Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1926)
- Date
- 1926-11-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 45 Der Israeli! 4 November 1926 Ansiedlung und gaben reichlich Milch. Zwei Esel zogen, von einem Jungen angetrieben, allmorgenlich den kleinen Wagen in die nahe Kolonie, um das Nötigste von dort herbeizuschaffen. Hühner gackerten vor den Türen der Hütten und auf fielst freien sstlah vor bem Brunnen wib ein Gockelhahn weckte morgens zur Arbeit. Aus dem Dache einiger Baracken sah man Verschlage, wo Tauben aus und einslogen. Als sich die ersten Grashalme auf den Feldern zeigten, standen die jungen Leute wie vor einem Wunder, und sie verfolgten das Wachsen und Treiben aus der Erde mit vor Freude und Hofnung nassen Augen. Es kam der erwünschte Regen, um den sie noch nie in ihrem Leben so gebetet hatten, wie jetzt in ihrer kleinen Barackensynagoge; der Frühregen und der Spätregen zu seiner Zeit. Indes draußen alles wuchs und ge- DiofL gab m mnsn in dsv lössft uhä ist Zell Häkchen allerhand zu tun. Von Sonnenaufgang bis zum Nachtanbruch stand die Arbeit keine Minute still. Jeder Erfolg ermutigte zu neuem Anfang, zu neuem Unternehmen, jeder Tag, ja, jede Stunde hatte ihre eigene Bedeutung. Man jätete oder wässerte aus dem Brunnen, wenn die Sonne vom Himmel schien und arbeitete an der äußeren und inneren Ausgestaltung der Häuser und der Gasse, wenn der Regen draußen die Aecker wusch. Sogar ein paar junge Bäumchen wurden zu beiden Seiten der Gasse, vor dem Gotteshäuschen und vor dem Brunnen, gepflanzt, und sie standen da, wie zuerst die verschüchterten Jüng linge selbst, die aber mit jedem Tag an Kraft und Saft, an Blut und Mut gewannen . . . _ (Schluß folgt.) Was t»er Scha»stMkK?»N MttMi in Florida ZU erzählen weiß. Der Vertreter einer amerikanisch-jüdischen Zeitung weilte am Sukkausfeste in der vom Orkane zerstörten Hauptstadt von Florida, Miami. Er fand die große orthodoxe Synagoge stark beschädigt. In einem kleinen, dürftig hergerichteten Nebenraum waren nur wenige Beter versammelt. Der Schammes der Synagoge berichtete ihm nach dem Gottesdienste über seine Erlebnisse wie folgt: „Es war in der Kol-Nidre-Nacht. Die Synagoge war von etwa elfhundert Menschen angefüllt. Draußen heulte der Sturm, aber wer kümmerte sich um die Außenwelt, da man hier in die Jom Kippur-Andacht vertieft war. Als wir nach dem Gottesdienste auf die Straße hinausgingen, hatte der Sturm schon orkanartige Stärke angenommen. Manche mußten trotz der llVsrhs dss 9orn fitppur nacfy fahren, b« bas Ee^en burch bxe Straßen infolge stürzender Dachteile zur Lebensgefahr wurde. Ich ging aber zu Fuß und erreichte nach vielen Stunden mein Heim. Von Schlaf konnte nicht die Rede sein, da das Toben draußen immer schlimmer wurde. Gegen zwei Uhr nachts flog aus dem'Nachbarhause ein ganzes Blechdach herab, von dem Teile durch die zerschlagenen Fensterscheiben in unsere Wohnung stürzten. Ein Wasserstrom flutete in unser Haus bis zum dritten Stock hinauf. Das Mädchen wollte das Licht andrehen, aber der elektrische Strom versagte. Alles rannte und rettete sich in fester gebaute Häuser. Da fielen mir die T h o r a r o l l e n in der Schul ein und es hielt mich nicht länger hier. In Begleitung meines Sohnes ging ich auf die Straße hinaus, wir wateten bis über das Knis iw Wasser^ mur= &cn tjorrt Siitrm mehrmals gu Hervyrstn, Balken und Dachteile flogen um unsere Köpfe, ganze Häuser stürzten vor unseren Augen ein. Menschen rasten über die Straßen wie irrsinnig, wurden von stürzenden Mauern getroffen und sanken hin. Keiner kümmerte sich um sie, denn jeder war nur auf sich und sein Leben bedacht. Wie wir in die Schul gelangten, weiß ich nicht, gleichviel, wir kamen hin. Sämtliche Scheiben waren zertrümmert. Vom Dache war der größte Teil. heruntergerissen und drinnen stand idas Wasser fast mannshoch. Wir kletterten über die Bänke bis zur heiligen Lade, holten die Thorarollen eine nach der anderen heraus und trugen sie hinauf zur Galerie der Frauenschul, die zum Glück sehr hoch und fest gebaut war. Auch wir perblieben bort ble gange Nacht. Ulles weitere zu erzählen, ist nicht wichtig. Ich faß bei den Thorarollen und sagte Th.ilim, betete, daß die Sintflut, die in der heiligen Jom Kippur-Nacht über die Welt gekommen war, aufhöre und Gott seinen Zorn von den Menschen abwende. So wurde es langsam Tag und ein wenig ruhiger. Gottesdienst konnten wir am Jom Kippur nicht abhalten. Die Schul stand teilweise ohne Dach und ganz ohne Fenster da, und die Menschen hatten in dieser Nacht, so weit sie noch lebten, fast den Verstand verloren. Viele jüdische Todesopfer^ berichtete der Schalstes lsterier, es weder er n9(f} fpyst m rida gegeben. Ihr Vermögen haben sie alle verloren. Die Hilfsaktionen in Amerika arbeiten in wundervoller Weise, und am besten die jüdischen Hilfsorganisationen. Viele sind geflüchtet, aber viele haben bereits den Wiederaufbau ihrer Häuser und ihrer Existenz ausgenommen. Auch die Schul wird bald wieder neu erstehen ..." Ainderecke. Steine am Weg. Don yeimW EinslMer. Nathan war. Bar mizwo geworden und hatte dann bei einem.Bürger des Ortes das Schneiderhandwerk erlernt. Nach beendigter Lehrzeit machte er sich auf die Wanderschaft, um sich in der Fremde weiter auszubilden und zu vervollkommnen. . Er nahm von seinen Verwandten und Freunden Abschied. Am letzten Tage besuchte er noch zwei fromme Greise, deren Unterricht er regelmäßig morgens vor der Arbeit und abends nach ihrer Beendigung genossen hatte. Der eine, ein hochbetagter Mann, sprach zu ihm: „Du wirst mit drei Wanderern Zusammentreffen. Mit dem ersten sprich nicht, mit dem zweiten lach nicht, und mit dem dritten geh nicht." Dann legte er ihm . die Hände segnend aufs Haupt und entließ ihn. ©er . anbere Jj?rac^z „Du wirst drei Meister finden. Bei dem ersten arbeite nicht, bei dem zweiten iß nicht, und von dem dritten laß nicht." Auch er gab dem Jungen.zum Abschied noch einen Segen. Nathan machte sich, auf den Weg. Er dachte viel über die Worte jener Alten nach und prägte ie sich gut ein, um sie niemals zu vergessen. Nicht weit war er gegangen, da holte ihn ein Hausierer ein, den er noch in seinem Heimatsorte gesehen hatte. Er fragte nach dem „Woher?" und „Wohin" und schloß sich dem jungen Meuchen an. Als er aber anfing, über die Leute in Nathans Dorfe zu sprechen, daß der eine geizig, der andere dumm sei, und über jeden etwas Ungünstiges zu berichten hatte, da sagte der Jünglings er habe sich norgenommen, feine Bösreden «ngnhypen, schlug einen Seitenweg ein und ließ den Verleumder zurück. Nach kurzer Zeit erhielt der Schneider wieder Gesellschaft. Ein ganzer Trupp Viehhändler zog mit einer Herde an ihm vorüber. Der letzte aber, ein junger Bursche, schritt neben Nathan her, und bald hatte er ein Gespräch mit ihm begonnen. Er deutete auf einen der Viehhändler, der ein Beinleiden hatte, und ahmte seinen Gang nach. Von dem nächsten wußte er zu erzählen, wie er ihm schon oft wegen seiner komischen Aussprache zum besten gehabt habe. Den dritten verspottete er gar wegen seiner Gewissesthaftigkssit. Als aber der Schneider stets ernst bliest Und bei all diesen Spöttereien keine Miene verzog, da ließ ihn der Händler schlie^lict» allein ^nrnck^ vtm einen dankbareren Zuhörer zu suchen. Inzwischen war es fast Abend geworden, und Nathan kam in die Nähe der Stadt. Da gesellte sich ein junger Mensch zu ihm, der die Stadt kannte und sich erbot, dem Fremdling noch in dieser Nacht viel Schönes zu zeigen, das er allein nie finden würde. Aber Nathan dankte, suchte die Herberge, die sein Vater ihm benannt hatte, aß, betete und schlief gut und fest. Anderen Tages machst er sich schon früh auf, Arbeit zu suchen. Er fand einen Meister, der ihn gern annehmen wollte. Nathan erkundigte sich nach rhrn in her Herberge, unb als er f>örie, ba| ber Meisten am Sabbat schneidern lasse, verzichtete er aus die Stelle. Der zweite, bei dem er vorsprechen wollte, hatte keine Mesuso an der Tür. Darum drehte der Geselle schon vor ihr um. In der Tat hörte er nachher, daß in diesem Hause auch die Speisegesetze keine Beachtung fänden. Endlich erhielt er eine Stellung bei einem geschickten, braven Manne. Es kümmerte den Jungen nicht, daß er hier mehr als bei anderen arbeiten mußte. Aber er lernte etwas Tüchtiges bei ihm, sah nur Gutes vor sich, und da er für üble Nachreden, Spöttereien und unerlaubte Vergnügungen keine Minute verbrauchte, blieb ihm doch genug Zeit, sich in den Feierstunden in heiligen Schriften unterweisen zu lassen. So fand er Gunst in den Augen Gottes und der Menschen. «ks ist «ussüstieMai SWe Der Leser. Oie im Dnfeiafen. teil enthaltenen Empfehlungen ritueller waren oder sonstige Angaben retigionsgefehtichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr81 Tclrf“Zeil 88 Versand nach auswärts seif lOO Jahren bewahrt Milliionen getrunken. von »MEDRUVA« früher MEDER’S DRUCKLUFT Teppich -Reinigungs- Gesellschaft m. b. H. Telefon Carolus 43922 Bergerstrasse 149 Anerkannt beste und schonenste Entstaubung. Chem. Reinigung - Kunststopferei - Entmottung von Teppichen und Möbeln mit Zyclon-Gas. Lagerung Jac. E. Eisenmann Telefon Carolus 42493 Grünestrasse 12 Subdjrektor der Victoria-Versiclieriiiigs-Gesellschafien Vermögen: 220 Millionen Mark Fachmännische Beratung in sämtlichen Versicherungszweigen verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton ». Schachnowitz, Frankfurt a. M>; Inserate i. B. : S-Schach» "owitz, ebenda, — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in .Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag .Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a. SW, — Druck Sermon Verlags- Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.