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Der Israelit · 1926-08-19 · Heft 34 (19.8.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 34 (19.8.1926)
Date
1926-08-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 34 Der Israelit 19. August 1926 Arzt in Berlin, zurzeit Divisionsarzt in der Ostarmee. Ich bitte den Herrn Rabbiner, erst etwas zu lernen. Hier ein „ M i f ch n a j a u s ", das ich bei mir führe. M a a r i w werde ich selbst vorbeten. Tauch habe ich ebenfalls bei mir."- Kussel war der erste und einzige, der sich gleich fand, die Situation begriff und auch unverzüglich ausmiW. Cr lud den ßerrn neral" ein, morgen mit ihm auf ben $ r i e b h o f hinaus zu gehen und steckte gleich ein beträchtliches Trinkgeld als Vorschuß ein. Alle zehn Geiseln kehrten noch am selbigen Abend wohlbehalten zu ihren hocherfreuten Familien zurück. (Fortsetzung folgt.) Vom deutschen Karlsbad. III. Jahrhundertfeier. Der eigene Reiz eines kleinen Badeortes liegt in der engen Berührung von Dorf und Stadt, in dem lieblichen Gemisch von ländlicher Geruhsamkeit und mondäner Betriebsamkeit. Mit Holzlatten schadhaft umhegter Kraut- und Gemüsegärten grenzt hart an die herrlich angelegte Akazienallee, Dunggeruch aus dem Bauernhöfe reicht bis zum Parfüm im teppichbelegten Vestibül des Grandhotel. Dörfisches Stilleben und Großstadtglanz reichen sich die Hand. Wenn ich morgens zum Fenster meiner Wohnung hinausschaue, dann sehe ich auf ein dürftig gepflastertes längliches Dreieck, umsäumt von alten, hübschen Häuschen, auf denen das spitze Dach wie eine Nachthaube mit langer Quaste auf einem müden Kopf bis zu den verschlafenen Augen sitzt. In der Mitte des Platzes ein barocker, monumental ummauerter Brunnen mit Figuren, die Heilige und Ritter darstellen. Das Kopfende des Dreiecks nimmt, als hätte sie den Vorsitz in diesem Bereiche, eine alte einfache schloßartige Kirche ein. Unten am Fußende schließt eine langgebaute Wirtschaft, die sich merkwürdigerweise „Zur Rose" nennt, die Partie ab. Ein paar Bäckerläden, ein Friseurladen, eine kleine Buchhandlung mit Ansichtskartenauslagen füllen die Fronten Hilden uns» drüben aus. Punschen (Brunnen uni> (Blauer. die zur allen Kirche führt, kauen behaglich zwei Mel, an einen Milchwagen gespannt, ihren Morgenimbiß. Langsam geht die Erkertüre des Friseurladens in die Höhe. Ein dralles Mädchen, einfach und ländlich, kommt mit einer Milchkanne über den Weg. Bauern rollen mit kleinen Wägelchen über den Platz und biegen durch den Torbogen der Kirche zum großen Markte zwischen Rat- Haus und Kirche ab, wo sie ihr Obst und Gemüse auslegen. Alles hübsch ländlich, dörfisch, unverfälscht die Menschen wie die Dinge. Und nur wenige Meter weiter geht man durch den Schloßgarten und über das Brücklein, dem Eisenbahndamm entlang, und ist mitten im wogenden Menschenhaufen um die Karlsquelle und den Wilhelmsbrunnen vor dem stattlichen Kurhauspalast, wo die Kapelle schon morgens um sieben Mozart, Beethoven, Lortzing, Tschaikowfki und Johann Strauß spielt, wo mannsgroße Plakate an allen Ecken Reunions, Tanztees, Konzerte und Abendgesellschaften ankündigen. Auf dem Theaterzettel stehen „Madame Butterfly" und die „Königin der Nacht". Es ist Großstadtleben, kleines Weltbad. Nachmittag: Der Dreieckplatz brütet in praller Sonne. Ein Bauer kommt mit vollbeladenem Heuwagen des Weges gefahren. Hinter ihm bellt ein Hund. Ein Mädchen holt aus dem Bäckerladen drüben ein frisch gebackenes Brot. Barfüßige Bauernjungen tummeln sich um den Brunnen und setzen sich abwechselnd auf die Rücken der steinernen Heiligen und der lebendigen Grautiere, die immer noch ohne sichtlichen Grund dastehen und kauen. Aber ein paar Schritte weiter, am Bahnhof, im Kurgarten, in den Promenaden, in den Häusern an den Hängen singt und spielt und tanzt und tobt die Großstadt. Ich wüßte nichts davon zu erzählen, wenn nicht auf diesen kleinen Badeplätzen es einmal so wäre, daß auch „ein Mann, der nicht tanzen kann", ganz unschuldig in diesen JVirbel hineingezagen rnird. 9Jian geht nachmittags ahnungslos ln einen 8arlen, um feinen See o&er feinen „Schwärzen" einzunehmen, sitzt still und arglos an feinem Marmortischchen und lobt die Stille und Feierlichkeit der Natur. Da erhebt es sich, plötzlich und unerwartet, orkanartig. In irgend einer bisher unsichtbaren Ecke erschallt Musik. Ein Mann bläst in ein vorsintflutliches Instrument, das aussieht, wie Großvaters lange Pfeife und doch keine ist, ein anderer schlägt wütend in Pauke und Trommel,und selbst das friedliche Haustier, das Klavier, mach', unter wuchtigen Schlägen eines handfesten Mannes mit. Aus all dem entsteht Höllenlärm, und schon bewegen sich die Paare und rennen dich mitsamt deinem Tischchen und deinem „Schwarzen" einfach über den Haufen. Das Ganze wird dann Jazz oder Foxtrott oder Tango genannt, oder mit sonst irgend einem Worte bezeichnet, das in keinem Duden zu finden ist. Für diesen organisierten Wahnsinn hat die deutsche Sprache— zu ihren Ehren sei es gesagt — noch keinen Ausdrucks Vonnittag „Fango", nachmittag „Tango!" Womit aber nicht gesagt sein soll, daß letzteres wie ersteres eine Mergentheimer Spezialität fei. Man muß zugeben, daß grade in Mergentheim im Vergleich zu anderen Bädern der Tanzkult noch ziemlich mäßig betrieben wird. Und es muß zu Ehren Mergentheims konstatiert werden, daß auch e r n st e Kunst hier weit heimischer ist als in vielen anderen Bädern des In- und Auslandes. Die Kurkapslle — unter Leitung eines Herrn Kahn — steht auf ansehnlicher Höhe und wagt sich mit bestem Erfolg an die schwierigsten musikalischen Aufgaben heran. In der großen stallartigen Turnhalle, wo Meister Kühnmit einer Beharrlichkeit, die seinern Namen Ehre macht, unter llütlliltivslen SHerliäliniffen. mll Jrulfe einer fleinen Uünfilerschar sogar klassische Stücke herausbringt, kommt auch der verwöhnteste Großstädter auf seine Rechnung. Nun hat Mergentheim — fast wie Bay-euth, Heidelberg oder Salzburg — sogar seine Festspiele. Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens des Bades. Die Gesundheitsquellen von Mergentheim sind vor hundert Jahren von einem Schäfer entdeckt worden, richtiger von seinen Schafen. Es war nämlich so, daß die Schafe, die über die Aecker zur Weide getrieben wurden, an einer Stelle immer stehen blieben und nicht wegzubringen waren. Der gute Schäfer gab als der klügere nach, blieb auch selber stehen unh untersuchte den Grund der Verkehrsstockung innerhalb seiner sonst so frommen und willigen Gemeinde. Mit dem Instinkte der erdverbundenen Schäfer fand er bald den Salzgeruch und Salzgeschmack des durch den Sand schmal rieselnden Wässerleins heraus. Dann kamen die Architekten und Ingenieure, weniger findig wie der Schäfer, aber ausgestattet mit ihren Röhren und Pumpmaschinen und holten das Wässerlein aus dem Boden, daß es in lustigem Sprudel aufschieße. Und da es einmal im Leben so ist, daß, wenn eine Sache mit Schafen beginnt, ihr bestes Gedeihen gesichert ist, so haben wir nun hundert Jahre Bad Mergentheim, hundert Jahre der Heilwirkung für die kranke Menschheit, hundert Jahre frommer Wallfahrt gläubiger Menschen, die zu dem Gesundheitsbunnen von Bad Mergentheim Jahr für Jahr pilgern, um neue Kraft für Nerven und Nieren und vieles Andere zu schöpfen. Für alles weitere sorgte die Regierung, der Staat, die Stadt, die Aktiengesellschaft und die Kurverwaltung. Neue herrliche Bauten wuchsen aus der Erde. Promenaden und Anlagen wurden aus steinigem Boden gezaubert, Hotels und Villen entstanden. Sogar ein Wald wurde aufgeforstet, in dessen Schatten aber erst unsere Eckkel ruhen werden. Und wie alles aufs beste wie aus Gotteshand gestaltet war. kamen die Badeärzte hinterher und entDßfften Die unwsrsolls Heilkraft öor Quellen und Bader — für Leber, Magen und Darm, für Galle, Zucker und Nerven, gegen Korpulenz und Magerkeit, gegen Trägheit und Reizbarkeit der Verdauungsorgan«, kurzum für und gegen alle Krankheiten, die seit je existierten und eventuell von einer späteren Wissenschaft noch entdeckt werden sollten ... Für die Jahrhundertfeier hat ein heimischer Dichter, Hans Heinrich E h r l e r, ein Festspiel gedichtet, das am Sonntag den 15. August neben vielen anderen Festveranstaltungen auf der Freilichtbühne im Hofe des mittelalterlichen Deutschordensschlosses von Dilettanten und Schauspielern vor großer Zuschauermenge zur Hauptaufführung kam. Damit aber auch die anderen Kurgäste, die mit ihren Beschwerden nicht grade zur Jahrhundertfeier kommen, etwas davon haben, durften wir schon an vorhergehenden Sonntagen das Festspiel auf der Freilichtbühne genießen. Es besteht aus einem Rahmenspiel aus dem Jahre 1791 und einem Bühnenspiel aus dem Jahre 1219 und schließlich aus einem Nachspiel aus 1826. Das Vorspiel paßt zum Binnenspiel, wie die beiden Spiele zum Nachspiel und das Ganze zum Festanlaß, wie das Dorf zur Großstadt, der ländliche Heuwagen zum Kurgarten, der Esel am Milchwagen vor dem Brunnen zur Reunion, und dennoch rollt sich ein schönes, buntes Bild ab, das von viel Kunstsinn und Heimatliebe zeugt. Ritter treten in der zweiten Szene auf, direkt, aus Jerusalem vom Kreuzzuge kommend, erzählen von ihren Erlebnissen, legen Gelöbnisse ab für Kirche und Heimat. Und das alles o sentimental harmlos, daß der Geschichtskundige und gar der Kenner jüdischer Geschichte, der mit dem Kreuzzug ganz andere Vorstellungen verbindet, wünschte, all die Herren Ordensritter von damals hätten ihr Lebtag nichts anderes getan, als hier von der oberen auf die untere Bühne. zu wandeln, Schwüre mit kühn ausgestrecktem Pappdeckeldegen in die Luft zu senden und Artigkeiten den ausgeputzten Damen zu deklamieren. Wie gut das sllM mmM ist. saiat M fisftin M MstM., M gute jüdische Bürgerslochlsr zum Miispiele» herangezogen sind und ganz ausgezeichnet den Ordensrittern bei ihren feierlichen Eiden für Kirche ufw. sekundieren. Dann tritt im Nachspiel der K o l u m b u s Mergentheims auf, der historische Schäfer von 1826. der, im Gegensätze zum richtigen Kolumbus, nicht das Land, andern das W a s s e r entdeckt hat. und spricht einen von Hans Heinrich Ehrler verfaßten Prolog. Was ist natürlicher, als daß Schäfer im Kreise ihrer weidenden Schäflein Prologe in Reim und Rhythmus und Jamben prechen! Ein rieselndes Geräusch, die Quelle ist entdeckt, und allerliebste Brunnenmädchen stehen mit Schalen in der Hand, singen und rezitieren. Dann setzt — wenn man dem Programm glauben soll — „edel pathetische Musik" ein. Meine Kleine, die mit dabei ist, ist vom Schlüsse unbefriedigt. Sie fragt andauernd: „Wo bleiben die Schafe?" Es ist eine harmlose unschuldige Sache, die den Leuten, zunächst den Darstellern selbst, ungeheuer viel Vergnügen macht. Und man hat alles in allem einen sehr hübschen Nachmittag verlebt. Diese Hundertjahrfeier verdient auch in jüdischen Zeitungen erwähnt zu werden. Hundert Jahre Heilarbeit, hundert Jahre Kampf gegen die Krankheitskeime in Leber, Galle,' Magen. Galle, Zucker — schon an sich eine gut jüdische Sache! Kommt noch hinzu, daß Mergentheim bereits vor hundert Jahren eine blühende jüdische Gemeinde hatte mit allen jüdischen Lebensmöglichkeiten, was selbstverständlich von Anfang an eine besondere Zugkraft auf jüdische Patienten und Erholungsbedürftige ausübte. Stadt und Kurner-- roaliung misten dieses Moment schätzen, Bei Einweihung eines neuen Brunnens am Festtage sprach neben den beiden Geistlichen der zwei Konfessionen auch der Herr Rabbiner. Es würde dieser Anlaß sogar zu einem kurzen Rückblick reizen auf die hundertjährige Entwicklung der jüdischen Dinge in Mergentheim und überhaupt in Württemberg, wo die Welle der Reform gleich zu Anfang mit größter Wucht einsetzte und dann im Flachwasser einer Zwagnsorganisation in Form einer staatlichen Kirchenbehörde stecken blieb. Das jüdische Element war und ist, wenigstens in den Mittel- und Kleingemeinden, noch von so echtem Holze, daß ihm alle Anstürme im wesentlichen. nichts machen konnten. Doch darüber ein anderes Mal. Ainderecke. Lösung des Ualsets in Ar. 33. tTIBWl Ü’ÖBW Zu diesem Rätsel übermittelt uns Herr A. S a ffra eine von ihm aus Anlaß einerrptfim finws Feier vom Heimgegangenen Rabbiner Dr. S. Breuer vor Jahren gehörtes Scherzwort: v'vsiV' das sind die Rabbiner, die zu richten und zu entscheiden haben; v'iviv sind die Vorstände, die über die Orbriung irr der Gemeinde gu Herr erstererr ist dffs <Kntssh?t-?N-? -NS n~D' Mund, mit dem sie NN21N sagen, bei den letzteren kommt es aus wm an. in dem die weisen Verwaltungsideen sitzen. Nimmt man den v'vsiV das ns und den v'iviV das so bleiben sie v'viV V'VIVI. Weitere richtige Lösungen sandten ein: Samuel Schimmel, Frankfurt a. 22t.: Elieser Kurzweil, Treuchtlingen; Alfred Lewi I, Birstein; Tantor A. Dawidsohn, Rastenburg; Frieda Soi'ser, Buk, Posen. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die lm Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religioysgesehlichen Charakter» auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. v. 6 Birobrot Birobrot D. 6 Birobrot unter Verwendung biochem. Aufbausalzea das Volksbrot der-Zukunft Man beachte den vorzüglichen Geschmack. Erhältlich in den mit den Biroplakaten ausgestatteten Lebensmittel - Geschäften BROTFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Hermesweg G—12 - Hansa 3862 u. 795. Besonders gute u. preiswerte Badeapparate bei: —- E.Ü/k€nEuCO Am Eschenheimer Tor 3 Minjan am Lido. Um den P. T. Gästen es zu ermöglichen, den schönen Herbst am Lido zu verbringen, wird in der Pension Kirschbaum an den hohen Feiertagen 3",ti n"i ein pan abgehalten und sind Anmeldungen dorthin zu richten. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. 58.: S. Schach» -orvitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon BerlagsfWMMSSSAktiengesellschaft. Frankfurt a. M.

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