Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1926)
- Date
- 1926-11-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 47 Der Israelit Jakob Stern einen solchen Mann gefunden zu haben. Dieser Rabb. Stern hat sich aber im Laufe der Zeit dahin entwickelt, daß er in dem wahrlich doch liberalen Württemberg seines Rabbinats enthoben werden mußte. Er ist einer der beiden liberalen Rabibner, die Chiefrabbi Hertz jüngst erwähnte als diejenigen, auf deren Aeutzerungen hin die Schweiz das Schächten durch Volksbeschluß verboten hätte. Wer weiß, welche Verwüstungen er als Leiter einesD->iM ma in jüdischen Jünglingsherzen hätte anrichten können. — So bedauerlich es also auch m, M m mm fskMM PlM rn kiurger längs unö nanglDD Menenc, so schr m man ddö) auch hier berechtigt, zu sagen', nnot» u w Auch das war zum Guten! Der jüdische Feldscher. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht eine Beitragsserie: „Von Menschen, die man nicht wiedertras — und die man doch nie vergaß". Darin ist ein Beitrag des berühmten Forschers Sven Hedin, Mitglied der schwedischen Akademie, mit der Ueberschrist „Gruß und Dank an einen alten Juden" enthalten. Sven Hedin schildert, wie er. als junger Student in eine russische Einöde verschlagen und an schwerem rheumatischen Fieber erkrankt, von einem alten jilüimn WMsr mit größer MsliM'ltng mit HittgöbUttst Kssund gepflegt worden ist. -Dieser alte jüdische Feldscher Goritzki". erzählt Hedin, „wohate sechs Wochen in meinem Krankenzimmer. Er trug einen langen Nock, der wohl vordem einmal schwarz gewesen sein mochte, aber unter dem langen Einflüsse von Regen und Sonnenschein eine grünliche Farbe angenommen hatte. Seine Schuhe waren ausgetreten und zerrissen, und feine Hosen waren zu schleppenden Fransen zerschlissen. Sein Gesicht war bleich und gewöhnlich, sein Bart lang und ungepflegt, sein Haar hing ihm Korkenzieherlocken über die Wangen. Ader aus seinen Augen strahlte reine Güte und Treue, und man fühlte, daß dieser Mann eher in seiner Armut gestorben, als vom Wege seiner Pflicht abgewichen wäre. Während ich dalag und in Fieberträumen umherirrte, saß Gorrtzki Tag und Nacht an meiner Seite. Er sah bekümmert aus. und seine Gedanken ]fimm Ms mit M Mao MWftiQt m fein. Mio er meine Leiden lindern könne. Er Ihm® nientäl^, wenn er nicht an geredet wurde. Schweigsam und finster wie ein Schatten, gebeugt und alt bewegte er sich im Zimmer, wo die ganze Nacht hindurch eine Lampe brannte. Nur wenn ich ihm dankte und ihm sagte, daß seine Behandlung mich die Schmerzen vergessen lasse, leuchtete sein Antlitz für einen Augenblick aus, aber nur um sofort wieder das grüblerische Aussehen anzunehmen: und er begann von neuem, Stunde für Stunde, meine Knie zu massieren". Hedin schildert, wie er tatsächlich durch die Findigkeit und Ausdauer des alten Juden am Leben erhalten wurde und fügt hinzu: „Das Meiste von der Dunkelheit und den Qualen jener Zeit ist mir entfallen; aber den alten Juden, der mir mit so viel Sorgfalt und Treue wortlos seine Hilfe immer wieder gab, kann ich nicht vergessen. Wieviele hohen Herren habe ich seitdem getroffen, an die die Erinnerung im Laus der Jahre verblieben ist! Das Bild des alten Juden wird bis zu meiner letzten Stunde scharf und deutlich vor mir stehen. Denn er gab sich selbst, gab seine Zeit und sein Herz hin. um einem MtlmMlAn au Denen, nnn als tc0 nach Seen* diguns der Behandlung ihn bezahlen wallte, weigerte er sich, mein Geld abzunehmen. — „Gib es den Armen", sagte er, mit wehmütigem Lächeln. Und doch gab es unter der ganzen armseligen Bevölkerung von Balakhani nicht einen, der ärmer war. als er. Durch seine Armut machte er mein Leben reicher, und seine Bescheidenheit erhöhte ihn um eines Hauptes Länge über die Meisten unter den Großen der Erde". Ainderecke. Die Geschichte einer alten Schabboslampe. Von Edith Levi in München. Der alte Maines Löffele, Der elnzige VON Ätem Echlist, bei» böh ÄeB eiHfi [b Gemeinde Klemedlingen übergeblieben war, ging eines Tages auf den Schulboden, um dort in den alten Schätzen zu graben. Seit Jahren war er nicht mehr hinaufgekommen in diesen abseits gelegenen Winkel. Denn wer kümmerte sich noch um dieses, in Staub begrabene, Stückchen Weltgeschichte? Da fand er, unter all den alten „Schemes" im Eck, verstaubt, eine alte Schabboslampe. Wer weiß, wie sie da hinaufgekommen war und wie lange sie wohl schon, da oben liegen mochte! Nun, er nahm sie mit nach seiner Wohnung. Da aber in der Gemeinde niemand mehr Interesse für sie hatte und er selbst kein rechtes eigenes Heim mehr besaß, so trug er sie in die benachbarte Stadt. Bald hatte er dort einen reichen Kaufmann ausfindig gemacht, der als Sammler iwn AlMlÄNMO mnam »flii Kaum Mkr dsr Lamps ansichtig geworden, da stiegen ihm liebe, alte Erinnerungen auf. Er dachte an fein Vaterhaus und die gemütlichen Freitagabende feiner Kindheit, an denen seine Mutter mit aufgehobenen Händen andächtig die Schabbosbrocho über eine ebensolche Lampe gesprochen hatte. Und wie er so mit vollem Herzen in der Vergangenheit weilte, da überwältigte ihn die Sehnsucht nach jenen gemütlichen Stunden und er wollte nun auch seinen Kindern einmal einen rechten Schabbos bereiten. Er trug die Lampe in ein Geschäft, ließ sie dort m Stand setzen und kleine MüMmsn daran anbrrngsn. AM Stillen malte er sich schon die Ueberraschung und Freude aus, mit der seine Lieben sie begrüßen würden. Doch die Leidenszeit der guten Schabboslampe sollte noch nicht zu Ende sein. — Am nächsten Freitag- Abend wurde sie gemeinsam mit den andern Lichtern angezündet. Die Familie war wie an ge- Wöhnlichen Tagen beim Abendbrot versammelt und würdigte die Lampe kaum eines Blickes. Sie war offenbar nicht elegant genug, um sich mit all den modernen Lüstern messen zu können. Unsre alte Schabboslampe war tiefbetrübt, daß sie den heiligen Freitagabend in so unwürdigem Kleide und noch unwürdigerer Umgebung verbringen mußte. Nein, gewiß, solche Behandlung TvBF stk MM MK-khM ans stk yiMk RUß) 0CT feine Lust, besonders schön zu brennen. Fast sehnte sie sich da wieder nach ihrem alten „Schern esboden" zurück. — Sie brauchte nicht lange zu warten. Mutter und Töchter wurden der alten Lampe vald überdrüssig, und eines Tages wanderte sie zu einer verrosteten Chanukohmenoroh in einen Winkel der Rumpelkammer. Da lag sie wieder vergessen von allen Menschen; nur die Zeit ging nicht spurlos an ihr vorüber und umhüllte das einst so glänzende Metall mit einem Trauerkleid von Staub und Grünspan. Drei Jahre waren vergangen, seit unsere Schabboslampe so verlassen in ihrem Kerker lag. Es war an einem Donnerstag Nachmittag im tiefen Winter. Da kam Schloime Leib, der Hausierer, mit seinen schweren Stiefeln, von Schnee triefend, und einern Sack auf der Schulter zur Tüp üjmm, Mit vrrMichnrsvollkn Blicken wühlte er da in den abgedankten Schätzen, des Hauses und natürlich fiel sein Blick auch auf unsre Schabboslampe. Da sie ihm als noch tauglich erschien, so wanderte sie mit allem möglichen Zeug in den großen Sack, der bald wieder auf seine knochigen Schultern geladen war. Nachdem er mit dem Kaufmann noch einige Worte gewechselt hatte, trabte er hinaus in die Nacht; er hatte noch einen weiten Weg nach Hause. Wie immer wurde er mit einem herzlichen Scholaum Alechem empfangen; und nachdem er es sich in der warmen Küche bequem gemacht hatte, zog er seine Schätze aus dem Sack. Wer beschreibt aber die Freude der guten Soreh, die nun endlich ihren Herzenswunsch erfüllt sah, eine schabboslampe zu besitzen. Aber auch die Kinder waren nicht minder glücklich. Noch in der Nacht setzte man sich im Kreise um den neuerworbenen Schatz und begann eifrig zu säubern und zu putzen. Man warnicht shsr> mimbm. sls SiL sie wie Sengte wnb ftrnhltk. 2lm andern Tag wurde sie gleich m der Frühe in die Schabbosstube gebracht. Das ging alles so schnell, daß sie gar nicht fassen konnte, wie ihr geschah und welches Glück ihr widerfahren war. Nun benützte sie die wenigen Stunden, die es noch bis Schabbos war, um über ihr reichbewegtes Leben nachzudenken. Nein, das hätte sie nicht gedacht, daß sie auf chre alten Tage noch einmal als richtige Schabboslampe thronen 18. November 1926 sollte. So war es halb vier geworden. Der Frei-, tag-Abend begann zu dämmern. Da erschien die Hausfrau in ihrem Schabbosgewand. Mit, blendend, weißem Linnen bedeckte sie den Schabbostijch und dann wurden die knusperigen Berches, Kidduschwein und Kidduschbecher darausgestellt. In die Mitte setzte sie einen Strauß von duftendem Tannengrün. Auch das ganze Zimmer MliH MHmösr iM DROH fflOT UlW Lampe zu ihrem Recht. Sie mar schön ganz auf-, geregt vor freudiger Erwartung. Behutsam wurden ihre acht Arme mit feinstem Oel gefüllt. Acht Sternlein leuchteten an ihr auf und mit Andacht lispelte die Hausfrau den Segensspruch. Bald darauf war alles um den Schabbostifch versammelt. In einemfort wurde die Schabboslampe bewundert und bestaunt. — Diese aber hätte weinen mögen vor Freude, daß sie nach so langer Zeit wieder die Herzen mit rechter Schabbosfreude erfüllen durfte. ' ■ ' :^i i L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN T a b a k e feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 xr * - Ai Telefon Hansa 3391 ry •« . 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Schach« «owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer S* Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag .Israelis, T.m.b.H., Frankfurt a.M. — Druck Sermon Verlags« Attlengefellfchaft. Frankfurt a. M.