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Der Israelit · 1926-10-14 · Heft 42 (14.10.1926) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 42 (14.10.1926)
Date
1926-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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67, - „ , m s 14. Gktsbsr 1926 Äranffutrt CI. Vit., vßtt g!N«rchsschwan 8687 Nr. 42 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli § rankreich und Belgien 23 M.; Hollands fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 33 Din.; itauen 7.80 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tfchecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn 60000 Kronen; Dänemark 3 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.30 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseile 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopv. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 6AL sow. durch sämtl. Annoncen-Exveo. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, U, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 7980o -Postsparkaisenamt Budcwest Nr. 18424.- Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Böhmische Unionbank in Prag - Banca Marmarosch Blank & Co. itt Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Der demokratische Absolutismus in Litauen. Das Judentum in Litauen schwankt im Aus und Ab der. politischen Strömung zwischen der politischen und g e ist i g e n Freiheit, ein Prozeß, der die schmerzlichsten Zuckungen hervorruft. Seit Bestehen der litauischen Republik erlebten dort die Juden entweder äußeren politische im* ftziÄe Dvuck M smipm LWönönis für das religiöse Leben, oder eine liberale Politik von judenfreundlicher Tendenz mit a b - so luter Unterdrückung d es religiös e n L e dens im Ramen Ä e s Liberalismus. Ein Drittes gab es bisher nicht. Bis zu einem höh e r e n Liberalismus, mit weitgehender Rücksichtnahme auf Seele und Gewissen religiös Denkender konnte sich der junge Staat und die. Regierung an seiner Spitze im ersten Jahrzehnt des Sturms und Dranges noch nicht emporschwingen. Zur Zeit herrscht in Kowno die sogenannte liberale Aera, liberal im Sinne der „Freiheit über alles", auch über die heiligsten Gefühle bestimmter starker Bevölkerungsteile hinweg. Und daraus ziehen im jüdischen Kreise diejenigen den Profit, die als Apostel der Assimilation oder des Nationalismus schon zur Russenzeit eine fanatische Unversöhnlichkeit an den Tag legten, die man früher den „Zarismus der Kulturklique" nannte. Heute fühlen sie sich wieder als die. Herren der Situation, haben das Heft in der Hand, und in Ausnützung der Hochkonjunktur beeilten sie sich, die von der litauij'c^ert Ori^obog-ie irr her ■Qroijd^engeii mit bem »Religiös cn Zenlralrat" geschaffenen Zentrale, von der die Lebensströme sich auf alle religiösen Institutionen ergießen sollten, über den Hausen zu rennen. Es war den Herren von der Sejmfraktion, die jetzt inKowno bei Hofpersovae grataefind und als Deputierte zusammen mit der Regierung die I ü d i s ch e A u t onomie von neuem aufbauen, ein leichtesmit einem Wort Me Aufhebung und Auflösung dieses vom Vertrauen der gesetzestreuen Massen getragenen orthodoxen Institutes zu bewirken. Diese Methoden sind nicht neu in der ostjüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Es hat zu Ende der achtziger Jahre nur eines kräftigen Wortes von Seiten der Haskala-Kulturträger an zuständiger Stelle-in Petersburg bedurft, daß die erste Weltjeschiwa in Woloschin geschlossen und die 600 Jünger heimgejagt wurden. Mit der Schließung des Orthodoxen Zentralrates in Kowno verlieren zwar die Gemeinden, deren Schulen und Jeschiwaus, wie die anderen religiösen Institutionen den sichtbaren Posten, von dem aus sie sich gespeist, behütet und betreut wußten. Die Gemeinden und Institutionen, wie das jüdisch-religiöse Leben im Ganzen werden dadurch so wenig aufgelöst und aufgehben, wie damals. Die Kräfte sind mobilisiert und gesammelt, unb fte werben jeiji, mti ober ohne atterkannte Zentrale, erst recht auf dem Plane bleiben und doppelt in den Kamps treten für ihre primitivsten Lebensrechte, für die Weiterexistenz ihrer Seele, der Seele des Thorajudentums schlechthin und allenthalben. Denn, was sich jetzt in Litauen vorbereitet, ist keine litauische Angelegenheit, es bedroht die Kraftquellen, aus denen das Thorajudentum der Welt seit Jahrhunderten schöpft. Es muß zur richtigen Würdigung der Vorgänge an folgendes erinnert werden: Rach Entstehung der litauischen Republik vor zehn Jahren gewährte man in paritätischer Wahrung der Rechte aller Nationalitäten den Juden eine I ü - discheAut onomie. Ihre Organe waren Ratio n a l r a t und jüdischer M i n i st e r. Diese Einrichtungen hätten der litauischen Judenheit von Nutzen und von, Segen sein können, hätte sich nicht gleich von vornherein eine gewisse Partei der Sache bemächtigt und die zum Schutze der jüdischen Religion gedachten Rechte in ihr Gegenteil umgekehrt. Assimilatoren und Rationale fanden sich auf einer negativen Mittellinie der jüdischen Weltanschaung und reichten -sich, m H&MDnnnmö alter vlMWm EMMA, um dött Kops dö2 Gösötzssti^UM, diä politisch geschult, aber doch den überaus größten Teil der jüdischen Bevölkerung ausmachen, die Bruderhand. Seitdem waren die gesetzestreuen Gemeinden in Litauen einfach nur Objekt der jüdischen Politik: die Zwei oder drei orthodoxen Vertreter im Nationalrate konnten gegen die Ueb erwacht, vor allem gegen den ganz und gar unjüdisch eingestellten jüdischen Minister, in dessen Hand die Exekutive lag, so wenig ausrichten, daß sie bald die Mitarbeit ostentativ einstellen mußten. Es kam so weit, daß, als später, bei Eintritt eines reaktionären Kurses, Minister und Autonomie aufgehoben wurden, ein A u f a t - meNdurch die gesetzestreuen Kreise ging, obwohl sich Jedermann darüber klar war, daß diese Aufhebung nicht aus Liebe, sondern aus Haß geboren war. Freilich blieb es nicht bei diesem Eingriff, es folgten Steuerdruck, Boykott, Ausschlußpolitik, von oben sanktionierte Hetzen, die eine unerträgliche Lage schufen. Dem reaktionären Regime folgten letzthin wieder eine liberale Regierung. Aber es ist dem litauischen Judentum leider nicht beschieden, mit ungemischter Freude die Wandlung zu genießen. Denn nun fühlten die Herrenmenschen von früher wieder Oberwasser, arbeiteten mit gutem Erfolgs auf dis WisdevsvrilHtung ber JübistHsn f^wlonomie mst {Ijrem |rli^erert örgane &Ie noch weiter nach unerbittlich „demokratischer" Richtung ausgebaut werden sollen. Grundprinzip ist nationalweltliche Gemeinde, mit Frauenwahlrecht, Subventionierung religionsloser Schulen usw. Religiöse Belange verspricht man gnädiglich nach Bedarf zu berücksichtigen. Aber das Ganze soll unter Ausschaltung der Religion, mindestens aus dem Mittelpunkte des Gemeindelebens vor. sich gehen. Autonomie, Nationalrat, Gemeindeorganisation sind dergestalt im letzten Stadium der Vorbereitung. Nun mußte aber der Weg frei gemacht werden, er wurde es mit der W egr äumung d e s O rth o d o x en Zentralrates. Schon diese erste Maßnahme zeigt, wohin die Herren hinaus wollen und wie skrupellos sie ihre Sache über die Köpfe der. Masten zu führen gedenken, wenn einmal die. Macht in ihren Händen völlig gesichert ist, was ja nach Lage der Dinge leider nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen ist. Mit diesem jetzt aufgelösten Religiösen Zentralrate hat es nun folgende Bewandtnis. .In der Zwischenzeit hatten sich die Vesten in lofflno unD in Dar Wovinz WsamllMMlm. um die Gemeinde aus religiöser Basis zu organisieren und ihr die Befugnisse, die Rechte und Aufgaben zu sichern, die sie von jeher und auch in der Blütezeit unter Rabbi Jizchok Elchonon ^"87 hatte. Ohne daraus irgendwie eine staatliche Zwangsorganisation zu machen, war es doch nötig, für die an die Spitze der religiösen Gemeinden gestellte, vornehmlich von den> Rabbinern aus der Agudas Harabanim geleitete Zentrale in Kowno so etwas wie eine staatliche Legalisation zu erreichen. Und die nichts weniger als judenfreundliche Regierung hatte Verständnis für diese aus der Pflicht der Selbsterhaltung enstandene Institution der Juden und versicherte die Orthodoxe Zentrale ihres Schutzes. Im Ramen desLiberalismus wurde nun das zerstört und vernichtet, was die Reaktionäre als 1

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