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Der Israelit · 1926-11-04 · Heft 45 (4.11.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 45 (4.11.1926)
Date
1926-11-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6(ti(6 9(1.45 ■;:^v: Vlf;-x fr'^ff f'^\^ tfalafttn o. Wahlrechlssorderungen des Waad Leumi. Jerusalem, 24. Okt. Waad Leumi hat in seiner letzten Sitzung seine Unzufriedenheit mit dem Regierungsprojekt betreffend die Gemeindewahlen Ausdruck gegeben und Forderungen nach Frauenwahlrecht, Herabsetzung der Mindeststeuergebühr als Voraussetzung für das Wahlrecht und Herabsetzung des Alters der Wahlberechtigten, sowie nach Wahlrecht auch für solche, die sich um die Bürgerschaft beworben haben, erhoben. Oppenheimers Kritik. (Von unserem Korrespondenten). Tel-Awiw, 20. Okt. Professor Dr. Franz Oppenheimer, der vor einigen Monaten Palästina besuchte, hat in einem Vortrag in Wien den Stab über das jüdische Aufbauwerk in Palästina gebrotzen unü Damit att pfifft JfStflttj 8)1 Dem Aufbauwerk gleichgültig oder feindlich gegenübsrstehen. Wer Oppenheimers temperamentvolle Art kennt, wer überdies weih, daß sein Interesse für die jüdische Kolonisation eng mit seinem Siedlungssystem zusammenhängt, den hat Oppenheimers Verdammungsurteil nicht niedergeschmettert. Wie ungerecht das Urteil über Tel-Awiw! Kitschige Häuser ohne Schönheitssinn sind überall in der Welt die Reget, ebenso wie prunkhafte Hauser der Begüterten neben armseligen Stätten der Armut. Kein Wort der Anerkennung hat Oppenheimer für die gewaltige Leistung, auf Sanddünen innerhalb weniger Jahre mit jüdischen Arbeitern und jüdischen Handwerkern eine solch schöne und moderne Stadt hinzustellen, wie sie Tel-Awiw heute bereits ist. In manchen Städten Tel-Awiws hat man — besonders des Abends — das Empfinden, als sei man nicht im Orient, sondern in einer ruhigen, vornehmen Straße irgend einer europäischen Großstadt. MkMMk möge lm Mt oersefißn Daß öie MassSNöiNWSttdSPMg des erfien Halbjahres 1925, hervorgerufen durch die wirtschaftliche Situation in Osteuropa, der Zionistischen Organisation unerwünscht kam. da man ihr nicht die finanziellen Mittel gegeben hatte, oie nötig sind, um sich auf eine solche Einwanderung einzustellen. Das Galuth hat bisher für Palästina wohl gespendet, aber nicht gegeben! Auch die Agudas Jisroel-Organisation weiß ein Lied zu singen, daß der langsame und ungenügende Einlauf der Gelder hoffnungsvolle Werke gefährdet. Wohl ist in Tel-Awiw viel gesündigt worden, Boden- und Mietswucher haben geblüht. Manche Architekten haben das in sie gesetzte Vertrauen mißbraucht, haben, um zum Bauen anzureizen, falsche Berechnungen geliefert, haben Material vergeudet, weil sie nicht ihre Aufsichtspflicht, sondern nur ihre Honorare und Provisionen ernst nahmen. Es hat eben die starke, Auswüchse niederbriicfenbe Syani> gefehlt! 2>oci) tiirtjtig toirb bis rtmg öer verantwortlichen Kreist verhindern. was im vergangenen Jahre nur die geniale Persönlichkeit hätte verhindern können. Unbegreiflich ist Oppenheimers Ausspruch über den geringen Familienzuwachs bei den Juden und den großen bei den Arabern. Er weiß nicht, daß in dem jüdischen Palästina die jungen Leute meist vor ihrem 20. Lebensjahre heiraten und trotz aller Sorgen Freude an vielen Kindern haben. Jetzt zum Schulanfang sind die Anmeldungen des kleinen Nachwuchses so zahlreich, daß die Schulleiter in Verlegenheit sind, wie sie die Kinder unterbringen sollen. Tel-Awiw, 20. Okt. Die Einwanderung übersteigt immer noch die Auswanderung! Die Auswanderung ist sehr durch Nachrichten aus Polen beeinflußt worden, die besagen, daß dort eine Periode wirtschaftlichen Aufschwunges eingesetzt habe. Es ist zu hoffen, daß der bessere Teil der Rückwanderer später wieder nach Palästina kommen wird, denn die Sehnsucht wird ihn wieder nach hier treiben. Eine Dreyfus-Affäre in Persien. Bagdad, 15. Okt. Unbeschreibliche Bestürzung herrscht hier infolge des Berichtes aus P e r f i e n, wonach der jüdische Depu- Ltk litatlM Herte bes 5perf«frfpm MsHWlMS E h ll j l m lllller Ul Beschuldigung. an einem Attentate auf den Schah von Persien mitbeteiligt gewesen zu sein, zum Tode verurteilt und auch rasch hingerichtet wurde. Alle, die Chajim kannten, schildern ihn übereinstimmend als eine ganz ungewöhnliche Persönlichkeit von großer politischer Begabung und ebenso großer Liebe zum Judentum. Es unterliegt für die Eingeweihten keinem Zweifel, daß Chajim das Opfer einer großangelegten Hetze wurde und daß man in ihm das Judentum schlechthin treffen wollte. Bis zum 6. Oktober war die Tatsache der Hinrichtung noch geheimgehalten, so daß die prominenten jüdischen Persönlichkeiten in Teheran noch glaubten, ihn retten zu können und alle Mittel anwandten, um seine wie der anderen vier jüdischen Angeklagten Unschuld zu beweisen. Noch vor kurzem gelangte ein Telegramm des Herrn S a s s o n an den „Jewish Chronicle", in dem von einer Delegation persischer Juden berichtet wird, die zu ihm gefommett ffti imh nat^gerotefen i)abe, bajj bie gange SJmft» Ahajirns darin bestand, vast er zu jeder Zeit mutig und unerschrocken für seine Glaubensgenossen ein getreten ist und dabei zuweilen Kritik an Maßnahmen der Regierung gegen die Juden übte. Die persischen Juden appellierten durch Sasson an England, alles aufzubieten, um Unschuldige — denn auch die anderen vier Juden waren völlig unschuldig — vor einem schändlichen Tode zu retten. Inzwischen gelangte die Mitteilung nach Bagdad, daß die Hinrichtung an Chajim bereits vollzogen ist und daß die 1 anderen vier jüdischen Beschuldigten dem gleichen Schicksal entgegensehen. Ob diese noch zu retten sein werden, ist fraglich. Personalien. Fürth, 29. Okt. Direktor Dr. Hermann Deutsch, Leiter der Israelitischen Waisenanstalt in Fürth, vollendet dieser Tage sein 70. Lebensjahr. Seit mehr als 32 Jahren widmet dieser beslbeidens. f>eröorragenbe ßtetelji-ie feine MM Iran Dir lMlWNg 88« Wriftn. Lenen er in be* Wortes wahrste „Vater und Freund" auf allen Lebenswegen geworden ist. In unserer Gemeinde war er d e r Berater, zu dem die d»«v in jeder Tages¬ oder Nachtstunde mit ihren Anliegen kommen konnten, mit stets gleichbleibender Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit empfangen. Seine vrn'ö insbesondere sein Raschi- Schiur wahre Fundgruben tiefer jüdischer Gelehrsamkeit, erfreuen sich in unseren ’ Kreisen hoher Wertschätzung. Möge ihm noch lange Jahre in Gesundheit und Frische schenken und diese Jahre verlängern -svu t9 am mwrmi mva kihingen, 31. Oktober. Einen unersetzlichen Verlust erlitt unsere Gemeinde und die große jüdische Oeffentlichkeit durch den Tod des Herrn Eduard Sonder, der im Alter von 60 Jahren seiner Familie und der jüdischen Welt entrissen wurde. Mit ihm ist nicht nur ein in Wirtschaftskreisen hochängesehener Kaufmann dahistgegangen, sondern auch ein um unsere Gemeinde und den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden hochverdienter Mayn. Als Vorstandsmitglied der Gemeinde Kihingen hat er ihren Interessen in aufopfernder Hingabe gsdisnt. Durch bas SSertrauen ber <3ernein^>ej| EI lll iSit [ßal bes Süer&anbes i£VaStitift£)Cr htelnben gewählt. In seinem engeren Wirkungskreise Kihingen wie auch innerhalb der jüdischen Landesorganisation Bayerns hat er überaus segensreich gewirkt. Durch seine Liebe zum Judentum, seine Intelligenz und vielseitige Interessiertheit, durch seine Klugheit und Geschicklichkeit wurde er bald zu einer führenden Persönlichkeit, deren Heimgang eine klaffende Lücke hinterläßt. Seine Beerdigung, die am Dienstag, den 19- Oktober stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Viele hundert Menschen erwiesen dem Verewigten die letzte Ehre, darunter die Vertreter staatlicher und städtischer Behörden, der Industrie und Handelskammer, des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden u. a. Institutionen und Vereine. Es sprachen 11 Redner. Bezirksrabbiner Dr. W o h l g e m u t h - Kitzingen legte seiner Trauerrede die Erzvater Abraham gegebene Verheißung „Werde ein Segen" zu Grunde und schilderte das segensreiche Wirken des Verewigten in Familie, Gemeinde und Oeffentlichkeit. Namens der Verwaltung der israelitischen Gemeinde widmete deren 1. Vorsitzender Herr I. U l l m a n n dem Verstorbenen ehrende Worte des Abschiedes und des Dankes. Oberlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r, München, der Präsident des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden, gab der Trauer des Verbandes Ausdruck und gelobte ewiges Gedenken. Es sprachen noch Vertreter zahlreicher Institutionen Worte des ehrenden Gedenkens n-ssan Ahill^n. 51. Älioter. Mit bem Hptzx von öenlamm ölern ist ehe Der markantesten Persönlichkeiten öer Mischen Bevölkerung unserer Stadt und ganz Unterüankens dahingegangen. Aus dem benachbarten Maintockheim stammend, verkörperte er in seiner Lebensgechichte ein Stück Geschichte unserer Gemeinde. In seiner Jugend hatten die Juden noch kein Wohnrecht in Kitzingen, und obwohl sich das elterliche Geschäft des Ver- •_ 4. SlMinbn 1926 Seidenu. Garn-Handelsges. m. U. H. 47 Bfleidensfraße 47 (früher: Grösse Eschenheimersträsse 3) SPEZIALHAUS inNäh-^undSHck-Seiden __ __ Hatidarbeüs-Garnen jeder Art storbenen bereits in Kitzingen befand, war der Wohnsitz der Familie noch in Mainstöckheim. Benjamin Stern, sah die Gemeinde aus kleinsten Anfängen sich zu einer blühenden,, angesehenen Mittelgemeinde : -entwickeln. S?ine Frömmigkeit, das Ansehen, dessen er sich in allen Kreisen erfreute, seine Energie, das Interesse, düs er allen jüdischen Fragen1 entgegenbrachte, lenkten bald die Aufmerksamkeit seiner Glaub ensgenossen auf ihn, und sie wählten ihn zum 1. Vorsitzenden der Gemeindei Mehr als 3 Jahrzehnte leitete er in dieser Eigenschaft die Ber-' waltung der (Sememb'e unb rtatfm ihre ^Jntereffen tij TÖIDinplÖP wal/r. Äntaßljch seines Ltzjllyllgen IubAäutüs als i. Vorsitzender errichteten die Gemeindekörperschaften eine Benjamin Stern'sche Jubiläum s st i f t u n g z u r A u s b i l d u n g j ü di sch e r L e hrer. Benjamin Stern war auch ein großer Wohltäter. Im Jahre 1914 errichtete er in Gemeinschaft mit seinem Bruder Sigmund Stern zum Andenken an seine verstarb enen Eltern die Hirsch Und Helene Stern'sch e Armenstiftung, deren' Zinsen zur Hälfte jüdischen und zur Hasste nichtjüdischen Armen zuflekeN. Jtt Anerkennung feister unvergänglichen Verdienste um die Gemeinde würde er zu ihreni Ehrenvorsitzende n ernannt. ' Die Beerdigung, die am Sonntag, den 10. Oktober stattfand, legte von der Ungewöhnlichen , Beliebtheit des Verewigten Zeugnis ab. Eine unübersehbare Menge von Trauergästen aus allen Schichten der Bebölkerung von nah und fern gab ihm das letzte Geleite. Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemutst schilderte ihn als ganzen Mann, als kraftvolle Persönlichkeit, als Frommen, als Wohltäter und als aufrichtigen, redlichen Menschen. Herr I Ulltstann, der 1. Vorsitzende der Gemeinde, gab dem Schmerze und dem Danke der Gemeindeverwaltung ergreifenden Ausdruck. Bankier H e r m a n n-Würrbürg ~£5?’r,ic km MWH Der FrMlMvm Ver5ftctr Sßofif -es Gedenkens. wahrend Lehrer Vamberger im Namen der Schule sprach. — Der Name Benjamin Stern ist unlösbar mit der Geschichte unserer Gemeinde verknüpft. Das Andenken des Frommen gereicht zum Segen. rraw/i Vermischtes. Frankfurt a. IN., 1. Nov. Gestern fand hier eine gutbesuchte Vollsitzung des Organifätionsvorständes der Agudas Jisroel-Jugendorganifation statt. Es nahmen außer den. Mitgliedern des Großstadtdezernates an den Beratungen teil: vom O. V. der ÄJJO.: die Herren: Elfaß-Cafsel, Max Gutmann-Nürnberg, Leo Munk-Köln, Dr. Gustav Münz-Nürnberg, Studienrat Dr. Siegmund Stein-Köln-Berlin, Sasly Weil-Verlin und Viktor Wreschner-Breslau; als Eiäste die Herren Rabb. Dr. Klein-Nürnberg und Jacob Rofenheim-Frankfurt a. M. Die Lage der Jugendorganisation wurde eingehend besprochen und auf Antrag von Dr. Gustav Münz der Sitz der Leitung mit sofortiger Wirkung von Köln nach Frank? furt o. llll. verlegt und das bisherige ©rcjgftabibeaernät mit Dur ISUiMflS iSS Organifastansr-arftanbe's beaaslrugll Auf Vvvfchlatz woü Tüünaaa-9^urnverg wurde auf Grund von in Zürich geführten VörverhandlunMn ein enges Zusammenarbeiten mit den westeuropäischen Jügendorganisationen der Agudas Jisroel beschlössest. Am Schlüsse der zwölsstündigen Sitzung dankten die Herren Fritz Stern-Frankfurt und Studienrat Dr. Stein der bisherigen " Kölner Leitung und insbesondere dem Vorsitzenden' Leo Munk für ihre unermüdliche Tätigkeit für die AJJO. und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß der neue Vorort die von Direktor Lange einst gewiesenen Wege weilergehe. (Ausführlicher Bericht folgt.) Berlin, 2. Nov. Zugunsten des Schulwerkes der Israelitischen Synagogengemeinde „Adaß Jisroel" in Berlin (Grund- und Volksschule, Realgymnasiums, Lyzeum> wird am Sonntag, 19. Dez. abends 7.30 Uhr ein Fest mit musikalischen und dekllMatorischen Darbietungen veranstaltet werden, dessen Ueberschuß zur Unterstützung minderbemittelter Schüler und Schülerinnen verwendet werden soll. Leipzig, 31. Okt. Ein großer Teil der Leipziger jüdichen Bevölkerung ist stark verärgert durch die Miß- 'tände, die sich im Beerdigungswesen zeigen, und es väre an der Zeit, daß der Vorstand der Gemeinde diesen Beschwerden, die leicht zu beheben sind, abhilft. Map hat bisher wie an einem Dogma daran festgehalten, daß Beerdigungen, die natürlich wie überall, auf <sht<s k>s. NIMM SllllM skUkskU MrÜM. M WStzchÄl erst kann taitTinDen, wönn 5ßr mit b&v JBAUerreb-e beauftragte Nabbinsk erschien, ja daß vor dessen Erscheinen nicht einmal die Leichenhalle geöffnetwird: Die pünktlich ercheinenden Beerdigungsteilnehmer haben also unter Um-' tänden, wenn der Rabbiner sich verspätet, das Vergnügen, im Regen oder in der Kälte vor der Leichenhalle- (Fortsetzung des Textes stehe Seite 8.)

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