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Der Israelit · 1926-10-05 · Heft 40 (5.10.1926) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 40 (5.10.1926)
Date
1926-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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67. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 5. ©Höbet 1926 27. Tischri S687 Nr. 40 Ein Centralorgan Iflr das orthodoxe Judentnn Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Lfterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli f rankreich und Belgien 25 Fr.; Holland 2 fl.; Italien 29 Lire; Jugoslawien 55 Din.; itauen 7.50 Ltt.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 25Kronen; Ungarn 50000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 49 Goldps. für die stehengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 SOU., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Stratze 23, Tel. Hansa 6842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langeftr. 7, II, Tel. Hansa 4641. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Ar. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto Warschau Nr. 199757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag — Banca Marmarosch Blank & Cojtt Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. - Der Gerichtsßand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Feiertagsbetrachtungen. Es ist natürlich, daß die Zeit der Tischri-Feiertage selbst in denjenigen Kreisen, die dem ungebrochenen jüdischen Leben ferner stehen, selbst dort, wo man nur „Neujahr und Versöhnungstag", nicht aber Elul und Slichostage kennt, die Zeit der religiösen Hochstimmung zu einer Art Selbstbesinnung aufrust. Es wäre für uns lehrreich, einen Blick in die Betrachtungen zu werfen, ms Ml VM WM m 801 ökMMkNkll Mir brgabett zulägs trstöttj absr wir muffen uns aus Raumrücksichten Selbstbeschränkung auferlegen. Die „C. V.-Zeitung" brachte zu Jomkippur unter dem Titel „ Versöhnungstag!" einen Aufsatz von Rabbiner Dr. G o l d m a n n in Leipzig, der wie üblich auf der falschen und irreführenden Uebersetzung des v'->iS3N dv> durch „Verföhnungstag" (statt „Tag der Sühnungen ) aufgebaut ist und auf Grund dessen die ungeheuerliche Behauptung wagt: „Die Centralvereinsidee kann als ein'Versuch zur VerwirklichungderForderungdesVerföhnungstages gewertet werden". Herr Rabbiner Goldmann erweist dem Centralverein einen schlechten Dienst, wenn er ihm eine „Idee" unterschiebt, statt ihn als das zu nehmen, was er ist, nämlich ein Zweckverband zur Verteidigung bedrohter jüdischer Rechte und zur Abwehr antisemitischer Angriffe. Wenn die „Csntralr,srsins-Jdös" nun aber deshalb aus dem t ^«ll, rnsil B&M Döse durch „e i g e n e K r a s t" überwinden muß und der „Centralverein" doch ebenfalls auf den Weg der „Selbsthilfe" gegen die Bösen verweist, so hört doch eigentlich jede ernsthafte Diskussion auf. Ebensogut könnte man die „Idee" 'der Kreditgenossenschaft, der Feuerwehr oder des organisierten Grenzschutzes aus dem Jomkippur übleiten. Der Centralverein sollte sich eine derartige homiletische Mißhandlung des jedem wahrhaften Juden als Tag der göttlichen Gnade (pnn NVN nn mimi) dastehenden Tages der Reinheit und Sühne höflichst verbitten und im übrigen darauf verzichten, durch ideenmäßige „Vertiefungen" seiner bitter notwendigen schlichten Existenz schädliche Grenzüberschreitungen zu begehen. Natürlich klagt Herr Dr. Goldmann bei dieser Gelegenheit auch über die Zwietracht innerhalb der deutschen Judenheit und über den persönlichen, crefjöfficien C^ftctr aller, bert bte - giimctl zwischen Zionismus und Centralverein — häufig annehmen. Die Klage ist berechtigt, aber es liegt in der Natur der Sache, daß die in der Offensive befindlichen jugendlichen Zionisten leichter über die Stränge schlagen, als die ein inneres Kompromiß verteidigenden besonnenen Kreise des Centralvereins mit ihrem doppelten und gleich ehrlichen Bekenntnis zu jüdischer und deutscher Kultur. In einem Münchener Blatte, dem „Echo", vertritt ein Zionist mit charakteristischen Argumenten das Recht der Zionisten auf „schlechtes m MMMöZ S85! Lkk Mmst latiött die Msske hökuntsi'i'öjtzen, ihrs „etiMwurzelte Heuchelei" unmöglich machen — und das gehe nicht, ohne daß die Späne fliegen. „Es handelt sich in dieser Kontroverse nicht um verschiedene Auslegungen wissenschaftlicher Begriffe, auch nicht um eine Lösung von Doktorsragen, sondern um Durchsetzung von Zielen, an denen Gefühl, Gemüt, Seele und Kops in gleicher Weise interessiert sind. Der schwer angeklagte, schlechte Ton der Zionisten ist nur ein Beweis, daß diese mit der von ihnen vertretenen Sache nicht nur in einem losen Konventionsverhältnisse verknüpft sind, sondern daß sie ihnen eine Herzensan. g e l e g e n h e i t ist. Das Herz aber, aus dem bekanntlich die besten Gedanken kommen, und das der eigentliche Motor aller Entwicklung ist, redet eine andere Sprache als ein eingeschlafener Vernunstsmechan'ismus, der das Verhältnis der Afsimilanten zu Judentum und Menschheit regelt. Unser Verhältnis z u m I u d e n t u m ist Herzenssache, das Verhältnis der Assimilation bestenfalls Vernunftsangelegenheit. Herzen sind heftiger als greisenhafte Vernunft." Wir empfehlen diese Apologie den Herren MMWMll m ™fTm [ie fid? w<t den scharfen Ton ver palästinensischen, flvvanschen, ungarischen und polnischen Orthodoxie gegenüber der zionistischen Revolution allzusehr gekränkt fühlen. AuchdortistesdieSprache desin seinertief st enTiefeverwundeten, für Gott und sein Gesetz glühenden religiösen Gemütes, dem es unerträglich scheint, die Entweihung alles Heiligen ohne heftigste Reaktion mitanzusehen, und das dann nicht nur die unmittelbar Schuldigen verantwortlich macht, sondern auf diejenigen, die jene zu decken und durch ihre parteimäßige Solidarität zu stärken scheinen. Keine eigentliche Feiertagsbetrachtung, aber deshalb um so beachtenswerter ist ein vortrefflicher Artikel von Frau Elfriede Bergel-Gronem ann in den Blättern des Frauenbundes über den „Wert des Neutralitätsgedankens", eine glänzende Rechtfertigung des Standpunkts« dsr unabhängigen Orthodoxie, so wenig die Verfasserin selbst grade diese Absicht gehabt hat. Die Verfasserin stellt, zunächst die unbestreitbare These aus, daß „nur d i e Ausgaben von allen Richtungen gemeinsam zu lösen sind, die die eigentlichen Schichten der persönlichen Existenz unberührt lassen". (W i r rechnen dazu den Aufgabenkreis des „Centralvereins" als Abwehr-Organisation sowie gewisse umgrenzte Gebiete der Wohlfahrtspflege) .Dann aber wird das ausgesprochen, was sonst zumeist verschwiegen bleibt: die Zusammenfassung der verschiedenen, g. Süigegenjä^fic^en Q35effctrrj’cijrcxxxxxrxgen trt einer Organisation soll zu einer „gerechteren' Würdigung fremder Standpunkte", zu einer Erhebung über den „Partei"-Standpunkt überhaupt führen, so daß es schließlich nicht mehr „Parteien, sondernnurnochvonihremeigenen Gesetz geführte Menschen" gibt. An die Stelle der „ K o l l e k t i v g e s i n n u n g " tritt die „e i n s a m ri n g e n d e Wahrheitssehnsucht" des Individuums. Wenden wir diese Erkenntnisse auf das historische, gewöhnlich orthodox genannte Judentum an, so erhellt auf den ersten Blick, daß die Anerkennung, ja die mögliche Hinnahme einer solchen Entwicklung, wie sie hier richtig als logisches Endergebnis des Neutralitätsprinzips gezeichnet ist, für das jüdische Volk Hochverrat bedeutet. Denn seitdem unsre Väter am Sinai ihr nvyi gesprochen, ist die „ K o l l e k t i v g e s i n n u n g " der u n b e d i n g t e n H i n g a b e an 3512217 nun B"J)2i7 nuni schlechterdings die Grundlage flgr sllülslven smrsenrtenfc Führt dre Neutralität rtti (liberal-orthodoxe Einheitsgemeinden), wie in den ethischen, kulturellen, politischen Organisationen jüdischer Menschen in der Tat, wie Frau Berge! überzeugend ausführt, zwangsläufig oder auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Auflösung dessen, was hier „Kollektivgesinnung" heißt, in eine ganz individuelle, subjektivistische Frömmigkeit, so verbietet uns unser religiöses Pflichtbewußtsein, unsere Verantwortlichkeit gegenüber den bildsamen Seelen der kommenden Generation, unsinsolcheneutraleGemeinschichten,in denen zur Anerkennung der Relativität aller Wahrheit erzogen wird, hineinzubegeben. Wenn beispielsweise ein begabter und zweifellos aufrichtig frommer jüngerer Vertreter der Gemeindeorthodoxie jüngst in Vubers „Jude" die erstaunliche Bemerkung macht, auch die liberalen Juden (ohne daß irgend eine Einschränkung gemacht

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