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Der Israelit · 1926-11-04 · Heft 45 (4.11.1926) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 45 (4.11.1926)
Date
1926-11-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Benage Der Israelit Irr.« 1926 Die Perle von Aegypten. Die wunbeksame Geschichte einer jüdischen Tochter. Von S. Jzchaki. (Fortsetzung). Wie leicht und glatt sich nun alles weitere von selbst abwickelte! Man hätte beinahe an das Wunder der Nacht an der Mauer vergessen können, so einfach und natürlich klärte sich das sonderbare Zusammentreffen auf. Reisele erfuhr von ihrem Vater, wie er, dieweil er die hundert Dollar in der Tasche und im Städtchen nichts mehr hatte, kein Weib noch Kind, kein Nähmaschine und keine Arbeit, nurmehr noch «von dem . einzigen Gedanken beherrscht war, nach Palästina auszuwandern; wie ihm Piepke, der Stadtkommandant, zu Papieren und gute.Menschen der mmtlntit zu weiterem Gewe verhalten- Als ihm Vsrie M älls Aimriks Misst, BMAö sei Bereits in Palästina und er, Serie, rüste sich ebenfalls zur Ausreise dahin, packte er rasch sein Ränzlein, nahm den Talisbeutel unter, den Arm und den Stock in die andere Hand, steckte sein Tillimbuch in die Tasche und machte sich auf den Weg. Gott hatte geholfen und ihn ans Ziel geführt. Zum Schwuausfeste kam er her in die heilige Stadt Jerusalem. Wie Vater Jakob zog er mit dem Stabe über den Jordan und sei jetzt — nachdem auch Reisele gekommen war.— zu „zwei Lagern" geworden. Berte, so berichtete er, sei auch hier, nicht in Jerusalem, sondern im Dorfe, in einer Kolonie, wie sie hier sagten, wo er halb in seinem Fach?! ^awersmann arbeite. (Br^ M, Möchte M von ÄruMöm um leinen Preis trennen, hier wollte er sterben und üuf dem Oelberge begraben sein. Bis dahin wollte er täglich an der heiligen Mauer Gott danken, wie er bis jetzt zu ihm gebetet hatte. Berle sorge für ihn gut, und viel brauche er ja nicht .... „Und der Andere?" „Benze soll auch hier im Lande sein, bei den Soldaten oder Polizei, an der Grenze. Ich habe ihn noch nicht gesehen. Er wird, wenn er jetzt freikommt,'zu Berle aufs Dorf kommen, um mit ihm, wie in Amerika, zusammen zu arbeiten. Etwas Geld haben die Jungen von Amerika mit- - gebracht. Ich fragte nicht wie viel. Sie werden schon zu mir kommen müssen, so sie Verlangen nach mir haben. Ich verlasse die heilige Stadt nicht." Kaum fragte er nach i h r e r Geschichte und wie sie herkam. Und wenn sie einiges zu erzählen versuchte, horte er dem interessiert, zu, wie.-einerfrommen Erzählung aus alten, heiligen Büchern. Zii feinem Glücke unb bem SBimber^ bas ber Heilige, gelobt sei Cr, i h n erleben liest mu ver Wiederfindung seines Kindes, vermochte er all dieses kaum in Verbindung zu bringen. Er lehnte es auch entschieden ab, mit der Tochter in deren geräumiges Gartenhaus in der neuen Stadt zu ziehen und blieb in seiner kleinen Mietskammer im alten Hause unweit der heiligen Mauer. Reisele bedrückte es, all die Wunder dieser Tage ohne Milka erleben zu müssen. Wie hätte sie sich dazu gestellt, wie hätte sie ihr jetzt beigestanden, da sie selber bei all dem Glücke nicht wußte, wo aus, wo ein. Feige ging nach ihr aus, suchte sie sin all den Klubs, Volkshäusern, ArbeiterkücheM Chaluzothheimen. Ueberall war ihr Name beMU wohl bekannt, aber nirgends rvar sie aufzufillden. ' Mach zwei Lagen kam Berle, vvm Barer btt nachrichtigt, aus dem Dorfe in die Stadt, und in der Kammer der Altstadt, nicht in der Hellen Villa der neuen Anlagen, wurde Wiedersehen zwischen Bruder und Schwester gefeiert. So wollte es der Vater. Und dann gingen sie an die Mauer, an die Stelle, wo das Wunder geschehen war ... Als Venzs nach Anflöfnng der Jüdischen üegion nach Jerusalem kam, vmi> seinen aÜen Meister grüßte, sagte der Alte: „Reisele ist auch hier." Er sagte es so wie früher in der litauischen Werkstatt, wenn Reisele von einem Gang über die Straße zum Krämer Zurückgekehrt war. Und auch Benze schwieg, als bedeutete die Ankunft Reiseles nicht mehr. Als aber Benze am folgenden Tage Reisele beim Alten traf, senkte er den Blick und wandte sich zur Türe. Es war nicht der stolze, trotzige Gang von damals. Es war Gedrücktheit in seinem Wesen. Sie rief ihn an. Er wandte sich langsam um und sah zu ihr hinauf. „Ich mag nicht mit meiner Nähe die Freude des MkLkrskykns Mischen Vater antz Letzter trüben, verstiene auch nicht, mit teil an Dieter Freude zu haben." War das noch Spott, die stolze Abneigung gegen die Fürstin? Aber er wandte sich noch einmal um. „Ich habe Dich tief gekränkt, Reisele . . ." „Benze . . .!" „Du nennst noch meinen Namen, nach all dem . . .?" . „Ich habe damals Dein Verhalten verstanden und innerlich gerechtfertigt." „Ich ging und ließ Dir keine Zeit, mir Aufklärung zu geben." „Willst Du sie jetzt?" „Diese zu fordern, hätte ich jetzt weniger Recht denn je. Aber ich Habe sie. Ich kenne nun M* 8«ng? Arrlrsinng Wf Amg? vom evftan tta zum letzten Tage Deiner Abenteüersährt und Deines Fürstenlebens, weiß auch, wie Du, sobald Du Dich frei von der Dankesschuld wußtest, auf Ehren und Titel, ja auch auf Schätze verzichtet hast, und hergekommen bist, als einfache Jüdin ins Land der Juden . . ." „Milka!" kam es unwillkürlich in aufdämmernder Ahnung über die Lippen Reiseles. „Ja, sie war bei mir, die tapfere, kluge Milka, war die erste, die mich hier, als ich den Waffenrock auszog, in Empfang nahm. Sie weihte mich ein. Ich weiß alles und hätte es dort schon erfahren können, wenn ich diesem klugen Mädchen ein Ohr geliehen hätte." Da war also Milka gewesen, als man sie hier suchte und nirgends fand. Die Hände der Jugendfreunde fanden sich, indes der alte Koppel, ohne Auge und Ohr für die Umgebung, aus de,n Psalmen Zionslieder lang/ XXXIX. Zwei Dutzenst junge? Menschen, Bleichgesichter mit stark gekrümmtem Rücken und knochigen Händen, deren Augen mehr von Begeisterung und Energie zeugten, als die langgestreckten Arme Muskeln verrieten, traten an einem Morgen zu Herbstanfang auf einer öden Fläche in der Ebene Jsreel an und fingen gleich an, ohne auszuschnaufen, zu zimmern, zu bauen, zu basteln und zu graben. Zum Teile hatten sie noch die langen dünnen Schwarzröcke der polnischen Heimat an und sie zogen sie aus, da sie sie an der Arbeit hinderten, wobei die Schaufäden am wollenen Viereckgewande sichtbar wurden und lustig alle Bewegungen mitmachten, als hälfen, sie froh an der Arbeit mit. Die Hemdsärmel hatten sie bis zu den Achseln hinaufgeschürzt, daß man die Sehnen zäh und straff gezogen sah. Denn es war ein palastinensislher Mllhherbstmorgkn, linst unst licht und von warmen leisen Winden umhaucht. Aus einem handgeführten Karren lag Zelttuch und allerlei Anderes. Zunächst wurden Pflöcke in den trockenen, sandigen Boden getrieben und ein langes weißes Zelt aufgerichtet, ein Schutzdach für die Nacht und gegen die Mittagsglut. Dann wurde die Arbeit verteilt und jeder bezog feinen Posten. Die einen begannen mitten aus dem Platze zu graben und zu bohren. Mit „Chasak" feuerten sie sich gegenseitig zur Arbeit an und im Takte bekannter Psalmlieder ging die gleichmäßige Bohrarbeit, um dem Erdinnern das nötige Wasser zu entlocken. Andere gingen hinaus, um Steine, Kalk und Sand herbeizuschaffen. Wieder andere sägten und hobelten an Klötzen, Balken und Brettern. In einer flachen Grube wurde Kalk gebrannt, Mörtel geknetet. Unter einem niederen Verschlage bucken Zementsteine und Dachziegel in der Sonne. Vor einem offenen Feuer schmiedete ein kräftig aussehender Mann im Lederschurz Eisenteile. Zwei junge, schmächtige Menschen kochten am selben Feuer in großen irdenen Töpfen den von der nahen Kolonie bezogenen Kohl av und breiteten aus öem trollensandigen Tosten Matten aus, womit sie sozusagen den Tisch deckten für die gemeinsamen Mahlzeiten. Es war ein- Hacken und Hobeln, ein Bauen und Bohren und Brodeln, ein Sägen und Singen, als seien alle Zwerglein aus dem Märchentraume erwacht, um ein verwunschenes Stück Land zu neuem Leben zu wecken. Jede Arbeit hatte ihr eigenes Lied. Die da hobelten und hackten, sangen anders, als die mit der Bohrmaschine sich im Kreise drehten, und der Takt der Sägemaschine klang wieder anders als der beim Schichten der Ziegel aufeinander. So geschah es, alle Tage, wochenlang, bis zum dämmernden Abende. Und am Abend saßen die jungen Menschen im großen Zelte bei gemeinsamen Gebeten ünif bet alten iBücfyevn. Dis Muskeln stählten sich mählich» die Echncn strassten sich» dir Rücken -heckten die Krümmungen der Arbeitsbewegung, die Augen bekamen Glanz und die Stimme wurde Heller, die bisher mageren bleichen Wangen erhielten Fleisch und Farbe. In Arbeit, Leben, Hoffnung und Freude entstand ein Neues, wie aus der harten Erde gezaubert, und wuchs mit jedem Tag. Nach vier Wochen war ein Dutzend guter -Baracken errichtet, - vom Grundpfeiler bis zum Ziegeldach mit eigenen Händen errichtet. Mit eigenen Händen hatten sie aus Sand und Erde und. gelöschtem Kalk, Lehm und Mörtel und Bausteine angefertigt. Unter Leitung eines Kameraden vom Fach reihten sie Stein an Stein, Ziegel an Ziegel, bis ein Häuschen nach dem anderen auf festem Grunde sauber und wohlbedacht da stand. Eine Gasse, gut gepflastert, zog sich zwischen den beiden Barackenreihen, an deren Kopf ein Brunnen mittels eines Rades und einer Winde das gute, klare Wasser der Siedlung heraufgab. Auf der anderen Seite der Gasse ragte «ms «ach in Ausmaß und Form schöner und sorgfältiger hergestellte Baracke um ein Bedeutendes über die anderen hinauf. Es war das Haus, in dem sich die jungen Ansiedler morgens und abends und am Sabbattage zum Gebete und zur geistigen Betätigung versammelten. Wie dies alles daständ, gingen die jungen Menschen unter Anleitung eines erfahrenen Landmannes aus der nahen Kolonie mit neuen Geräten, die vom Ausland über Jerusalem gekommen waren, mit Flugschar und Egge und Spaten auf das zur Ansiedlung gehörige Ackerland hinaus, um zu pflügen und zu säen und zu düngen. Von der nahen Station wurde auf großen Fuhren, von Ochsen gezogen, Dungstoff und andere nötige Gegenstände herangeschafft. Bald war die kleine Ansiedlung auch mit einigen Tieren benältm. CinW KM stanstsn im Stalls ster

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