Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1926)
- Date
- 1926-09-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 18 Ne. 37 Das Buch des Lebens. Von Rabbiner Dr. Jacobs in Köln. Der Talmud berichtet: Einst erkrankte Rabbi Elieser, seine Schüler besuchten ihn und baten: Lehre uns die Wege des Lebens, die wir im Diesseits wandeln müssen, um des jenseitigen Lebens teilhaftig zu werden. Er sprach: Achtet auf die Ehre Eurer Mitmenschen, haltet Eure Kinder fern von allegorischer Ausdeutung der Schrift, bringt sie vielmehr zu den Gelehrten und seid beim Gebet des Schöpfers eingedenk, vor dem Ihr betet. Rabbi Elieser gibt seinen Schülern drei Lebensregeln, die der Niederschlag der Erfahrungen seines eigenen Lebens sind. Keiner vielleicht konnte mit mehr Ueberzeugung als er seine Schüler warnen, auf die Ehre des Nächsten peinlichst zu achten. Rabbi Elieser hatte in feinem Leben eine trübe Erfahrung gemacht: er wurde in den Bann getan, weil er dem Vor- MlMll ggggnüüök MM rMgichellde Hcrlach«, die er mit allen Mitteln des Verstandes beweisen konnte, aufrecht hielt. Da dadurch die Autorität des obersten Gerichtshofes Schaden nahm, sah man sich veranlaßt, ihm seine Lehrtätigkeit zu unterbinden, erst kurz vor seinem Tode, also zu der Zeit von der unsere eingangs erwähnte Talmudstelle berichtet, hob man den Bann wieder auf. Die Sprüche der Väter 2,15 geben daher eine ähnliche Sentenz unseres Rabbi wieder: Die Ehre Deines Mitmenschen sei Dir lieb wie die deine, sei nicht leicht zu erzürnen, tue Buße einen Tag vor Deinem Tode, wärme Dich an dem Feuer der Weisen, aber nimm Dich vor ihren Kohlen in acht, daß Du Dich nicht verbrennst, denn ihr Biß ist gleich dem des Fuchses, ihr Stich skorpionengleich, ihr Zischen wie das der giftigen Schlange und alle ihre Worte gleich glühenden Kohlen. Der große Gelehrte hatte die Ehre seines Mitmenschen, des Rabbi Joschua, nicht mit der peinlichen Sorgfalt verteidigt, b'te her Sßev^on bes Vüksitzsudsu, Us Ncrssi, gukam. Er mußte in bitterer Einsamkeit getrennt von seinen Schülern, beraubt seines Lebensinhalts, der Unterweisung in Gottes Lehre, grausam für die Folgen dieses Schrittes büßen. Warnend ruft er seinen Schülern vor seinem Ende zu: achtet auf die Ehre Eurer Mitmenschen. Wir stehen am Abschluß eines Jahres, gewillt und gezwungen, die Bilanz des verflossenen zu ziehen. Wer unter uns darf reinen Herzens sagen: ich habe das Wort unseres Rabbi erfüllt, habe nicht versucht, mein eigenes Ich ins rechte Licht zu setzen durch das Bestreben, den Nächsten zurückzusetzen, habe nichts gesprochen und nichts getan, was geeignet gewesen, den Nachbarn zu kränken? Eitelkeit ist eine der größten Schwächen unseres Herzens. Nichts beleidigt so sehr unfern Stolz, als selbst im Stillen zu wirken, im Dunkel zu stehen, während andere im Mittelpunkt gesellschaftlichen und geistigen Lebens strahlen. Nichts ist schwerer, als die selbständige Voraussetzung, mit der w i r beurteilt zu werben tzkll jffiimfü) MM. Dlo bona u\ Ur Beurteilung Fremder Maßstab sein zu lassen; nichts so unmöglich fast, wie den Gedanken in die Tat umzusetzen, daß alle Geschöpfe Gottes Kinder sind wie wir, daß in eines jeden Menschen Brust die Sehnsucht nach Sonne und Glück und Ruhe genau so stark webt wie in unserer eignen, nichts so unsagbar schwer, als .das Gute zu tun, nur um des Guten willen, ohne Rücksicht auf die Meinung und Anerkennung der Welt. Wieviel Arbeit müßte geleistet werden, wieviel könnte getan werden, wenn ein jeder schlicht versuchen würde, seine Pflicht in seinem Kreise zu tun. Uns trauen wir alles zu, nichts dem andern. Umgekehrt sei es! Nichts für uns, aber alles für die Menschheit. Wieviel Jammer und Elend wäre uns erspart geblieben, hätte nicht das Streben nach Macht, nach Ueberflügeln und Uebervorteilung des Nächsten den göttlichen Funken in unserer Seele erstickt. Wollen wir Abhilfe schaffen für die Zukunft, so zeigt uns _ Der Israelit Wv gwette Ausspruch unseres Rabbi den Weg dazu, er heißt: jüdische Erziehung unserer Kinder. Erziehung unserer Kinder zu wahren echten Jehudim. Wir wissen sehr wohl, daß es ein Irrtum ist, auf die gute alte Zeit uns zu berufen. Eine jede Zeit hat ihre Vorzüge, eine jede ihre Mängel. Auch die unsere hat ihr Gutes. Es ist gottlob unverkennbar der Zug zur Rückkehr da, da die heilige Schrift beginnt, wieder weiteren Kreisen des jüdischen Volkes in Theorie und Praxis Führer zu sein, die Saat, die unsere großen Führer vor einem halben Jahrhundert gesät haben, sproßt, trägt Früchte; der Hang zur Assimilation, der geistigen, verblaßt. Schwerer ist es, die Königin Mode, wo sie außerhalb der Grenzen des Erlaubten sich breit macht, abzuschütteln. Väter, die leuchten, wenn sie „ein gutes Wörtchen" hören, lächeln dem Tanz ihrer undezent gekleideten Töchter im Bubikopf und Herrenschnitt zu, Wandervögel mit nicht abzuieugnendev regenerierenden Prinzipien durchstreifen entblößten Hauptes die Gaue, noch glaubt ein Ißil assimilisMs rkzZAMischer Zugeud, unsf^? Ehre mit dem Säbel verteidigen zu sollen, aber es tagt: Man lernt wieder. Nur nicht genug, nicht intensiv genug. Jüdische Schulen werden erhalten mit fast übermenschlicher Aufbietung an Geld und Menschenkraft, Jeschiwaus sammeln ihre Jünger in den geistesarmen Provinzen, aber der sind wenig, tot bleibt das Land. Der Städter DetiDcndcn Sic Sei freudigen Anlässen unsere Tekegramm- J16(öfungs~7ocmttfai’e Preis pro Stück Mark 1. zu beziehen durch unser Büro —Cöln Hohenstaufenring 14 :— Postscheckkonto Cöln 50 648. MMN TUT dir Wirchen Mererren Rheinlands. hat die Lehre gezogen aus den unglückseligen Wirren der unglückseligen Kriegs- und Nachkriegszeit, er bemüht sich, sub specie aeterni sein Leben und das seiner Kinder zu, gestalten. Die Schwere der Zeit hilft, tot bleibt das platte Land. Schwache Versuche auch da, die aber zum Scheitern verurteilt bleiben müssen, so lange nicht das Echo kommt. Darum Forderung unseres Rabbi für Stadt und Land. Scheut nicht die Opfer, bringt Eure Kinder zu den Lehrhäusern, schämt Euch, so wie Ihr Euch schämen würdet, wenn sie nicht die Geistesheroen deutscher Kultur kennen würden, weil sie des Geistes des Judentums nicht einen Hauch verspüren. Jedes jüdische Kind muß im Judentum zu Hause sein. Es kostet Geld, viel Geld. Wir verkennen nicht die Schwere der Wirtschaftskrise, aber kein Kapital trägt fo reiche Wie DOS in WisÜM GcsstessHtitzen angelegte. Dis Möglichkeit ist geboten, Lehrer, feste oder — Surrogat — Wanderlehrer stehen bereit, wo nicht, rufen wir die thoratreue Jugend, Akademiker und Kaufleute, auf zur Mitarbeit. Wollt nur, Brüder auf dem Lande, so ist der Weg gesunden. Ihr beklagt den Jndifferentismus der Jugend, Ihr klagt über das vereinsamte Gotteshaus, nun wohl, lehrt erst die Jugend das Beten, sie wird kommen. Jugend hat ein gläubiges Herz. Aber unverstandene Worte können nicht Begeisterung wecken, und unsere Jugend weiß nicht, vor wem sie betet, weil sie die hebräische Sprache nicht versteht. Wir erreichen ein doppeltes: Kenntnis des Schrifttums und Verinnerlichung, Selbstbestimmung. Unsere Jugend wird nicht die Sehnsucht haben, draußen Lebensinhalt zu suchen, wenn ihr ein winziger Teil nur unseres Gottesschatzes zugänglich gemacht wird. Hat unsere Thora, unsere Bibel Grundlage sein können, Bereicherung fliimcr MiMschllUMM 7: LW8 " ’ ----.---- S\ . fremder Religionen, wie sollte sie nicht vermögen,:. Seelen, die am Sinai gestanden, Führer und Lenker zu sein. Drum laßt nicht vergeblich des Schofars mahnenden Klang Euch erreichen. Ehre Eurem Mitmenschen, jüdische Erziehung, Eurer Kinder, Verinnerlichung im Gebet vor Gott, so werdet Ihr eingeschrieben ins Buch des Lebens. Einige Hinweise für die Feiertage. Jedes Jahr die Gesetze und Vorschriften alle zu wiederholen, die für die Festzeit angängig sind,., scheint untunlich. Wir glauben besonders darum dieser Wiederholungen überhoben zu sein, weil zwischenzeitlich eine übersetzte Ausgabe des Kizzur Schulchan Aruch erschienen ist, die als Buch ein dauernderer Besitz ist als ein Zeitungsblatt. Wer sich jüdische Literatur in deutscher Sprache anschaffen will, wird in den jüdischen Zeitungen, die er liest, die Anzeige von Ihrem Erscheinen finden. Er braucht sich nur dafür zn MMksMM: m DtDarf nur omsr MftsZA Ul [erer Redaktion, wenn der Zeitungsleser sich allein nicht orientieren kann. Es kann sich niemand mehr betreffs seiner Unwissenheit damit entschuldigen, daß er in' der Jugend nichts gelernt habe,, oder daß seine Kinder nicht ° genügend lernten. Mit einem deutschen Buche in der Hand können alle Eltern sich und ihre Kinder unterrichten. Nur der Wille dazu muß vorhanden sein. Nur einzelne Bemerkungen über die an den Festtagen zu beachtenden Vorschriften sollen heute wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Da die Festtage in diesem Jahre auf Donnerstag und Freitag fallen, so ist am Mittwoch nachmittag Erew Tawschilin zu machen. Den Segensspruch. und den Wortlaut findet man am Eingang des Machsors. Man nimmt, als Eruw ein Stück gekochter Speise (Fisch oder Fleisch) und ein Brötchen. Man reicht den Teller, auf dem die Speise liegt, einem andern und läßt ihn etwa 10 Zentimeter in die Höhe heben. Dann kann jeder, der zum Hause gehört, am Festtag kochen und auch wtäm flammen, Dü M Drangs tev mUti nicht dazu gekommen sind, den Eruw zu legen, können auf Grund dieses Eruw von Jomtow zu Schabbos kochen. Der andere reicht den Teller wieder zurück und man spricht den Segensspruch und die demselben beigedruckte Bedeutung des Eruw aus: Durch diesen Eruw soll es uns erlaubt sein, am Festtag zu Schabbos zu kochen, zu backen, Lichb anzuzünden, uns und allen denen, die in diesem Stadt wohnen. Durch" den Eruw kann nur bewirkt werden, daß man erst am zweiten Festtag, also am Freitag, für Schabbos kochen darf, aber noch nicht am ersten Tag, d. h. am Donnerstag. Das Schofarblasen muß vorher geübt sein. Man muß das Schofar reinigen und einblasen,, damit es im gegebenen Augenblick nicht versage. Häufig kommt der schmetternde Ton der Truah nicht genügend zum Ausdruck. Dem Blasenden schwebt wohl vor, eine Truah zu blasen, aber er bläst doch nur eine Tkioh. Die kurzen Töne der Truoh werden entweder durch entsprechendes Vlafen. also durch bert QCtem^ ober hervvrgLbracht. Wer aus Ms e Weisedie Truoh nicht zustande bringen kann, muß durch entsprechendes Bewegen des Schofars vom und zum Munde die kurzen Töne der Truoh zu erzielen suchen. Jedenfalls muß die Truoh von der Tkioh zu unterscheiden fein. Wenn nicht richtig, geblasen wird, hat die ganze Gemeinde ihre Schofarpflicht nicht erfüllt. Wer nicht mehr richtig blasen kann, ist verpflichtet, sein Amt an andere abzutreten, die das Instrument besser zu hantieren vermögen. Am Versöhnungstage darf man nur die- Finger durch dreimaligen Ueberguß mit Wasser morgens und nach Verrichtung von Bedürfnissen am Tage waschen und mit den noch feuchten Fingern die Augen auswaschen. Das Verbot, sich am Jaum Kippur zu waschen und keine lederne Bekleidung anzulegen, ist ein Tauroh5 verbot und ist demnach strengstens zu beobachten. Baut Sukkoth! Auf dem Lande hat man Platz boait.imb bas Sffbatericti toftet rtüjtf&i?lfP LMöhfsi'cht laßt uns m yeiterm Ausblick ausi