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Der Israelit · 1926-09-16 · Heft 38 (16.9.1926) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 38 (16.9.1926)
Date
1926-09-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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.M,!'V’ ■ '■ ^6; September 1926 WUKWKWMWW SB l ö 11 6Jr Nr. 18 Seite S Mgebrochen, so ist etwas nicht mehr in Ordnung. 'Wenn Ringkämpfer und Boxer wie Fürsten bezahlt werden, während junge Gelehrte darben, wissenschaftliche Forscher ihre Geisteserzeugnisse kaum zum Druck zu bringen wissen, dann fehlt es irgendwo. Wenn nicht mehr die Geistesaristokratie sondern die Bizepsaristokratie das erste Wort hat, wenn die Leibespflege, die Körperpflege in Schamlosigkeit und Nacktkultur degep??pp «n- SßerÜeljr &er ällä sittlichen Begriffe in ihr Gegenteil verkehrt werden, wenn der Begriff der Sünde entwurzelt wird, wenn die Scheu und Scham vor der Sünde verschwindet, wenn man asiatische Geschlechtlichkeit lobpreist, und für die Moral indischer Bajaderen und japanischer Geishas schwärmt, so ist die Geistigkeit entthront und das Fleisch auf den MM geDDpenf Ein agudiftischer Sprecher sagte bei einer der Werbeversammlungen: „Gewiß, wir wollen den Frohsinn der Jugend und sind auch Freunde eines Sports, der den Körper ertüchtigt und zu Leistungen befähigt; wir wollen eine jüdische Jugend, der sich auf Wanderungen die Schönheit der Natur erschließt, wir begrüßen Bestrefiungen, Die auf eine auch körperlich gesunde Jugend abzielen; was wir aber ableljncu, beifl ul litt tli Mi «dp, tu Ift 3«, mir W * M « kW jüdischer Weltanschauung, sportliche Erfolge zu Messern jüdischen Wertes macht. Was wir ablMcn, Ms ist jene waMMUM des Körpers gegenüber dem Geist, die z. V. in dieser Stadt zu dieser Stunde Var Kochba-Wettkämpfen das ganze Interesse der Judenheit, nicht allein der Jugend, zuwenden läßt, das ist jene Einstellung, die in dem jüdischen Meisterboxer einen Repräsentanten eines neuen jüdischen Erwachens feiert, in dem jüdischen Stafettenläufer einen Vertreter einer neuen jüdischen Jugend. ä|entanten unb SSerhrei^r lernen mir aD; turnen ist nicht, muB nicht nnsnotsch sein, nie aber wird es das Objekt jüdischer Ehre, einer Ehre, die nur auf dem Gebiete des Geistes, und da auf dem Gebiete der Tauro liegt. Auch hier gilt: min xtot 1122 1'X. Ueber die Mechanisierung des Geisteslebens und über den Persönl i ch k e i t s k u l t sagt ein katholischer Redner: „Zur bloßen weltlichen Zivilisation geworden, ist unser Geistesleben in ein hoffnungsloses Spezialistentum hineingeschliddert, das im Stoff ver sinkt, das die Synthese verlor, das zur Unruhe, zur Anarchie und Zuchtlosigkeit eines einseitigen Per-söulichkeitskultes «ei?barr»nt ist," Ein ügudisttschcr Sprecher: „Diese jüdische Auffassung, daß unser Verstand das höchste Geschenk.. Gottes ist, beschwingt uns in unserem Streben nach geistiger Erkenntnis, spornt uns zu höchsten geistigen Leistungen. Sie stellt jedem jüdischen Menschen die Aufgabe seines Lebens, und stellt wiederum alle jüdischen Menschen unter ein gemeinsames Diktat. Sie fordert auch in bezug auf geistige Arbeit: r»x öx NM 1h IM M0 vMkM mm Mroerung wik' Umm „mm ich auf mein Ich Md ssins Pflöge mich beschränke, was ist da mein Ich noch wert?" Diese jüdische Auffassung fordert von dem Menschen, daß er seinen Verstand und seine Geistesgaben so handhabe, daß er jeden Augenblick die nr2' diese Quelle seiner geistigen Leistung, Gott, unversehrt zurückgeben könne, im Sinne jener vom Ramban gebrachten Deutung des Midrasch, wonach sich die Forderung unseres Wochenabschnittes ürrn rix n^n auf die Pflicht bezieht, den Verstand, die Mutter, — „Mutter nenne die Weisheit" — als ein von Gott uns anvertrautes jeden Augenblick von ihm zurückzu- ^oir&exmbes £j3^crrtö gw t’etiracijtert.''' Ueber T o i e r a n i unD bas Verhältnis zu den Menschen anderer Ueberz e u g u n g wurde aus dem Katholikentag gesagt: „Diese Toleranz wird aber immer nur eine bürgerliche, keine dogmatische sein können. Gewissens- und Glaubensfreiheit will jedem das die innere sittliche und religiöse Ueberzeugung auch nach außen hin zu bekunden und in Gebet, Opfer und Liturgie zu betätigen. Die bürgerliche Toleranz verabscheut und bekämpft zwar den Irrtum, aber sie achtet und liebt die irrenden Menschen,. sie trennt den Menschen vom Irrtum selbst, die Sache von der Person, — die unentbehrliche Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben überhaupt. DogrurtisHz Tzlsvrnz ksnnLtt to Kstholikm Nicht üben. Wer die Wahrheit kennt und fagt sie nicht, der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht! Wer die Wahrheit kennt, kann unmöglich den Irrtum als Wahrheit anerkennen. Nichts ist unrichtiger, als wenn man etwa annimmt, daß unreligiöse Menschen tolerant sind, streng religiöse aber weniger tolerant seien. Für das Mm-lE Mt ^npftinnf V«5 ®cbot ber Zote~ ranz in die klassische Formel geprägt: „Dilige hominem, oderis vitium! Liebe den Menschen, hasse das Laster." Ein agudiftischer Sprecher: „Man fragt, ob wir Agudisten Kampfnaturen seien. Die einen fragen es, die andern behaupten es. Ein Kampf im Sinne Gottes geführt, muß nicht immer Wunden pgen, Sott selber ist „Herr der Kriege" und dadurch „Aus'" aer non k Ist eins titil itlifl #ti Hit if( jüngst habe ich vom Hamburger Raw ein Wort gehört, das diese unsere Einstellung deutlich MstW Mist ssfsi r Du liebft d«s Reckt und du hassest das Unrecht, deshalb hat der Ewige Dein Gott, dich gesalbt mit dem Oel der jubelnden Anerkennung durch deine Genossen" (Psalm 145) bezieht der Midrasch auf Abraham und macht uns dadurch seinen sonst dunklen Sinn klar und deutlich. Es gibt zwei Arten von Menschen: solche die für ihre Person fromm und treu dem Gesetze sind, nicht aber die Kraft aufbringen, dem Ueberirefer bes ©eje^es mH mann^opem ©mp etngegenöutreten; tmo Dann gibt es wieder Menschen, die nicht nur für sich das Gute zu tun bestrebt find, sondern auch bereit sind, den Kampf gegen das Schlechte mit rücksichtsloser Energie aufzunehmen. Da sollte man meinen, daß solchen rücksichtslosen Kämpfern für Wahrheit und gegen Lüge die Liebe Gottes, nicht aber die der Menschen wird, da sollte unverständlich bleiben dieses Psalmwort „deshalb hat der Ewige dein Gott dich gesalbt mit dem Oel der jubelnden Anerkennung durch deine Genossen", darum weist der Midrasch uns auf die Persönlichkeit Abrahams hin. Abraham hat nicht nur selber das Gute geliebt und betätigt, er legte vollendeten Protest ein gegen Un- und Irrglauben der Umwelt. Qtt Qoi; „Trsuns dich pon rrud doch rühmt ihn selbst Ne heidnische Umwelt: „Der Fürst Gottes bist du in unserer Mitte". Warum dies? Er kämpfte gegen das Schlechte, dem Menschen gehörte seine Liebe. Er trennt sich von Lot, damit die klare Gottesidee in ihrer Reinheit nicht gefährdet werde; er hört, daß Lot in Gefahr ist, eilt ihm mit seinen Gerüsteten ohne Zaudern zu Hilfe! Als? rMUWlrft? für m nl? erkannte Ibee, keine Verschwommenheit, keine Konzession; aber wieder und wieder betonen, daß es uns nur um die Sache zu tun ist. Der, von dem wir glauben, daß er irrt, ist unser Bruder, gedenken wir jener Mahnung der weisen Gattin Rabbi Meiers: xVi v'Xvn pxn p v'xvn i»rp 2'Xvin und wir gestehen es offen ein, daß wir oft zu schweren Konflikten gelangen. Lassen sie mich ein Beispiel der letzten Tage anführen. Da gelangt an unser Ohr und unser Herz der Ruf: „Wir sind Brüder von gestern, wir sind Brüder von morgen, warum sollen wir nicht auch Brüder von heute sein?"^Hinter dem Rufe steht die Perunb jein Sieben Der laurot) geweiht hat. DM Rüs entsteht m uns erer Seele ein frohes Echo, und doch über dem ebendigen Gefühl der Brüderlichkeit dürfen wir nicht vergessen: „Der Bruder ist mir lieb, aber die Wahrheit ist mir noch lieber". Die gleiche Konferenz,' deren Führer einer dieses Friedenswort spricht, erklärt sich gegen jede BestrebunU. nach selbständigen Thoragemeinden im heiligen Lande, obgleich diese Forderung von anerkannten Größen draußen unterstützt wird. Da kämpfen die Ideen miteinander, wir dürfen die unsere nicht preisgeben, und so stehen Brüder von gestern und morgen — heute einander gegenüber; das, was man hüben wie drüben für die Wahrheit, für VS2N hält, steht über dem'2'ivn vibvr mm Die Berenntniiftnuic niurDc llllf dem Katholikentag gesagt; „Sie schafft endlich diö Einheit zwischen Diesseits und Jenseits. Sie erzieht nicht Doppelmenschen, die gleichsam zwei Seelen haben: Die eine für die Welt und ihre Geschäfte, die andere für Gott und seine Gebote. Nein, fr erzieht Menschen, denen das irdische Leben nur die Vorbereitung ist auf ein besseres, ein exxilaes, ein Selben. Sie lehret uns. Daß mir Pilger und gleichsam Fremdlinge aus Erden sind, daß das Ende der irdischen Laufbahn nicht das Ende, sondern der Anfang ist: der Heimgang ins Vaterhaus." Ein agudiftischer Sprecher: „Und indem Agudas Jisroel das Wort rr»nn trän als einziges Strebeziel hinstellt, der Gewißheit, der Erreichung dieses Zieles durch die imn ti min sicher ist, läßt ' durch bas u m f a f f e n b e Gesetz den ganzen i« im" lichm. Wer verherrlicht Gottes Namen? Wer lernt und lehrt, ständig zu Hause ist im Hause ber ße^re unb bann im Staubet unb 3£&anbel ehrlich ist, im Verkehr mit den Mitmenschen sozial und gütig . (Jaumo 86a.) Es gibt kein Judentum des Gotteshauses und ein anderes der Börse; kein Judentum des Beth Hamedrofch und ein anderes des Wohlfahrtsamtes. Ein Judentum nur gibt es, und Gottes Lehre kündet es uns." _ (Schluß folgt.) Aus der Bewegung. Nürnberg. Die Agudas Jisroel-IugMdgruppen können von einem würdigen und eindrucksvollen Verlauf der Werbewoche berichten. Der Reigen der Veranstaltungen wurde Montag, den 23. August, mit einem Begrüßungsabend im Saale des Luitpoldhauses eröffnet, zu welchem vor allem die Jugend und auch die ältere Generation sich zahlreich eingefunden hatte. Nach Einleitungsworten des Vorsitzenden der Jug,endgruppe, Herr Dr. Karl Meyer, sprachen Herr Alfred Klug mann für die Gemeinde Adas Jisroel, Herr Dr. Eisemann für die Ortsgruppe der A. I. und Herr Dr. Münz für den O. V. der A. I. I. O. Die Ausführungen der einzelnen Redner enthielten ein Bekenntnis.zur bedeutsamen Aufgabe unserer Jugend, eine Zusicherung ständiger Unterstützung, den Wunsch eines erfolgreichen Verlaufes der Werbewoche. Im Mittelpunkte des Abends stand das MMWWS Nistm mm SK T, Mllllki Ansbach „Utettet unsere Jugend der Thora". Don einem Midrasch ausgehend führte der Redner aus, daß das Grundprinzip der Arbeit unserer Jugend nicht im Srtohfeuer einer flüchtigen Begeisterung gesucht werden dürfe, sondern beruhen müsse auf dem zähen Willen, treuer und ehrlicher Hingabe an unsere große Sache . Treue zu sich selbst, zur Seele unseres Volkes gälte es zu bewähren. Solchen Geist möge die Werbewoche in uns wachrufen und stärken. Auf höchstes geistiges Niveau führte das tiefschürfende, der Form nach glänzende Referat die Zuhörer, die mit begeistertem Beifall dem Redner Tür itme TM Danotn. oodqiui traniT unter MMslM ersHienem» Mw. Herr Nabb. Dr. Kletn das Won zu einem Mahnruf an die Jugend. Die Werbewoche solle dienen der Propaganda nach außen, vor allem aber der Verinnerlichung unserer Arbeit .Immer gefestigter, immer einheitlicher müsse der einzelne durch Agudas Jisroel werden, h’ho 'm solle die Devise der Werbewoche sein und auch die für alle Zukunft, für Einzel- und Gemeinschaftsleben. Mit stürmischem Beifall und einem Treuegelöbnis des Vorsitzenden an unsere Führer fand der Abend in gehobener Stimmung sein Ende. In ihrer Art nicht minder erfolgreich verlief Dienstag, den 24. August, die gemeinsame Motorbootfahrt der Gruppen Nürnberg- Fürth nach Kronach. Der Programmpunkt Geselligkeit, der ja für die Erziehungsarbeit der Agudas Jisroel unerläßlich ist, fand hier seinen glücklichen Ausdruck und erfüllte gleichzeitig seinen propagandistischen ' Zweck. Kostenlose Neurirtung trug nicht dazu Bei. unsere Mitgliem 88M MuH zhzuhsmn. E8 M8 m Sinz stMiA Gesellschaft, die heitre und verMüht m Väkd Uz Dämpfers beisammen war. — Als nächsten Referenten der Werbewoche konnten wir Donnerstag den 26. August den rührigen Hamburger allround-Redner, Herrn Wolf S. Jakobsohn begrüßen. Herr I. verstand es, in seinen warmen, von tiefster Begeisterung durchglühten Worten alle. Zuhörer in den Bann seines Themas: „Die Notwendig-

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