Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-11-04 · Heft 45 (4.11.1926) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 45 (4.11.1926)
Date
1926-11-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450433--73569-2530988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tfy* Ssite 2 9^r. ^5 Ferdinand Lassale, Vebel und zuletzt LkNM sagen, ist gut und jüdisch, menschlich und g ö t t l ich und in der Lehre des Judentums begründet. Mit dem entscheidenden Unterschiede freilich: Hier ist es ein Postulat der Gottesliebe, der Gottesfurcht, der göttlichen Forderung an den Menschen, darum trägt hier dieses Ideal etwas von der allumfassenden Gottesgröhe in sich und kann sich nicht in der Sackgasse klassenpolitischer und parteiegoistischer Bestrebungen verlieren, zum Nutzen bestimmter Gruppen und zum Schaden noch größerer Schichten. Es gibt noch andere Gebiete des geistigen Lebens, die wir ins Auge zu fassen hatten, wenn wir vom Zentralpunkte der Treue zum Gesetze geistige Eroberungen machen wollen. Wir haben nur einige Punkte genannt, um das, was wir wollen, in greifbare Form zu bringen. Grundsatz bleibt: Alles.mit gut jüdischen Augen sehen, aber mit diesen jüdischen Augen den Blick der Welt aushalten? Ein prominenter geistiger Führer des Ostens sagte vor zwei Jahren um die Chanukazeit in Hamburg ungefähr: „Das Chanukalicht soll auf die Straße hinausleuchten. Unsere Jugend bringt aber heute die Straße zu uns ins Zimmer, darum sei das Chanukalicht in seiner Wirkung auf unsere Kinder zugleich für die Straße berechnet." Das hier aufgestellte Programm mag sowohl der Vertiefung als der Erweiterung bedürfen; jedenfalls zeigt es den Weg, der mit aller Energie beschritten werden müßte. —ki. Wochenrundschau. Das polnische Posen und seine Juden. Zur Kaiserzeit gab es in Posen einen deutschen Ost markenverein, der seinem Programme nach der deutschen Kultur in der Ostmark dienen wollte, nebenher aber, wie es oft schien, sogar im Hauptamte, antisemitische Hetze in großem Formate betrieb. Heute gibt es im polnischen Posen einen polnischen W e st - morfenoerein^ be|Jen pstMUMMWe Ausgabe es ist, der polnischen Kultur in der Weftmark zu dienen, der aber nebenher, und wie es oft scheint, sogar im Hauptamte, antisemitische Hetze in großem Formate betreibt. Man sieht, wie sich an gewissem Punkte die großen.Seelen Dkl fl 11 fl 11 II von hüben und drüben — wir wollen das drastische Wort von Heinrich Heine dazu nicht zitieren — treffen und verstehen. Das Organ des sogenannten Westmarkenvereins und des ihm nahestehenden „Rozwoj" ist die in Posen erscheinende polnische Zeitung „Postep", und diese veröffentlicht einen Aufruf/ in dem Krokodilstränen darüber vergossen werden, daß so viele Juden aus Warschau und Lodz in Posen und Pommerellen einwandern. Und was das schlimmste sei, man könne sie nicht einmal als Juden behandeln (mißhandeln!), da sie sich in ihrem äußeren Gehaben als Amerikaner, Engländer oder Belgier geben, folglich müsse man auch diesen sehr mißtrauen. Die Zeitung sieht böse Zeiten für Polen kommen, wenn dieser Zustand noch weiter andauert, und fordert alle guten Polen in Posen und Provinz auf, die Juden auf jegliche Art und Weise zu boykottieren, ihnen keine Häuser zu verkaufen oder zu vermieten, mit ihnm reillk MMslö öinzlMpn. aiu^erW *4gen die $ulen Polen „in gemeinsamer Front sich zur Offensive sammeln", um Juden und Judengänger los zu werden. Also die Hetze von früher, ins Polnische übertragen: Boykott und Pogrom! Besser könnte, man dem Antisemiten-Blatt nicht dienen, als wie dieses das „Posener Tageblatt" in seiner Nummer vom 25. Oktober tut. Die Antwort gibt uns ein Bild über die derzeitigen Verhältnisse in Posen und verdient, hier im Wortlaute wiedergegeben zu werden: „Wenn man die antisemitischen Mietlinge, zu denen der „Postep" gehört, wiederum in ihrem unendlichen [fl stl MÜHst öklimlll ftstzMIlen, Satz dieser ganze Jammerlaut, dse durch den Artikel geht, zunächst einmal dem „Rozwoj" entstammt, einem Vereinchen, dem Westmarkenverein ähnlich, der auf den Mitgliederfang ausgeht. Man könnte Mitleid mit den armen Antifemitlingen empfinden, wenn man bedenkt, wie dieser „patriotische Aufruf zur Judenprügelei" nur der Sorge um das Bestehen des eigenen Vereins entspringt. Man sollte eigentlich die Ausrufe dieser Art nicht allzu ernst nehmen, wenn nicht eines dabei zu beachten wäre (wenn man von der Vergiftung der Atmosphäre absehen will), nämlich der Eindruck, den solche Arbeit auf das Ausland macht. Wepn man sagt, daß die „Juden aus Lodz" sich als Engländer ausgeben, so ist das gleichzeitig ein Hinweis, alle Engländer besonders streng unter die Lupe zu nehmen. Und was das bei uns bedeutet, müssen wir nicht besonders - erläutern. Welche Folgen das haben kann, wollen wir auch nicht näher beleuchten, aber wir UDr Ml MMllM Wik z.ts „Juden aus Kongreßpolen" beinahe wie Belgier und Franzosen „ausgesehen" haben — und daß einem belgischen Staatsbürger diese Hetze übel bekommen ist, indem man ihn einfach als „Juden" verprügelt hat. Das ist doch bei uns so die übliche Methode: Peitsche und Revolver — die „Kennzeichen der Macht und Stärke". Freilich ist diese Prügelszene, dem polnischen Staate übel _ h giooeinoet iasu bekommen — und das Außenministerium hatte die Geschichte auszubaden.' Es ist ja immer so — wenn irgend ein Trottel blödsinnige Einfälle hat, muß dünn die All-- gemeinheit darunter leiden. . Immer wieder aber ist das Grundmotiv für die Hetze der Neid. Denn der Jude, der „billiger, besser und schneller" liefert, ist ihnen allen ein Dorn im Auge. Es gibt ein gutes Rezept, es ihnen gleichzutun. Das Rezept lautet: Mehr Beweglichkeit, mehr Bescheidenheit, mehr Genügsamkeit und Fleiß. Man muß es verstehen, sich mit 3 Prozent Verdienst zu begnügen, statt mit 25 Prozent — wenn man verdienen will. Schließlich gehen selbst die besten Patrioten gern zum Juden, weil er billiger ist und trotzdem nicht schlechtere Ware liefert. Man macht in der Welt schon ganz ernsthafte und bedenkliche Gesichter, wenn wieder unsere „Patriotenblätter" im Judenhaß schwelgen. Und sieben Jahre polnischer Staat müßten uns eigentlich gezeigt haben, was es bedeutet, immer und immer wieder Pogromstimmung zu erzeugen. Polen kann sich das heute wirklich nicht mehr leisten, an jedem Morgen einen Juden mit Haut und Haaren aufzufressen, so wie das der „Kurjer Poznanski" und Herr Sekretarczyk fehnlichst wünschten. Heute müssen die guten polnischen Staatsbürger mehr als je besorgt ssin. irr ber SBcU eirccrx ^rrt^rr All lllä^err. unli »ot aÜcffl tt&SV sylltHU stL ÜQ9 2B0lt endlich wahr machen, das sonst unsere „Helden" so gern im Munde führen, das Wort von der Toleranz, und das Bekenntnis, daß auf dieser Erde Raum für alle ist!" Nicht allein Freunde der Juden, sondern alle, die es mit Polen gut meinen, sollten sich diese Worte genau merken. Die Einbürgerung in Palästina. Unter den Juden Palästinas geht zur Zeit eine lebhafte Bewegung für die Erwerbung des palästinensischen Bürgerrechts. Die jüdischen Instanzen entfalten in Gemeinschaft mit den englischen im Lands eine Energie rrnd ßtttflH Ullbsitserfsr, aU hinge «sein und Nichtsein des Landes, der Judenheit und des Nationalheims von der Einbürgerung ab. In allen Stadtteilen Jerusalems haben sich Amtsstellen zur Erledigung der stark vereinfachten Formalitäten aufgetan. Die Gebühren sind ermäßigt oder fallen in gewissen Fällen ganz weg. Ein öffentlicher Aufruf des Oberrabbinates macht allen Rabbinen, geistigen und politischen Führern und ein flußreichen Männern im Lande zur Pflicht, für die Einbürgerung zu werben. Der Waad Haleumi an der Spitze der anderen zionistischen Aemter und Institutionen entfaltet eine fieberhafte Tätigkeit. Am Sabbat den 16. Okt. sprachen in 15 verschiedenen Synagogen und Bethäüsern Jerusalem? m ffi DtcDntr üDer Die LMbllrgöWNg. Eist ganzes Heer von freiwilligen Werbern ist in Tätigkeit. In Auskunftbüros in allen Städten Palästinas geben Rechtsanwälte unentgeltlich die nötige Auskunft über den Weg zur Erlangung der Einbürgerung. Regierung und jüdische Oeffentlichkeit arbeiten Hand in Hand in dieser mm Einige Fragen an die Leser des „Israelit".'' Von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwtttau (Mähren). Der Opferdienft im Heiligtum begann am Versöhnungstag wie an allen Festtagen mit dem Wegräumen der Asche vom Altäre (oergl. Iowa 1, 8). Wer diesen Dienst (das Entfernen der Asche) am Dersöhnun g stage versah, darüber gehen die Ansich len auseinander. Tofsaphot Joma 20 b und 21a (s. v. vivv) bringt die verschiedenen Ansichten (ebenso der und beruft sich u. A. auch aus den bt>q, der da lautet: N2V2N pi V"S2 mjtt1? N12N» i»pirv Wo ist dieser vi'S vorhanden? In der ,*ni2j? nach *) Um nicht als pp» ano zu gelten, bemerke ich, daß diese Fragen eine intensive Beschäftigung mit radbinischen und talmudischen Disziplinen bezwecken — eine Beschäftigung, die jedenfalls lehrreicher und interessanter ist als die Lösung von Kreuzworträtseln oder das Anhören von Radioveranstaltungen. Zuschriften, die ich von verschiedenen Seiten und auch von namhaften Gelehrten erhalte, beweisen das lebhafte Interesse, das diese Fragen Löktllll stMM. dem >7188 anaja *ft vom Wegräumen der Asche überhaupt nicht die Rede. In dem tjdpn; nvi3' wo zwar vom Weqräumen der Asche v"S2 die Rede ist, findet sich das von Tofsaphot gebrachte Zitat nicht Welcher noi3 der miss; lag den Toffaphisten vor und welchen Sinn bat das von Tofsaphot gebrachte Zitat *i3i rai »"82? Sollte es nicht richtiger heißen? x . . . VN illkM MIMNMlt je! Jioß üm&m, *>4, rote Di. meumaim richtig bsmMt, ln ber Merten Talmudstelle (Iowa 20b und 2t a) zum erstenmal „Radio" vorkommt. Die betreffend * Talmudstelle lautet: Drei Stimmen sind von einem Ende der Welt bis zum andern Ende zu hören: Das Geräusch des Sonnenkreises, das der Stadt (Rom) und. die Stimme der Seele, wenn fie vom Körper scheidet. Manche sagen auch, die Sttmme bet der Geburt, manche sagen auch Selbstredend ist dieses Wort mit „Radio" nicht identisch (veröl. Raschi), jedenfalls ist es interessant, daß eine ähnlich klingende Bezeichnung für eine Stimme gewählt wird» die „von einem Ende der Welt bis zum andern,, gehört wird. Eine zweite Frage. Das Vii'p-Gebet am Sabbat wird eingeleitet mit den Worten ivrr 132 nmii'5U2Q2 liiznj?' das der Feiertage lautet "121 v'vvn b2» 132 1N2 1VX' also grundverschieden von dem EnT»j? am Sabbat. Im (pio "niN 3"’ p"v K*sn) gibt der dafür den Grund an, daß der mttf gleich an den ersten Schöpsungstagen von als Ruhetag festgesetzt wurde, was bei den Festtagen nicht der Fall ist. Diese hängen vielmehr mit der ..Auserwäbltbeit" Israels Tröskl LIM ücrRünmr M mtinMn zllfzrn. nisii“, Run ist es aber anffsvend. datz rvrr lm am'.Sabbat trotzdem sagen "i3i nunp i3msi mm 132 •o. Demnach hätte doch auch dieser tPiT»p mit denselben Worten eingeleitet werden können, wie der an den Feiertagen. Schwierig ist auch die folgende Frage. In jedem tpvjp bekennen wir immer »oit 07euemj NIVfi ..SiP-iKerr ifi über SöÖ> ItÖtU VÄtz" M. Was bedeutet «der in diesem Zusammenhangs dos Wort U71QN31' das für gewöhnlich mit.Trost übersetzt wird? U. A. w. g. (Fortsetzung folgt.) kleines Feuilleton. Merkwürdige Begebenheit im 17. Jahrhundert. In der halachischen (die Gesetzes-Auslegung und Anwendung behandelnden) Literatur nehmen die Schaalaus und Tefchuvaus. gewöhnlich „Gutachten" übersetzt, eine ganz hervorragende Stellung ein und gelten wie von jeher, so auch heute als Quellen und Belege für Entscheidungen in religionsgesetzlichen Fragen. Diese Gutachten find aber nicht nur für den Talmudgelehrten von hohem und höchstem Interesse, sondern auch für. den Kulturhistoriker und Schilderer vergangener Zeiten. Denn in diesen AbhenMunsen .«erden UHD TMgMffß. Zustande «nb beschrieben, ivelchs zur Zsit der Verfasser der Gutachten sich abgespielt haben und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.