Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1926)
- Date
- 1926-08-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 33 Der Israelit 12 August 1926 Im Mitlelcilter gab es in Süüoeuschland kaum ein Dorf ohne jüdische Bevölkerung. Heute ist es oft schon schwer, die Spuren der ehemaligen Gemeinden zu entdecken. Zwischen der Urgemeinde und ihrer späteren Nachfolgerin gähnt zuweilen eine Kluft, die keine Ueberltiserung überdrückt hat. Da ist es für den Reisenden kaum möglich, in kurzen Stunden eines vorübergehenden Aufenthaltes oer Vergangenheit forschend näherzutreten. Wir baden uns darum einige Wochen einen festen Wohnsitz möljlt non Dom aus will öis lSsgsnß. Sis zissms' mW Jütspsffä Im südlichen Schwarzrvald. Wenn wir die Strecke von dem lieblich gebetteten Herrenalb bis Baden-Baden und gar jene von Offenburg über Triberg bis zu der Bergftadt St Georgen durchreisen, so erhalten wir einen gewissermaßen oberflächlichen Eindruck von der Pracht dieser vom Schöpfer ganz besonders herrlich ge schmückten Landschaften. Wenn wir aber erst diese unvergleichlichen Tannenwälder, wie sie zum Beispiel das 700 Meter hoch gelegene Solbad Dürrheim umgeben, an einem sonnigen Julimorgen durchwandern wenn wir Muße haben, unser Äuge in Ruhe zu richten aus die reizvollen Landschaften, die wir hier und da durch eine Schneise hindurch erblicken, wenn wir finstere Laubenhällen betreten, in die kein Sonnenstrahl dringt, und uns wenige Minuten später plötzlich auf sonndurchglühtem, windumbraustem Bergsattel sehen, dann verstummt unser Mund ob der Fülle der Wunder, mit der der Schöpfer seine Welt ausgestattet hat. Bad Dürrheim gehört zu den im Schwarzwald nicht seltenen Plätzen, die einer jüdischen Gemeinde entbehren. Nur zwei seiner stattlichen Behausungen beherbergen jüdische Einwohner: das schloßähnliche, weithin bekannte Friedrich-Luisen-Hospiz und die im neuen Bebauungsgebiet gelegene, von fast allen Punkten der Umgebung aus sichtbare Pension Waldeclr. Friedrich-Luisen-Hospiz ist eine israelitische Kinderheilstätte, die zur Zeit i04 Pfleglinge beherbergt. Sie liegt am Rande einer Hochfläche in unmittelbarer Nähe des Waldes und neben ihr sind noch weitere überaus stattliche Heime, die diesen be sonders günstigen Platz zum Anbau ausgewählt haben. Don allen Gegenden unseres Vaterlandes strömen zu ihr schwächliche Kinder, um in dieser herrlichen Gebirgsluft, bestrahlt von natürlicher Höhensonne, gepflegt von aufopfernden Menschenfreunden, gekräftigt und in der Entwicklung gesör dert zu werden. In der Anstalt selbst genießen sie die heilsamen Solbäder, die dem Badeorte eine stetig wachsende Zahl von Kurgästen verschaffen. Die Eltern, die in der Lage sind, ihre Kleinen selbst hierher zu geleiten, finden seit einigen Jahren in der Villa Waldeck ein Unterkommen und eine Verpflegung, die selbst verwöhnten Ansprüchen genügt. Den Gottesdienst besuchen diese Kurgäste im Kinderheim, denn die nächste israelitische Gemeinde ist die Kreishauptstadt Dillingen. Aus sie werden wir in unserem folgenden Artikel zurückkommen. H. E. Die Düsseldorfer Tagung der Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Auden. Vom 6. bis 8. Juni fand in DiMöakf kis Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden statt. Die Tagung war aus allen Gegenden Deutschlands zahlreich besucht. Die Reichs- und Staatsbehörden, sowie die allgemeine Wohlfahrtspflege hatten Vertreter entsandt. Die Teilnahme fast aller Wohlfahrtsämter, unter deren Vertretern sich außer vielen freiwilligen Helfern auch recht zahlreich beruflich tätige Kräfte befanden und die Beschickung durch fast alle Vereine und Organisationen, zu deren Aufgaben die jüdische Wohlfahrtspflege gehört, sind ein deutlicher Beweis für den starken Ausbau der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland und für die wachsende Bedeutung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die Referate, die von hervorragenden Sachkennern der allgemeinen und jüdsichen Wohlfahrtspflege erstattet wurden, haben der jüdischen Arbeit für die nächsten Jahre Wege und Ziele zu weisen gesucht. Die Tagung wurde am Sonntag Abend durch den Vorsitzenden der Zentralwohlfahrtsstelle, Herrn Eugen Cafpary, eröffnet. Herr Cafpary wies in kurzen Worten auf die Bedeutung des Judentums im Rheinland für das deutsche Judentum hin und auf den Wert der allgemeinen und insbesondere der jüdischen Hygeine-Ausstellung, welche den äußeren Anlaß zur Veranstaltung der Tagung in Düsseldorf gebildet hat. Qen füsgrußungsarlfprachen folgte ein fflorlrag oort Sjetxn Rabbiner 5>x. Saae<& über bas Otfyema „Der geistige Gehalt IN der jüdischen Wohlfahrtspflege", der bei den vielen Hunderten oon Teilnehmern großen Beifall fand. Am Montag vormittag sprach Herr Ministerialrat Dr. Wittelshöfer über Grundfragen der staatlichen Wirtfchafrsfürforge mit besonderer Betonung der für die jüdische Wohlfahrtspflege in Frage kommenden Punkte, (Erwerbslosenfürsorge, Ausländerfürsorge) wahrend' der Korreferent, Herr Rechtsanwalt Dr. Georg Baum, die Hauptgebiete der Sozialpolitik (Durchwandererfürsorge, Arbeitsnachweiswesen, Berufsebratung) von großen allgemeinen Gesichtspunkten aus zur Darstellung brachte. Daran schloß sich der Vortrag des Herrn Dr. Felix Theilhaber über „Jüdische Bevölkerungsfragen", der in erster Linie die sozial-hygienische Fürsorge im Interesse der MuMkHattling WlW» BsuslkäMttZ MäMllL jüdische Lugsnlirrot uni* Lugeniihllse^ sprachen sodann Herr Obermagistratsrat Dr. Friedrich Ollendorff und Fräulein Ottenheimer. Während Herr Dr. Ollendorff die Grundlinien für einen systematischen Ausbau der jüdischen Jugendwohlfahrten Deutschlands auszeichnete und an der Hand von Beispielen anschaulich machte, l eleuchtete Frl. Ottenheimer die besonderen Bedürfnisse ein-»?....r Kategorien von Jugendlichen, insbesondere rc:i Schu ntlassenen. Der Nachmittag brachte unter sachkundiger Führung des Herrn Rabbiner Dr. Efchelbacher die Besichtigung der Ausstellung „Hygune der Juden" und nach einigen einleitenden Worten des Herrn Paul Frank die Vorführung des jüdischen Wahljahr tsfilms. Der Dienstag Vormittag war der Erörterung der Hauptarbeitsgebiete der Zentralwohlfahrtsstelle in den Arbeitsgemeinschaften, der jüdischen Gefährdetenfürsorge und Tuberkulosefürsorge gewidmet. An den Beratungen nahmen nicht nur die engeren Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaften, sondern fast alle bei den Tagungen anwesenden Gäste aus dem Reiche teil. Ueber den wichtigen Punkt der „Fürsorge für jugendliche Psychopathen" sprach Herr Lehrer Sawady, Frau Paula Ollendorff sprach über „Gefängnissürsorge". Den beiden Themen schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher wertvolle Ergänzungen, vor allen Dingen durch Herrn Rabbiner Dr. Horowitz-Frankfurt a. M. und Frau Caro-Köln zu den beiden Themen, insbesondere aber zu 8MNM irumli, sn Der ArDeiltzgeMeMfHast Der XuöertulofenjurfDrge referierten Herr Dr. Samson über „Neuzeitliche Maßnahmen der Tuberkulosebekämpfung und -Fürsorge", Frl. Frieda Weinreich über den „Stand der Maßnahmen zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden in Deutschland". Zum Schluß sprach Frau Brenner über Zukunstsaufgäben der jüdischen Tuberkulosefürsorge". Auch hier fand eine eingehende Diskussion statt. Am Schluß dankte Herr Caspary noch einmal der jüdischen Gemeinde Düsseldorf und dem' Frauenverein für die reiche Gastfreundschaft und für die sorgfältige Vorbereitung der Tagung. Am Nachmittag fand eine Kundgebung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände statt, bei welcher Herr Georg Lubinski über „das soziale Programm der jüdischen Jugend" sprach. Die Bedeutung der Tagung beruht nicht nur in der Fülle der Anregungen für die weitere Entwicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland, sondern vor allem in der Kundgebung zur gemeinsamen Arbeit aller Gemeinden, Vereine und Organisationen aller beruflichen und freiwilligen Kräfte. Dies ist durch die Tagung überaus stark zum Ausdruck gekommen und bedeutet einen erfreulichen Ausblick für eine weitere günstige Entwicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Ninderecke. mim mp öMin nr bxN m Q.Traa *id trnn öki •DJTW Ql Q'QIP 1-I8P' Wochenkalender. vom 14. — 21. August 1826. , vom 4. - 11. Ellul 5686 samsta» 14 D’ÜSHZ? 4 Sonntag rr 15 5 JTT<?m«cj 16 6 Dienstag 17 7 Mittwoch 18 8 Donnerstag 19 9 Freitag 20 10 Samstag 21 sxn ’D 11 Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakter» auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO FranMiirt a. M. INHABER A. STERN ßQfininflQt 1117 Cigaretten CIGARREN ISiitS feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 Tdcl“ H“”33,1 Zeil 88 Versand nach auswärts Mechanische und DRUCKLUFT Teppich-Reinigungs-Gesellschaft m. b. H. »MEDRUVA« früher* Meder’s Teppich-Reinigungs-Werk Telefon Hansa 4642 Bergerstrasse 149 Anerkannt beste Entstaubung - Chem. Reinigung - Kunststopferei - Entmottung von Teppichen und Möbeln mit Zyclon-Gas. Lagerung während der Ferienreise gratis Hansa Gross Wäscherei .I vorm. Gehr. 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Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen Berantwvrttich für den allgemeinen Teil und das tfeutUetpr 5. Schachnorvttz, Frankfurt a. M.; Inserate t. SB.: <r Schach' " owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L Kaufmann in Sprendlingen lKr- Offenbach). .— Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankiert w. ük, — Druck Aermon Verlags- Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.