Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1926)
- Date
- 1926-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Die neue Bibelübersetzung. Von Dr. Leo Deutschländer in Wien Nach einem Wort unserer Weisen erzitterten einstmals Himmel und Erde, als der Versuch gemacht wurde, ein nichtjüdisches Sprachgewand um diebiblischen Heiligtümer zu weben. (Megilla 3a). Als die göttliche Stimme nach dem Mutigen fragte, der das große Wagnis unternommen, durfte dieser mit freiem Mut. bekennen, daß er nicht zu seiner und seines Vaterhauses Ehre das Werk vollführt, sondern zur Ehre Gottes allein. Wenn ehrfürchtige Scheu den Griffel derer begleitet, die das heilige Weltbuch zum Eigentury der Völker erheben wollen, so erfüllt uns ein Gefühl froher Freude. Denn die rnesfianische Sehnsucht lüölleö bsr allen SSoIÜern iin8 in allen Ländern kann nur durch das Leben des Menschen mit der Bibel und durch Erkenntnis ihrer ewigen Wahrheiten historische Wirklichkeit werden. Zahlreich sind die Versuche bei allen Nationen, sich die Welt der Bibel zum Eigentum zu machen. Kein anderes Werk, das in so vielen Sprachen eine Heimat gefunden hat; aber auch keines, das so spröde sich gegen die restlose Erschließung in eine andere Zunge und in ein anderes Volk gewehrt. Es ist in unseren Tagen wiederum der Versuch gemacht, die heilige Schrift im lebendigen Edeldeutsch gegenwärtiger Zeit erstehen zu lassen.*) Zwei Persönlichkeiten, denen man mit Recht, die Fähigkeit sprachschöpferischer Kraft zuschreibt, schicken sich an, unserer Zeit, soweit sie in der deutschen Muttersprache verwurzelt ist, die Bibel zu schenken. Wer die großen Schwierigkeiten kennt, die sich einem solchen Werk entgegentürmen, wird nach Kenntnis des ersten Bandes, der hier vorliegt, nach alter jüdischer Art den beiden ermunternd zurufen dürfen: -121 bv 22m nbL p*ix rrmn nm, weiter zu wirken, für die Sache der Wahrheit Md des Rechts, mit Kraft und Demut, die eirMilches Werk von seinen Meistern TorDert: „Das DülMLtMn", sägt Luchst', „ist uicht eines jeglichen Kunst. Es gehöret dazu ein recht fromm, treu, fleißig, furchtsam, gelehret, erfahren und geübet Herz." Fast wäre man versucht, die neue Uebersetzung auf diese Kriterien hin zu prüfen und man würde finden, daß die Postulate des größten Bibelübersetzers der Deutschen erneut ihre Erfüllung gefunden haben. Mit einem ungewöhnlichen Aufwand.von Fleiß und Energie haben sich die beiden bemüht, den Sinn des Bibelwortes zu treffen. Schon.in seiner Jehuda Halevy- Uebertragung hat Franz Rosenzweig die Prinzipien seiner Uebersetzungskunst dargelegt, die nun in dem epochalen neuen Beginnen ihre Verwirk¬ *) „ Die Schrift". Zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. (Die Bücher der Weisung. — Erstes Buch: Das Buch im Anfang. — 206 Seiten; Berlin, Verlag Lambert Schneide r.) lichung finden sollen und finden. Ihm kommt es nicht bloß darauf an, die Bibel der heutigen Zeit verständlich zu machen, sondern er verfolgt das höhere Ziel, die heutige Generation an die Bibel in ihrer ureigenen Gestalt durch das Medium einer zweiten Sprache heranzuführen. Nicht nur das Wort und sein in ihm ruhender Sinn sind im Geiste des Originals wiedergegeben, auch der ryhtmische Fluß erscheint in glücklicher Nachahmung des heiligen Originals. Ueber eine einzige Wortform sind offensichtlich tiefgehende Studien betrieben worden, um dem Formgeist der Quelle gerecht zu werden. So mag im Hinblick auf das hohe Ziel, das man sich hier gesetzt hat, ein Urteil über einzelne Besonderheiten oder Unzulänglichkeiten zurückgestellt werden, soll auch die Veteiligurtg cm einer Polemik, die mancher j’elijamen Abbildung ihr Veto cntgcgcngcstclll hal (Schlachtstatt statt Altar, „Braus Gottes brütend über den Wassern", statt des glücklich eingebürgerten „Geist Gottes schwebte über den Wassern" usw.) für uns unterbleiben. Bedeutungsvoller liegt vor unserem Auge ein prinzipielles Bedenken. Buber und Rosenzweig haben zwar, was heute keine Selbstverständlichkeit ist, den unverfälschten masoretischen Bibeltext ihrer Arbeit zugrunde gelegt, doch leider eine einzige Ausnahme gemacht^ wenn zu Beginn des zweiten Kapitels, nicht achtend auf das talmudische Geheiß p» rw» 'pos kVt rrpivs b2 -(2"' 7,1222) p’poa 2 Verse auseinander gerissen sind. Gerade im Sinne der sonst allerorts mit so seltener Hingabe geübten Treue an das Wort und um das Wort, wirkt diese Verletzung der Tradition störend und unverständlich. Goethe bezeichnet im west-östlichen Diwan als die höchste Form der Uebersetzung diejenige, „wo man die Uebersetzung mit dem Original identisch machen möchte, so daß eines nicht anstatt des anderen, sondern an Stelle des andern gelten solle." Sind wir auch davon durchdrungen, daß der absolute Wert der Bibel in der Gestalt der einmaligen Ursprache verankert liegt, so zweifeln wir tiiltzk, 881! SDei?J seiner höhen sstestimmung im vollsten Matze genügen wird, einen Teil der Menschheit zur Bibel und somit zur höchsten Wahrheit zu führen. Die jüdische Druckerei in Thannhausen. Von David Wallerskeiner in Ansbach. Das Suchen und Forschen nach dem Bestand der einstmals blühenden schwäbischen Geruschgemeinden, gab Herrn Hauptlehrer Kahn in Krumbach Veranlassung einen diesbezüglichen Aufsatz in Nr. 6 der Bayer. Israel. Gemeindezeitung „Die Juden in Thannhausen" erscheinen zu lassen. Ich verweise hiermit auf den sehr interessanten Artikel und in Ergänzung desselben, teile ich folgendes mit. Der Herr Bibliothekar der hiesigen Regierungsbibliothek ersuchte mich, die dort aufbewahrten, einstmals in der Markgrafenzeit konfiszierten hebräischen Werke bzw. deren Titel, behufs Aufnahme in den Katalog ins Deutsche zu übertragen. Dabei fand ich das von Herrn Kahn beschriebene Machsor in einem Quartlederband. Das von Herrn K. beschriebene Machsor befindet sich in Oxford. Dort scheint aber nur der erste Teil Machsor vorhanden zu sein, während der hiesige Band zwei Teile enthält, und zwar der erste Teil das Machsor, dessen Titelblatt leider fehlt. Das Titelblatt des zweiten Teils ist vollkommen erhalten und entspricht genau der Beschreibung in oben angeführem Artikel, nur daß der Titcl nicht in Rot-, sondern in Schwarzdruck gehalten ist. Der Titel dieses zweiten Teils lautet: 1—n n V n t NÜL f'2 D’imn f'2 nunEn TJ21PK rriVnp A.21V2 21«'2 ni3'p t=35? ta’annmn taiw osu rr irii3 j?nr rim iunn TO 5WMW« Vl.Tt rutf fpiruö p"p2 2v's jantf jsütp bv Das Buch war Eigentum des Moyfes aus Fürth, ehemaligen markgräflichen Hofjuden. Sein Name steht auf einem auf dem Deckel aufgeklebten Papierschild. Weiteres ist auch mit der Lupe nicht mehr zu entziffern. Bezüglich der Konfiskation macht mich Herr Rabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt auf Hänle, „Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstentum Ansbach", S. 85 und 86 und Ziemlich, „Eine Bücherkonfiskation in Fürth im Jahre 1702" aufmerksam, wofür ich dem Herrn auch an dieser Stelle danke. Ob die von Ziemlich namentlich aufgeführten Bände und ihre Druckorte mit den in der besagten Bibliothek befindlichen identisch sind, kann ich erst nach Sichtung sämtlicher Bände bestimmen und werde ich dann nicht säumen, von weiteren interessierenden Funden Mitteilung zu machen. Das Thannhauser Druckwerk ist bei Ziemlich nicht registriert. Wie Herr Hauptlehrer Kahn mitteilt, wohnen in Th. keine Juden mehr und nur der Name Thannhauser (auch Dannhauser) erinnert noch an die einstige Heimat. Ich gestatte mir dabei zu bemerken, daß die Urahnen meiner seligen Frau rrs? geb. Dannhauser, aus Thannhausen stammten und nach dem Gerusch nach Hürden, dem heutigen Krumbach übersiedelten. Der Großvater (.bn nv» ,'*1) des hochberühmten yv war Rabbiner in Thannhausen. Ttcac raODinlWie Cllcralur. Der bekannte Sanoker, jetzt P i e t r i k 0 w e r Rabbiner, I. M. S ch a p i r 0, der Anreger der '«1» -p und derzeitige Vorsitzende der polnischen Agudas Jisroel, hat soeben einen stattlichen Band R e s p 0 n s e n tir" M21Ü7V1 mi>RE? “iso, Pietrkow 5686) erscheinen lassen, der in reicher Abwechselung 76 größere und kleinere halachische und agadische Antworten, zum Tel! auch Bemerkungen zu fremden Halachischen Werken enthält und eine Fülle von Wissen, Scharfsinn und Kombinationsgabe verrät. Neben den zum eisernen Bestand der rt"w gehörenden mrs rpap nehmen auch rein theoretische einen relativ großen Raum ein. Interessant ist der in einer mivn an Dr. Gerson Lange (es finden sich drei an diese Adresse gerichtete Responsen in dem Buch) enthaltene Nachweis, daß der an mehreren Stellen, an denen die Quelle seines pos sonst nicht erkennbar ist, sich auf den irm stütze. Aktuell ist im Osten eine Erörterung der Frage der Leichensektion in Nr. 74. Selbst der '»t yi hat bereits Anlaß zu einer geboten: in Nr. 75 wird die Frage beantwortet, ob man mit dem letzten *p dem tu genügt, auch wenn es nicht das Normalmaß von zwei o’Yiöj? hat.