Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1926)
- Date
- 1926-11-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 9 Der Israelit 4. November 1826 gegenüber muß festgestellt werden, daß das Sfeittr Sittige ) llW MW Bervienen ausgeyt, weniger auf pompöse Hotel aufmachung als mehr auf traute, heimelige Gemütlichkeit sieht und daß sich dieses auch in der Rechnung nach unten auswirkt, daß. aber im Grunde das Jüdische Heim keinen Bissen und keinen Löffel Suppe umsonst verabreicht, daß nur vollzahlende Gäste um seine Tische vereinige sind, so daß es jeder wohl mit seiner Würde vereinigen kann, seine Mahlzeiten im Heime einzunehmen oder von dort zu beziehen, wenn er nicht gerade die Neigung hat, schon billigere Berechnung für gleich gute Belieferung an sich als persönliche Beleidigung zu betrachten. Ich besuchte das Heim am Freitag mittag, gewiß zu einer Zeit, da man, zumal im Winter, ttrt prtnaien Tiidjt irrtTTtei" geöettttn Lisch fiiM-. ÄV i'önnte setzen, wie das Essen m einfach bürgerlicher, aber schön sauberer Aufmachung verabreicht wurde, alles reichlich, gut und schmackhaft. Die Preise stellen sich im Wochenabonnement auf 90 Pf. für ein gutbürgerliches Mittagessen. Wer plötzlich, außer Abonnement, ins Haus hineingeschneit kommt, erhält ebenfalls zu essen, bei einem Zuschlag von nur 10 Pf. Das gute Abendessen wird mit 60 Pf. berechnst in wllkMM Mm Mmttell, &U %en Aufenthalt recht angenehm machen. Es ergibt sich von selbst, daß Gleichstehende und Gleichstrebende, Stu denken, Jeschiwajünger, Handelsangestellte sich an gemeinschaftlichen Tischen finden. Auch Damen haben ihre Tische. Am Freitagabend und am Sabbat entwickelt sich hier ein buntes, schönes jüdisches Leben im Strahlenglanze der Sabbatlichter. Vereine halten hier ihre Versammlungen ab, der Verein jüdischer Akademiker seine wissenschaftlichen Aussprachen, die „Kippe ihr Jahresfestessen, mancher Lernverein seine Sijumfeier, und sie bekommen hier den festlich beleuchteten Raum wie das Festessen gut und billig gestellt. Familien auch aus den besseren KMsrn Ijler; wenn me MUMM m » TlBTl geht DÖM sonst ist, die Küche gtt versehen, ihr Essen, ^denn das Esten kann unter den gleichen Bedingungen auch ins Haus geholt oder gegen einen kleinen Zuschlag für Trägerlohn ins Haus geliefert werden. Alle, die einmal von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht haben, sind des Lobes voll über die gute Belieferung und werden dem Heime treue Freundschaft bewahren. Eine Schließung dieses Heimes würde eine Katastrophe bedeuten für 60 junge Leute, die zurzeit tägliche Gäste des Hauses find und die, fremd am Platz bei geringem Einkommen, nicht ins Hotel gehen können; ganz abgesehen, von den hohen jüdischen Werten, die ein Zusammenleben Gleichstrebender in einem solchen Heime schafft. Und dennoch droht diese Gefahr! Nicht etwa, daß das jüdische Heim um irgendwelche Unterstützung appelliert. Es darf keine Subvention irgendwelcher Art beziehen. wtm tö nicht zu einer Wlanchropischgn MkMHtung hsrabgewürdigt werden soll. Es ist ein Institut für den besseren Mittelstand, dessen Inanspruchnahme aber auch Bessergestellten möglich bleiben muß. Die einzige Unterstützung, um die der Vorstand des Jüdischen Heimes dringend bitten muß, ist eine weitere und größereBeachtungundJnanspruchnahme von Seiten der Gemeindemitglieder. Bei 60 Teilnehmern kann das Haus nicht auf eigenen Füßen stehen, zumal wenn man noch unausbleibliche Verluste an unmtttlWam AuLständon mit m MftM«. ziehen muß. Die Frequenz des Hauses mutz mindestens auf 100 gebracht werden, dann ermöglicht es die Maste, daß diese niedrige Preisquote bei der bisherigen guten Bewirtung und Bedienung bleiben kann. Hinaufgeschraubt dürfen die Preise nicht werden, wenn das Heim seinen Zweck erfüllen soll. m ist eine Freude zu sehen, mit wLlchsm Eifer und welcher Liebe alle. in. diesem Heime MM MllWüWMWW Md LWW däMen bY& zur fehlen Küchengehilfin ihre Pflicht tun. Es wäre nun sehnlichst zu wünschest, daß diese Liebe in der* Gemeinde Gegenliebe finde : und eine weitgehende Unterstützung in dem Sinne, daß recht viele von den Darbietungen des Jüdischen Heimes Gebrauch machen. Vielleicht bedurfte es nur dieses Hinweises, daß.sich dem Heime in der Rechneigrabenstraße nunmehr aller Interesse zuwendet. Aus Gemeinde- und Vereinslebeu. (Der Vortrag in der Jüdischen Frauenvereinigung.) Der angekündigte Vortrag in der Jüdischen Frauenvereinigung am Sonntag dsn 7. ds, milfe letber ausfat- I UL Mim MM AUgMliM M LrÄ Äselnsi Cs mirö noch bsksmllzsZzbeü, wann er stallfinbel. (Der Thanukkahfesiabend der Jüdischen Frauenver einigung.) Wie bereits mitgeteilt, findet am ersten Chanukkahabend in den Räumen des Zoologischen Gartens ein Chanukkahfest in größerem Stile statt, für dessen Gelingen von der Jüdischen Frauenvereinigung die umfassendsten Vorbereitungen getroffen sind. Es sei hier noch mitgeteilt, daß der Kartenverkauf bereits eingesetzt hat und guten Verlauf nimmt. Die Karten zum Einheitspreise von 2,90 M. berechtigen zugleich zur Teilnahme an einer Verlosung. Im Jnter- &er AkiMWWsl MkikillllN MrlM DM MN noch der Nciycnfolgc Des Kartenverkaufs angewiesen. Jede Eintrittskarte trägt die Platznummer und gilt zugleich als Los für die Tombola. Es empfiehlt sich, sich rechtzeitig mit Karten zu versehen, welche bei der Voritzenden, Frau H. Besthoff, Palmstr. 10, evtl, auch auf Telefonanruf (Carolus 43 061) zu beziehen find. (Liwjath Chen.) Der Vortrag findet diesen Samstag wieder, wie üblich, Samstag nachmittag 4.15 Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage. Thema: „Jakob und Efau, ein welthistorischer Prozeß. (Neueinrichtung eines Jugendfchiurs im Verein TUekor Lhajim.) Wir beabsichtigen , einen Schiur ür junge Leute im. Älter von 17—22 Jahren, in dem 'reies Lernen gepflegt werden soll, unter geeigneter Leitung und zu den Teilnehmern passenden Zeiten, zweimal wöchentlich, einzurichten. Interessenten wollen ich bitte sofort schriftlich b&i Sftb&ri ßoetoen^ol, MWkkllW 31 mßlDÖH. 88« m iUin km« meliere Mitteilung zuzcheu wird. (Neues aus der Agudas Jisroel-Jugendgruppe.) Der bisherige Schiur des Herrn Frankenthal in der Mädchengruppe findet unter Leitung des Herrn Julius L e w i n jetzt wieder regelmäßig statt und zwar Schabbos vorm, von 11.15—12.15 Uhr. Gäste jederzeit willkommen. Im Rahmen der gemütlichen Zusammenkünfte am Freitag abend sprechen am Freitag den 5. Nov. die Herren: Emil Gottlieb und Karl Hamburger. ^b x\ ® v y ~ 111 r s- ®s iit jtß «nstkük Nk t ^r<mi|wrt EplÄchllMNU, Fll. Mültzr tei, einen Lehrer zur Fortführung der bestehenden Sprachkurse zu finden. Damen und Herren, die für den Kurüs Interesse haben — auch die früheren Teilnehmer — werden gebeten, unserem Büro umgehend Mitteilung zugehen zu lassen. Wir werden alsdann die Interessenten zü einer gemeinsamen Besprechung mit dem Dozenten einladen. Allabendlich wird um 8.30 Uhr Maariw geort. Wir weisen darauf hin, daß unser Heim, genau wie im Vorjahre, allabendlich gemütlich hergerichtet und gut geheizt ist. Es bietet unserer Jugend, den hiesigen wie den auswärtigen jungen Leuten, allabendlich, sowie Schabbos und Sotmtegf <m|er den MlMthxq BAWsM ngen, die ans UTiffjtlttf) MV, klMN ÜNgenehmen Aufenthaltsraum für Unterhaltungen durch Zeitungen und Lektüre, Schachabende und dergl. Auch Nichtmitgliedern ist der Zutritt zum Vereins-Heimge- 'tüttet. Reüanmeldungen nimmt das Büro entgegen. (Lehrgut „Hirschhof" der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel.) Für die Eleven unseres Lehrgutes in Falkengesäß (Odenwald) benötigen wir jüdisches und deutsches Lesematerial, Diejenigen, welche bereit sind, uns 'ür diesen Zweck Bücher zur Verfügung zu stellen, belieben der Lehrgut-Verwaltung, Adresse: Julius Blumenthal, Moltke-Allee 94a (Telefon Marngau 4834) entprechende. Mitteilung zugehen zu lassen. Die Bücher ursrdsn alsdunn durch Boten ab^et>ott. slHöitzöphöit.' Dingegeden, verstölyd.'W es, Mnder cheränzüzrHeri, die sich^nn:Leben als gute Juden bevNrten-Wd'^.chelßMWMMutter in reichem Maße alle Liebe zurückerstatteten) die sie von ihr - empfangen hätten. . . - So schied Frau Hackenbroch aus einem' Leben, das die Erfüllung alles dessen) gebracht hatte, was die jüdische Mutter erwartet, umgeben von einer treuen Schar von Kindern, Enkel und Nkenkell Möge n"8pn der trauernden Familie seinen Trost spenden. - -rrnxan/ Hakenkreuzler in Frankfurt und Umgebung. Personalien. Frau Gekka Hackenbroch r\"V' Am v"-> (27. Oktober) verschied nach längerem Leiden Frau Getto Hackend roch geb. Neuburger im Alter von fast 72 Jahren.- Sie stammte aus einem altjüdq-k^rx wn Msfh t, W, Aü Der Seite ihres xmvergffjfifDen Mmmrs, Max Hackenvillly rn, km ein Im Bereiche des Landesverbands Hessen-Nassau und Hessen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wurden in döN Ißfeie« Monotsu 2 kssk MMklUNÜ W IM W8M U” NNllnen, teils mmm Uz M&fyufyatts }>as $nWffe unserer Leser finden dürsten. 1. Im Frühjahr dieses: Jahres wollte der Reisende Siegmund Loeb aus Frankfurt a. M. nach Einbruch der Dunkelheit seinen Musterkofser von Merkenfritz (Oberhessen) nach dem etwa 4 km entfernten Gedern tragen lassen, um dort am nächsten Morgen den Frühzug zu erreichen. In einer Wirtschaft in Merkenfritz erboten sich auf Befragen 2 junge Leute im Alter von etwa 16 Jahren gegen eine Entschädigung von Mk. 2.— zu diesem Dienst, wurden aber, nachdem sie sich mit Loeb in Bewegung gesetzt batten, von 10 Bru-s4>en; bi«* Me Wer- WMMlMli eoeo§ mit m MWimm hallen, im Walde übersalle» und am Wellermarsch gehindert. Die jungen Leute, von denen sich besonders ein gewisser Kries hervortat, bedrängten Loeb mit Stößen und Schlägen, entrissen seinen beiden Begleitern das Gebäck und sprangen damit, in den Wald und verlangten chließlich, nachdem sie wieder zum Vorschein gekommen waren, die sofortige Bezahlung des vereinbarten Trägerlohns, obwohl die Kofferträger selbst ausdrücklich diese Bezahlung erst nach Beendigung .ihrer Dienstleistutzg haben wollten. Durch hinzükommende Radfahrer wurden die tapferen Helden' verscheucht, wobei aber Kries noch laut rief: „Da vorn ist ein Iudebub, schlagt ihn tot." In der Verhandlung traten die 10 Angeklagten weentlich kleinlauter auf. Sie versuchten sich damit herauszureden, daß sie Loeb, einen schmächtigen jungen Mönchen, für einen Werber der Fremdenlegion gehalten hätten und deshalb die beiden jungen Kosferträger bechützen wollten. Das Gericht in Ortenberg (Oberbesien>- M ÄlMWlem m MlW no® mfifiBSi»- &eftra[t marai, megen eines MrgMttS Ihr NLllallng zu Geldstrafen in Höhe von Mk. 50.^ und Mt. 100.—, und verfügte die Verösfentlichung des Urteils, soweit der Angeklagte Kries auch noch wegen-Beleidigung , sich vergangen hatte. Bei der mündlichen und schriftlichen Urteilsbegründung wurde „das rohe und brutale Vorgehen der Angeklagten, ihr schamloses Verhalten und die geringe Reue, die sie über ihre Tat empfanden", scharf gegeißelt und dabei besonders erwähnt,, daß der der Verurteilung zu Grunde liegende Vorfall sogar in Form eines Theaternvaj m MurmiMg ln MMiMitz mm uuö scipitit mtitDe. Die Dertzanviung, die sich fsft den ganzen Tag hinzog und unter ungeheurem Andrang der Bevölkerung stattfand, ergab das beschämende Bild, daß der Volksschullehrer Jung aus Merkenfritz als Zeuge eingestehen mußte, wenn auch erst nach eindringlicher und wiederholter Belehrung über die Folgen eines Meineids, daß das Theaterstück mit seiner Billigung und Kenntnis aufgeführt worden sei, und daß er nichts getan habe, um eine solche Schamlosigkeit zu verhindern, obwohl 3 der Täter in so jugendlichem Alter standen, daß sie vor dem Jugendgerichtshof zur Aburteilung kamen. Der Vorsitzende des Gerichts konnte die Bemerkung nicht unterdrücken, „daß ihm ein solcher Zeuge in seiner langjährigen Praxis noch nicht uorQ&tomnx&n fet". 2. tit 0r-cmf^xtri, t»er daselbst erscheinenden, aber gurgelt aus 6 Monate verbotenen „Freiheitsfahne" hatte in Hungen (Oberhessen) in einer öffentlichen Versammlung eine wüste Hetzrede gegen die Juden vom Stapel gelassen, dabei die Regierung als „einen internationalen Saustall" bezeichnet und geäußert: „Es werde nicht eher wieder Ruhe eintreten im Volk, bis die Hakenkreuzfahne von den Zinnen des Berliner Schlosses wehe, die Judenfrage werde nur auf den Barrikaden entschieden." Haselmayer hatte sich deshalb vor dem Großen Schöffengericht in Gießen zu verantworten und wurde wegen eines Vergehens gegen § 8, Ziffer 1 des Gesetzes zum Schutze der Republik in Tateinheit mit einem Vergshsn dsr Aufreizung zürn Kla^sn^cl^ «US j| 130 SU einer & e f M « g n i s |t r « f? V? n 2 Monulcn unö gu deN Kosten verurteilt. — Ausdrücklich hob der Vorsitzende bei der Verhandlung hervor, daß. die vom Gesetz zugelassene Verurteilung zu einer Geldstrafe nicht in Frage komme, weil die Angriffe und Bezichtigungen in sehr gewöhnlicher Form erfolgt seien.