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Der Israelit · 1926-10-08 · Heft 41 (8.10.1926) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Wäati Seile 14 Nr. 41 die ihr eine langgeübte und gespielte Rolle gab, oder in der Meinung, es herrsche schon volle Klarheit zwischen den alten Freunden? Vielleicht gar in einer diabolischen Lust, den Knoten, der sich nüch nicht lösen wollte, mit eine m Axthieb ■ tzü dürchschneiden. Das Wort war gefallen: Fürstin Rasa! - Prinzessin! Und draußen wartete' der Hvfwagen, um die Prinzessin nach dern -Schlosse zu'fahren.— — — ' ' Benze verstand erst nicht, dann stand er auf und taumelte in vollster Verwirrung 'ein päar Schritte zurück. Der entsetzliche Schlag lährnte ihn für ein paar Minuten. Die Situation kam ihm aber rasch wieder zum klaren Vewußtsehr. „Die Fürstin!" stammelte er, verbeugte sich ungelenk und wandte sich zur Türe. „Benze!" rief sie ihm nach. „Vergebung!" sagte er in einem Gefühl von tiefer Verlegenheit und bitterem Weh. „Ich glaubte zu Reisele, der Jugendfreundin, zu sprechen und wußte nicht, daß ich die hochedle Fürstin Rasa, die Gemahlin des Prinzen von Marokko, vor mir hatte. Wie anmaßend von mir, dem Schneider und Legionär, statt Verehrung und Dank der hochedlen Wohltäterin zu Füßen zu legen, solche Sprache zu führen." Sie wollte ihm noch etwas Nachrufen. Aber er hörte nicht mehr. Er wankte leise und gebrochen zur Türe hinaus. Milka folgte ihm und erfaßte ihn am Arm. „Es war nicht recht von mir, daß ich mit brutaler Hand in einen Prozeß eingriff, der der Klärung entgegenging. Nun muß ich berichtigen: Fürstin Nasa^ das stinnnt. Weil» des Prinzen von Marokko, ist sie aber nicht, noch nicht und vielleicht auch nie. Es kam alles so von selbst, eine Verkettung von Umständen, wie von höheren Gewalten aneinandergefügt. Sie dürfen die Fürstin in dieser Stunde nicht so verlassen." Benze wandte sein verstörtes Gesicht um und sagte bitter: „Des Prinzen Weib oder nicht. Aber sie trägt seinen Namen, verwaltet sein Haus und besitzt seine Liebe, für die sie die ihre gab, die Liebe eines Nichtjuden. Was hätte ich hier noch zu tun? Ich bin für den Verkehr in Fürstenhäusern nicht geboren und nicht geschult." Milka wollte noch etwas sagen, aben Benze ging mit leichter Verbeugung von dannen. Leer war es um ihn, als wäre eine Saite in seinem Herzen gerissen.- Kein Wort des Vorwurfes kam über die Lippen Reiseles gegen die Freundin, welche eine Illusion, die ja doch nicht zu halten war, rasch gersw^ h«m, Tie ertunDigte sich auch nW bei ihr über die weiteren Worte Benzes. Schweigend wie damals vom Krankenhause, fuhren sie nach Hause, wo sich Reisele sofort in ihre Gemächer zurückzog. Als sie am folgenden Morgen nach durchwachter und durchweinter Nacht auf dem Balkone unter ihren Blumen stand, kam von der Straße jenseits der Baumgärten schallende Musik, und an Pfeifen und Trommeln dröhnte das Stapfen fester Männertritte. Unwillkürlich sah sie einen Augenblick hin. Ein Offizier zu Pferde ritt dem Zug voran, und hinter ihm spielte eine Militärkapelle Marschlieder. Soldaten zu Pferd und zu Fuß folgten in langen Reihen hinter Fahnen und Wimpeln. Hintennach marschierte eine kleine Gruppe um eine blauweiße Fahne mit goldenem Davidstern in der Mitte. Eine kleine Abteilung jüdischer Legionäre zog mit anderen Formationen zur Front. Nach dem rechten Flügel mußte sie, als hätte sie die Macht über ihre Augen vertew.i WMn. $ort marWem Mnze Ttramm unö huch ausgsrichtst mit leeren Augen, ohne gurückzublicken, dahin. Sie verließ rasch den Balkon und war den ganzen Tag Auch für ihre Freundinnen und Hofdamen nicht mehr zu sprechen. (Fortsetzung folgt.) ' D e r Israelit RabhiMche Geschichten. Rabbi Jecheskel Landau, bekannt unter dem Namen „Noda Bijehuda" war eine kräftige Gestalt, neben dem Geiste ckvch im Besitze tzürkör DwSkÄn/:' Wie - 4t eines Tages allein in feinem StudierzimtnÄ: -im dritten Stockwerke saß, stürzte eitt-Geistesgestörter hinein, schloß von innen M Türe und rief: „Man rühmt Euch,' Rabbi, große KörpÄkraft und 'Geschicklichkeit nach, so beweist 'es gleich, indem Ihr hier dürchs Fenfker auf die Erde springet." Der Verrückte zog ein Messer und machte Miene, dasselbe zu gebrauchen, für den Fall, daß der Rabbi das Experiment ablehnensollte. Rabbi Jecheskel Landau wmm lillch SM Wen Mrea fllsllN mm MR wMer unv erwiderte veguNMNDi)Mas wäre Ms für tzm Kunststück, von oben nach unten zu springen. Ich tvill Dir b eweisen, daß ich noch mehr kann. Ich steige hinunter und springe dann von' unten zum dritten 'Stock hinauf." „Das leuchtete dem Wahnsinnigen vollkommen ein, und er öffnete die Türe. Der-Rabbi gewann so die Freiheit und fand seine Rettung. Vor einigen Jahren meldete man Rabbi Chajim Sonnenfeld von Jerusalem, daß th einer Chaluzimküche am Sabbat gekocht werde. Sofort eilte er, ohne den weiten Weg zu scheuen, dahin. Die Küche bekam aber von irgend jemand einen Wink, und als Rabbi Chajim dahinkam, war alles ruhig in der Küche und alle Spuren der Sabbatentwöihung verwischt. Nun drehten die Leiter den Spieß um und hielten dem Rabbi eine Moralpredigt, daß er ungebeten -und sogar ohne anzuklopfen gekommen sei, um sich in ihre Angelegenheiten zu mischen. Rabbi Chajim antwortete ruhig: „Brüder, hört man, daß in Nachbars Haus Feuer ausgebrochen ist, so fragt man nicht viel, sondern man läuft dahin, um zu helfen und zu reten. Man sagte mir, daß es bei euch brenne, so lief ich, ohne zu fragen und anzuklopsen. Ihr sollt es mir nicht verübeln." Diese ruhige Sprache machte solchen Eindruck, daß die Leiter versprachen, von nun an den Sabbat besser zu respektieren. * Als man Rabbi Israel Galanter die Kunde brachte, ein Glaubensgenosse sei in Petersburg zu hohen Ehren gelangt, so sagte er, in Anbetracht dessen, daß dieser gefeierte große Jude die Treue zum Judentum längst gebrochen hatte: „Zum „Jsgadal" gehört auch das „Jskadafch". Mit der äußeren Größe allein kann der Gottesname noch nicht geheiligt sein. Zu dem vor kurzem verstorbenen Rabbi Mejir Simcho in Divinsk kam eine Frau und jammerte: „Teurer Rabbi, mein Mann ist krank und die Aerzte sagten, er hätte nur noch drei Tage zu leben." „Närrin," erwiderte der Rabbi, „mit hat noch keiner drei Lebenstage garantiert!" Ainderecke. Durch die Schule für das Letzen. Don Keinrich Krufiädter. Die vierte Klasse einer höheren Töchterschule wurde von drei jüdischen Mädchen besucht, Bella und Hertha waren Freundinnen. Fast in jeder Pause gingen sie miteinander, und auch außerhalb der Schule waren sie häufig beisammen. Sie luden sich gegenseitig bei Geburtstagen und sonstigen Gelegenheiten ein,' während sie mit Amalie nur hier und da in der Schule einige Worte wechselten. „Sie paßt nicht zu uns," war Herthas Antwort gewesen, als ihre Mutter einmal die Frage an sie gerichtet hatte, warum nicht auch ihre zweite Mitschülerin zum Purim-Spielabend eingeladen werden sollte. „Sie paßt nicht zu uns." Damit hatte sie nicht gemeint, daß Amalie vielleicht weniger gesittet, minder fleißig oder nicht so begabt gewesen wäre! Denn dies war durchaus nicht der Fall. Sondern Amalie war Md »MM kostbar gcklcMk und hatte ihre besten Frsundinnsn iitttäi* den ärmeren Mädchen der Klaffe. Bei ihren Lehrern und Lehrerinnen war sie wegen ihres bescheidenen Wesens und ihrer treuen Arbeit allgemein beliebt. Eine Feindin hatte sie in der ganzen Klaffe nicht. Bellas Vater, der durch seinen Beruf die Vermögens- und Geschäftsverhältnisse in der Kaufmannschaft der Stadt gut kannte, erzählte . §• rW°d°rr»2« - eines Abends seiner Frau von MÄrr Fabrikanten Ernst Koch, der in den lotest Monaten sehr reich geworden sei. Als Bellst WfenHhmen hörte, wurde sie aufmerksam. Koch war nämlich der Vater Amaliens.. Später wurde er vom Vater noch öfterst 'erwähnt, und jedesmal hob er feine aufsehenerregenden geschäftlichen Erfolge hervor. ' „Hast Du schon gehört," fragte Bella eines Tages ihre Freundin, „daß Amaliens Vater so reich geworden sei? Seine Fabrik ist eine der bebeuten'o^ieit bev gangen Stadt " „Unmöglich", antwortete Hertha lachend. „Schau nur einmal ' die altmodischen Kleider Amaliens an. Dann wirst Du einfehen, daß es wahrscheinlicher ist, daß sie in einem Trötzlerlad^n gekauft worden sind/ Bella konnte in der Tat ebenfalls nicht begreifen,'daß ein reiches Mädchen nicht jede neue Höbe mitmachte.' Immerhin wandfe sie von jetzt ab ihrer Mitschülerin Amalie em stärkeres Interesse zu als vorher. Einige Wochen später fand ein großes Schulfest statt. Die' Mätzchen führtest schone Tänze untz Reigen auf stütz entzückten die Zuschauer durch allerlei sorgfältig vorbereitete Darbietungen. Die beiden Freundinnen Hertha und Bella waren für die Feiet, stn der fast die ganze Stadt teilnahm, vollkommen neu gekleidet worden, und sie hatten die Genugtuung, tzäß sie schon bei ihrem Erscheinen Aufsehen erregten. Amalie hingegen stach keineswegs gegen die Mehrzahl ihrer Kameradinnen ab. Sie bewegte sich in ungezwungener natürlicher Anmut ganzen ihnen, MM fßtj) kW [IC DDTI llllCll wohl gelitten war. Auf jene aber fielen mißbilligende und neidische Blicke. Schon in der ersten Pause bemerkten sie, daß man sie isolierte. Späterhin gelang es ihnen kaum mehr, Anschluß zu finden. Wdhl oder übel müßten sie sich zu Amalie halten, die allein sich freundlich und entgegenkommend gegen sie verhielt und dadurch verhinderte, daß die beiden Mädchen völlig abgesondert blieben. Jetzt sahen sie ein, daß die Kameradin sich klüger und passender verhalten hatte als sie. Auch ihren Müttern war dieses Vorkommnis nicht entgangen, und sie bereuten, durch ihre Eitelkeit den Kindern schon in der Schule das Leben erschwert zu haben. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 H““33,1 Zeil 88 Versand nach auswärts Mechanische und DRUCKLUFT Teppich -Reinigungs- Gesellschaft m. b. H. »MEDRUVA« früher Meder’s Teppich-Reinigungs-Werk Telefon Hansa 4642 Bergerstrasse 149 Anerkannt beste Entstaubung - Chem. Reinigung - Kunststopferei - Entmottung von Teppichen und Möbeln mit Zyclon-Gas. 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