Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1926)
- Date
- 1926-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*67, Jahrgang. Frankfurt a. M., den 7. September 1926 287~€IIuI 5686 Nr. 37 Begründe! von Dr. Lehmarm in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmart monatlich; Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich und Belgien W Fr.; Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 83 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien 300 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 23Kronen; Ungarn 60000 Kronen; Dänemark 8 Kronen; Norwegen 8 Kronen; Schweden 3.30. Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. 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Wollen wir aber den Schofar unter ästhetischen Gesichtspunkten werten als sinnumschmeichelndes Musikinstrument? Der Wanderer, der sich in. der Wildnis verirrt hat, darf nicht auf eine hübsche tßfhetobie ^öten, |onberrt au^ bas Signal, Bcts tl,rt aus der Gefahrgone heransdringt. Wer im Walde das Brüllen des Löwen hört und zugleich das Trällern der Nachtigall, der wird die Nachtigall Nachtigall fein lassen und sich in Sicherheit vor dem Löwen bringen. Wenn ein Schiff auf hoher See mit den Wellen kämpft, wird nicht das Orchester mit seinen schönen Weisen einsetzen, 'sondern das Schiff wird Signale abgeben: Schiff in Not! Und die Signale werden hart, schrill sein, aber die Rettung bringen. Die Menschheit irrt in tiefer Wildnis umher, 'sucht nach Sinn, Zweck und Ziel des Lebens und — stürzt sich in den Taumel der Freude, den Rausch der Vergnügungssucht, die über diesen Sinn hinwegtäuschen. Schofar ruft, aber wer hört ihn? Und die Welt gerät immer mehr in den Strudel. So war es bis zum Kriege, so war es im Kriege und so ist es heute noch. Ganz wie zur Zeit des Jesajas, der die Situation mit den heute noch zutreffenden Worten zeichnet: niai in» '2 nnun *?2X 119 rv>esn nss Ms strahlen Die Lichter, rsichgsdsckt Zum Schmause sind ble Tische, essen und trinken — mnd morgen sterben!- Für uns ist Schofar keine Musik, sondern ein Signal: Signal für die Suchenden, Irrenden und Weglosen, nsw ‘p jnaw1?« Verstehen müssen wir es. Tausend Gebete und Geheimnisse, rmi2 und anal sind damit verbunden. Engel singen mit, Seraphim bewegen ihre Flügel. -Heil dem Volke, das die Teruah versteht! Schofar ruft: Menschen seid menschlicher! Juden seid jüdischer! Jjßif UNS, so mir Das d q r ft 0 5 e n unD im Lichlö Seines Angesichtes wandeln yjs Zur Lichtsphäre Seines Antlitzes führt eine Leiter hinauf, deren drei Sprossen heißen: npns nb'LN naii^n* Man könnte sie auch bezeichnen: „Zurück", „Hinauf", „Hinunter!" Zurück!^>*nw naw* In den großen Kämpfen der Welt um die grundlegenden politischen und Kulturfragen sind wir, wie kein anderes Volk auf Erden, in der glücklichen Lage, keine neuen Wege suchen zu müssen zum Lichte und keine alten, die in die Finsternis zurückführen. Dem jüdischen Menschen steht am Scheidewege das große ,121V Zurück! Und dieses Zurück ist das schönste Vorwärts! Zurück zu den Quellen unserer Kraft, zurück zu den geistigen und sittlichen Höhen der Väter und ihrer Lebensreinheit, dann treiben wir, uns selbst und die anderen mit, zu den höchsten, lichten Zielen, die unserem Leben und der Aufwärtsbewegung der Menschheit gesetzt sind. •01 n a u T!Die ifim trflßt uns hinweg wen über das Erdental und ihre Qual und hinauf, wo die Seele, sonst in des Leibes eherne Fesseln geschlagen, ihre Freiheit und ihre Heimat, die Lichtquelle, der sie entsprungen, wiederfindet. Wie klein und winzig, ist alle Erdennot und alles Erdenglück, von der Höhe im „Lichte Seines Antlitzes" gesehen, erklommen auf den Schwingen heißen, innigen Gebetes! Hinunter! ruft Schofar. Hinunter in die Niederungen menschlichen Clends, denn zur Leiter, welche zum Gotteslichte führt, als letzte höchste Stufe, gehört p v* Siehe, Brüder hungern, Waisen- und Siechenhäuser schließen ihre Tore, Lehranstalten und alte Pflanzstätten der Thora schicken ihre Zöglinge und Jünger heim! Heim? Wo ist ihr Heim? Heimatlos die Lehre und ohne Brot die Lernenden. Familien, gewohnt an gastlichem Tische Andere zu bewirten, darben im Stillen, und Fürsorgestellen haben Not, — bi ^x b'2w»— mit Vorsicht und klugem Takte sich an sie heran^utasten. Könnten wir iw Newußlfern erfüllter lstflri^l ln t>en helligerr 8!cr^en vor Ihn treten, Ihn um noriQ anflehen, könnten wir es im Bewußtsein, dem Schofar in Lichthöhen „Seines Antlitzes" gefolgt zu-sein, wenn wir beim Aussteigen über miwn und n^sn am dritten Sproß der Leiter Halt gemacht hatten?! Wienaivri'das „Zurück" in Wahrheit voran führt, so führt npis, das „Hinunter" zuhöchst h in a u f. Hinauf bis zuw Lichte Seines Antlitz ä L fühA Lchösäil Wölk, ft&s BU Tätlich ersaht. •pkv tm *rw2 n nsrnn ’sni’ nyn 'NVX Wochenrundschau. Zweck und Zweckmäßigkeit des Minderheitskongresses. In Genf ist dieser Tage der Minderheitskongreß zu Ende gegangen, der für die jüdische Politik in den Ost- und Randstaaten von großem Interesse, wenn auch nicht von entscheidender Bedeutung sein kann, solange die in Betracht kommenden Staaten sich an solche auf internationalen Zusammenkünften gefaßten Beschlüsse nicht MUMM mm mw m als anmaßßnDe mm Mischung ignorieren oder zurückwersen. Die jüdische Beteiligung an diesem Kongresse war stärker denn sonst. Leo M 0 tz k i n, der Präsident der Jüdischen Delegationen, der auf dem Minderheitskongreß mit der Würde des Vizepräsidenten ausgezeichnet wurde, gibt zwar in einem Interview der Hoffnung Ausdruck, daß durch solche Tagungen und stetes Wiederholen der Forderungen der nationalen Minderheiten eine „mächtige interterrioriale Basis" in Form einer Weltt r i b ü n e geschaffen werde, aus der die Juden allenthalben Nutzen ziehen könnten. Es sind aber dies nur Hoffnungen, erzeugt von heißen und an sich berechtigten Wünschen, deren Erfüllung weder von Herrn Motzkin, noch von den Genfer Tagungen der Minderheiten abhängt. Wir greifen aus den Beschlüssen des Minderheitskongresses drei Punkte heraus: 1. Konflikte zwischen den Minderheiten und der Regierung des Mehrheitsvolkes sollen in den Qättbern felbfi bitrc£) gemifcfjie wevWn. 2. Die Minderheit erhält ein Recht aus direktes Gehör im Falle eines Appells an den Völkerbund. 1