Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite JLO 3lt. 29 D Israeli t | - \\! wandte und rechtmäßige Beschützer des Mädchens. Nun durfte aber sein Namen in Verbindung mit der Sache nicht genannt werden. Er muhte seine Staatsgeschäfte in der argentinischen Hauptstadt rasch zum Abschluß bringen und hinaus, mit ihr, und mußte er auch dabei sanfte Gewalt .anwenden. Nun aber seien sie da angelangt, wo er Heimatrecht genieße und kein Staatsgesetz ihn zwingen könne, auf sein Kaufrecht zu verzichten. Reisele schauerte zusammen, sah hilfesuchend zu dem Manne hinaus, der aber in diesem Augenblicke nichts weniger als den unerbittlichen Zwingherrn hervorkehrte. „Es ist nicht dies das Wesentliche meines Erlebens", setzte der Prinz sanft fort. „Wesentlich ist, daß in Deiner Nähe eine Wandlung in mir vorging, und daß je näher ich Dir kam, immer mehr der Herr in mir verstummte und sich der Mensch, auch der Mann, in mir regte. Was aus Deinem Wesen ausging, um mich in meinem Innersten umzuformen, ich weiß es nicht. Die ägyptischen und marokkanischen Frauen meines Harems, ich kenne sie kaum alle, sind schön, schöner als Du und viele andere, die ich gesehen. Aber ich stand doch in Deiner Gegenwart vor mm Neuen, vor einem Menschen, ven W me m meinen grauen gesucht habe. imB Der mir angebotene unb crnerzogene Respekt vor dem Menschen legte und legt mir Schranken auf, die ich dem Weibe gegenüber bis dahin nie gekannt. (Fortsetzung folgt.) Aus meinem Tel'Aviver Skizzenbuch. Von Schloma ben Ascher. VI. Es lief mir ein Käfer über den Weg . . . das heißt: er lief nicht, denn er war tot. Doch fein Totsejn gab mir die Linien für eine Skizze. Und dann war auch eine Fliege schuld, weil sie am Fenster saß und plötzlich tot zur Erde fiel . . . Der Käser hat schon vor Jahrtausenden den alten Aegyptern zu denken gegeben, sie nannten ihn den heiligen Skarabäus und beteten ihn an. Ich verstehe die Psyche der alten Aegypter nicht und weiß nicht, warum sie diesem schwarzen Käfer ihre Anbetung zolltey. Das aber weiß ich, daß es etwas Wunderbares um das Tun dieses Tieres ist. Der Käfer läuft fortgesetzt geschäftig umher, wo er aus seinem Wege Mist sieht, formt er ihn zu einer Kugel, die Kugel wird größer und größer, bis sie sicherlich mindestens zwanzigmal so groß und so schwer wie der Käfer ist, dann macht der Käfer halt, gräbt ein Loch in die Erde und von der Kugel zu dem Loch eine schiefe Bahn, rollt, die Kugel in das Loch und deckt das Loch fein säuberlich wieder zu; wahrscheinlich, daß er vorher noch schnell einige Eier in das Loch gelegt und seiner zukünftigen Nachkommenschaft mit dem Mist gleich Nahrung vorbereitet hat. Doch der Käfer war tot und die Fliege war tot. Sie waren gestorben, weil der heitze Atem des Ehamsin. Des Sßüitannn'nDQS, uqh auf MW Tags zu East in Palästina war. ihnen den Atem geraubt hatte. * Gottes Walten in der Natur! Mir scheint, daß in Palästina Gottes Stimme unmittelbarer und kraftvoller zu dem Menschen spricht als sonst auf Erden. - Blick hinauf zum Abendhimmel! Der Mond und die Sterne über den Fluren des von Gott geheiligten Landes, — welch göttliche Sprache sprechen sie zu des Menschen Seele! Wie ein Abglanz der Majestät Gottes liegt es über dem Abendhimmel, über der Milde des Mondes, über der Unendlichkeit der Sterne . . . Oder stelle dich zum Sch'ma-Gebete vor deinen Gott und erflehe Früh- und Spätregen „zur Zeit". Auch sonst in der Welt kann das Kommen oder das Ausbleiben des Regens zum Segen oder zum Fluch werden. In Palästina entscheiden aber nur wenige Tage im Jahre über Fülle oder Mangel. Wenige Tage starken Regens am Beginn und am Ausgang des Winters zaubern eine unendliche Fruchtbarkeit hervor, das Fehlen dieses Regens bringt Dürre und Hungersnot. Stehen Feld und Garten in ihrer Pracht, dann darf es nicht mehr regnen, dann soll der heiße Wüstenwind einigemalc auf einige Tage das Land durcheilen, um Milliarden Insekten zu vernichten. So entscheiden einige Tage, ja nur wenige Stunden über den Segen oder den Fluch des Jahres, während in anderen Ländern meistens Wochen die Entscheidung herbeiführen. Dieses kleine Palästina ist so reich an plötzlichen Uebergängen — der Segen spendende Berg Geriisim und der fluchbringende Berg Ebal liegen hier nebeneinander —, daß der Blick des Menschen unwillkürlich aus den Meister gelenkt werden muß, in dessen Hand die ganze Maschinerie des Weltalls ruht. Darum konnte dieses Land einen Jesaja und einen Jeremias, einefn David unt> einen Sc^elomoti tjervorbrfngen. » Jesaja. Jeremias, David, Schelomoh. die Propheten des Wortes Gottes und die Sänger des Wirkens Gottes. All, die heute hermgekehrt sind nach zweitausendjährigem Galuth in das Land der Bäter, sie brauchten wieder den die Seele aufrüttelnden Donnerruf der Propheten Gottes, die des Herzens Taubheit erlösende Melodie der Sänger Gottes. Das richtige Wort, die richtige Melodie, — und das Volk Gottes wird im Lande Gottes wieder die Stimme Gottes vernehmen. * Doch meine Gedanken spinnen sich fort, sie, springen vom Hoffen der Zukunft wieder in das Sein der Gegenwart. Warum wird Gott nicht auch ohne Prophet, auch ohne Sänger erkannt, da er doch so deutlich zu jedes Menschen Seele spricht? Zieht die Erdenschwere den Menschen so hernieder? Und wenn schon der Mensch, dem Gott sich durch die Natur offenbaren sollte, Gott nicht erkennt, weil er sein Walten nicht sieht, nicht sehen will, — sollte aber nicht der Sohn des jüdischen Volkes, dem Gott sich auch durch die Geschichte seines Volkes offenbart hat, Gott unmittelbarer empfinden? Aber nicht nur die Väter Abraham, Isaak und Jakob, der Gottesmann Moses, die Propheten und ihre Nachfolger, die Weisen Israels, sind Geschichte, — auch i die zweitausend Jahre Galuth sind es. Und heute noch ist das jüdische Volk der Ahasver, der, unter der Last des Galuth niedergebeugt, noch am Galuth schleppt. Das Galuth hatte zweitausend Jahre hindurch das jüdische Volt gerettet. Heute aber ist es seine Tragödie mdeni es die lüdlschs Seele zu Fall zu brinqsu suchL MP roß) in MUillll. Daß aus Dem ffialuifi WM soll, imm Die toten Des (Mutt) nnttj an Der WiMu Seele und machen es ihr schwer, sich wieder, wie Gott sie einst am Sinai schuf, aufzurichten. * Gott, gibst Du Deinem Volke auch keine Propheten mehr, — gib ihnen wenigstens '«w vnrr '«us m ■>K‘r> ’ra yxa Männer, die Kraft, Gottesfurcht, Wahrheitsliebe und Selbstlosigkeit in sich vereinen und dazu noch — wie einst die Richter in Israel — mit dem Wissen des Judentums und dem Wissen der Zeit ausgerüstet sind! VII. Wenn der ernst mit sich ringende Schriftsteller sich die Muße nimmt, seine Werke zu überschauen, dann überkommt ihn das Gefühl bangen Zweifelns, — und bewußt der Unzulänglichkeit seiner Schöpfungen der Wahrheit gegenüber, ist er versucht, mit einem Schlage all das, was er geschaffen hat, zu vernichten. Auch meine Tel-Awiwer Skizzen sind nur relativ wahr. Sie geben nur einzelne Beobachtungen. Nimmt man all diese Einzelheiten zusammen und vergleicht sie mit der Wirklichkeit, dann genügt das Fehlende, um Bilder anderen Farbeneindruckes zu geben. Auch ist die Beleuchtung ganz verschieden, ob die Dinge in dem durch die Zeitlichkeit begrenzten Raume in ihrer Tagtäglichkeit gesehen werden, oder ob sie in die Weite der Menschheitsgeschichte hineingestellt werden. Die einen werden Tel-Awiw ein Sodom nennen. Was sie unter den hiesigen Menschen erlebt haben, kann sie schier am jüdischen Aufbauwerk verzweifeln lassen. Harter, rücksichtsloser Kampf um den Moloch Geld. Einer sucht den anderen zu übervorteilen, — und nicht nur das: dem Uebervorteilten kann es z. B. noch passieren, daß ihn nach dem noch bestehenden türkischen Recht der jüdische Advokat, um noch Geld herauszupressen, ins Gefängnis setzen läßt. Das Kapitel gewissenloser Bauunternehmer, die ihren Opfern das letzte Pfund herausholen. selber aber nicht zur Darnntroortnng ge. zagen merken Ibmuh, hrt in kee 9»^n Bauperiode dem Ausbauwerk unermeßlichen Schaden zugefügt. Zahlreich sind die Fälle, daß nicht nur jegliche Bruderliebe, sondern auch das Gefühl für die Ehre des jüdischen Namens fehlen. Allein beim Gericht in Tel- Awiw werden täglich mindestens 50 Pfund — mitunter sogar 100 und 150 Pfund — für Prozeßkosten eingezahlt und gehen so dem Vermögen der jüdischen Einwohnerschaft Tel-Awiws verloren. Man fragt sich mitunter, wozil diese Menschen nach Erez Israel gekommen sind? Andere wiederum werden das Häßliche im Bild der Stadt natürlich finden und sich des Schönen freuen, wenn auch das Schöne häufig erst eine kleine Knospe am Entwicklungsbaume der Zukunft ist. Ueberall in der Welt bedeutet eine Einwanderungsstadt Mischmasch. Eine Einwanderungsstadt muh erst Geschichte haben, damit sich aus dem Chaos der Masse eine Schicht mit Charakter herauskristallisiert. Auch fehlen den Menschen einer derartigen Stadt leichter die moralischen Hemmungen, die daheim vor mancher Unrechten Tat zurückhielten. Die Eristenzsucher und die Abenteurer werden sich aus die Dauer m Erez Israel nicht heimisch fühlen. Das Land ist nur klein und bietet für große materielle Erfolge zu eingeengte Möglichkeiten. Wäre Amerika nicht verschlossen, all diese Eristenzen hätten nicht den Weg nach einem Lande gesucht, in dem für sie wahrlich nicht die Luft eines Erez Israel weht. Auf die Dauer ist Erez Israel nur für Idealisten. Diese sehen ferne Schönheiten, atmen seine Geschichte und werden in ihm zum Wesen des jüdischen Volkes, das heißt zu seiner Thora, zurückfinden. Den siebenzig Völkern der Welt bot Gott, so sagen unsere Weisen, die Thora an, doch nur das jüdische Volk nahm sie an. Palästina, Thora und jüdisches Volk sind eins. (Es sind uns in der letzten Zeit von verschiedenen Setten StvhfenfAee über den sittlichen Liefstnnd. man cf) er Kreise im neuen <^reg ^isroel sf»geg«ngen^ Klagen nicht ■ * IS. 1926 nur über soziale Gebrechen, wie sie aus den vorstehenden Zeilen herausklingen, sondern auch über die Zuchtlosigkeit auf sexuellem Gebiete, die mit der Auslösung der religiösen Bindungen Hand in Hand geht. Alt diese Erfahrungen werden denjenigen, der den Wiederaufbau Erez Jisroels als religiöses P f lichtgebot betrachtet, nicht in seinem Betätigungswillen beirren. Falsch wäre es indessen, sich mit einer angeblichen mystischen Fähigkeit Erez Israels zu trösten, ganz von selbst zu „bessern und zu bekehren". Im Gegenteil. — jüdische Ueberlieserung lehrt, daß, wie der Schatten dem Licht, die größte nrroiv der höchsten nvitp folgt und mit ihr ringt. Die Unreinheit, die sich heute in Erez Israel breit macht, sollte der m ä ch t i g st e Ansporn für die organisierte gesetzestreue Judenheit sein, in ihrem bewußten Kampfe für ein jüdisches Erez Jsroel im ureigenen Sinne alle Kräfte einzusetzen. Red.). L» ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inserate«, keil enthaltenen Empfehlungen ritueller Daren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakter» auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME Frankfurt am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 464J Postscheck-Konto Frankfurtmain 142 353 Einzige Inseraien-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen LerasöivPreisermäßigmig Unseren Lesern können wir eine wesentliche Preisermäßigung des altbekannten Enthaamngspolvers „LERASÖR“ der Schwanen- Apotheke, vorm. Dr. WEIL mitteilen. Es wird in bester Vorkriegsqualität geliefert; Inhalt '/» Kilo, RMk. 2.50 — 1 Kilo, RMk. 4.50. L. BARBARiMÖ Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake ieinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten - Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 Tele‘on Hansa 3391 Zeil 88 Versand nach auswärts Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. 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