Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1926)
- Date
- 1926-10-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 44 Der Israelit 28. Oktober 1926 nen hinauf, mit weit geöffnetem Munde, als wäre darin ein Gebetwort mitten im Rieseln versteinert. Nur Dank, Glück, lagen in seinen Augen, kein sonderliches Staunen. Es war seinem heiligsten Wunsche Erfüllung geworden, seinem Gebete, seit Wochen immer und immer ohne Unterlaß an gleicher Stätte und in gleichen Worten ausgesprochen, Erhörung. Wann und wo sollte auch Gott sonst Gebete erhören, ein Wunder entstehen lassen, wenn nicht in der Nacht zum neun ten Lsw an der heiligen Mauer?- (Schluß folgt.) Die neuen Ausgrabungen in Palästina. Äon!)iabb. 3. Horovlcz (3ecufaiem). 9lad) Daily Expreß veröffentlichen die Zeitungen eins Nachricht, daß die internationale Archäologenexpediiion unter Leitung von Prof. Sellin in Nablus, dreißig Meilen nördlich von Jerusalem, die Stätte entdeckt habe, wo Abraham seinen Altar zur Opferung des Isaak aufbaute, und wo, der Sage nach, Josef von seiner Familie, nach seiner Rückkehr von Aegypten, begraben wurde. Das Ungeschichtliche in diesen paar Zeilen ist so augenfällig, daß es zu einer Nachprüfung geradezu herausfordert. Die alten Urkunden geben über diese Oertlichkeit sowohl wie über die erwähnten Ereignisse zuverlässigen Aufschluß. Nablus (das alte Sichem) war allenfalls das erste Stück Land des verheißenen Bodens, wo Abraham nach seinem Eintritt in dieses Land sich niederließ. Auch den ersten Opferaltar hatte Abraham hier errichtet. Doch war dies nicht der Altar, auf dem Isaak geopfert werden sollte. Doch hiervon soll erst weiter die Rede sein. Das alte Nablus war von jeher übelberüchtigt und als Unglücksort bekannt und wird noch im späteren Schrifttum als eine Gegend bezeichnet, in der Mord und Totschlag nichts Seltenes waren, hier hat sich auch das Ungeheuerliche ereignet, daß die ganze freie Bürgerschaft des einstigen Nablus sich bereit finden ließ, zum Hebräertum überzutreten, damit der gnädige Gutsherr die Jakobstochter, unter Vorspiegelung allerlei handelswirtschaftlicher Vorteile, als scheinbar rechtmäßige Fllürll mmmin fbimi mm Ml m bie bm Wngnisvolle Stalle, wo Die Brüder an Joses Berral übten, bis sie ihn an die Jsmaeliten verlausten. Borbeizichende midianitische Handelsleute kauften ihn auf Spekulation und brachten ihn nach Aegyten. Die bekannten historischen Berge, Garisim und Ebal, liegen hier nebeneinander, aufs genaueste übereinstimmend mit der geographischen Aufzeichnung im Deuteronomium 11,29. Merkwürdig, daß später, als nach Salomos Tod das Volk seinem Sohne Rehabeam Bedingungen stellte, um seine Selbständigkeit durch eine Kapitulation zu erzwingen, die große Volksversammlung, in der das Zehnstämmereich gegründet wurde, wiederum in Sichem stattfand. Josef wurde nicht nach seiner Rückkehr in Sichem begraben, denn er starb in Aegpten. Vor seinem Tode beschwor er jedoch seine Brüder, seine Gebeine dereinst nach dem verheißenen Lande mitzunehmen. Als nach der Landnahme die Grabstätte für ihn ausgesucht werden sollte, wurde Sichem-Nablus als der passendste Ort gewählt. Dort wurde er von den Brüdern verkauft, d o r th i n wurde er zurückgeführt. Heute wohnt in Nablus noch ein kleiner Rest der Samaritaner. Da sie von den babylonischen Exulanten nicht als Volljuden anerkannt wurden, haben sie ihr Heiligtum auf dem Berge Garisim erbaut. Der Altar, den Abraham zur Opferung des Isaak errichtete, kann aber keineswegs in Nablus entdeckt werden. Alle Geschichtsquellen stimmen darin überein, daß diese Offenbarungstat auf der Moriahöhe in Jerusalem sich vollzog. Nach dem bekannten hamitischen Volksstamm E m o r i hieß auch die Landschaft um diesen Berg E - M o r i a. Der heilige Fels, oder die Kubbet-es- Sakra (harter Stein), wie er heute genannt wird — ein roher, ungefähr 15 Meter langer und 12 Meter breiter, flacher, unebener nackter Fels —, bildet noch I)euie bie ofccrfic Spi^c bes 2)2oria6crges unb ben SJllllelputtll Lcs urticr tretrt SRamcn Qmcurvno jc£jee •5a(>re 4397 — 639 — oom Kalifen Omar erbaut) bekannten Felsendomes. Die arabische Sage weiß auch, daß Abraham auf diesem Steine gesessen habe, als er seinen Sohn Isaak opfern wollte. Seine Fingerabdrücke werden den Gläubigen noch heute gezeigt. Dieser innere Teil des Domes ist mit einem eisernen Gitter umgeben und verschlossen. Auch die Mohammedaner kommen nur bis zu diesem Gitter, um dort, das Angesicht gegen Süden gekehrt, ihre Andacht zu verrichten. Innerhalb dieses Gitters ist abermals eine hölzerne Einfassung, in deren Mitte der in Rede stehende Stein sich befindet, der noch heute auch von neuen Forschern und Fachgelehrten für den uralten Grundstein des Allerheiligsten, sowohl des salomonischen als auch später des herodianischen Tempels, gehalten wird. Nur auf einer Seite ist dieser Fels mit dem Boden verwachsen. Unter demselben ist der Boden so abgegraben, DAß e3 Den AllslUkn Dar, als od er kn Der ßuft slWM. Die Moslems glauben lalfäHiiH, Daß Der KubM-ss- Sakra in der Luft schwebe. Denn als ihr Prophet, erzählen sie, von da gegen Himmel fuhr, wollte der Felsen mitsahren, da hielt ihn Gabriel. Und er blieb schwebend, bis Mohammed wieder auf ihn Herabkommen werde. Am Jüngsten Tage wird auch die Kaaba (auch ein heiliger viereckiger Stein) von Mekka hierherkommen und die Bestimmung vollenden. Diese und noch eine ganze Reihe ähnlicher Sagen, die auch von der Kirche an diesen Wunderstein geknüpft werden, zeigen klar und deutlich, daß wir es im großen und ganzen lediglich mit nachgedichteten Beziehungen zu den uralten vorgeschichtlichen Traditionen zu tun haben die das altjüdische Schrifttum aufbewahrt hat. Nach diesen Traditionen hat schon Adam hier einen Altar gebaut, und sowohl er als seine Söhne haben auf diesem Fels ihre Opfer dargebracht. Eine arabische Sage er zählt ergänzend, daß das Brüderpaar Kain und Abel um das Eigentumsrecht dieses heiligen Bodens. g.e stritten habe. Das verlorene Paradies des ersten Menschenpaares wird auf diesen Berg verlegt. Noah hat ebenfalls hier geopfert, als. er die Arche värlieh und Die Bmährung Abrahams in. Der DufoFmlUialsit lsinsL Sßl)H&5 häl sich hiäe üdgHplöll. Vater Jakob fchlle auf diesem Stein und sah im Traum die Engel au und ab steigen. Des Morgens salbte er ihn und nannte diesen Ort „Pforte des Himmels". Von Jakob bis König David haben die „Eingeweihten" von dem Vor handensein des Moriaberges und dessen Heiligkeit ge schichtliche Kenntnis gehabt. In diesen Zeitläuften mag der Tempelberg selbstverständlich mehrmals seinen Be sitzer gewechselt haben, bis er zuletzt Eigentum des Simon, Königs der Jebusiter, geworden. Von diesem hat David dieses kostbare Objekt gegen Barzahlung er worben und durch den Bau des Heiligtums die Be stimmung des Moriaberges für ewige Zeiten festgestellt. Die Fundamente der Klagemauer, die alle Verwüstungen überdauerte, stammen noch von David her. Den Tempel selbst hat sein Sohn Salomo erbaut. Auch nach Zerstörung des salomonischen Tempels haben die Traditionen für die Oertlichkeit des Moria berges an Authentizität nichts eingebüßt. Als es sich darum handelte, die Dimensionen des Heiligtums beim zweiten Tempelbau festzustellen, fanden sich noch drei Propheten die aus dem babylonisechn Exil zurückgekommen waren um die einschlägigen Traditionen zu deponieren. Die Geschichte des heiligen Berges nach der Zerstörung des zweiten Tempels ist männiglich bekannt Nach Besiegung des letzten Judenaufstandes machte Hadrian den alten Tempel zu einer heidnischen Kultstätte und errichtete da ein Kapitol. Die Stadt hiel IE n 91elta Captiofina. tyhicfji r»otfe 200 Dcrhre herrschte ier bcts i*jeienin inr Leu n jch un irrster ,^YÜM jitin t in wurde bie Kirche zur Staatsreligion erhoben. Auch Kaiser Justinian baute viel auf dem Tempelplatz und erhöhte den hadrianischen Rundtempel mit einem oberen Stockwerk. Auch dieser Besitz währte nicht lange, denn schon im Jahre 637 würde er zum ersten Male von den Arabern erobert und im zwölften Jahrhundert fiel er dann endgültig in die Hände der Mohammedaner und aus der Plattform stand die zur achteckigen Moschee arabisierte Kirche Justinians. Die alte Kubbet-es- Sakra wurde mit dem Halbmond gekrönt. Jüdische und nichtjüdische Geschichtsquellen erhärten es somit gleichlautend, daß diese hadrianisch-justinianischmohammedanische Kultstätte auf dem Mittelpunkte des alten Tempelplatzes errichtet wurde, dort, wo bekanntlich Abraham den Altar zur Opferung Isaaks aufbaute. Es verdient immerhin betont zu werden, daß die bisherigen Ergebnisse der modernen archäologischen Forschungen in den gegebenen Fällen die Angaben des alten Schrifttums nicht nur nicht widerlegten, sondern in den einschlägigen Beziehungen sich auch als zeitgeschichtliche Kreditive der historischen Urkunden bewährten. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Sie verbrennen sicii nichi wenn Sie als Enthaarungsmittel „LERASÖR“ Dr.WEIL der Schwanen. Apotheke, Frankfurt a. 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