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Der Israelit · 1926-10-14 · Heft 42 (14.10.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 42 (14.10.1926)
Date
1926-10-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite iO Nr. 42 ' f.7; y iiitry’ nifc*- r-i D e^r I s r a e.^ ft z:. - KWMHUKtzKKKM^WMt, Hon oer Talmud, wird deremst m Reichtum und sagt schon lernen dürfen. Wie sthMll, so kommt es au " ' ' -r V!e WlllMskraft am Man mu Wie nützen wir den Winter aus? Las Winterhalbjahr hat begonnen und mit mer gelernt, täglich, allabendlich, je Nachdem, ob es sich um Schüler oder Schulentwachsene handelt. Aöer in anderen Orten geht man statt dessen spazieren, oder schlägt die Zeit mit anderen Mittciil tot: MiMrÖSO «kMMmWMkM vollste im Leben, weil sie das beweglichste im Leben ist, will aber leben und Leben,i erzeugen. Wir haben kein Recht, sie tot zu schlagen. Sie gehört uns nicht. Nicht nur dem Angestellten gehört seine. Zeit nicht, bem. Sklaven anderer Menschen: Von ihm fordernder Arbeitgeber Rechenschaft über seine Ausnützung der Zeit.H^i.n Mensch,ist-Herr.seinem Zeit. La teils. Mensch..d.M Anfangs Dd;-,das: Wd^.Mnex--. ZeH.. hestinnnen kann, -ist' 'kein-i Mensch Gebieter seiner Zeit'.: Er muß seinem Arbeitgeber für jede Minute seiner Zeit Rechenschaft ablegen. Der Arbeitgeber ist in diesem Fall der Schöpfer, der Herr des Lebens, der. Herr über Leben- und Tod.: >, Dieser. Arbeitgeber ist außerdem auch der Gesetzgeber.. -Wir Menschen stehen zu Ihm im selben Verhältnis, wie dasjenige ist, in dem in menschlichen Verhältnissen Arbeitgeber zum Arbeitnehmer sich ver- MM. Dio Drißmiorimo um m XjausorDmms, die Gewerbeordnung, die Arbe!ise!nte!lung gehört zu den ersten Pflichten des Arbeitnehmers, wenn er eine Arbeit in einem Hause übernimmt. Auch in jedem jüdischen Hause ist einesolche Hausordnung zu finden. Sie steht in der . Tauroh, in der mündlichen und schriftlichen. Bevor wir an die Lebensarbeit gehen, müssen wir uns mit der Lebenseinteilung vertraut machen, mit den Arbeiten, die von uns gefordert werden. Der Vorarbeit für die Arbeit müssen wir daher Zeit widmen. Denn dieser Zeitaufwand fällt in den Rahmen unserer Arbeit und Arbeitszeit. Die Winterabende der Woche und der Schabbos waren von jeher bevorzugt, uns das Rüstzeug , für ein jüdisches Leben zu beschaffen. So ist das Wintersemester stets als die Zeit.ausersehen worden, die auch in den Vereinen, die Arbeit ermöglicht. Gleichviel, ob es Vereine, oder Einzelne sind, die sich beschäftigen .wollen und. müssen. Manche empfinden doch, daß es nicht so weiter geht, daß alles zerfällt, wenn kein Halt für das Leben vorhanden ist. Eucken sagt, „nur die Tat gibt dem Menschen einen Rückhalt gegen eine, fremde, ja sMillichs Mr. Hnö um dis £al dis dazu nötig ist, kennen gu lernen, bedarf es des Wissens. Dieses Wissen stand keiner Zeit so offen und war so leicht zu handhaben und zu erlangen wie der unsrigen. Es gilt die Ausrede nicht, daß man nicht genügend in der Jugend gelernt habe, um sich jüdisches Wissen zu verschaffen. Auch die, welche gar nichts im Jüdischen gelernt haben, die kein Hebräisch lesen können, vermögen sich ein gut Teil des Inhaltes der mündlichen und schriftlichen Lehre anzueignen. Denn es gibt fast alles in deutscher Uebersetzung, was im Wesentlichen gewußt werden muß. Merkwürdig! Um Schachet zu werden, dazu reichen die deutschen, um nicht zu sagen, die jüdischen Kenntnisse aus, um aus einem deutscken Schechitahbuch die wichtigsten Vorschriften für Schechitah und Bedikah notdürftig zu lernen. Wenn man aber nach Gebeten und Gesetzen, nach Pentateuch und Propheten nach Mischnah und Talmud fragen sollte, dann reichen auf einmal die Kenntnisse nicht. Bei Kindern, die nicht arbeiten wollen, gebraucht man einen Ausdruck, den man Erwachsenen gegenüber in die vornehmere Form vom physikalischen Gesetz der Trägheit kleidet. Man kann sich auch nicht rnrt den Sorgen entschuldigen, die den Ko^»s für geistisc Mschäfiignng nicht frcigcbcm Dm Gegenteil! Man kann sich in den Zeiten wirtschaftlicher Rot keine bessere Ablenkung verschaffen. Jemand, der in schweren Zeiten geschäftlichen Niedergangs unter Tränen sich gezwungen hatte, sich geistig auf das Talmudstudium zu konzentrieren, hatte die Genugtuung und das Glück, späterhin in glücklichen Zeiten Tauroh zu lernen ^hej nur auf. die ... sich. Htzßrlrch fAWachen/Mnn kann.pign in al^m LebWschgen glstMich bleiben. Wenn nur diejenigen,^ dje keinen Hebräischen Text zür.HarK . ytztzneH, .köynßr^zruMLr Vermittlung des Anhaltes der heiligen Bücher greifl fSfEt te SN» # iMMxrMW Schrtskeh .vvn Samson Raphael Husch gu empfehlen. , Einsetzen allerdings ein jüdischesunb niM gewöhnliches profanes Wissen voraus/Aber man kann sich in sie hineinlesen. Man muß es nur richtig änfantzen. Mlm/dsirf nichkmit Aen.. Neun? Mn/Wiefesi^und nM^chst^hejn^KoDmeiW zNm Mentate^ch —.wenigstens chicht auf der ersten Seitebeginnen/ MaN lasse sich von einem WhDel^D^DUj KfWen^M.Ä W henfolge man'zunächst'.Aufsätze..aus deN.„Gesammelten Schriften" lesen soll, aufsteigend vom Leichten zum Schweren. So da sind die pädagogischen Aufsätze, die Leitartikel, die die Festwertest. behandeln, dst.Einleitung zu Jesajas, dje philofoMschen ^Aufsätze., Dann -,gehe ,man W? Auswahl von Kapiteln im „Chöreb^, über ünh dann kann man sich an den Kommentar zunächst zu, den. .geschichtlichen Teilen. , .des. Pentateuch st^eu. TXlari bann bie Neise g«Trt?p|cilmertrommernar erworben. Dann rönnen Die gesetzlichen Teile des Pentateuchs folgen. Inzwischen wird das Interesse: erwacht sein, Raschi kennen zu lernen. Dann nehme man die wörtliche Uebersetzung seines: Kommentars aus. der Feder des Hamburger Rabbiners Dr. S. Bamberger zur Hand. Derselbe gibt auch eine Uebersetzung: des Kizzur Schulchan Aruch in Lieferungen heraus mit beigedrucktem punktiertem hebräischem Text. Dann steige man zur Mischnah auf, die in Uebersetzung von verschiedenen Autoren erschienen ist bei Jtzkowsky-Berlin. Der vierte Band ist von Rektor Prof. Dr. Hoffmann V'XT versaßt. Interessiert man sich für Geschichte, so. greife,rpan zur Darstellung von Kottek. Daneben empfiehlt es sich,.die leichter faßlichen Schriften anzuschäffen, die im Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes vom Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands erschienen sind und erscheinen, die alle den Zweck verfolgech das jüdische Schrifttum den weitesten Kreisen zugänglich, zu machen. Zwischen diesem Selbststudium sind mündliche Belehrungen, durch Vorträge eines Kundigen uns iiiifpi m stiller Gegenwart eillgnresclli Damit Anregungen gegeben, falsche Auffaffungen korrigiert, Unverstandenes erklärt, Altes aufgefrischt, Neues gelehrt wird. Wenn in dieser Weise zielbewußt gearbeitet wird, dann kann eine Menge Stoff bewältigt werden und der Fortschritt jüdischen Denkens und Lebens kann nicht ausbleiben. Dann wird erst der Wert des Lernens erfaßt und die Sehnsucht ergreift die Lernenden, wie der Durst den Durstigen zum Wasser treibt, und die Tauroh wird groß und gefeiert werden im Kreise ihrer Getreuen. Rudolf Lucken. Jena ist die Mutterstadt, in deren Schoß zwei Männer wirkten, deren gegensätzliche Weltanschauung den ewigen Kampf um Gott bedeutet: Häkel und Eucken. Wie eng die jüdische Lebensauffassung mit dem rein geistigen. Denken der Menschheit verbunden ist, wie die reine Vernunft zu den Gedanken der Tauroh sich durchringen muß, wurde versucht, in der Einleitung zum „denkenden Juden" dadurch darzutun, daß diese mit Absicht fast nur aus Malen am (Tuffena Büchern infammenAestellt mürbe. Wie Errckerr selbst barubev dachte, möge man in seiner folgenden Aeußerung vom 5. August 1909 erkennen: Jena, 5. August 1909. Hochgeehrter Herr Dr.! Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für die liebenswürdige Zusendung Ihres Artikels , , 14. Oktober 1926 uW..pcch, MM.. Mß Mn MtikWWHt Daß Sie meinen religiösen und reür^“x hilosoMchen BestrebungenMMM. MilnayM-und eMM, hohe^MakunMschenkech Müllt Mch miMeoMter Sie DerzeW^ daß | I JudeMMMnit seinem hohen sittlichen Ernst und seiner bewunderungtz würdigen Lebensenergie aufrichtigst schätze, ja verehre, daß mir namentlich die Propheten urch drsMLaMsfl,bs^meinex.LsbsnsarLsit gogsn- U «äf freundschaftlichen Verkehr mit - Bekennern des Judentums gehabt (ich wurde als Knabe immpr gelegentlich des Laubhüttenfestes eingelydH), undmnter. Meinen,. j etzig en. Hreünd en,üifdi MfmispÄto liÄlllfeÄ (Wlsfen, Sie übrigens, daß- Bergson M.Harls, wohl' der bedeutendste philosophische Systemari¬ Werkes, der Evolution oneätride, schreiben). "Sp betrachte ich die geistige Bewegung im Judentuch nicht als etwas mir fremdes, sondern ich freue chich ihrer yon Herzen., FrAich jstAä, wie S,ie wjHen/Hn^sNevMbexzmßstD,^öM.chir über die geschichmchen ReligiönenHinaus zu einer Menschf heitsreligion zu streben haben. Aber ich verstehe dgs nicht so,- haß., die geschichtlichen Religionen i» etrt ooges 9££Igeirtetrte oerfcE)töttnrrien ixttb oer? schwinden' svllteul. sondern W', haß sehe der Nelst gionen ihren EwigkeitsgeHalt möglichst energisch herausarbeiten,.und für dgs Ganze der Menschheit zur Wirkung bringen sollte. .. , Pauschen nicht alle Zeichens .so ^stehen wir wieder vor einem Wiedexäüfsteigen der Religion im.menschlichen Kreise. Mag die Verneinung noch immer weiterhin die Massen dringen, auf der Höhe des Lebeiis wird die-Unzulänglichkeit, wird die unerträgliche, Leere einer bloßen Daseinskultür immer stärker empfunden, und zugleich entsteht eim aufrichtiges Verlangen nach, einem gehaltvolleren, in , ewiger Wahrheit begründeten Leben. Auch hier in Jena, wo doch der „Monismus" eine besondere Pflegestätte hat, ist das aufs deutlichste zu Hemerkep... Lassen Sse uns in diesen Bewegungen und Kämpfen gut' züfämmenhalten! In aufrichtiger Hochachtung und mit freundlichem Gruß Ihr ergebener (gez.) Rudolf Eucken Wie Eucken, so hatte schon Hilty intensiver ür Glück" IÜdischL Gsdanksn sich zu . HnM b?n s?l. Dr. mann mären ihm die Schriften von Samsoh Raphael Hirsch, zugänglich.gemacht worden. In seinem Werk zitiert er diese mit Vorliebe und mit, Worten, höchster Anerkennung. Wir wären weiter, wenn diese Darstellungen des Judentums bekannter wären. Auch über diesen Mann äußert sich Eucken in einem Brief vom 21. November 1909, der ebenfalls folgen möge: Jena, 21. Nov. 1909. Hochgeehrter Herr Rabbiner! Haben Sie verbindlichen Dank für die liebenswürdigen Zusendungen von neulich und von jetzt, sowie für Ihren freundlichen Brief, und seien Sie überzeugt, daß ich allen solchen gütigen Mitteilungen ein lebhaftes Interesse entgegenbringe. Daß eine so enge Beziehung und ein so reger Gedankenaustausch zwischen Ihnen und Hilty bestand, war mir lieb und erfreulich zu hören, es ist ein neues Zeugnis für die innere Selbständigkeit und geistige Offenheit jenes Mannes, den keine Parteischablone beengte, der offen und mannhaft für alles eintrat, was seine Ueberzeugung als recht und groß erfaßt hatte. Auch ic^ stand gu xtjm iri einer, rnenn aucff nid^t ve^elmäßigen Beziehung, noch kurz vor seinem Dchev den hat er mir ein Zeichen treuen Gedenkens gegeben; so werde auch ich ihm eine dankbare und herzliche Gesinnung bewahren. Wir aber, hochgeehrter Herr Rabbiner, die wir noch mitten im Kampfe stehen,, wollen getrost und hoffnungsvoll weiterärbeiten gegen alle Verflachung und Verflüchtigung des Lebens, der

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