Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1926)
- Date
- 1926-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 33 ■i;!]: Der I s r a e 1 i t . 26. August 1926 > Eisik, bei Chajim Nossen. Vielleicht sogar bei PlSpkg selbst. er t»ar fern schlechter Mensch. Er griff sich?rschr?^?n «n Kvps, Den mutzte man aus dem Spiels lassen, denn sein Plan hing ja mit der hohen Politik im Briefe zusammen. Man könnte übrigens auch noch zuwarten. Wenn die Sache so stand, wie sie im Briefe andeuteten, mit der Sammlung der Völker vor Jerusalem usw., dann war Moschiach bald da, und er ginge mit allen anderen Juden dahin, ohne Paß und ohne Visum, dem Schall der Posaune nach. Nicht einmal die hundert Dollar hätte er da noch für die Reise nötig, er würde sie dem Piepke für arme Landstürmer, die daheim Weib und Kind hatten, zur Verfügung stellen. Waren ja auch Menschen und Zuweilen gar nicht schlecht.- Koppel steckte Brief und Geldschein in sein dünnes Tillimbuch und dieses selbst in die Rocktasche. Man mußte zusehen. (Fortsetzung folgt.) Das Zudenvierkel in Tripolis. Die englische Schriftstellerin Lady Hellen Gram, die letzthin drei Wochen in Tripolis weilte, gibt eine lebendige Schilderung der alten ^udengemeinde. Sie WMM ii. a.» „fflSfö Miss? Echlff & im Zzstrr sillfuhr, erwartete uns dort eine große Menge, in der alle Rassen der Welt vertreten zu sein schienen. Auffallend waren die Juden in Turban und blauem Mantel. Die Gebäude des englischen Konsulates befinden sich mitten im jüdischen Viertel und sind umgeben von den schmalen Gassen mit den kleinen jüdischen Häusern. Wenn ich morgens erwachte, hörte ich die Geräusche in den kleinen Häusern und da« Murmeln der Gebete in den Gotteshäusern. Bald daraus zeigen sich aus der Straße die kleinen Händler, die ihre Waare ausrusen. Unweit des Konsulates befindet sich die Bückergasse und der Obstmarkt, wo die Juden alle Arten von Backwerken und Früchten ieilbieten. Man steht in die Höse und Häuser, wo die jüdischen Frauen züchtig walten. Die Mädchen sind so schön wie nirgends in der Welt. Die Frauen altern rasch, unter den Männern befinden sich aber herrliche Typen. Es sind die patriarchalischen Gestalten, wie man sie heute in Europa nur noch auf den Kunstausstellungen sieht.' (.AröeilerlNmme"). Unter diesem Titel erscheint seit einiger Zeit in Warschau ein Halbmonatsorgan für die Agudaarbeiter in Polen. Die Zeitung ist mit Geschmack und Elan geleitet und enthält alles, was der gesetzestreue Arbeiter in Polen zu seiner Orientierung und Belehruog braucht. Die Leitartikel beleuchten die Lage des jüdischen Arbeiters. Mitteilungen und Bekanntmachungen halten den Arbeiter über den Arbeitemarkt aus dem lausenden. Weitere Artikel und Feuilletons sorgen für Belehrung und Unterhaltung im gut jüdischen Sinne- Die Redaktion befindet sich Warscha», Dzielna 20. Als verantwortlich für die Redaktion zeichnet I R. Orlean. Uinderecke. Fromm? Don OkMttiy MflMcr, Kallen galt für ein frommer Mann; denn alles, was man von seinen religiösen Handlungen sah, glich den Taten frommer Leute. Auch vermißte man bei ihm keine frommen Gebräuche. Ins Herz kann man ja keinem schauen. Damit soll nicht gesagt werden, daß Kallen ein schlechtes Herz gehabt hätte. Aber wenn es sich um Geld handelte, um v i e l Geld, da kamen in seiner Brust manchmal zwei Stimmen zum Wort. Die eine, die der Liebe zum Geld entsprang, widersprach der anderen, die von dem Gewissen ausging. Was tat da Kallen? Er befriedigte die erste und beruhigte die zweite. So war es, als einmal bei ihm über einen jungen Geschäftsmann von einer bedeutenden Firma Auskunft eingeholt wurde. Der junge Anscin^er wnr nach jeder Richtung hjn wett, aber er war ein Konkurrent von Kallen. Und gerade mit dieser Firma wollte er das Geschäft, um das es sich handelte, gar zu gern selbst machen. Also entschloß er sich dazu, die Auskunft nach seinem Wunsche einzurichten Er schrieb zwar nichts Schlechtes von dem Manne, aber er verstand es, selbst die anerkennenden Worte so zu fassen, daß man Ungünstiges herauslesen konnte. Die Stimme des Gewissens hatte zwar gewarnt, und auch hinterher sagte sie: „Kallen, du bist ein Schuft". Aber Kallen brachte sie zum Schweigen. Er erhöhte seinen Beitrag für einen Wohltätigkeitsverein und nannte sich einen Wohltäter der Menschheit so laut und so oft, daß er die Stimme des Gewissens gar nicht mehr hören , konnte und sie schließlich gänzlich stille wurde. Ein frommer Mann und zumal, wenn er auch noch ein Wohltäter der Menschen ist, muß Anerkennung finden. Dem Kallen fehlte es nicht daran. Doch je mehr man ihn rühmte, desto mehr verlangte er nach Ehrungen, und wer sie ihm versagte, dem war er nicht hold. Hatte er Gelegenheit, ihm zu schaden, — nicht etwa offen, sondern wo keiner die Ursache kannte —, so tat er es auch. La regle sich wiever öas MwMni .Fallen. du bist sin —" Aber ehe es aussprechen konnte, hatte jener schon wieder eine „Mizwo" zur Hand. Eine solche, die auch gesehen wird! Eine solche, von der auch gesprochen wird. Und wenn es dann hieß: „Der Kallen ist aber wirklich ein frommer Mann", dann lächelte er und hörte gern darauf. Was wollte da die Gewissensstimme machen? Zwei kann man nicht gleichzeitig hören! Sie mußte also schweigen. Auf diese Weise verfuhr Kallen viele Jahre, bis ihn einst ein Traum bekehrte: Er war gestorben und in den Himmel gekommen — wie hätte es auch anders sein können? — zu den Gerechten und Frommen. Und zwei Engel waren ihm beigegeben worden, um ihm den Lohn für seine Erdentaten zu erteilen. Der eine führte ihn in ein weites Prunkgemach. In ihm war eine wundervvllk Einrichtung- Ullv Kallen. kill Kenner solcher Kostbarkeiten, begann sogleich, den Wert der einzelnen Dinge abzuschätzen. Er zog sein Notizbuch hervor, um die einzelnen Zahlen aufzuschreiben. Aber noch nicht lang hatte er geschrieben, da wurden ihm die Finger steif. Er blies darauf: doch ein Atem war kalt. Er schaute sich nach einem Ofen um. Vergebens! In dem ganzen Raum war keiner. Und es fror ihn sehr. Bittend schaute er nach dem Engel: denn die Stimme versagte ibm. Da meinte der Engel, Kallen wollte noch reichere Schätze, und er brachte ihm alsbald größere Kostbarkeiten. Der arme Reiche zitterte vor Frost. Seme Beine schlotterten. Mit Tränen im Auge blickte er nach den Engeln. Die häuften Kleinodien auf Kleinodien. Kallen sank auf sie hin. Sein Herz erstarrte. Seine Seele erstarrte. Da wachte er auf. Die innere Kälte war in der Tat da. Kallen erschauerte. Er blickte um sich, er kam zu sich. „Gott sei Dank, daß ich noch auf Erden bin! Daß ich mich noch erwärmen kann!" So rief er, und ging sofort an Buße und Besserung, tat viel Gutes im Geheimen und förderte jene, die er früher gehernrnt hatte. Dis Crtllll^t'lttiz^ti ätr den Srcmm blieb sllr Ihn fthr unangenehm. Länger-e Zeit verfloß, und schau — Kallen hatte in einer Nacht einen ähnlichen .Traum. Wieder war er gestorben, und die Engel geleiteten ihn in einen Raum, der die erlesensten Kostbar-, keiten barg. „Dies alles ist dein! , Dein Lohn, Kallen!" Kallen begann wieder zu schätzen und zu notieren. Wieder wurden ihm die Finger steif vor Kälte. Aber diesmal sah er neben der Tür. einen Klingelzug. Den zog er, ein Himmelsdiener erchien, und bald prasselte in einem Ofen ein lustiges Feuer. Einige Stunden später, Kallen hatte bei seiner interessanten Arbeit die Flucht der Zeit nicht bemerkt, fror er schon wieder. Das Feuer im HM wot mvWll. Kallen war ein höflicher Mann, und nur schwer» sntfchlsß er» sich, bm Himmelsdiener abermals zu bemühen. Doch blieb ihm keine Wahl; er mußte wieder schellen und bitten, daß geheizt wurde, und der Abend war noch nicht herangekommen,, da war der Ofen schon wieder kalt, so daß ein drittes Mal der Diener herbeigerufen werden mußte. Diesmal wagte Kallen eine bescheidene Bemerkung: „Bei uns auf Erden hat man jetzt allenthalben in neueren Häusern Zentralheizungen. Da kommt es gar nicht vor, daß es in der Wohnung kalt wird, die Wärme bleibt stetig." Da schaute ihn der Diener mit einem so durchdringenden Blick an, daß Kallen davon erwachte. Aufrecht saß er im Bette und dachte über diesen Traum nach, und da er nicht schwer von Begriff war, fand er auch bald die Deutung. „Dauermizwaus, lieber Kallen," sagte er sich, „Dauermizwaus und nicht nur Mizwaus nach Bedarf und Gelegenheit," stand flugs auf und würd" erst jetzt — ein frommer Mensch. ^VC »Ott Wertere Nätsellösungen schickten uns noch vor Veröffentlichung der Lösung ein: Hilde Wassermann. Dormstadt: Saul Freireich, Kostce; S. Ottmann, Gladbach; M. I. Blaustein. Breslau. Er ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Daren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L.BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Bfld Slklllk-T FätJllltäti Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 Tclelon Hansft 3391 Zeil 88 Versand nach auswärts Lerasör-Preisermäßigung Unseren Lesern kö u en wir eine wes mliche Preisermäßigung des altbekannten Enthaarungspulvers „LERASÖR“ der Schwanen- Apotheke, vorm. l>r. WHL nntteilen. Ks wird in bester Vorkrießsqualität geliefert. Inhalt >/-> Kilo, RMk. 2.50 — 1 Kilo, RMk 4.50 ■ - - Versuchsmengen werden gratis verabfolgt Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessart 1382 u. 1383 Boyenstrafre 8-14 JÜrnisfiallungs-IDäsefie . nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Herren-BügeEwäsche Abholung kostenlos Mechanische und DRUCKLUFT Tepplch-Relnigungs- Gesellschaft m. b.H. »MEDRUVA« früher Meder’s Teppich-Reinigungs-Werk Telefon Hansa 4642 Bergerstrasse 149 Anerkannt beste Entstaubung - Chem. 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