Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1926)
- Date
- 1926-11-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 47 Vochenrundschau. „Religiöse Aufbauarbeit". In der „Jüdisch-Liberalen Zeitung", einem Sammel- und Tummelplatz der liberalen Führer, hinter denen keine mitfolgenden Scharen, sondern nur Indolenz und Jndifferentismus stehen, tobt in den letzten Wochen der Kampf gegen alles, was wir als Religion und Tradition seit Jahrtausenden zu ehren und heilig zu halten gewöhnt sind. Erst kam Jakob Frorner, der jüdische Delitzsch, mit einer aus der Gedankenwelt seines Meisters in der „Großen Täuschung" entnommenen exegetisch- und historisch-wissenschaftlichen Erörterung über den historischen Gehalt der biblischen Berichte und die Entwicklung des Gottesbegriffes im Judentum, einem Konglomerat hirnökMlMMi MtkMslernDkr MIWIMM, wiß ttiätt sie unseres Gedenkens in einem jüdischen Blatte nie gelesen, bei deren Anhörung die Alten zum Zeichen der Trauer ihre Kleider zerrissen hätten. Eine Wiedergabe seiner Worte und Gedankengänge scheinen auch zum Zwecke ihrer Widerlegung unmöglich. Eine spätere Nummer bringt Entscheidungen und Gutachten liberaler Größen über „die Beteiligung der jüdischen Frau am Gottesdienste". Als ob die Entscheidungen und Vorschriften in Mischna, Talmud und Schulchar Aruch über diesen Punkt einer Nachprüfung vor dem Forum der hohen liberalen Synode bedürften! An leitender Stelle ihrer Nummer vom 28. Oktober läßt sich dann die „Jüdisch - Liberale Zeitung" von einem Rabbiner Dr Gottschalk, F r a n k f u r t a. M. über „Religiöse Aufbauarbeit" referieren. Was dieser famose Dr. Gottschalk unter religiöser Aufbauarbeit versteht, ergibt sich aus folgender Kostprobe, die den Genuß des ganzen innsnrnnoo! Mafios ßriifirifll Eis MM Angelpunkt des Ganzen, der ungemein langen Rede kurzen Sinn. Also Gottschalk sagt: „Bezüglich der Heirats- und Scheidungsgesetze wird man wieder den liberal-toleranten Standpunkt so vertreten müssen, daß man sich nicht kraft priesterlicher Befugnis zum Herzensrichter aufwerfe, den Liebesbund zweier Menschen durch Hinweis auf Satzungen unmöglich mache. Auch „die Liebe ist eine Gottesflamme" — singt die Bibel. Und ist es nicht auch überjüdisch, jemand die jüdische Trauung zu verweigern, weil er die jüdische Scheidung versäumte oder nicht mher nachholen kann? Also nicht darauf kommt es an, und nicht das ist zu verlangen, daß irgend etwas beseitigt wird. Im Gegenteil wird man gerade auch der Schei- „Jakob — Iisroel." Zu nViin« DM MDfflßr Dr. WkMsrr Min in Ml'lirr -p:pi ans pan wm Tisr'apsp B’pS« »w ms? *]atz? 81? apsp -ja«? ib nan'i mi8 .^810' 1VL? n8 8np’i 'w tonn?* V8 '2 nps?’ Gott erschien dem Jakob abermals, als er von Padan Aram kam und segnete ihn. Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob, Dein Name soll nicht ferner Jakob genannt werden, sondern Jisroel sei dein Name und er nannte seinen Namen: Jisroel. Alle Erklärer unserer heiligen Schrift mühen sich, diesen Vers zu erklären, wie auch die Tatsache, daß bei Jakob im Gegensatz zu Abraham der ursprüngliche Name Jakob nicht vollständig verschwunden ist, da ja Gott selbst unseren Stammvater bei seinem ersten Namen »Jakob" anspricht. Vielleicht dürste ein Wort unserer Weisen dazu beitragen, die Schwierigkeiten zu lösen, D’pa Y'nn by rfcaa nn8 n8°?a 'wi v'*?«?' vasVa nsssn nas? nn fi’aa Ti?« nraß rapn iw n imn vm *>» waa wy hVaj* nk Vk D er Sitadit düng die religiöse Verklärung genau so wünschen wie der Trauung, denn beides sind entscheidend eingreifende Lebensakte. Die ursprüngliche sehr breite und umstand- ^orttt ift ja Itbcrat^n furjenf rolxrljtcjen ^eremonie geioicfjen.'''' Das genügt, und es lohnt nicht mehr, die andern Weisheiten des Herrn Dr. Gottschalk zu zeichnen, beispielsweise, wie er den „ungünstig gelegenen Sabbat" am Sonntag nachzuholen gedenkt, wie man das K a d d i s ch g e b e t bei Bestattungen kürzen oder beseitigen soll, damit das deutsche Gebet oder die Predigt nicht zu kurz kommen. „Auch die Liebe ist eine Gottesflamme", singt der Herr Rabbiner, darum dürften solche veralteten Maßnahmen wie „Rücksicht auf vorhergehende Scheidung" und dergl. nicht mehr hinderlich einer Trauung im Wege stehen. Mit der Liebe als Gottesflamme wird man natürlich auch die Mischehe billigen und „rabbinisch" sanktionieren müssen. E s r a, der Regenerator des jüdischen Lebens und Leiter der „religiösen Aufbauarbeit" zu Beginn des zweiten Tempels, kannte vermutlich ebenfalls den Bibelspruch von der „Gottesflamme der Liebe" und hat Dßnno® Dis „MißW MsbrurvbM M Zei! Vereinigung des jüdischen Familienlebens begonnen, ohne Rücksicht sogar aus die bereits geschlossenen Ehen. Gottschalk und Genossey sind bescheiden genug, sich nicht „kraft priesterlicher Befugnis" zum Herzensrichter aufzuwerfen, aber die Bescheidenheit reicht nicht hin, um vor der priesterlichen Befugnis, über altgeheiligte Thoragesetze zu Gericht zu sitzen, zurückzuschrecken. Wir glauben, damit zur Genüge gezeigt zu haben, was die liberalen Führer heute „religiöse Aufbauarbeit" nennen. Und diese „religiöse Aufbauarbeit" beansprucht und erlangt den Rang einer „gleichberechtigten religiösen Richtung" im jüdischen Gemeindeleben! Was ist Tarbuth? Seit elf Jahren besteht in Polen eine Art K u l t u r l i g a unter dem hebräischen Namen jjSflFMtr« Man fiatte in Don MMWIM JühVZKhtttö wähl Zert und Muße genug, bas Programm und den wahren Charakter der Tatbuth- Bewegung kennen zu lernen. Es scheint dieses aber in Polen noch nicht überall der Fall zu sein, wie aus einer Polemik zwischen Z e i t l i n im „Moment" und einem Tarbuthführer in der jetzt zu neuem Leben erwachten hebräischen Zeitung „Hazefirah" zu ersehen ist. Zeitlin klagt an, die „Hazefirah" verteidigt, und zwischen Anklage und Verteidigung werden die Massen vom Kernpunkte der Frage abgelenkt. Dabei ist das Programm des „Tarbuth" von NN8 bz? ">bz? enwana awaan bau? 'i8^a i'8'22 bv i*m a"p'2? nam naa- »Dies ist der Sinn des Verses: Er bestätigt das Wort seines Dieners und den Ratschluß seiner Boten erfüllt er. Ein Engel erschien unserem Stammvater Jabob und verkündete ihm, daß Gott ihm in Beth-El erscheinen werde, um seinen Namen zu ändern und Gott erschien ihm wirklich, um das Wort seines Boten zu erfüllen; alle Propheten weissaqen Gutes über Jeruscholajim, um wieviel eher ist da zu hoffen, daß Gott das Wort seiner Propheten bewahrheiten werde." Das ISBOCt Dt5 PrvpMLN IMlllS WMöll unsere Wellen auf die Prophezeiung des Engels, daß Gott den Namen Jakob ändern werde und bringen diese Prophezeiung mit den heilverkündenden Worten unserer Propheten, die Jeruscholajim eine herrliche Zukunft Voraussagen, in Verbindung. Und in dieser Verbindung liegt auch die Lösung aller Schwierigkeiten. Zu der Stelle •pw 8np’ 8? aps?' ms? bemerkt '"y?n :naps?i an8aa 8an ans Jakob bezeichnet einen Menschen, der hinterhältig ist und dessen Wege krumm sind, dagegen mam -nr? einen Fürsten und Herrn. Und wer kann es in Abrede stellen, daß der geschichtliche Weg, den die Nachkommen Jakobs zurückgelegt haben, einer oberflächlichen Betrachtung sicherlich keine gerade Linie ausweist. Der ganze Weg mutz der nichtjüdischen Welt als ein Weg der Krümme erscheinen und die Träger der jüdischen Geschichte, die Persönlichkeiten, die ihrem Volke den Weg gewiesen haben, als SRäitner,' We bmter^SIitg unb |c^lau jiets Dire mcSjve Absichten gu * wUtztXU. Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes, die ja 18. November 1W6 Anbeginn seiner Entstehung so eindeutig festgelegt, daß der Diskussion jeder Boden fehlt. Nach dem Berichts übsr dis srsts LanbesksnserenA rm 3<4re ein «ngeskhkNks Mitglied i „Dn der Frage der Religion und des von ihr in der Schule einzunehmenden Platzes sind wir sehr weit gegangen und haben damit die Kinder feindlich gegen die frommen Eltern gestimmt. Mit der Ausschaltung der Religion aus unseren Schulen haben wir diesen die Seele genommen" („Tarbuth", Heft 3/4 1921, Seite 58). (Ein anderer Redner, Herr Schiffman, bezeugte, daß der jüdische Junge nach Absolvierung der Tatbuth-Schule gänzlich die Thora von sich wirft, da er keine Spur von Liebe mehr zu ihr empfindet (dortselbst, Seite 60): Herr Ar o n so h n, der berufene Tarbuthführer, bestätigte all diese Erscheinungen und buchte sie als großen Erfolg. Das ethische Gefühl sei von der Religion nicht abhängig. Die hebräische Schule müsse sich freihalten von jeder religiösen Beeinflussung und jeder religiösen Erziehung. (Dortselbst, Seite 63.) Ein anderer prominenter Vorkämpfer der Tar- DutfiiDßDloötß. Dr. Kühn. 83b rin 8rP ftützee auf der zionistischen Landeskonferenz in Lodz die Losung aus: „Wir werden wie die andern Völker! Unsere Kultur ist die europäische, ins Hebräische übertragen." Daß diese Anschauungen der Tarbuth-Führer nicht der Vergangenheit angehören und von der heutigen Entwicklung nicht überholt sind, beweist ejne Rede, die ein polnischer Agitator, Dr. K l u m e l, erst vor wenigen Wochen in Amerika gehalten hat und in der er die Forderung aufstellt, daß in allen Tarbuth-Schulen über die Persönlichkeit und Lehren des Stiftes, wie über die der Propheten unterrichtet werde. Thora, Talmud und Dinim gelten für ihn nicht als Grundlage der Religion. Er will nicht Religion, sondern R e - l i g i ö s i t ä t — und er findet sie dort, wo eben ein Jude, nach Anschauung aller Vernünftigen hüben und drüben, nichts zu suchen hat. Ein anderer bekannter Führer, Menachem Rudn i tz k i, verfügte: „Der Tarbuth muß feine oaniß ffinßifliß Msstzsu im Mrnstse gegen n? Orthodoxie, gegen den Cheder. Wenn die Jiddischisten zuweilen es gewähren lassen, daß die Eltern mit den Kindern beten, so darf „Tarbuth" nie darauf eingehen. Mam wird nicht eher nachgeben, als bis die Eltern einsehen, daß führend im Judentum die Kultur des „Tarbuth" sei, daß die Tarbuth-Abende uns so teuer sind wie Tnach usw. Diejenigen, die von Thora reden, von den Psalmen Davids und dergl. mehr, sind unsere Gegner." Kein Wunder, daß der Tarbuth --Schriftsteller und Pädagoge' M. B. Schneider im zionistischen Organ „Haolam" mehr die Geschichte der Tragödie eines Volkes ist als die Geschichte eines tätigen und arbeitenden Volkes, zeigt der Menschheit nur Rätsel, die sie sich in ihrer lieblosen Weise löst und aus den vielfach verschlungenen und verworrenen Pfaden der Geschichte aus die Objekte dieses Geschehens Schlüffe zieht, die den Namen aps?1 »des Hinterhältigen und Krummen" rechtfertigen. And es ist vielleicht das tragische Moment in der großen Tragödie unseres Volkes, daß auch wir, die wir doch nur Objekte der Geschichte sind, keine Lösung finden für die nieten buttklen Punkts, burcfj bis tmr te Saufe faer allein kennt bas Ziel, Hem er fkM Volk Ehrt und es ist sicher, daß wenn sein Volk am Ziele an gelangt fein wird, sich all die Rätsel lösen werden, die während der Jahrtausende sich aufgehäuft haben. Alles, was krumm und uneben schien, wird dann gerade und eben erscheinen. aps?,n ",ni nwa^. Es gehört eben mit zu dem Plane unseres Schöpfers, uns als aps?' durch die Jahrtausende ziehen zu lassen, damit sich ans dem aps?' der ^812?'. der Gottesfürst entwickle, damit aus dem dunklen und verworrenen Jakobsschicksal sich die ewige Gottesherrschast erhebe. Und darum spricht Gott zu unserem Stammvater: aps?’ “jat^ Dein Name ist Jakob. Lange lange wirst du mit und unter diesem Namen inmitten der Menschheit wandeln. Die Menschheit wird in dir den Typus des 8an a*78 napjn. an8a> des hinterhältigen und krummen Menschen sehen. Aber apjp'Ytt? fair? 8*ipv8V nicht bcruerttb, "icht (jagl. SsM fcff Pljff M iiöttusmö" vom Mumme nv auffam. Damit wäre auch das nßv ms? gut zu erklären und würde