Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1926)
- Date
- 1926-10-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 43 DerIsraelit Menge drücken rvollts. vorn Karnel herunter. Das <§cksims»fen des gur >§e!te gedrängten braunen Gesellen mischte sich in das Weheklagen der Nacht, als gehörte es mit dazu. Reisele und Feige standen so ergriffen mitten im Gedränge, daß sie keines Wortes fähig waren. Eine unbezwingbare Lust überkam Reisele, hier vor den heiligen Steinen niederzufallen und ihre ganze Geschichte in sie hineinzureden. Mochten es alle hören . . . Dann zu weinen, wie am Grabe der Mutter, zu beten für diese und- Ja, sie sollten es alle hören, auch für ihn, der im kritischsten Momente ihres Lebens wie ein Schutzengel ihr erschienen war, um sie vor dem Schlimmsten zu bewahren und der gegangen war, ohne was zu verlangen, ohne wiederzukommen. Wie es eben Engel machen . . . Und auch für den anderen, daß . . . Ihr Herz war bis zum Rande angefüllt mit eigenen noch ungesprochenen Gebeten. Aber kein Steinchen der heiligen Mauer war frei für ihre Tränen. In alle Quadern waren Menschen gesichter eingegraben. Bald dachte sie an die Perlen der Mauer, die aus Tränen bestanden. Aber diese Perlen leuchteten anders, heller. Ein alter Jemenite streckte bettelnd die Hand aus, und nachdem er die Spende in Empfang genommen hatte, erzählte er unaufgefordert: „Wenn es heute, am neunten Aw, Mitternacht ist, was nicht einmal unser Lehrer Mosche, sondern nur Gott allein genau auf Sekunde und Hundertsel von Sekunde feststellen kann, werden alle gesprochenen Gebete an dieser Mauer erhört. Heil dem, dem es glückt, die Sekunde festzuhalten. Alles, alles geht in Erfüllung. . . . Möge es gegönnt sein, in der entscheidenden Minute „ M o s ch i a ch " herbeizuflehen ..." Und dann erbat er sich, für die „Gewiroth" ein Plätzchen an der Mauer zu erkämpfen, vielleicht auch für sie zu beten. Sie mögen ihm nur sagen, was sie auf dem Herzen hätten. Vielleicht hätten sie Glück, daß es gerade auf die Sekunde der Mitternacht falle . . , Rsstsls vankte imD ss warn ihr Bei all Dar Komik der Situation, erhöht durch Sprache und Gebärden des sonderbaren Mannes, sehr schwer zu Mute. (Fortsetzung folgt.) Mescholim. (Fortsetzung). Don S. Arückheimer in Warktöreil. Die Kipp e^). Hanlebs Moscheh und Frums Leser betrieben gemeinsam ein Alteisen- und Rauchwarengeschäft. Sie gingen auch gewöhnlich miteinander in das gleiche Bauerndorf und fragten dann dort Haus für Haus ab. der <£mtegeit einmal kam SDtojd^jelj der ob ihrer Grobheiten beraumen Christine Wvlpert sehr ungelegen. Die Bäuerin hatte wegen eines aufsteigenden Gewitters alle Hände voll Arbeit und wies den Handelsmann mit bösen Schimpfworten aus dem Hofe. Im Wirtshaus traf Moscheh später mit seinem Teilhaber Leser zusammen. „No, scho fertig, Moscheh?" erkundigte sich dieser. Um die Lippen Moschehs, der als Witzbold bekannt war, fuhr blitzschnell ein Lächeln. Und er sagte zu seinem Kompagnon: „Die Christine Wolpert hat vorhin nit viel Zeit gehabt. Geh' Du noch e mol hin!" Leser stand auch sofort auf und ging die Dorfstraße hinab. Schon nach wenigen Minuten aber riß er mit zornrotem Gesicht die Wirtstüre auf und schrie: „Js es nit genug, daß sie Dich hinausgejagt hat? Was schickft Du mich ein zrveites D!c»l HM?" Mosche lachte aus vollem Halse. „Leser, sei ruhig! Teile mer nit redlich den Revach^) miteinander? Dann haste ach Kippe an de Grobheiten!" — *) Kompagnie-Geschäft. 2) Gewinn. D p 11 m t ft. In den gehn Bußtagen wnrs. Die Nacht ing noch in der stillen Dorfstraße. Aber die Synagoge war schon hell beleuchtet. Und hin zu ihr huschten srühwache Bußfertige . Ein Edröllämpchen, das sie in der Hand trugen, zeigte ihnen den Weg durch den nässenden Nebel. Als der kleine Leopold eben die schwere Eichentür aufklinken wollte, legte sich ihm eine Hand aus die Schulter. Er fuhr erschrocken herum. „Sie sind doch schön, die Aßeres jemei teschuwoh?" fragte ihn da der alte Frum mit einem listigen Augenzwinkern. „Schön?" wiederholte gedehnt, zweifelsvoll der Junge mit seinem noch recht verschlafenen Gesicht. „No, es könnten doch auch zwanzig sein!" — Und Frum lachte. Töchter. . Jettchen Rosenbaum hat erst vor kurzem die fünfte Tochter bekommen. Aus diesem Anlaß bittet sie ihren in der Stadt wohnenden Onkel, ihr wie früher die für die Kinderwäsche nötigen Bändchen, und Spitzchen zu besorgen. Bald darauf erhält sie die gewünschten Dinge mit folgendem Brief: „Liebes Jettche, Hier schick' ich Dir die Bändche. Aber mit der fünften Tochter Macht mer kan Staats)!" Kritik. Schmul Hersch fungiert an den Jomim noroim als Hilfsvorbeter. Was ihm an klangvoller Stimme abgeht, sucht er durch sinngemäßen Vortrag und tiefe Andacht zu ersetzen. Aber einige Beter wollen auch hübsche Nigunim hören. Unzufrieden sagt deshalb Löb, der Am hoorez, zu seinem Nachbarn: „Der Schmul Hersch hat beim Chajim gelernt. Und bev hat ach tttj oven gekannt," - Anweisung. In einem alten Machsor fand man bei dem Unesane tokef an den Rand geschrieben folgende Anweisung für den Vorbeter: „Do muß man ein wenig greine!" — Letzte Wünsche. Als Mindel Baum sich wieder mal recht schwach fühlt, ruft sie ihren Mann an ihren Armstuhl und faßt seine Hände: „Eisik, schwör' mir, daß Du nimmer heiratst, wenn ich gestorbe bin!" „Bei Deinem Lebe nit, liebe Mindel!" schwört Eisik. Und die Mindel atmet erleichtert auf. — Rabbinische Unterweisungen. 1. Die Falle. ffleb Salme, ber Orisrabbiner, begegnet auf Der Straße Dem unwissenDen Schlomoh Bär und spricht ihn an: „Reb Schlomoh, mir ist gesagt worden, Ihr habet Euch von einem Hausierer ein Paar Tefillin gekauft." „Jawohl, Reb Salme! Von einem Polnischen." „Ihr müßt aber die Botim, das sind die Häuschen, durch unseren Sofer nochmals Nachsehen lassen!" „Warum das? Mir sind die Tefillin koscher genug. Der Fremde ist mir ebenso glaubwürdig!" Der Rabbiner sieht einen Augenblick über den Kopf Bärs hinweg und beginnt dann wieder: „Reb Schlomoh, etwas anderes! Wie lange ist es denn her, daß Ihr Euer neuesHaus bezogen habt?" „Kurz vor Purirn rnuß es gorvessn sein, Ja^ f?!fbr. In tar H^rnnnHt hfst nvch kmmnf f?fi geschneit. Wißt Jhrs nicht mehr?" „Doch, Reb Schlomoh! Wer hat Euch den Plan gefertigt?" „Baumeister Freund, der auch unser Rathaus, das Schulhaus, das ..." 3) Aufwand, Putz. __21. Oktober 1926 „Schon gut! Warum habt Ihr aber nicht den junden lllrcl)rteklen genommen, der döc^ cjcm^ tri Eurer Nähe wohnt?" „Reb Salme, wie Ihr fragen könnt! Was hat man von dem schon gesehen? Soll ich Angst haben müssen, daß mir das Haus über dem Kopfe zusammenfällt? Wer weiß von dessen Kenntnissen etwas Näheres? Sie werden doch nicht..." Und Schlomoh fuchtelt mit den Händen ganz erregt vor des Rabbis Gesicht. Reb Salme lächelt. „Nein, ich werde nicht! Aber Ihr, Reb Schlomoh, lasset Euch von einem Euch ganz Unbekannten Eure Tesillinhäuschen Herrichten?" — 2. Wortspiel. Der Rabbiner zu seinen Schülern: „Wer kommen will vor den Adaun Olom, muß kommen vor Adaun Olom!" Gefühlvoll. Der alte Dovid ist Psychologe. Er kennt der Menschen Schwächen und nützt sie zu seinem Pläsier.. Am Schabbos vor dem „Ausheben"^) sitzt er neben seiner Frau vor dem Hause. Um die beiden herum stehen immer dankbare Zuhörer; denn er hat stets etwas Witziges in Bereitschaft. „Soll ich" — er schaut fragend im Kreise herum — „soll ich die Bele einmal zum Weinen bringe?" Die Bele ist eine alte Jungfer und kommt gerade die Straße herauf, um das Esten zu holen. Wie sie in Davids Nähe gelangt, sagt der in schwermütiger Art: „Bele, was warst Du doch früher ein schönes Mädche!" Bele bleibt stehen, nickt in Erinnerung und zwei runde Tränen kollern ihr dabei über ihr einst wirklich hübsches Gesicht. *) Im Sommer werden die Speisen zum Warmhalten in den Backofen gestellt und dann ,ausgebobert*. L.BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstrßl T*‘*'“H*“*33M Zeil 88 Versand nach auswärts RoimefeldtsTee i JLJ&» seir lOO Jahren bewährt i von Millionen getrunken. Jac. E. Eisenmann Telefon Hansa 2493 Grfinestrasse 12 Subdirekfor der. Vermögen: 220 Millionen Mark Fachmännische Beratung in sämtlichen V ersicherungszweigen Mechanische und DRUCKLUFT Teppich -Reinigungs» Gesellschaft m. b. H. »MEDRUVA« früher Meder's Teppich-Reinigungs-Werk Telefon Hansa 4642 Bergerstrasse 149 Anerkannt beste Entstaubung - Chem. 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