Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1926)
- Date
- 1926-07-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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67. Jahrgang. 1—Frankfurt a. M., den—n, m eese" Nr. 30 Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz» ' Abonnement äbJanuärÄ924: 'Deutschland l Goldmarkmonaillch; Ausland: Bierteljährpreise (entsprechend verdeutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Ssterreich: Schilling 8.—; Amerika 1'Dpllar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich und Belgien 28 Fr.; Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 53 Din.; > Lttauen 7.50 Ltt.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr^; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn 50000 Kronen; Dänemark 6-Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3L0 Kronem . 'C ■' '' ' Einzelnummer dreißig Goldpfennige.. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familtenanzeigen nur 30 Pf. Die 75 nun breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textsette 2.— Mk.; Chtffregebühr in Höhe eines dopv. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch, den Berlag des Israelit G. m. b. H., Franks a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 5842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschaftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, H, Tel. Hansa 4641. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. .Zahlungen direkt.an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: .. . . Wartchäu Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Mincha üüs dem großen Gotteshause der Kehal Adaß Jefchurun zu Ihm emporsteigen, her jedem Geschlechte die Führer und Wegweiser sendet und der nun der Besten einen, nach sechsundsiebzrgjährigem ununterbrochenem, Lebens- Gottesdienste heimnehmen will in seine Ewigkeit. , Uns die achte Stunde hat er überwunden. Noch tags vorher, am Freitag Mittags hatte der seit Wdchen erkrankte Meister in voller Geistesfriscke persönlich eine ernste Mahnung an seine Gemeinde diktiert, den Ausschreitungen einer über alle Ärenzen des niV’ax hinwegschreitenden Zeit die alte jüdische Widerstandskraft entgegenzusetzen, und voll frohen Höffens glaubte er bald wieder züm Lehren und Lernen zurüÄkehren zu dürfen, nachdem er Wochen Hindurch aus dem reichen Vorne „f e i n e r" ni.M geschöpft und durch die auswendige Wiederholung möglichst schwieriger VW.1M-ttv dw Mvsrlässtgkoit fernes lSsdächts nrsses und seiner Denkkraft immer wieder kontrolliert Hatte. Da brach die Katastrophe mit dem nahenden ttffi ’fta» jah herein, und in die welterschütternde Klage des jüdischen Volkes um sein in Flammen ausgehendes Heiligtum mischt sich die Träne einer, verwaisten großen. Gemeinschaft,, mischt sich die Trauer der nwx 'öi*np auf dem Erdenrunde um die zerbrochene „Krone der Thora" ' aüf dem Haupte eines ihrer - Erwählten, um das dem Staub e verfallene^ L e b e n s - h e i l i^?tü m ein^s Woßew der sein wiini vi^ sein ' rrr»^! der alle Glut, seiner lohenden Jüdischkeit hienieden täglich und' stündlich ein Menschenleben hindurch /.i'? mh'i mid auf hem , Altar seines Gottes niedergelegt hat. — * In chM ungMcheN Städtchen S z a n t o March - Schetomo B r eai er, als Sohn- 'eines < Mannesvon schlichter jüdischer Pflichttreue, am - - Tamus' -5619 geboren. Mütterlicherseits^ war ihm. das Thoraerbe in die Wiege gelegt; zum Vater seiner Mutter, dem als ältester Schüler des Vxtisio »nn und Vorzugsschüler des ^i bekannten Rabbi Schimon ..Wi e n e r in Lovas-Vereny, trug der wackere Väter auf den eigenen ÄrMen das Kl n v Won nösr nnmgrlitD versWette PW?, damit es beim Großvater zum Thorajunger werde. Dorthin siedelte der Knabe gleich nach der mr»"i2 dauernd über, um vom dreizehnten' Rabbiner Dr. Salomo» Breuer geb. 17, Tammus- 5810, gest. 6. Aw 5686. bis siebzehnten Lebensjahre, an den Methoden des. Chatharn Sofer und Rabbi Mordechai Banechs geschult, kraft der überragenden Geistesanlagen, .die ihm eignetöch‘ bekannten 'ibv zu werden. Als solcher bezog; mit .iNii.i ninn bereits ausgerüstet, der Siebzehnjährige die Prehburger Jeschiwo des. 2y2 1Q1G, dessen Schüler er bis zum Lebensende des Meisters blieb, und wo er. insbesondere das unbedingte Vertrauen und die väterliche Freundschaft des bekannten Rabbi Nöte Wolf erwarb. Dieser Protektion bedürfte es —- denn es konntenicht ausbleiben, daß der an der Lektüre der Schkiften S. R. Hirschs in dem Siebzehnjährigen gereifte Entschluß, durch Vorbereitung zum Abitur und zur akademischen Laufbahn die Waffen für die j?V»sn'nVnanV» sich anzueignen, zunächst starken Anstoß in der Jeschiwo erregen mußte. „Der Salme Breuer Wt 5)DDimr — so raums gm DoWr Dem andern zu; das Getufchel wächst, vergebens sucht Rabbi Nöte Wolf zu beschwichtigen — der begabte Bochur wird ohne Rücksicht auf seine Beliebtheit beim Rabbi, des Beispiels wegen, relegiert. Er geht nach Wien — und nun kommt das Charakteristische dieser sonst alltäglichen Tragödie: der Lektor Friedmann, den man dem Jüngling als wissensreichen . Talmudisten rühmt, gibt ihm den väterlichen Rat, sich ein Zimmer mit einem „ge b i l d e t e n j u n g e n K a u s - Mann" zu mieten, damit er möglichst bald den Ieschiwageist abstreife! Bei diesem Worte sieht er einen Abgrund sich öffnen. Wie von der Tarantel gestochen, entläuft der also Beratene dem Dunstkreis des Ratgebers, schließt sich drei Tage und drei Nächte, unaufhörlich ,vrin lernend, in sein Zimmer ein und — kehrt reumütig nach Preßburg zurück, wo er zwar einige Mußarreden über sich ergehen lassen muß, aber doMWank Rabbi Wolfs Vermittlung, unbehÄMt weiterlernen kann. Nach dem Tode des 18W3N2 kam der Sechsundzwanzigjährige als HMslehrer nach Mainz, glücklich, in dem gesegneten Heime Rabbi Schemuel Bondis in inniger FrenndslHaft dern unvergeßlichen Dr. üehtiianrr nerbuttitenf eine Slaile lehrenden Wirkens zu finden und zugleich seine akademischen Studien in Heidelberg zu Ende führen zu können. Er promovierte mit einer philosophie-geschichtlichen Arbeit mber Kant. Hier in Mainz sollte sich, wie wir heute rückschauend sagen können, der tiefste Sinn seiner besonderen, providentiellen Lebensbestimmung verwirklichen — denn hier, in der Nähe S. R. Hirschs, dessen Lehren schon nach Ungarn hin befruchtend auf die Seele des Jünglings gewirkt hMen, vollzog sich die geistige Synthese in ihrem besonderen Mischungsverhältnis, die die Voraussetzung seiner künftigen Frankfurter Wirksamkeit war, und hier fand er •— ein Symbol dieser Synthese — in der Tochter Hirschs die adelige Lebensgefährtin, die ihm ein halbes Jahrhundert hindurch nicht nur die Mutter seiner Kinder, sondern die schwärmerisch geliebte und verehrte Freundin und Ratgeberin, Stütze und Halt in allen Lebenslagen werden sollte.