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Der Israelit · 1926-09-07 · Heft 37 (7.9.1926) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 37 (7.9.1926)
Date
1926-09-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 23 Nr. 37 Der Israelit ,_7. September 1926 dienst bei der Einweihung unserer Synagoge in Geschenke der Staatsregierung und der Stadt. Der katholische Kirchenverein entsandte seinen Vorstand zur Gratulation. Der in Urlaub weilende katholische Geistliche fand in einem herzlichen Schreiben innige Worte aufrichtiger Anteilnahme an dem Jubeltage des greisen Paares. Der anwesende Herr Rabbiner, der in überfüllter Synagoge eine 2fnjj?ra^e an ba^ Subelj?aar halten hatte, üantle nachher im Haufe dem Herrn Bürgermeister, der Stadtverwaltung, den Vereinen und der gesamten Bevölkerung namens der Familie des Jubelpaares. Er wies daraus hin, daß wenn der Mensch an Wendepunkten des Lebens Anlaß nimmt, tiefer im Geistesleben zu schürfen, naturgemäß alle Schranken fallen, die den Mensch vom Menschen trennen. Dann wird das Menschliche im Menschenherzen entdeckt und der Mensch wird zum Menschen geführt. Dieser natürlichen Erscheinung sollten doch die Menschen stets eingedenk bleiben und den nur künstlich geschürten Haß verdammen. Dem angeborenen Empfinden sollten wir im Drange unseres Herzens folgen und Frieden schließen und Frieden finden in uns und um uns. Dann hätte auch solches Fest seine große Bedeutung, wenn die Lehre von der reinen Menschenliebe durch es propagiert würde. Ahrweiler. Am2pv'Qp"w beging der weit über unsere Stadt und unfern Bezirk hinaus bekannte Herr Abraham Bär seinen 70. Geburtstag. In bescheidenem kleinsten Kreise wirkt er als Erhalter und Mehrer jüdischen Lebensgedankens durch vorbildliche Lebensführung und als mustergültigst Qeiter und 93er|orger feiner Geirisfphs. In dankbarer Erinnerung an feine frühere Mitarbeit im Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands hatte der Vorstand durch die Person des Herrn Rabbiners seine Glückwünsche mündlich übermitteln lassen. Auch die Stadtverwaltung ehrte den Jubilar durch eine prachtvolle Blumenspende und die Ansprache einer Abordnung, der sich die Geistlichkeit angeschlossen hatte. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange in körperlicher Gesundheit und geistiger Rüstigkeit seine Dmyi? zu lernen, seinem Geschäft und seinen Ehrenämtern vorzustehen und seinen bewußten jüdischen Einfluß überall dort zur Geltung zu bringen, wo sein Wort und sein Rat gehört werden. Gronau (Westfalen). In unserer Provinz ist es still und öde geworden. Kein Taurohwort wird mehr gehört, kein m mehr gesehen. Es herrscht eine richterlose Zeit und jeder tut, was gutdünkt in seinen Augen. In Deutschland lebt -- wie es scheint — kein Interesse mehr für das eigene Judenelend. Der unsichere Erfolg anderswo wird dem gewissen im Inland vorgezogen, der Erfolg, der bestimmt sich einstellen wurde, wenn mit einem Bruchteil der Kraft, der Rührigkeit und dem Gelde, das nach auswärts fließt, man frisch und fröhlich daran gegangen wäre, die verschütteten Quellen auf einheimischem Boden wieder neu zu graben. Auch in Deutschland sprudelten einst Quellen jüdischen Wissens und Lebens. Und auch für Deutschland gälte es, daß die Tauroh gern in ihre alte Herberge zurückkehren würde, wenn nur der Versuch gemacht würde, sie wieder wohnlich herzurichten, nachdem der Sturm der Zeiten ihre Fensterscheiben zertrümmert und das verlassene Haus mit Schutt ixrtb Staub verweht hffl: ÜllfLkk TSMkstkkPIgvmg im Nyemllllw oeweifl, wenn auch üort nur mit verhältnismäßig kleinen Erfolgen, daß eine stete und schwere Arbeit auch steinigen Boden urbar machen kann, und daß gewiß ein Ackerland, das einmal gut war, sich wieder bebauungs- und ertragsfähig gestalten läßt. Aber wir liegen zu weit weg. Wir liegen im Hinterland. Und zur Vernachlässigung gesellt sich der Hohn. Erst zerstört man die Verbindungen zu uns oder läßt sie zu Grunde gehen, man pflegt ihre Erhaltung nicht, und nachher lohnt unser jüdisches Herz, lohnt das Herz unserer Kinder die Erhaltung nicht. Wir sind auch Kinder Eures Stammes, wir sind Bein von eurem Bein, Fleisch von eurem Fleisch. Wir teilen mit euch die Geschichte der Vergangenheit, wir wollen auch Anteil an der Zukunft haben. Macht uns die Gegenwart erträglich! Verachtet uns nicht, weil wir im Dorfe und in der Kleinstadt wohnen. Auch Eure Großen und Größten, die sich Ruhmestitel in der Unterstützung von Tauroh und Jiroh erwarben, erblickten nicht alle auf der Zeil das Licht der Welt. Wer soll denn den Ruf der geistigen Not'erhören, wenn nicht die, die wissen, daß die Seele höher zu bewerten ist, denn das Fleisch. Es gilt nM nur, 5 i n g Skklc LZraelb zu reiten. Tausende lechzen nach geistiger Erlösung. Ueberhört ihren Notschrei nicht, wenn Ihr in den kommenden ehrfurchtgebietenden Tagen vor eurem Richter steht. Es gilt, Ertrinkende zu retten, von eurem Fleische wendet euch nicht ab. In diesem Seelenkummer, in dem wir uns jahrein jahraus verzehren, war uns ein vorübergehender Schimmer eines Lichtstrahles beschieden. Am 12. Elul stand unsere kleine neue Synagoge schlüsselfertig bereit und harrte ihrer Bestimmung übergeben zu werden. Wir haben sie der Stadtverwaltung und den übergeordneten Behörden in der Zeit der Wohnungsnot abgerungen, da unser alter Betsaal über den Häuptern der Beter einzufallen drohte. Wir haben sie schmuck hergerichtet und neues Gestühl erworben. Möge der innere Segen jetzt auf ihr ruhen, den der Festredner auf unsere Gemeinde herabgefleht hat. Es war ein Tag, der lange in unserer aller Erinnerung bleiben wird, die allerdings leider nicht durch allzu viel Abwechslung auf religiösem Gebiete verwischt werden dürfte. Neben aus dem Herzen kommenden Worten des Herrn Rabbiners haben wir eine n^sn vernommen, wie wir sie hierzulande selten hören. Ein Kenner urteilte, daß er eine solche Schmone Esre nicht wieder gehört habe, seitdem die Lippen des Frankfurter jm Friesländer hn geschlossen sind. Herr Ka tz aus Enschede (Holland), der den Gottesdankenswerter Werse leitete,, ist in des Wortes vollster und ehrendster Bedeutung einn^sn ta* Möchten auch aus Deutschland junge Kollegen zu ihm pilgern, ihre Noten zu Hause lassen, ihre östlichen Triller unterdrücken und bei ihm lernen, wie man eine Wochentags-Schmone Esre emp- TinBet unö Dortrügt: m war m WWW rniD schönes Wechefsst, das wir wUbm durften, nicht entweiht durch unpassende Vergnügungen, die Sinn und Zweck des Beth Hakneffeth entstellen. Möge die neue Synagoge einen Markstein für neues jüdisches Leben bedeuten für unsere kleine Gemeinde und unsere von der deutschen Orthodoxie als Aschenbrödel behandelte arme Provinz Westfalen. Rosbach (Sieg). Am Sonntag, den 19. Elul fand in Rosbach die goldene Hochzeit der Eheleute Moses Seligmann statt. Um 1 Uhr fand nach dem Minchagebet in der Synagoge eine Feier statt, in deren Verlauf Herr Rabbiner Dr. Jacobs- Köln einsn Rückblick warf auf die verflossenen 50 Jahre dieser Ehe. Zahlreiche Freunde und Verwandte waren ins festlich geschmückte Gotteshaus geeilt, um an der Simcho der körperlich und geistig frischen Jubilare teilzunehmen. Auch der Herr Bürgermeister und der katholische Geistliche ehrten die Jubilare durch Geschenke und Ansprachen. Der Gesangverein, dem der Jubilar als Mitglied angehört, gab, abends ein großes Fest. Möge das Jubelpaar sich noch lange Jahre der körperlichen und geistigen Frische erfreuen, über die es zur Zeit in herzerfreuender Weise verfügt. r Spendenliste. An Spenden gingen ein: Für den Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes: NN. 500, NN. 300, Em. Stern-Köln 50, Julius Stern-Köln 50; Für Talmud Tauroh: Moses Schweizer-Euskirchen 30, Dr. Moritz Schweizer-Euskirchen 20, Wwe. Schwarz-Lüxheim 20; Zur freien Verfügung: Wwe. Cahn-Commern 10, Mos. Walther-Köln 20, Grete Walther-Köln 20. Für den Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands: M. Walther-Köln 40, Meyer-Eschweiler 40, Familie Geismar-Köln 20, Mor. Heymann-Siegburg 20, NN.-Epe 10, Minna Weil-Köln 10, H. Schwarz-Lüxheim 10, Hch. Levysohn-Siegburg 10, I. Bernhard-Dinslaken 6, Dr. Rothschild- Dinslaken 6, I. Franken-Köln 5, G. Löwenstein- Köln 5, Süßkind-Düsseldorf 5, Ansbacher-Köln 5, Erben Fröhlich-Euskirchen 5,> H. Katz-Langenchwalbach 5, Felix Müller-Kettwig 3, Sally Moes-Dinslaken 3, Ernst Schwarzschild-Köln 3, Gebr. Löwenstein-Köln 3. Gesammelt auf einer goldenen Hochzeit in Rosbach (Sieg) 25. Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes Cöln: Hohenstaufenring 14. Postscheckkonto SO 648. „Uebersetzungen und Bemerkungen zum Pentateuch“ von Rabbiner Dr. B. Wolf-Cöln. Der Commentar erscheint in einzelnen Wochenabschnitten. Preis jeder Broschüre Mark 1.— -:—-- - Soeben neu erschienen: _ __ Im Druck; 22^*] Zu haben in allen Buchhandlungen und direkt beim Verlag des Jüdischen Volksfreündes. JV5555555555555555555555555

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