Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1926)
- Date
- 1926-10-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 19 Sette 3 21. Oktober 1926 Das Erziehungsproblem in Erez Zisroel. . Rabbi Moses Blau veröffentlicht fm „Kol Jisroel" einen Bericht über feine Europareise und insbesondere über seine Eindrücke auf der Zentralratssitzung. In diesem Berichte heißt es: .' MH m i» Mz ^iLSsL ü&m Dia der Zentralrat verhandelte, ist von großer Wichtigkeit fü uns. Rabbiner Dr. Moses Auerbach referierte über diesen Punkt. Als Sachverständiger in Erziehungsfragen gab er seine Eindrücke wieder, die er in'den Erziehungsanstalten der Aguda wie der Gesetzestreuen überhaupt in Erez Jisroel gewonnen hat. Er teilte auch einige Zahlen mit, die das Verhältnis der orthodoxen Erziehung zur freireligiösen beleuchten. Die Versamm-- lung erfuhr mit tiefstem Bedauern die traurige Tatsache,; daß jetzt schon das Gros der palästinensischen Kinder in •urtreltgtöfetn <3 etfie «tjogen toctbert rrrtb bafj bte Gs- ^aJ^rerc" jöijr bic rroci, größersirri», Hs murLen dann Klagen von Setten der Vertreter einiger Länder laut über diemangelhafte Arbeit der Aguda auf dem Gebiete der'Erziehung in Erez Jisroel. Ich muß dabei konstatieren, daß Dr. Auerbach, obwohl vollkommen orthodox und treu der alten Schule, einige Aenderungen im Erziehungswesen für nötig hält. Er erstrebt die Errichtung von Schulen für die Olim- Er ist der Meinung, daß die frommen Einwanderer aus Europa auf große Schwierigkeiten in Erez Jisroel bei der Erziehung ihrer Kinder stoßen und äußerte seine Ansicht, daß man bei Beibehaltung des alten, guten jüdischen Geistes, die Schulen doch mehr dem Wesen und der Entwicklung Palästinas anpassen könnte. Er ist auch dafür, daß in den Städten der neuen Siedlung die Unterrichtssprache Hebräisch sei. Im Namen der Agudas Jisroel-Organisation in Palästina legte ich Protest gegen das Bestreben ein, sich in die Erziehungsmethoden Palästinas einzumischen und stellte mich dabei M Skn StMöymm VfF y?n s?f Kfmsst? ttn= Benommenen These, wonach in MgWungsstsgsn Msin Lande volle Autonomie gewährt wird. Ohne solche Freiheit wäre ein Zusammenarbeiten der Orthodoxie für die Interessen des Judentums gar nicht denkbar, nachdem ja jedes Land seine eigenen Verhältnisse hat, denen sich die Erziehungsmethode anpassen muß. Selbst für die Diaspora konnte die Kenessio Gedaulo die Regelung des Erziehungswesens nicht in die Hand des großen Rabbinischen Rates legen, in Würdigung der Tatsache, daß was für das eine Land gut, für das andere noch nicht zu empfehlen ist. Umwieviel mehr muh man es ablehnen, in Erez Jisroel nach gleichmäßiger Schablone vorzugehen: Wir haben bei uns eine seit Bestehen des Jifchuw wohl erprobte. Methode, und es hat sich gezeigt, daß jedes Äbweichen von derselben dem Untergänge entgegenführt. Auch Misrachi war gewiß nicht von schlechter Absicht'geleitet, als er daran ging, seine neuen Mlllkll iW MNiM Myl M i M SM» Wische Seelen zum Teile der unreligiösen Erziehung der Zionisten zu entreißen, und was hat er dabei bewirkt? Wenn sich auch in der'Theorie und im Prinzip« die Methode in den Misrachischulen von der der Zionisten unterscheidet, wenn auch hier die -religiösen Disziplinen vielleicht einen größeren Raum einnehmen, als in den anderen Schuten, in der Praxis sind die Erfolge a^sgeblieben. Wo sind die Zöglinge des Misrachi und wie sehen sie aus? Es ist heute überall bekannt und anerkannt, daß ein großer Unterschied. zwischen den Erziehung r e s u l t a t e n des Misrachi und der Zionisten nicht vorhanden ist. §i?s? ^jujttjawuiTjj über die volle Autonomie PulüsUnas' in' Sachen der' Erziehung begegnete zunächst einiger Opposition. Zuletzt aber wurde doch die bedeutsame Resolution (veröffentlicht im Protokoll) angenommen, daß die Regelung der Erziehung dem Geschäftsführenden Ausschuß überwiesen wird, welcher sich in dieser Sache mit den zuständigen Stellen, d. h. mit den Thoragrößen in Erez Jisroel ins Einvernehmen setzen wird. Wir Hallen uns für verpflichtet, diese freimütigen Aeußerungen auch der deutschen agudistischen Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten. Man sieht daraus, daß — von den schweren Geldsorgen abgesehen — auch programmatisch M M AUWsWUNZ Bll HMtvIUM Schulwesens in Erez Jisroel noch mancherlei innere Schwierigkeiten zu überwinden sein werden. Es wäre übrigens — nicht nur für uns, sondern auch für die Misrachisten, die ihr Ideal ernst nehmen — von großer Bedeutung festzustellen, ob . die Behauptung des Herrnn Blau, von den schlechten religiösen Erziehungsergebnissen der misrachistischen Lehranstalten vollkommen zütrifft. Das Parteiinteresse müßte bei einer solchen Untersuchung allerdings vollkommen zurücktreten. ... D er I s x o ei 11 Blätter Bees Zaakauw. Von Frau Sara Schemrer in Krakau. Es hat sich nun ein Jahr gerundet, seitdem ich in Robow zum erstenmal mit meinen Schülerinnen zur Gründung des' ersten Fortbildungskurses zusammentraf. Diese ersten Schülerinnen wirken heute als Lehrerinnen an 55 Plätzen in Zum ersten Cheschwan! Im Anschluß an den in der agudistischen Presse veröffentlichten Appell hat der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel und die 'paiäj’fina-CCGtiitaic fceji<^(o||en, bte Kaujrf) C£^auvesH-Zpenve im Jahrs SS8I MsmaNsH üubju« bauen. Zunächst wird erwartet, daß schon im Sinne des talmndischen Grundsatzes, daß jede dreimal ausgeübte gute Handlung den Charakter eines Gelübdes trägt, jeder frühere Spender sich verpflichtet fühlt, sich wiederum an der Rausch Chaudesch-Spende zu beteiligen. Aber auch diejenigen, welche bisher aus Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse — daß durch die Rausch Chaudesch-Spende gegen 1200 Kinder in Erez Jisroel jüdisch erzogen werden — oder aus Jndifferentismus sich bisher nicht an ihr beteiligten, müssen, wenn der Begriff «Agudas Jisroelkeine Uete Ip^caje |<nn jott^ t^te . 9et(*nni»en^eii m!{ dem historischen Ringen um die Seele der Jugend in Erez Jisroel durch eben diese Rausch Chaudesch-Spende ausnahmslos erweisen. An jeden Agudiften und jede Agudistin ergeht am 1. Cheschwan die Frage: Warum zahlst Du Deine Rausch- Chaudesch-Spende nicht? Etwa weil die Aguda zu wenig leistet? Zahle Deine Rausch Chaudesch-Spende und sie wird mehr leisten. weit ©tt bie „'potifif“ bet: Siguba nlcf|rf gesölll? Die Rausch Chaudesch-Spende. hat nichts mit Politik zu tun; sie dient ausschließlich dem palästinensischen Schulwerk. Etwa weil Du schon Boden in Erez Jisroel gekauft hast? Der jüdische Boden nützt nichts, wenn dort keine jüdischen Menschen erzogen werden. Etwa weil Du in Deinem Orte zunächst die lokalen 2fu|g[öt,en jötbern ttriffjf? Du forderst die JüdiWett!n Deinem Lande mit, wenn Du ein wahrhaft jüdisches «religiöses Kulturzentrumin Erez Jisroel förderst. Etwa weil Du nur über beschränkte Mittel verfügst? Mit 5 bis 10 Pfennig pro Tag kannst Du schon Dein Scherflein beitragen. Etwa weil Dir der Beitrag zu geringfügig, um jeden Monat ein Postscheckformular auszufüllen? Dann ssnbs ihn fü«? sin Visrtskjah* jufammen ein. &**><* »veil Me bei Dir nicht eingezogen wurde? Dann fende sie direkt auf das Konto der Palästina- Centrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Postscheckkonto Rr. 53 900. Polen. Der Jahrestag ruft bei mir Erinnerungen wach, zunächst die Erinnerung an den Abschiedsabend, dort auf den Bänken am Waldesrands, Belauscht 8Uv mm \Mm MruBe. Däin den Zweigen fügte sich traulich in unsere ernsten Gespräche ein. Wie die Sterne oben, so funkelten die Augen. Der Schmerz der Trennung lockte Tränen aus den Augen, Dankbarkeit, Hoffnung und Arbeitsfreude überzogen sie mit einem seltsamen Glanze. Nach sechs Wochen intensiver geistiger Arbeit gingen die Teilnehmerinnen hinaus, um die erworbenen Kenntnisse zu verwerten und Thorageist weiter zu tragen. Trennung muß sein, aber die ütvb&it auf einer fitnie, hem gleichen Aiele guftrebenö, getragen von Liede zum Klal sollte uns einen. Und nun ist ein Jahr vorüber und wir feiern Wiedersehn. Zu den 55 Schülerinnen von damals kamen noch 40 Seminaristinnen, die zu Frühjahr ihr Studium beenden werden. Wir sind nicht mehr im wilden, von Zigeunern bewohnten Robow, sondern in I o r d a n o w; wie dort zwischen Bergen und Wäldern, abgelöst von wöilm Tälern unä WlBMäAn. Siar ßai ber üppigen Vegetation, Im Anblick ber herrlichen grünen Wiesen und wogenden Fruchtäcker können wir es so recht sehen, was der schwache Mensch aus der Natur zu machen vermag, wenn er vom ernsten Willen getrieben ist, die Segnungen Gottes sich zu eigen zu machen und sie in den von Gott gezeichneten natürlichen Bahnen auszubauen. Eine gute Chaussee führt hinauf und hinunter. In einer in modernem Stile erbauten Billa, die hundert Seelen aufnimmt, haben wir unser Heim. Hier können wir die Früchte unserer Arbeit überschauen. Es ist wie ein Erntefest und unwillkürlich kommen die Worte des Psalms in den Sinn: „Die da säen mit Tränen, werden in Jubel ernten!" Dank km aus Franksuri und Mrikh hörbMMttM 1gentrnnen unb ber aufppjWnben Arbeit bes Herrn Direktor Dr. Deutschländer ist der Unterricht so methodisch, so vielseitig und zweckmäßig und dabei so durch und durch jüdisch ausgebaut worden,' daß die Juden Polens in dieser Anstalt eine Quelle des Segens für ihre Töchter sehen dürfen. Erhebend zu sehen, wie tagtäglich die 95 Mädchen, in fünf Gruppen geteilt, mit ihren Führerinnen auf dem weichen Grase im Walde beim Unterrichte sitzen. Wie aufmerksam und begeistert sie am Munde der Lehrerin hängen. Denkt man daran, daß jede dieser TeilnehmerMsN W iMlMsttllS 119 KMM 88WM unterrichtet oder unterrichten wird, so gewinnt man einen Begriff von der Zahl der jüdischen Seelen, die von dieser Segensquelle direkt oder indirekt erfaßt werden. Und der Geist wird sich noch weiter fortpflanzen. Wir werden jüdische Mütter bekommen, die ihre Kinder in jüdischem Geiste erziehen. Die Zukunft des jüdischen Lebens in Polen und Galizien wird in dieser Schule gehütet Mitten in die Freude ob dieser Erfolge MAN M Bittern jManfen. W {mir ngch jß viele, die den Zutritt zu dieser Schule suchen. Ganze Stöße von Annahmegesuchen liegen in der Kanzlei. Aber chronischer Geldmangel hindert daran, all den sehnlichen Wünschen nachzukommen. Es fehlt an Platz, es fehlt oft am nötigsten. Mit Cheschwan geht ein neues Jahr an, hoffen wir, daß das neue Semester auch die Mittel bringt, die die Arbeit erfordert und der Erfolg rechtfertigt. Wir wissen, daß wir erst am Anfänge stehen. Es gilt, letzte Funken in jüdischen Herzen zur rodeoudeu MssMx SNWsSWll. Mr MMN nicht ruhen, bis dieses Ziel erreicht ist und die Flamme der Begeisterung für das Judentum und das heilige Gesetz die Herzen all unserer Schwestern in Polen und Galizien erfaßt hat. -- * * »Der Jüdische Weg", das Krakauer orthodoxe Wochenblatt, berichtet in seiner Ausgabe vom 24. Elul über den zweiten Beth Jakob-Fortbildungskurs, der zurzeit in Jordanow bei Krakau unter Leitung des Herrn Dr. Deutfchländer abgehalten wird; wir veröffentlichen diesen Bericht hiermit auszugsweise. Die Beth Jakob-Schulbewegung, der Stolz der polntfeben Orthodoxie, rvelche das Ziel hat. unfers lurüff W Dag TMHjMrrturu m tu, fö 3a?ob-6chulb ervegung, bte einzige Rettung für die jüdische Tochter, sorgetragend für ihre geistige Entwicklung und für ihre Verbindung mit dem ewigen Thora-