sondern wie, dieJvealgestalt des Philosophen, me über die Gebundenheiten des Menschen, seine individuellen Zugehörigkeiten, sich erhöben hatmit dergelassenen und sanften.Altersklarheit. wie, verklärt durch felbstir.onisterenLen Witz; vergeistigte Juden sie,so oft zeigen. Er,.Lessing,.dürfte aus der Maske des Jühen reden: weil er selber wie eine Art Jude an seinem Lebensabend dästand, von jeder Art Pfaffentum verketzert, und. verleumdet, in der schmerzlichen Minderheit des Geistes dem brutalen Mtäg. Gegenüber ünd so, einsam» daß die Meinung aüfkommen könnte, Möses Mendelssohn, der ihm doch ein echter Freund wör. sei an Ueberraschüng und.besonderer Erregung gestorben, als er in F. H. Jacobs Veröffentlichung lesen, muffte ihm gegenüber habe Lessing sich als Spjnozisten bekannt. . «So einsam lebte diesea Mann, als er den ^Nathan" in sich, hin und: her schob und dann, schrieb; durch Auwritüt in eine demütigende Haltung hineingezwungen und unter den Pfahlbürgern seiner beiden Kleinstädte nicht iveniaer fremd und ungebunden BHfffi Sero M ein m m LüWMg am flUTflesiartwe, uMnattschere Zetteu fast messtattisch eingestellt, und gläubig-optimistisch wie nur liberale Juden und Aufklärer sein können, denen die Rationalität. die sinnvolle Vernünftigkeit des Weltlaus innerstes Bedürfnis ist, und die die Macht des Triebes, des Irrationalen, die dunkle Leidenfchaitskongrinente des Lebens und die zähe Beharrlichkeit des Fleisches am liebsten wegleugnen und übersehen möchten. (Was bei Aufklärern zutreffen mag, nicht aber bei überzeugten Juden. Sie wollen nicht die .Macht des Triebes" und die szähe Beharrlichkeit ks FlWs" meöleuflnen, sondern sie suchen Ile zu bekämpfen, betrachten sie als gottgegebenes Erfordernis für ble ^nffalturtg ber ^XBtXIensfrezöeit. Re aDttö it ■ j -; ' .1, Im h*m gewollte Zwecke em und unter. Anm. des Berichterstatters). Das Absichtliche, Exempelhafte dieses Lehrgedichts wird sich aus alledem, leicht erklären, ebenso aber daß die Gestalten grötzlinig, zwar etwas gübelinhaft, aber im Tonfall überzeugend, trotzdem Charakter und Lebendigkeit haben die Juden vor allem, dankbar dafür, datz in dieser Dichtung eines Nichtjuden von den „drei Ringen" einmal ihr Repräsentant vom Lichte der Begebung warmherzig unterströmt, ward, und daß kein Rest von Hochmut, Entwertung anderen Seins und alter Verleumdung in dieser Gestalt zu finden war. die Juden also liebten ihn von nun an für diese Idealisierung, ihres Vertreters.". . . . „Seine deutschen aber» damals gerade in den. Glanz der Kulturnation aufsteigend und nicht mehr für Franzosen und Briten ein ..Bedientenvolk", grüßten ihn begeistert, weil er ihrer Sprache und Dichtung dies Preislied der Humanität und des vorbildlichen Zusammenlebens von Menschen eingeboren hatte, ihrem Drama damit zuerst den großen geistigen, adelnden Gehalt verleihend". ..Sein Amt sei vorüber und sein Verdienst historisch? Sein Verdienst ist ewig und sein Amt noch nicht angetreien. QBie etit Qeut&lfatntt ftebt bte ©efialt am im rDimMI U« und zuversichtliche, all derer auf sich ziehend, die in einer so bestialischen Menschheit und Deutschheit nicht leben könnten und möchten» wenn nickt von dem da vorne immer und immer wieder ein Blink- 'euer der Ermutigung in unsere Verwirrung fiele." Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Maren oder onstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. 8!« verbrennen sich nicht wenn Sie als Enthaarungsmittel „LERASöR“Dr. WEIL der Schwanen- Apotheke, Frankfurt a. M., wählen, da eä individuell abgestuft ist in stark—mittel—schwach, und somit jedwedem Bartwuchs und auch der zartesten Haut gerecht wird., Haupt-Depot: Schwanen-Apotheke Frankfurt a. M., wo auch Versuchsmengen kostenlos, erhältlich sind ERMÄSSIGTE PREISE: Dose mit l/2 kg. Inhalt ä RMk. 2.50 einschl. 1 kg. Inhalt ä RMk. 4.50 einschließlich Dose. s,eir; loo Jahren b.e:&roh!ft' von Millionen, ger-rünken,- L. BARBARINO Frankfurt ä. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 CIGARREN Tab>ke feinste Hamburger und BreiUer Fabrikate Import von .... 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