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Der Israelit · 1926-11-11 · Heft 46 (11.11.1926) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 46 (11.11.1926)
Date
1926-11-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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&fäffcr fiepausgege&en von dep loitdesopganifflüon der Agudas-Jirvoek in fleiilfefifond ^2. Jahrgang Frankfurt a. AI., U. November \^26 / 5. Aislew 5687 Nummer 20 ^a(^[tinaau|bau und ferne Motive. Von KaKov Landau in Arankfurt a. W. Seitdem der Gedanke des Palästina-Aufbaus auf produktiver Basis existiert, knüpfen sich an ihn schwere Differenzen zwischen dem modernen und dem historischen Judentum, es sind ideologische Differenzierungen, die dem praktischen Aufbau unseres Landes bereits großen Schaden gebracht haben. Während der moderne Jude den Aufbau rwr aus melllich-naliäntUeU lllldtllien ÖÄjüÜßti, HÜt Der Absicht, ein Land, eine Heimat dem lanb- und heimatlosen Volke zu schaffen, faßte der historische Jude die Kolonisierungsidee im heiligen Lande stets als religiöses Gebot für denEinzelnenwiefürdenKlallauf. Es ist nicht zu leugnen, daß das nationale Motiv auf der ganzen Front gesiegt hat. Erstens übt heute jede nationale Idee, zumal auf ein schwer unterdrücktes Volk, eine ungeheure Anziehungskraft aus, die auch dazu angetan ist, den in jedem Menschen schlummernden romantischen iriQD aufzuwöllön. (Zwestens tjat Das HWNM Judentum zu wenig Aktivität für den Aufbau Palästinas auf sozial-ökonomischen Grundlagen gezeigt und damit dem modernen Judentum die Gelegenheit zu der an und für sich falschen Behauptung gegeben, daß religiöse Motive nicht imstande seien, den Menschen zu intensiver aufbauender Arbeit zu treiben. Romantik, das Fundament der nationalen Propaganda, bezieht ihre Kraft aus der menschlichen Phantasie und ist sozusagen lebensfremd. LVird dis 8Virktic1-kert, cru^ metct,e dis Ädes hinzrstt. Han unD schwer und beginnt sie Die romantische Kraft im Menschen abzuschwächen, dann gerat alles in Wanken und Schwanken. Dann werden die feurigsten Eiferer einfache Zyniker, die mit ihrem bitteren Zynismus die Idee, für die sie sich erst vor kurzem noch geopfert haben, erbarmungslos zerstören. Dann werden die Parteiträumer die gefährlichsten Kritiker, um mit boshafter Kritik jeden Lebensnerv in der Bewegung zu vernichten. Und die Masten, die im Schoße der Romantik großgezogen wurden, verlieren nach und nach den letzten poetischen Rest der Idee UND MstM llM lkNDö MDlMM DM gioyöN (BQ* danken gegenüber, der sie gestern so begeistert und bezaubert f)atte Anzeichen solchen Niederganges zeigen sich schon in der zionistischen Welt. Es kehrten zurück Chaluzim, verzweifelte Menschen aus der'vierten Alia, Akademiker, die gehofft hatten, in Erez Jisroel Karriere zu machen, und sie alle tun ihr Mögliches, die Stimmung in der jüdischen Gasse zu vergiften. Sie alle sind Opfer einer romantischen Erziehung, die von der Wirklichkeit getäuscht wurden. Schade nur. daß unter dieser giftigen Atmosphäre tar Pasästina-Unföan selbes, Hfw meisten schaden der Erez Jisroel-Sache die sogenannten Akademiker, die zionistischen Karrierejäger, die jetzt mit den häßlichsten Mitteln Europas den Zionismus bekämpfen. Da sie aber stets Erez Jisroel mit dem Zionismus identifizierten, beschmutzen sie natürlich mit dem Zionismus auch Erez Jisroel. Und das geschieht in der feindlichsten Presse, die aus politischen oder assimilatorischen Motiven nur auf eine Gelegenheit wartet, das Fiasko des Palästina-Aufbaus zu zeigen. So lesen wir in der radikalen Berliner „Weltbütjne"^ die tn alten biptomati|rfjen Kreisen gut eingeführl ist, Artikel von ArchiMt Alexander Levi in Tel-Äwiw, in welchener Pech und Schwefel aus den Zionismus und seine Führer schüttet. Das allein würde uns noch nicht so tief berühren, aber Alexander Levi schießt seine Pfeile auch öcqcii Den Aufbau von meg LMvkl stf, macht ihn lächerlich m den Augen der mchtjMschen Oeffentüchkeit und führt in ad absurdum. Werden die ehrlichen Zionisten nicht einsehen, daß durch solche Art der Propaganda der ganze Aufbau in Gefahr gebracht wird? Werden sie die Sprache der letzten Geschehnisse verstehen? Werden sie die Konsequenzen ziehen aus den Symptomen di,e sich in der jüdischen Gasse zeigen? Einzig das religiöse Motiv kann die Situation noch retten. Wir haben keinen passenderen Ausunjere WAlZnschLnnUg ÜHÄ müststt uns Des Wortes „religiös" bedienen, obwohl das Wort moderne Menschen, die darunter nur das verstehen, was die Völker mit dem Begriff Religion bezeichnen, nämlich eine lebensleere Stimmungssache, abstößt. Wüßten sie aber, wie lebenssaftig unsere Religion ist, wie sie mit Wirklichkeit durchdrungen ist, wie eng sie sich der jüdischen Psyche, der jüdischen Eigenart anpaßt, wie tief ernst ihr kategorischer Imperativ sein kann, sie würden sich nicht lustig machen über das Gebot von Jischuw Erez Jisroel, unter welcher Devise Das Mansche ZllDenlnm au Den Ausbau Des best ligen Landes heranlrelen will. Die Bemühungen der zionistischen Presse, die religiöse Propaganda für Erez Jisroel zu unterdrücken, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Sie hielten die Organisierung der religiösen Pionierarbeit, die durch und durch unromantisch, aber 'dafür durch und durch religiös im echtesten Sinne-des Wortes gewesen wäre, auf. Die Enttäuschungen wären dann nicht so groß gewesen. Für ein religiöses Gebot, eine Mizwo, zumal für SSJitgmas £5i|ct^um Qsreg Sisroet^ die in unjerm t>eiligen Schrifttum so hoch gestellt wird und Der indischen Seele so nahe steht, weiß der Jude wohl Opfer zu bringen, für sie hat er auch schon gelernt, Märtyrer zu sein. Jede nationale Tätigkeit zielt darauf hin, etwas für die Nation zu erreichen. Ist das Ziel schwer zu erreichen, kann dem Volke die Geduld ausgehen. Romantische Einspritzungen nützen nur allsolange, als . die Phantasie sich an der harten Wirklichkeit noch nicht abgekühlt hat. Beginnt das Volk einzusehen, daß das Ziel unerreichbar ist. wenn auch von falscher Perspektive aus, dann ist Das Ziel nicht msh? als national ZU Mtrotöton. Dagegen bleibt jede religiöse Tätigkeit unabhängig von dem praktischen Ziele, sie ist Selbstzweck. Die Arbeit in und für Erez Jisroel ist ein religiöses Gebot, das Hingabe und Aufopferung fordert. Die Religion verlangt, und wenn Gott verlangt, muß der Mensch Vertrauen haben, daß aus seiner Arbeit Großes und Erhabenes entstehen wird. Er hat zu arbeiten. Das historische Judentum, das sich durch die nationale Propaganda abschrecken ließ, erwies sich Isidor? zu schwach, die N!assen religiös zu orisntieren. 2lus biefer Schwäche ist die gefährliche Passivität in Sachen des Palästina-Aufbaues entstanden, die das historische Judentum zwang, die erste Stelle im jüdisch-öffentlichen Leben zu verlassen. Der künftige Historiker wird Grund haben, dem historischen Judentum schwere Vorwürfe daraus zu machen, daß es nicht verstanden hat, den Aufbau des heiligen Landes in die Hand zu nehmen und ihn religiös zu beeinflussen in einer Zeit, da es noch die breiten Masten hinter sich hatte. Aber es ist noch nicht zu spät. Gerade jetzt P Misch? fähig, skimn tixhMgm ManDnnnkl nnszugeven. Eins llrosts, kissgshsnDs und überzeugende Propaganda könnte in den Köpfen der Masten eine revolutionäre Umwandlung in der ganzen Auffassung des „nationalen Heimes" in Palästina herbeiführen. Unsere Auf- ^ajjnrrg kann jidj pojiitoer ausmirfen^. als bie zionistische. Gerade in Der kritischen Sstnatwn mutz das historische Judentum beweisen, daß die religiöse Pflicht der Palästinaarbeit, natürlich im Geiste der Thora, ewig bindend bleibt, ob die Lage in Palästina eine günstige oder ungünstige ist. Unter ungünstigen Verhältnissen müssen die Kräfte noch gesteigert werden, müssen noch größere Anstrengungen gemacht werden, das nationale Heim ökonomisch wie geistig auszugestalten. Gelingt es uns. die breite jüdische Oeffentlichkmt in Diesem lsinno ZU beeinflussen. Dann mit schwinden aud) die Gefahren, die ein großer Teil der Orthodoxie heute noch fürchtet. Wir hätten dann eine geeinte religiöse Front für den Aufbau des heiligen Landes und die Macht, die modernen Juden zu zwingen, daß sie sich dem historischen Judentum unterordnen. Das nationale Heim ist eine Tatsache in der jüdischen Geschichte und wird es s. G. w. noch weiter bleiben. Erez Jisroel wird nicht aufhören, das historische Judentum an die Schuld-zu gemahnen, die es ihm abzutragen hat, seitdem uns Die MWichkest gegeben ist, unser L«nö «Manchten. Ob dos Migiöst odsr das nstisnals Motiv dabei siegen und die Entwicklung des nationalen Heimes beherrschen wird, hängt einzig und allein von uns ab. Der zweite Fortbildungskurs für die Lehrerinnen von Vajs Zakob in Zardanow. (Mit Bild.) 3nm jmeitenmal mären Die Lehrerinnen der Vajs Jakow-Schulen zu Einern Fortbildungskursus vereinigt. Wiederum hatte man einen idyllisch gelegenen Gebirgsort in der Hohen Tatra zum Aufenthalt gewählt, um in Gottes freier Natur auch dem Körper nach der anstrengenden Arbeit des Jahres Erholung zu gewähren. Opferten doch die jungen Lehrkräfte ihre wohlverdienten Ferien, um sich für die Arbeit des kommenden Jahres vorzubereiten. Und man verzichtete in diesem Jahre sogar, wenn auch schweren Herzens, auf die Teilnahme an Döl- JsmtswftMß im MAtchätt chLUZ, ttllchtä auch des väterlichen Segens am Jaum Hakodausch entraten — doch das Bewußtsein, eine wahhaft heilige Berufspflicht auf den Schultern zu tragen, ließ die Wehmut aus den Herzen aller verschwinden. In einem sechswöchigen Beisammensein wurde von Lehrern und Schülern ein wertvolles Stück Arbeit geleistet. In fünf Klassen wurden die Teilnehmer unterrichtet, deren Zahl in diesem Jahr schon auf die erfreuliche Höhe von nahezu 100 anejemad^en mar. 2tts Sojenfcn fungierten nutzer Dem Leiter, Dr. L. Deulschländer-Wien, Herr M. Baumberg-Warschau, Frau Sara Schenierer-Krakau, Frl. Judith Rosentbaum-Franksurt a. M., Frl. Betty Rothschild-Zürich und Frau Resi Deutschländer- Wien. Da jede Klasse täglich fünf Unterrichtsstunden hatte, wurden im Verlauf des Kursus mehr als 800 Lektionen erteilt, die sich auf Chumisch, Tehillim, Rewiim Rischaunim (in der obersten Klasse auch Jeschajoh), Dinim, Tefilloh und jüdische Geschichte verteilten. Selbstverständlich wurde auch auf pädagogische Unter- WIjsllng, m Mchalagie, allgemeine nnD llesam Dara Methodik, geoßse WsA gelegt. Jüdische Weltanschauungssragen wurden hauptsächlich im Tehillimunterricht, wie auch bei der Behandlung der Wochen-Sidra gepflegt: in selbständigen

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