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Der Israelit · 1926-11-18 · Heft 47 (18.11.1926) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 47 (18.11.1926)
Date
1926-11-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit I1M7 1924 Es spricht der Mnd. Von Heinrich. Einstädter. I. Wochen sind verstrichen seit den Feiertagen des Herbstes; sie sind vergangen, nicht verloren. Nicht umsonst haben wir an ihnen gebetet: „Laß uns mit fortnehmen, Ewiger, unser Gott, den Segen Deiner Festzeiten." Denn Gedanken und Erinnerungen winden einen Kranz aus unverwelkbmn Blüten um die CnGwundenen, der wri9 öert 32Bluter verjcfjöut unb das Qeben Seitdem wir wieder in unserem Gebete bei der Aufzählung der Machttaten Gottes auch des Winters erwähnen — Er laßt den Wind wehen und führt den Regen herab —, seitdem saust und braust es Tag und Nacht. Doch dieses Sausen und Brausen stört nicht unsre Gedanken. Es regt sie vielmehr an. Wenn wir hinausschauen nach den Wipfeln der Bäume, scheint es uns da nicht, als ob ihre heftigen Bewegungen uns aufmerksam machen wollten: „So höret doch, was der Wind spricht!"? Und erst recht bei Nacht, da vernehmen wirs noch deutlicher: Bald leise, bald lauter, jetzt getragen, dann heftig, zuweilen sanft, dann wieder zornig — s o sprich tderWind . . . II. Ich bin der Wind. Ein Hauch vom Geiste Gottes. — Als noch wüst und öd die Erde war, da TCDmcDie tu Mn Wer Men Wassern, m man» delte durch Paradieses Pfade. Ich trug die Sintflut weg von Höhen und aus Tälern. Ich bahnte Israel den Weg durchs Meer. Ich war auch Zeuge, als ihr standet rings um den Gottesberg, als unter Blitz und Donner Gott einst gab sein ewiges Gesetz. Unendliche Zeiten, unendliche Räume, ich überfliege sie. Im größten wie im kleinsten Lebewesen wohne ich: Begleiter der Seelen bin ich. Geht dein Hauch aus, barm kehrst auch hu zur ©rbe gurücP. III. Ich bin der Wind. Der Regen ist mein Kind. Gibt es denn Regen ohne mich? Wer hebt des Wassers Dünste aus zum Himmel? Wer führt die Wolken hoch am Firmament? Wer wandelt Wolken in Wasser und Wasser in Wolken? Ohne mich und ohne mein Kind würde der Sonne Glut den Erdboden austrocknen, seine Pflanzendecke verbrennen. Quellen und Bäche, Flüsse und Ströme wären versiegt. Und nicht als letztes aller lebenden Geschöpfe würdest du selbst dahinsinken, du schwacher Mensch. IV. m MW: MkM MM ist m flfff: Cr macht Winve zu seinen Daten. Mein Leben ist sein Dienst. Mein Glück ist der Auftrag, den er mir erteilt. Zu jeder Zeit, in jedem Augenblick bin ich für ihn. bereit. Wie oft schon hat er mich ausgesandt um deinetwillen! Dich zu kosen, dich zu strafen; dich zu treiben, dich zu hemmen; dir zu nützen, dir zu schaden. Stets aber war es zu deinem Heil! Hast du das auch empfunden? Mein Odem belebt deinen Schritt. Wer weist den Weg? Merk auf den Wind! Er eilt dahin, wo Gott ihn ruft. Der Herr zeigt ihm die Richtung, die eifil8 nm MMMskli TktM Wiüm, Nichts sucht er für sich selbst. Was er hier hebt, dort legt ers nieder; denn nicht sein Eigen ist es, des Herrn nur ist die Welt und — was sie füllt. Und alles folget dem Befehl, den Gott durch seinen Boten schickt, und fügt sich ohne Zaudern der Bestimmung. — Nur du nicht, Mensch. — V. Ich bin der Wind. Mein Bruder ist das Wort. Verbunden und vereint sind wir. 'Nicht leben kann ja ohne mich das Wort. Als Auszeichnung verliehen worden ists vom Herrn dem Menschen, dem selbst der Schöpfer zeigt den Weg durchs Wort, das einst vom Sinai her geholt sein Knecht. Es lenket ihn auf allen Pfaden, um sicher ihn zu führen an das Ziel, das War verborgen bleibt dem MeiWimg', bomit er guien SBtlfert, Ooiinerirauett fott getgert, festen Glauben an die Allmacht seines güt'gen Herrn, der ihn einst bringen wird zum Licht. Doch geistig blind ist oft der Mensch. Er folget nicht dem Wort des Herrn. Sein eigen Wort wird Lüge. Sein Ziel ist Gold. Wie töricht ist der Mensch! Kann er mehr fassen als der Wind? Mehr halten? Muß nicht die größten Schätze und die kleinsten er von sich legen, wenn den Hauch in ihm zu sich einst ruft der Schöpfer? VI. Drum, Mensch, sei gut. Denn gut ist Er. — Des Winde tragen Wassermengen, um Segen aller Welt zu bringen, des Odem dir das Leben spendet, des Worte deinen Pfad erleuchten, — der will, daß gut du seist und liebreich, daß gern du seinen Worten folgest, daß deine Seele ihn mög' preisen, indem du seine Kinder liebest, so Dann werben seine Feste spenden der Segensfluten, klar und mächtig, die du hinausträgst in bas Leben, — in sämige Leben. — Von einem Veth-Hamidrasch, das nicht gegründet wurde. Von Gustav Spier in Haigerloch. Dcrs IBreuers f)&t bte m-elö** auf {eine gro^e Qrurtfvurtg, iwb überhaupt auf die ai-'s^-Gründungen der neuesten Zeit gelenkt. So darf man vielleicht Interesse vorausetzen für den Plan zu einer ähnlichen Anstalt, einen Plan, der leider kurz vor der Vollendung scheiterte. Es handelt sich um das Projekt für einvi-wn rro in Haigerloch. Haigerloch ist ein kleines Städtchen im westlichen Teil des Ländchens Hohenzollern und hat eine ziemlich alte und ansehnliche Gemeinde, die noch heute im ehemaligen Ghetto geschlossen beisammen wohnt. Bis vor ca. 30 Jahren hatte die Gemeinde auch Rabbinat. Hier in H. lebte zwischen 1812 und 1873 Jakob Regensburger. Die Erinnerung an seinen Reichtum ist heute noch in der Gemeinde erhalten geblieben, und die ältesten Männer der wissen auch noch von seinem Plan, ein jüdisches Lehrhaus zu gründen. Genaueren Aufschluß darüber gaben mir aber erst die Akten des ehemaligen Oberamts Haigerloch. Sie berichten folgendes: „Am 1. Juni IM mim Der ermäßnlQ MB DtQi gönsburgor Bin Gesuch folgenden Inhalts an dos Ober, amt: Das Bewußtsein, daß die Religion eines der heiligsten Güter der Menschheit sei, daß sie aber durch die zur Zeit herrschende materielle Geistesrichtung bedroht werde, habe in dem Antragsteller den Plan reifen lassen, in Haigerloch ein Beth-Hamidrasch, d. h. ein Lehrhaus zu gründen. Die jüdische Volksschule unterrichte zwar im Lesen der heiligen Schrift und in der systematischen Religionslehre. sie lehre auch einige Gebete und einige Kapitel des Pentateuch zu übersetzen. Aber „der so reiche Schatz von herrlichen Lehren und Vorschriften, wie sie die mündliche Ueberlieferüng und die Kommentare enthalten, unzählige Sittensprüche, Lebensregeln, heilige Legenden, die Lehren' eines Maimonides, eines Aben-Esra, eines Kimchi, eines Wbo; die schonen Dichtungen der jüdischspanischen Schule; die Forschungen der neueren jüdischen Gelehrten. mte eines Lugzatto. Wessely. Nappaport. EA4JÜ-Alles &As ble,rbi icn BiitLm, ja fast einer ganzen ©eneraiion verschlossen. Ach möchte deshalb ein Lehrhaus gründen, an dem ein jüdischer Theologe als Lehrer angestellt werde, der eine Univresität besucht und sein Staatsexamen mit Erfolg - bestanden, der ein grammatikalisch gebildeter Hebräiker und ein gewiegter Talmudist ist. In diesem Institute soll jüdischen Jünglingen Gelegenheit geboten werden, sich in der jüdischen Theologie so viele Kenntnisse zu erwerben, als für sie zu ihrem künftigen theologischen Berufe notwendig ist; sie können jedoch auch nur nach jeweiligem Bedürfnis, oder nach Neigung dem Studium der Thora mit ihren trefflichen Kommentaren sich hingeben, und sind hierzu auswärtige, wie hiesige Jünglinge gleichberechtigt." Das Lehrhaus sollte demnach die Vorbildung für das Rabbiner-Amt vermitteln, gleichzeitig aber auch jungen Juden Gelegenheit geben, sich neben ihrer kaufmännischen oder andern Berufserfahrung einen gründlichen Fonds jüdischen Wissens zu erwerben. Der Unterricht solle unentgeltlich sein, ärmeren Schülern solle, soweit der Platz reiche, im Anstaltsgebäude sm Wohnung mckn mckn. Intw SeittÄ bestehe reges Interesse für den Plan. (£s {eien schon gkö- |m MMZz WiHiM mMn; Ms MWW Sinn Dor Gemeinde bürge ferner dafür, daß arme Jünglinge unentgeltlich Logis und Kost erhalten. Ein geeignetes Gebäude und eine Bibliothek von 400 Bänden habe er, Jakob Regensburger, bereits beschafft.. Es fehle nur noch das Kapital, von dessen Zinsen die Anstalt unterhalten werden könne. Darum bitte er das Oberamt um Erlaubnis, diesen Fonds durch eine Kollekte aufbringen zu dürfen. Das Oberamt reichte das Gesuch mit einer Befürwortung weiter. Einige Worte des Begleitschreibens mögen hier angeführt werden: „Es ist nicht zu verkennen, daß, wenn der gegenwärtig fast nur noch in Beachtung der äußeren Förmlichkeiten bestehende Judaismus nicht mehr mit innerer Tiefe behandelt und geübt wird, derselbe ... in sich selbst zusammenfallen muß, und das beste Mittel, um diesen. Zerfall zu verhindern, dürste allerdings das vom Bittsteller angeregte sein." Oweit der Oberamtmann in seinem Begleitschreiben. Die Regierung in Sigmaringen erwidert am 1. Sept. 1866, daß sie bei der mangelnden Genauigkeit des Plans noch nicht in der Lage fei, ihre Zustimmung zu einer Kollekte zu geben. Auf wiederholte Eingaben erhält I. R. dann im Januar 1870 von den Mimestrien des Unterrichts und fces Innern fc>ie (Erlaubnis gtt her g^plcirtierr Sammlung, mit der Bedingung jedoch, datz er öalingsi etnen Srlmdungs- und Lehrplan einreiche. Der Deutsch-Französische Krieg bewirkte einen neuen Aufschub und erst am 24. November 1872 reichte I. R. das Statut der zu gründenden Anstalt ein. Danach soll die Anstalt den Namen „Haus Jakobs" tragen. Sie soll in drei Klassen Jünglinge von 13 bis 19 Jahren unterrichten und zwar in systematischem Religionsunterricht, hebräischem grammatikalischem Sprachunterricht, Uebersetzung des Pentateuchs. und der Propheten mit Kommentaren, Mischna, Gemära mit Schulchan Aruch und Jore Dea, Geschichte des Judentums, Sfliertumsfurt&e, jüh-tf c£)-e iQti:eraiutrg.efc£>tc{)£ßv , SBorlrags* uni» ßel>riibiittgett. ßAhl Mi? füll vorerst auf 20 begrenzt sein und zwar für. so lange, als nur e i n Lehrer vorhanden ist. Dieser, der Stiftsrabbiner, soll vorerst ein festes Gehalt von 500 Gulden aus den Zinsen des von Jakob Regensburger gesammelten Stiftungskapitals erhalten, ferner freie Wohnung und Heizung und von jedem wohlhabenden Schüler 25 Gulden jährliches Schulgeld und endlich 50 Gulden Mietsertrag vom oberen Stockwerk des Anstaltsgebäudes. Das Haus und die Bibliothek stellte Jakob R. Er und fein Bruder verpflichteten sich, jährlich 2 Klafter Holz zur Beheizung zu spenden. Wenn durch weitere Stiftungen das Kapital von derzeit 10 226 Gulden auf 20 000 Gulden steige, so solle ein zweiter Lehrer angestellt, bei weiterem Anwachsen der Mittel die Anstalt auch baulich erweitert werden. Dis Regierung genehmigte daraufhin die Errichtung der Anstalt mit dem Vorbehalt, daß eine Lehrperson angestellt werde, die der Regierung geeignet erscheine. MB MlWMkMM MM nun Ben MBB.EllNBidaten Jakob Stern aus NivBerfletion tWilbg.) zum Legrer der Anstalt. Die Regierung erteilte darauf am 12. April 1873 die endgültige Erlaubnis zur Errichtung des «man rv>3- Damit schließen die Akten. Von einer tatsächlichen Errichtung des Lehrhauses, von einem Beginn des Unterrichts berichten sie nichts mehr. Wie kommt das? Eine n2xa auf unserm obur rrn deutete es an, die alten Männer der Gemeinde berichten es ausführlicher: Alles war zur Aufnahme des Lehrbetriebs im neuen Lehrhause vorbereitet. Mitte Mai 1873 sollta die Anstalt eröffnet werden. Da brach Jakob Regensburger am Jahrzeitstage seines Vaters, am 30. April 1873, auf dem Friedhof zusammen. Ein Schlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Mit ihm sank sein Plan ins Grab. Die projektierte Anstalt ist nie eröffnet worden. Vielleicht war es ein Glück fürs Judentum. Wohl »erlangte das Statut des Qel)zrljaix\esr baß ber Rabbiner ein SJlAUk ÜAU religiöser Lebensführung fei, und I. R. glaubte, in D3C

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