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Der Israelit · 1926-11-11 · Heft 46 (11.11.1926) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 46 (11.11.1926)
Date
1926-11-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Ssraelil Nr. 46 Seile 7 11 November 192c Bei Sabbateingang rief er noch feiner Frau, die die Sabbatlichter anzündete, „Gut Schabbos" zu. Es waren feine letzten Worte, denn gleich darauf begann die Agonie, die bis 11 Uhr nachts dauerte. Dann hauchte der große Zaddik und Führer von Hunderttausenden seine Seele llliZ, x — Die Leichenverbrennungsfrage in Polen. Warschau, 5. Nov. Die Familie des Warschauer Kaufmanns Weisel, dessen Aschenreste infolge des Widerstandes der Menge bekanntlich nicht auf dem Warschauer Friedhof beigesetzt werden konnten, hat nunmehr den Rechtsweg beschritten. Sie beantragt, das Warschauer Rabbinat zur Zulassung der Beisetzung zu verurteilen. Inzwischen werden die Aschenreste beim Krematorium in Danzig aufbewahrt. Lrcrirkreich. Iohreskagung der ILA. Paris, 25. Okt. föim BBffi UBfflÖ kkll ÖfTTfl fff: fanS hierdie Jühe^väffüMMlUNS dök Jöwlsh L0l0Ntsation Assoziation statt. Nach der Bestätigung des Jahresberichts hielt der Vorsitzende eine Ansprache, in der er folgendes mitteilte: Die Kolonien in Argentinien sind bis auf den heutigen Tag in einem blühenden Zustand. Diese Kolonien umfassen eine Fläche von 590 000 Hektar und zählen eine jüdische Bevölkerung von 33.135 Seelen. Unter diesen sind 3654 Familien mit 20.382 Seelen, die ihre Schulden an die JCA vollständig abgezahlt und somit in jeder Beziehung unabhängig und Herren ihres Bodens und Besitzes sind. In der Kolonie Montefiore siedeln wir jetzt jüdische Bauernfamilien aus Polen an. Dort ist ein Wiederaufblühen zu bemerken. Die Kolonien in Argentinien, die ältesten und teuersten unserer Unternehmungen, spielen heute eine große Rolle; sie bieten einer ansehnlichen Zahl jüdischer Bauern eine Heimat und nehmen alljährlich eine größere Zahl jüdischer Einwanderer aus, die zum Teil mit unserer Hilfe, zum Teil aus eigenen Mitteln, sich ansiedeln. Mly Ssstl Mllsiff roivb jetzt in Brasilien kolonisiert. Dieses Land besitzt soviel freien Boden und so viel Reichtum, die für eine europäische Kolonisation in Betracht kommt. Die vor 25 Jahren dort begründete Kolonie Philippson ist heute ganz unabhängig. Es werden dort jetzt die. Schwiegersöhne der Kolonisten angesiedelt, und zwar auf eigene Kosten. Schwierigkeiten bestanden in Quatro-Jrmaos, von wo infolge der politischen Unruhen eine Abwanderung stattgefunden hat. Nach Wiederherstellung der Ordnung werden hoffentlich die Resultate unserer Arbeit zur Gelmng CommeiL Tisus TlMllsMll in SSMM ftv Konisation sind im Entstehen. Unsere Inspektoren hoben in Litauen und in Polen die für die Ansiedlung sich eignenden Familien ausgewählt. Ein Direktor unseres argentinischen Komitees beaufsichtigt persönlich die Ansiedlung der ersten Kolonisten und die Errichtung der neuen Kolonien, von denen die eine den Namen „Baron Hirsch" trägt. Diese neuen Siedlungen dürften sich zu neuen jüdischen Zuwanderungszentren ausgestalten. In Kanada, wo die Kolonisationsarbeit zu Beginn Schwierigkeiten begegnet waren, war das vergangene Jahr ein sehr gutes. Zum ersten Mal überstiegen bei Abzahlungen der Kolonisten unsere Ausgaben. Die Abzahlungen beliefen sich aus 20.108 Dollar, während wir Vorschüsse in Höhe von 16.720 Dollar an neue Kolonisten gegeben haben. Die Zahl der Siedlungen vergrößert sich trotz der hemmenden Einwanderungsgesetze. Für bereits arbeitende und naturalisierte Kolonisten sind aber die Landesgesetze sehr günstig. Aus diesem Bericht sind die Resultate unserer Kolonisation zu ersehen, für welche Wik von IM bis 1014 Lins Summe von 1.200.000 Dollar ausgegeben haben. Außerdem stützen mir noch immer die berufstechnischen Schulen des Baron Hirsch. Was die Lage in Europa betrifft, so stand unsere Oesellschaft seit ihrer Existenz noch nicht vor so dringendsten Aufgaben wie heute. Angesichts der gesähruchen ökonomischen Krisis, die das europäische Judentum durchmacht, haben wir wichtigste Probleme zu lösen. — Herr Philippson gab nun einen ausführlichen Bericht über die Kolonisation in Rußland und die Kredittätigkeit in Polen und Rumänien. ittglani. Eine erregte Sitzung der United Synagogue. L on d o n, 5. Nov. Der Rat und die Delegiertentagung der United SijnaßDönc rannen sich nm lkgrm frnnrng pf *nt>- gültigen Entscheidung über die seit lävgSkSk ZSlk llllf bök Tagesordnung stehenden Aenderungen der Verfassungsurkunde und der Satzungen der großen Synagogengemeinfchaft zusammen. Den Vorsitz führte Sir Robert Waley Cohen. Die ganze Debatte stand zunächst unter dem Zeichen des Pro und Contra in Sache des Frauenwahlrechtes. Obgleich die Vertreterinnen der Frauen in der Presse immer wieder nachdrücklich darauf hingewiesen hatten, daß es sich für sie lediglich um das Stimmrecht und die Wählbarkeit der Platzinhaberinnen der Synagogen für die Synagogenverwaltung selb st handle, war doch offenbar, daß eben durch diese untergeordnet scheinende Frage die große Prinzipienfrage des Frauenstimmrechtes überhaupt für die religiöse englische Judenheit zur Entscheidung kommen würde. Diese Tatsslsiss eptlört die jtarks «Spannung unb <£rreguncj, unter äm dis ganze ÄusemanSerfetzllng sianv. Der CMefravvl war um ein Votum offiziell überhaupt nicht angegangen worden. In einer Privatunterredung hatte er erkennen lassen, daß er in der Annahme des Frauenstimmrechtes wohl keinen Anlaß zum Einschreiten der religiösen Aufsichtsbehörde erblickt haben würde. Dagegen wurde folgendes, ebenfalls privat eingeholte Gutachten des Londoner Beth Din vom 27. Oktober bekannt gegeben: „Obgleich die Gewährung des Stimmrechtes an Platzinhaberinnen in Wohltätigkeits- und Verwaltungsangelegenheiten, die sich auf die Synagoge selber beziehen, nicht mit Entschiedenheit als gesetzeswidrig bezeichnet werden kann, birgt diese Maßnahme dennoch in Anbetracht der daraus entstehenden Konsequenzen, wie sie von den Vertretern der Forderung befürwortet werden, schwere Gefahren in sich. Sie bedroht die Stellung der United Synagogue als einer n jl i t u t i o n urtö-fartiTtexc^l - zu Spaltungen führen." In der Debatte wurde auch die Stellung von Rabbiner K u k, der sich gegen das Frauenwahlrecht ausgesprochen hat, betont, und auf die Gutachten der großen orthodoxen Rabbiner des Ostens, insbesondere von Rabbi Chajim Os er Grodzienski hingewiesen. Die lange hitzige Debatte endete mit der Ablehnung des Frauenwahlrechtes mit 211 gegen 158 Stimmen. Eine weitere Sensation war der offenbar unerwartet rvnnmnSk Aimng, m sngiNGs nun?? fpr gogue nicht nuk aus Irlautz unv vt-e überseeischen Dominions auszudehnen, sondern auch auf die Mandat-Gebiete, mit anderen Worten, auch aus Palästina. Die Tragweite dieses Antrages springt in die Augen. Während seine Befürworter zum Teil von allgemeinem Erez Jisroel-Jnteresse, zum Teil auch von dem Wunsche, die religiöse Entwicklung Erez Jisroels zu beeinflussen, bestimmt waren, betonten die Gegner die praktische Unmöglichkeit, mit den vorhandenen geistigen und materiellen Kräften die United Synagogue in eine Art religiöses Imperiums umzuwandeln. Ueberraschenderweife wurde jedoch der Antrag mit 152 gegen 105 Stimmen angenommen. Ein dritter Kampf entbrante um die in der Konstitution der United Synagogue enthaltene Bestimmung, daß das „polnische oder deutsche Ritual" maßgebend sei; diese beiden Worte ersetzten das früher gebrauchte Wort „afchkenasisch". Die Nervosität der brittschen Patrioten nrnnte itöoö) nitfjt vurlMMgen/ Mw cs blieb bei de» beanstandeten Ausdrücken. Cs bleibt nunmehr abzuwarten, ob der Rat der United Synagogue, dem ein Veto-Recht zusteht, von diesem Gebrauch machen, oder ob er die Verfassung in den jetzt beschlossenen Formen genehmigen wird. „Komitee Israel". Amsterdam, 1. Nov. Das in Holland bestehende Komitee Israel, welches in diesem Lande der Träger der Idee des Rettungswerkes zugunsten der Judenschaft in Osteuropa ist, faßte vor einiger Zeit den Beschluß, seine Arbeit zu intensievieren und seine Organisation im ganzen Lande weiter auszubauen. Es soll zum Zwecke des jüdischen Aufbaus und der Hilfstätigkeit ein Fonds von 50.000 Gulden geschaffen merken. Dem Zentralkomitee Ssrael in Arnstsr- VNM gkyvrrn u. u, UNi Sb?rrahpiner von Amsterdam A. L. Onderwijzer (Ehrenvorsitzender), Mr. I. E. Hille: sum (Vorsitzender), Dr. A. van Raalte (Vizevorsitzender), Mr. Jzak Prins (Sekretär), Dr. Raphael Polak (Schatzmeister). Ein besonderes Interesse bringt das Komitee Israel der Arbeit und den Zielen des Gemeinschaftlichen Hilfskomitees „Ortose-Emigdirekt" entgegen und hat zugunsten der dem jüdischen Ausbau dienenden Institutionen der im Gemeinschaftlichen Hilfskomitee vereinigten drei Verbände eine Aktion eingeleitet, der überall im Lande großes Verständnis und Hilfsbereitschaft entgegengebracht werden. In allen größeren Städten des Landes wurden vom Komitee Israel arrangierte zahlreich besuchte Versammlungen abgehalten, in denen der Delegierte des Gemeinschaftlichen Hilfskomitees Herr I. Trotzky über „Die Lage der Juden im Osten und die Aufbau-Arbeik -Sje-ÜmigUrelP rejerierie. §rgcxTxxj<xlrtorten 8J Schweiz. Der Wiederaufbau im Osten und die Schweizer Juden. Bern, 1. Nov. Der Schweizer Israelitische Gemeindebund hat in seiner letzten Sitzung unter dem Vorsitz von Herrn Dreifus-Brodski beschlossen, als Auftakt zu der Kampagne zugunsten der Aufbauziele der im Gemeinschaftlichen Hilfskomitee vereinigten Organisationen „Ort-Ose-Emigdirekt" eine Summe von 2000 Schweizer Franken zu spenden als Zeichen der Sympathie für die Ziele der im Gemeinschaftlichen Hilfskomitee vereinigten Verbände und als Signal für die Judenheit in der Schweiz, die Aktion zu unterstützen. Es wurden in den Städten Genf, Zürich, Bern und in anderen Orten Komitees gebildet, die bereits an die Durchführung der Sammelaktion herangetreten sind. Der Beschluß des Gemeindebundes war llllih m NWMlli für Bis LlMWimiimn 8MA1 In Zürich hat sich unter dem Varsitz van De. Üittmann ein Komitee gebildet, welches in einem Aufruf die Schaffung eines Zentralkomitees fordert, in dem alle jüdischen Gemeinden vertreten sein sollen, zwecks Durchführung einer planmäßigen Aktion zur Stützung des Wiederaufbaues des jüdischen Wirtschafts- und Kulturlebens in den Ländern des europäischen Ostens. Das „Comite Js? raelite" in Genf, sowie Komitees in anderen Städten haben sich der Aktion zur Verfügung gestellt. Der Kampf um bie Aünstage-Voche in Amerika. N e w y o r k, 31. Okt. Durch die Initiative Henry Fords ist das Problem der fünftägigen Arbeitswoche in Amerika in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt worden. Während die Führer der Arbeiterorganisation dem Gedanken, die Arbeitszeit auf fünf Tage zu beschränken und den Samstag zu einem völligen Feiertage zu erheben, mit äußerster Sympathie begegnen, unter der Voraussetzung natürlich, daß die Löhne auf unveränderter Höhe bleiben, werden von fast allen führenden Industriellen schwere Bedenken gegen diese einschneidende Reform geltend gemacht, und es wird wohl noch lange dauern, bis sie durchdringt. In jüdischen Kreisen findet der Gedankenaustausch über diese Frage deshalb besondere Beachtung, weil natürlich die Lösung des Problemes der Sabbatruhe wesentlich erleichtert würde, wenn tatsächlich die ganze Sonntagsgesetzgebung allmählich auch auf den Sllmslag Merlragen werüm fönnte. (Eine (stfmnerio* feti böten bann nur noä) bte Areitagn«khrn!ttcrge!m Winter, worüber immerhin leichter hinwegzukommen sein dürfte, als gegenwärtig über den allgemein noch als Arbeitstag geltenden Samstag vormittag. Daß die weitere Verkürzung der Arbeitszeit, d. h. die Herabsetzung der 48-Stundenwoche bis auf 40 Stunden in der Richtung der bisherigen Entwicklung liegt, läßt sich nicht verkennen, so daß die Möglichkeit immerhin vorhanden ist, daß bei dauernd günstiger Wirtschaftslage die Fordsche Idee nach und nach auch in den Kreisen der Arbeitgeber und alsdann der Politiker Freunde und Anhänger gewinnt.

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