Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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5 5 Qtö Iffcn den höheren Lehranstalten der Isr. Religionsgesellschaft, v (.- r - ._^ _. QtiiÄ Sfltr. 2 bcr „SffHHeilimöeit füi? ehernalige 8LÜlll> CHArsürvM rs? LNkWUtSSIU ftültttt«. Wenn bas hervorstechendste Merkmal der Genialität einer menschlichen Schöpfung darin besteht, daß ihre Daseinsberechtigung anerkannt werden muh, auch wenn die Zeitverhältnisse sich gänzlich geändert haben, dann darf die Begründung des Schulwesens der Israelitischen Religipnsgesellschast zu Frankfurt a. M. durch Samson Raphael Hirsch V"ST in der Tat als geniale Schöpfung angesprochen werden. Von einem wenig umsichtigen Standpunkte aus hat mancher vor dem Weltkriege den bedeutungsvollsten Nutzen unserer Realschule darin erkennen wollen, daß sie ihre Zöglinge mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Heeresdienste ausstattete, ihn n also einen Vorteil gewährte, der sonst nur auf den öffentlichen höheren Schulen zu erlangen war. Da diese auch am mw Unterricht erteilen, so bedeutete ihr Besuch für jüdische Schüler zum siüs sjzM VäämtvschtrZukrz km uv nniv'sofern ihnen nicht Befreiung vom Schulbesuche an jüdischen Feiertagen zugestanden wurde, eine Vergünstigung, die früher kaum zu erreichen war, im übrigen nur von den besonders Begabten ohne Nachteil für ihr Fortkommen in Anspruch genommen werden konnte. Wie wenig ausschlaggebend diese Berechtigung für S. R. Hirsch gewesen sein kann, zeigt, von allem anderen abgesehen, schon der Umstand, daß er ja seine höhere Schule von vornherein auch für die weibliche Jugend eingerichtet hat, bei der Rücksichten auf den Heeresdienst gar nicht vorwalteten. Was Hirsch V'üi mit seinem Schulwerk erstrebte, war vielmehr die Verwirklichung des dem überlieferungstreuen Juden für alle Zeiten in der Forderung von pH pn oy rniri gegebenen Erziehungszieles, das unsere Kinder beiderlei Geschlechts riitt etttE m dsn SMZ MjgöN Göllan, ken unserer nnm orientierten Fühlen und Wollen in ebenso ernstem Streben durchtränken soll wie mit denjenigen Kenntnissen und Fertigkeiten, die ein bürgerlicher Beruf, welcher Art auch immer, verlangt. Diese Aufgabe trägt an sich den Stempel der Unabhängigkeit vom Wandel der Zeitumstände und besteht für uns heute nicht weniger als vor dem Kriege. Ja, man kann hinzufügen: heute erst recht, da die intensive Pflege der modernen Kultur auf der Schule ein Aequivalent durch die nicht minder eifrige Pflege jüdischer Weltanschauung und jüdischen Wissens fordert. Daß dies in. zwei wöchentlichen Religionsstunden zu erreichen unmöglich ist, steht fest. Der mit nur wenigen Wochenstunden bedachte jüdische Religionsunterricht hat eine Generation herangebildet, die — nach dem gewiß unbestochenen Urteile eines hervorragenden Mitglieds einer staatlichen Behörde für jüdische Kultusangelegenheiten in Süddeutschland — von jüdischen Dingen fast nichts mehr weiß, von jüdischer Vergangenheit und jüdischer Geschichte kaum , noch eine Ahnung hat. Wenn in unseren Kreisen so traurige VerwüstuttzM Lüf MtzizsE Gü&Uk ©. s. D. uMZ unbekannt sind, so danken wir es in erster Linie unseren Unterrichtsanstalten, die unsere Jugend in ausgiebigem Maße in echt jüdische Gedankenwelt einführt und sie mit der Sprache des Y'jn ft rmtpM UläP sie lllcht WZMit genannte Oberrat schon zufrieden wäre, „an dem Gottesdienst und den häuslichen Gebeten teilnehmen kann", sondern auch eine gründliche Kenntnis, unserer Religionsquellen in ihrer Ursprache zu erlangen vermag. Einen weiteren Grund für gesonderte jüdische höhere Schulen hat man mit Recht in der Tatsache erblickt, daß jüdische Schüler vielfach in zartem Alter schon Zurücksetzungen und Anfeindungen seitens ihrer nichtjüdischne Mitschüler und nicht selten auch der Lehrer ausgesetzt waren. Daß es in dieser Beziehung in der Nachkriegszeit viel besser geworden sei ,läßt sich nicht behaupten. Wie sehr die Einsicht in die Notwendigkeit des Bestehens jüdischer höherer Schulen sich verbreitet hat, wird bewiesen durch die Gründung solcher Anstalten in mehreren deutschen Großstädten; alle haben die „Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft" zum Muster genomen. Nun hört man zuweilen Bedenken äußern, daß die Bedeutung und die Stundenzahl, die dem jüdischen Unterricht gewidmet würde, eine Beeinträchtigung des Profanunterrichts bedinge. Demgegenüber fei betont: Wer Gelegenheit hat, mit den Leitern der hiesigen Vollanstalten über die geistige Eignung und Durchbildung derjenigen ihrer Schüler oder Schülerinnen zu sprechen, die unsere Anstalt ihnen zubringt, erfährt, daß sie mit diesen von uns entlassenen und für die Obersekunda reif erklärten Zöglingen durchweg zufrieden sind, ja, daß diese am Schabbos vom Schulbesuch befreit werden können, ohne daß ihr Fortkommen irgendwie beeinträchtigt würde. Diese höchst begrüßenswerten Erfolge beweisen, daß der eifrige Betrieb des Unterrichts im Hebräischen und besonders im Talmud, weit davon entfernt. dis Fortschritte in den profanen Wisftnsgwsigen beerntrcrchtrgen^ diese vielmehr offensichtlich in gedeihlicher Weise fördert. Es ist ferner darauf hinzuweisen, daß die aus unserer Schule hervorgegangenen Akademiker jeder Art, Aerzte, Rechtsanwälte, Philologen, Chemiker ufw., ebenso auch Kaufleute aller Geschäftszweige sich ihren Fachgenossen als durchaus ebenbürtig erwiesen haben. Diese überaus erfreuliche Tatsache beweist jedenfalls, daß die Vorbildung, die unsere Schule in den profanen Fächern vermittelt, hinter keiner andern zurücksteht, obwohl mit ihr eine immerhin beträchtliche Pflege des Wissens auf jüdischem Gebiete verknüpft ist. In diesem Zusamenhange darf festgestellt werden, daß es unseren Untrrichtsanstalten gelungen, ist, einen Teil ihres Bedarfes an akademisch gebildeten Lehrern durch Männer und Frauen zu decken, die ihre Vorbildung auf eben diesen Schulen selbst genossen haben. Außer dem Direktor sind gegenwärtig noch fünf Lehrer und eine Lehrerin ehemalige Zöglinge der Anstalt. Bei einem Vergleiche des Lehrerverzeichnisses unserer Unterrichtsanstalten mit dem früherer Jahrzehnte dürfte namentlich den älteren Generationen angenehm auffallen, daß auch der akadslliifch ßsbrldsts üetl llllfsrsr üshrsrfchäft ütlümehr ausschließlich aus Glaubensgenossen sich zusammensetzt. Wenn eine Schule auf so erfreuliche Erfolge ihrer Arbeit verweisen darf, so hat sie nicht bloß ftl'g DzftmÄ^chtrMZ ftttZzptt Zllch gegeigt, wie zielsicher die Wege sind, die sie bei ihrer Erziehungsarbeit einschlägt. Grund genug für unsere Elternschaft, die unserer Schule übergebenen Kinder ihr nicht vorzeitig zu entziehen, sondern sie ihr bis zum Abschlüsse ihres Lehrgangs vertrauensvoll zu belassen. Denn ein Schulwechsel hat für die zarte Jugend immer allerlei Nachteile zur Folge, die ihr besser erspart bleiben sollten. Uebrigens wurde Eltern, die in einzelnen Fällen ihre Kinder vorzeitig anderen hiesigen Schulen zuführen wollen, wiederholt von deren Leitern unter Hinweis auf die Leistungen unserer Schule von solchem Vorgehen abgeraten. Daß andererseits Schüler, die unsere Anstalten bs zum Ende besucht haben, überall gern ausgenommen werden, wurde bereits erwähnt. In Verbindung damit ist auf den großen Vorteil hinzuweisen, der unserer Schule durch die Entwicklung des Bildungswesens in Deutschland neuertüchtigsten Schüler unsere Anstalt in mittleren Klassen verließen, um sich durch Besuch eines Gymnasiums die Möglichkeit späteren Studiums zu eröffnen, ist das heute durchaus unnötig, ja nicht einmal empfehlenswert, da die Oberrealschule zu allen Studien (außer christlicher Theologie) berechtigt und eine ausgezeichnete Vorbildung gibt. Der Zugang zur Oberrealschule erfolgt nach Absolvierung unserer obersten Klasse ohne jede Prüfung. Aehnlich verhält es sich mit dem Uebergang aus unserer obersten Mädchenklasse in das Oberlyzeum, das zu den Universitätsstudien berechtigt. Damit fällt jeder Grund zum verfrühten Verlassen unserer Anstalten fort. So finden wir eine Reihe von Tatsachen, die erweisen, daß'unser höheres Schulwesen ebensoviel, wenn nicht mehr Daseinsberechtigung als früher hat. Aus Gemeinde^ undveremsleven. Aus dem Gemeinderak. Die letzten Sitzungen des Gemeinderats waren hauptsächlich der Beratung finanzieller Einzelfragen gewidmet. Es entspann sich eine Debatte darüber, wie weit Verwaltungskommissionen, denen die einzelnen Gemeindeanstalten unterstehen, ohne vorherige Genehmigung des Gemeinderats in dringenden Fällen zu Ausgaben berechtigt seien. Cs herrschte Uebereinstimmung darin, daß im Interesse rationeller und ökonomischer Wirtschaft nur in ganz besonderen Ausnahmefällen eine Dringlichkeit anerkannt werden könne. Ebenso wurde gefordert, daß Institutionen, die dem Protektorat des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft unterstehen, aber selbständige Verwaltungen haben, als Entgelt für wesentliche Leistungen, die die Gemeinde ihnen erwies, eine gewisse budgetäre Rechenschaft abzulegen hätten. Manchen aus der Mitte des Gremiums geäußerten Anregungen, neue Einnahmen zu schaffen, pflichtete die Mehrheit nicht bei; so etwa dem Vorschlag, die ersten Hakofaus am Simchastauroh oder besonders begehrte Synagogenplätze zu versteigern. Man wollte nicht alte Rechte verkürzen. Ebenso lehnte man weitere Gebührenerhöhungen ab; man verurteilte aber aufs Schärfste diejenigen, die ihren Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde nicht Nachkommen und ersuchte den Vorstand, in Erwägung zu ziehen, ob er nicht gegen bewußt säumige zahlungsfähige Mitglieder durch Entziehung d es 90& crhlrechts einferretten rvolls, eine bte ja irr L-errt ^emerrtbeficilLri: r»orgre{ eifert tfl- - Sitte noJ;