Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-07-29 · Heft 31 (29.7.1926) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 31 (29.7.1926)
Date
1926-07-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450419--73349-2530753
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 Nr. 31 Der Israelit 29. Juli 1926 Das Mädchen war so verblüfft, daß sie keiner Antwort fähig war. Sie sah ihm kaum nach, als der Mann, groß und kraftstrotzend, mit kurzem Lebewohl, als ginge es zu einer Abendgesellschaft, aus dem Zimmer schritt. Eine Nacht verging, in der Reisele in ihrem m&itfr&n Vsfts ksittätt Schlzs sitMtt kdlilitö. T i st Abenteuer jagte das andere. Das ganze Leben hier bestand aus einer Märchenkette, in der sich Wunder an Wunder reihte. Was war, was bedeutete das Ganze? Als sie nach dem Morgenkaffee auf den Balkon stieg, sah sie von der einen Seite das blend nde Grün des Nilufers. Von der anderen Seite kam aber Höllenlärm. Auf dem R u m e l e - Platz sammelte sich viel Volk, Menschen in wunderlichem Aufzug hoch zu Kamel und Roß, Pauken, Trommelwirbel und Hörnerklang ertönten. Schreie von Menschen und Wiehern von Tieren. „Es ist Krieg im Lande," sagte Hassana demütig, „die Herrin ist in unglücklicher Stunde gekommen. Krieg. Wie lange hat das Land keinen Krieg mehr gesehen! Mütter werden weinen, Herrin, Allah steh uns bei!" Nach zwei Tagen meldete Hassana. der Herr hlM bop söli-M WfaW slWgrHnst, äag ztusl neue Dienerinnen, die der Herrin Sprache sprechen, ins Haus kommen. Sie seien nun von den Verwaltern geholt und warten im Vorraum, von ihr empfangen zu werden. Reisele öffnete die Tür und schrie fast vor Erstaunen auf, als sie in den Frauen ihre Freundinnen, Milka und Feige, erkannte. In ihrer kurzen, zupackenden Art klärte Milka die Situation auf. Sie waren in die Stadt gegangen und hatten gefunden, was sie suchten. Es gab Juden in Kairo, Juden von jeder Art. Ein Frauenkomitee nahm sich ihrer an und ein Hilfsverein wollte die Mittel beschaffen für die Weiterreise. Sie, Milka, wollte nun nach Palästina, Feige hatte von der großen Welt genug und wollte nach ihrem Städtchen zurück, alles, wie sie in ihrem Zettelchen geschrieben hatte. Da kam plötzlich, wie nur um ihre Pläne zu durchkreuzen und sie hier festzuhalten, die Umwälzung. Schon war die Ausreise in allen Einzelheiten vorbereitet. Da hieß es auf einmal: K r i e g, es gehen keine Züge mehr nach Palästina, die Grenze sei gesperrt. Aus Palästina ergieße sich ein Strom von Ausgetriebenen und Flüchtlingen über die ägyptische (Brerrge. forme feiner. Ein dchift Den französischen Gewässern fuhr van Alexandria noch ab. Aber die Reise sei mit großen Gefahren verbunden. Zudem sei ihnen bedeutet worden, daß es keine Wege von der französischen Hafenstadt nach Hause über Deutschland das mit 'Frankreich und mit Rußland im Kriege liege, gäbe und sie bestenfalls in Frankreich hängen bleiben müßten. Sie kannten nun die Freuden des Hängenbleibens zur Genüge und zogen es vor, sich wieder in das Frauenheim des jüdischen Vereins zu begeben. Dort fanden sie die Beauftragten, die Gesellschafterinnen für die neue Prinzessin suchten. Aus Rußland mußten sie stammen und der Sprache der Juden mächtig sein. Da schlugen sie kurz entschlossen ein. Sie wollten nun bei ihr bleiben, wenn sie bei ihr das Engagement erhielten . . . Das kam alles so natürlich und einfach, daß vom Märchen ihrer Rückfindung zu der Freundin nichts übrig blieb. Dieses Zurückfinden und Beisammenbleiben schien nun das Allernatürlichste an der ganzen Sache, die in ihren sonstigen Zusammenhängen so nebelhaft und unverständlich war.- In dem Palais, wo Reisele Alleinherrscherin und DJHIJa und Feige als ihre erj’fen .fjopSamert w«r von den Stürmen, Die von Diesem Momente an durch die Welt fegten, wenig zu merken. (Fortsetzung folgt.) Marienbader Brief. Ende Tammus. Kenner der hiesigen Verhältnisse, oder sagen wir besser, die Marienbader Starnrngdste. sind der Vorieöuna Dasllk DanBDai. Döi m 8eua? Mbi ä&mL HdUjstsdtsdti hier gisstt. Attt S^eeußbrunnen früh und abend - steht man es deutlich, daß viel weniger Kurgäste da sind, als in den beiden Vorjahren. Die wirtschaftlichen Kalamitäten in den Nachbarstaaten sind daran schuld. Der Begriff ..Hauptsaison" als Rechtstitel für hohe Zimmerpreise ist ganz entfallen, Wohnungen sind durchschnittlich um SOpCt. billiger. Sonst herrscht, an den Quellen, sowie in den Bergwäldern die alte Behaglichkeit, die alte Zufriedenheit, wie man sie nur in einem gottgesegneten Stück Erde, wie es die „Perle aller Bäder Böhmens" ist, mit dankerfülltem Herzen genießen kann. Allgemein wird behauptet, haß in Marienbad jeder dritte Kurgast jüdischen Bekenntnisses sei. Bezeichnend in dieser Hinsicht ist der erfreuliche Tatbestand, daß sämtliche jüdische Restaurants dem Hamburger Speiseverein unterstellt sind. Die Kurgäste richten sich gewöhnlich ihren persönlichen Beziehungen entsprechend nach den Rabbinen, die in den einzelnen Restaurants ihre Mahlzeiten einnehmen. Im .Goldenen Schlüssel" von Gottlieb Lettner wohnen zur Zeit die Jerusalemer Rabbinen Jacob Meir und 3ottaibatt .©orootcs, bte matt irt bert OBcrrtbelljallen trrtb <iü{ Spaziergänge« tzusammeusteht. Die Rabbiner Schrerber-Beregsasz und Auerbach-Halberstadt wohnen im Hotel National. Der Beizer Rebbe, der seit Jahren nach Marienbad zu kommen pflegte, kann bedauerlicherweise gesundheitshalber diesmal nicht kommen. Der Frankfurter Raw wird noch erwartet. Auch der Gerer Rebbe ist heuer nicht gekommen. Rabbiner Silberstein aus Waitzen. ist voranaemeldet. Immerhin kann man sagen: daß das Gros der Marienbader jüdischen Kurgäste der gesetzestreuen Richtung angehört. Wenn aber Brunnen und Bäder, vorzügliche rituelle Restaurants, imposante Wandelhallen und wundervolle Gebirgswälder für die Befriedigung des erholungsbedürftigen inneren und äußeren Menschen ausreichend Sorge tragen: für das Seelenleben des gesetzestreuen Juden bleibt noch viel zu wünschen übrig. An regelmäßigen Gottesdiensten früh und abend in herkömmlicher Weise herrscht zwar kein Mangel. Bezüglich des deutschen oder sepbardischen Ritus giebt es keine Meinungsverschiedenheiten. Der persönliche Ritus des jeweiligen Vorbeters ist für diese Frage entscheidend. Der sevhardiscke Rabbiner Jakob Meir aus Jerusalem schließt sich mit Vorliebe dem afchkenasischen Ritus an. Die ausländischen Chasstdim, so meint er, seien gar keine wirklichen Sephardim. wenn sie auch den sephardischen Ritus annektiert haben. Doch für gemeinsames Thoralernen, Veranstaltung von öffentlichen Schiurim, Deraschot und belehrenden volkstümlichen Vorträgen, ist in keiner Weise gesorgt. Und doch könnte in Marienbad, wie überhaupt in den aroßen Bädern und Sommerfrischen, von Mai bis Oktober em ofljr inmrcots ranaieoen Memmm rortn. SioniMsiven Deiansiasinngon begegnet man ja reckt häufig. Vergangene Woche hat hier z. V. eine aroße Herzlfeier 'stattgefunden. Sollte nicht Agudas Jisroel dem sehr fühlbaren Mangel an geistiger Erfrischung und Nahrung in glaubenstreuem Sinne zur Hilfe eilen? kW H^Jn einer Lebensmittel-Verkaufsstelle im Zentrum des jüdischen Verkehrs, begegnet man einem bemerkenswerten Kuriosum. Große Plakate verkünden, daß in diesem Laden, der auch Schabbos und Jomtov weit geöffnet ist, koscherer Erez-Jisroel- Wein verkauft wird. In den inneren Räumen erfährt man. daß auch andere koschere Weine, sowie Fleisch und Wurstwaren, mit der Koscher-Etikette versehen sind. Zwischen dem Geschäftsinhaber und dem Jerusalemer Rabbiner, der einmal seine Postwertzeichen hier eingekauft hatte, entwickelte sich folgendes interessante Gespräch: Wie können Sie koscheren Wein und rituelle Fleischwaren verkaufen, wenn Sie selbst den Sabbat öffentlich entweihen? Herr B. — sonst ein biederer, rechtschaffener Mann - präsentierte bald einen vollgültigen Hechscher von Oberrabbiner Brach in Kosiec, in dem schwarz auf weiß attestiert wird, daß dos nummerierte und versiegelte Faß Wein zuverlässig koscher sei. Zum Schluß heißt es aber in diesem Attest, daß mit dem Erbrechen des Siegels die Gültigkeit des Hechschers aushöre. Unser Herr B. öffnet aber das Faß in eigner Regie, füllt selbst den Wein in Flaschen, die er mit den ihm reichlich zur Verfügung stehenden Vignetten von „Rischon lezion" selbst versieht. ihm Die Aufklärung, Daß, unDer schadet feiner kanfmannifchen Vravheil, er als mw ttn» bezm. als mt imtft iwn. in ritueller Hinsicht nicht vertrauenswürdig sein könne, und redete ihm zu auch mit Rücksicht auf seine große jüdische Kundschaft, sein Geschäft am Schabbos geschloffen zu halten. Herr B. stellte aber dem Rabbiner seinen greisen Vater vor und sagte ungefähr folgendes: Ich würde ja gerne Ihrer berechtigten Anregung Folge teilten. Doch mein Vater, der noch aus der alten Zeit stammt, will von Schabbos und Jomtoo nichts wissen! Ich erinnette mich an das bekannte "äMwm«. Im Böhmerland als Jude „alt geworden." Neulich las im „Israelit", daß es unhygienisch und der Gesundheit nicht zuträglich sei. wenn man im Mkim Mc KüWMMW eiMMM. Daß der Jude nmerin sielen Himmel Mn Damit nie m± bedeckt lassen darf unterliegt religionsgesetzlich keinem Zweifel. Trotzdem sieht man jüdische Kurgäste auch mit konservativen Allüren mit dem Hut in der Hand in den Kolonnaden herumgehen. Nur ein deutscher Rabbiner bringt es fertig, seinen Hut garnicht mitzunehmen, man nennt ihn allgemein den bloßköpfigen Rabbiner aus R., im Gegensatz zu einem katholischen Bischof, der unter dem offiziellen Priesterhut immer noch ein kleines Käppchen trägt. Am Fasttag, it. Tammus, gab es in der Synagoge von Gottlieb Lettner eine interessante Disputation. Um y8i Uhr mittag wurde Mincha mit ^N'V-Laienen abgehalten. Von robbinischer Seite wurde dagegen protestiert mit der Begründung, daß man auch zu n^rw nma nur in dem Falle -n'i laienen soll, wenn die zehn Beter bis zum Eintritt der Nacht ausfasten. Als einer der Teilnehmer bemerkte, daß man am Tisch'ad beaw es so machen werde, meinte ein anderer: Bis dahin kann der »neunte Aw" noch zum „Festtag" werden, mx" heißt es im Propheten. "pwW" macht aber den Zahlenwert von rsin. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tab ake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaisers« 81 T*le‘“ H“s*33,1 Zeil 88 Versand nach auswärts Das „LERASöR“ Dr. WEIL der Schwanen-Apotheke, Frankfurt a. M., ist nicht nur das älteste, bekannteste und besonders preiswerte Enthaarungspulver, sondern auch das aus individuellen Gründen bevorzugteste., da es durch die Abstufungen in Sorte stark—mittel—sdnuacK EM? um »ns gifirfisfl Barwuciid Dosonöcrs Jtooisfent nimmt.Ter» suchs<^uantum gratis in <t«r Schwanen-App^UcK^ Dose mit kg% Inhalt ä. RAUt» 2t$Q} mit l Kg; Inhalt tt UI, D05C Mechanische und DRUCKLUFT Teppich - Reinigungs - Gesellschaft m. »MEDRUVA« b. H. früher Meder’s Teppich-Reinigungs-Werk Telefon Hansa 4642 Bergerstrasse 149 Anerkannt beste Entstaubung - Chem. Reinigung - Kunststopferei - Entmottung von Teppichen und Möbeln mit Zyclon-Gas. Lagerung während der Ferienreise gratis Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessart 1382 u. 1383 Boyenstraße 8-14 Sauskaltungs-WSseke nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Herren-Bügelwäsche Abholung kostenlos Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton' <5. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S.Schach' nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag „Israelit", G.m.b.H., Frankfurt a.M — Druck Hermon Verlags- Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.