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Der Israelit · 1926-07-08 · Heft 28 (8.7.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 28 (8.7.1926)
Date
1926-07-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 rllr. 28_ raitest (das sind Judendie angeblich treu zut: Bibel halten und den Talmud ablehnen), als Herren der Situation. Es war dort kaum unter den jüdischen Gelehrten jemand, der imstande gewesen wäre, ihren Fälschungen entgegen zu treten. Die Käraiten kämpften gegen Talmud Ünb Tradition, gegen den Glauben an das ewige Leben und die künftige Welt. Mit den Bäüitflüchtzü allein war ihnen nicht beizukommen. So schlug Rabbenu Saadja deü Weg der Aufklärung ein. In einem großen Werke wies er nach, wie ütisinnig und unmöglich es sei, die schriftliche Lehrd ohne die Auslegung und Ctklärung, die die mündliche Lehre dem kurzgehaltenen Textworte gibt, ZU halten. Del? Taltnud ist kein stltzsttindigsL Werk, sondern der Schlüssel für die Thora. Nabbeim Saädja wies an Beistzieleü nach, wie auch die Karaiten ihre eigene Tradition hätten, uüd diese sogar als.„Thora" ausgabem All die Gebräuche der Karaiten entferüen sich vom schriftlichen Gesetz, erleichternd oder erschwerend. Leider ist dieses spezielle Werk Rabbenu Saadjas gegen die Karaiten verloren gegangen, da letztere alle Mittel anwändten, es aus der Welt zu schaffen. Aber sie selbst haben durch ihre Gegenschriften dafür gesorgt, däß .• die Grundgedanken dieses Werkes uns erhaltest blieben, außerdem, kehren sie in stielest änderen Werken Rabbenu Saadjas, auch in seinem Hauptwerke „Emunoth Wdeoth" wieder. Bis auf den heutigen Tag sehen die Karaiten — die übrigens im Aussterben sind, da sich die Jugend -vollkommen assimiliert hat — in Rabbenu Saadja ihren gefährlichsten Gegner. Besonders könnest sie es ihm nicht verzeihen, daß er die Wahrheit über die Entstehung der Partei aufgedeckt Hatz nämlich daß Ach an im achten Jahrhundert «u? MrüuMm TUgsig öem rsMMschen iöuDen? tum den Krieg erklärt hätte, stur deswegen, weil die Jefchiwahäupter ihn nicht zum Patriarchen gewählt hatten. Rabbenu Saadja befaßte sich auch mit K a b - bala und Philosophie, zeigte, was ist letzterer gut, und wa^r irrig und verwerflich ist. Der Verstand, so sagt er, ist bei der Erforschung der göttlichen Wahrheit nicht auszuschalten, dennoch lasse man sich nicht von ihm allein leiten, weil er den Menschen leicht irre führen kann. Höher als alle Wissenschaft steht der Glaube. Rabbenu Saadja übersetzte die Bibel ins Arabische, wobei er in Bemerkungen die irrigen Auffassungen der Karaiten sowohl, als auch anderer Erklärer, die ihm nicht zusagten, widerlegt. „Gott ist rein geistig und seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt. Allein: „Gelobt ist die Herrlichkeit Gottes von seiner Stätte", d. h. über seine Stätte, über die Welt hinaus, die in Gott wohnt und nicht umgekehrt. Wer die Thora zur Richtschnur seines Lebens nimmt, bei dem kann es keinen Zwiespalt zwischen Glauben und Denken geben. Rabbenu Saadja macht es den Juden 3ur neben bem Tcrlrnub ff II ff st) gu studieren und nicht die heilige Schrift den Karaiten und anderen Gesetzesleugnern schutzlos auszuliefern. Rabbenu Saadja schrieb auch eine Einleitung zum Talmud und übersetzte einen großen Teil der Mischna ins Arabische, was ihm einen großen Namen in Afrika, Asien und auch in Europa verschaffte. Sein Mut und seine Kampflust zu Ehren Gottes und seiner Thora ward allgemein bewundert. Im Jahre 928 erhält Rabbenu Saadja, kaum 36 Jahre alt, den ehrenvollen Ruf nach Babylon, um in Sura — an der früheren Lehrschule der ersten Amaraim — die Stelle des Gaon zu bekleiden.. Es war zum erstenmal, daß man für diesen höchsten Posten einen Lehrer von auswärts berief. Mit seinem Einzug in Sura erhielt das bereits im Niedergange begriffene babylonische Gaonat wieder einen ungeahnten Aufschwung. Unzählige Schüler schärten sich um Rabbenu Saädja, und Sura wurde wieder der MiÜeWnkt des geistigtzii Lebens. Gine gbjje Ref^bysenliterätur zeützt bön dem gewaltigen igeWeti Verkehr zwischen Sura und der tzesäniten Diasstorä. Sei Israelit Leider erweckte dieser rasche Aufstieg des jungen Meisters auch Neid, und besonders wenig ehrenvoll ist bei dem Kampf, der jetzt um Rabbenu Saadja tobte, die Rolle des damaligen Patriarchen David ben Sakkai, der zuerst Rabbenu Säadja näch Bäbyton berief, ihn über dann, da dieser, ihm nicht zu willen war, mit seinem Hasse vörfsttM. Ätasi sägt dem Patriärchen David ben Sakkai Nach, daß er von Ehrgeiz und Geldgier nicht frd war. In einem Erbschäftsprözeß suchte er die Hjlse der beiden Gaynim an. Während der greise Gädn zu Pümpedita nicht die Kraft fand, gegen den mächtigen Mann aüfzutretew entschied Räb- MÜti Edd&jd gegen Jl<m ihn dieser gu einer Anerkennung seiner Förderung unter Berufung auf die Autorität des Patriarchen zwingen wollte, ließ ihm Rabbenu Süaöja sagen, daß es in Rechtssachen keine andere Aütörität als die der Thora gebe. Der Patriarch drohte mit der Absetzung und machte die Drohung auch wahr. Die treuen Anhänger Rabbenu Saadjas agitierten aber für die Absetzung des Patriarchen. Zu Rabbenu Saadja hält das ganze Kollegium der Jefchiwa sowie der gesamte Geistesadel von Babylon und Bagdad. Die Schule zu Pumpeditä mitsamt einigen Geldmagnaten im Üänöe hielten zu David ben Sakkai, und zwei Jahre hindurch war däs Volk in Babylon in zwei Reiche geteilt, mit zwei Patriarchen und zwei GaöNim. Zuletzt aber reichten doch die materiellen Mittel Rabbenu Saadjas nicht mebr für den Kampf Nus und er zog sich als Privatmann nach Bagdad zurück, wo er, frei von Arntsgeschäften, das jüdische Volk mit den reichsten Gaben seines Geistes beschenkte. Viele talmudische Abhandlungen, herrliche religiöse Lieder und (Se* betef Wir K«lriwnsr«M, ein Kommentar zum kabbalistischen Werke „Sefer Jezrrah" Und schließlich sein Hauptwerk „Emunoth Wedeoth" sind in Bagdad entstanden. Der Ein druck des letzteren Werkes auf die gebildeten Kreise, die mit ihren Zweifeln schon weit weg vom Judentum waren, war ganz gewaltig. Wie er da das Wesen der Offenbarung schildert, den freien Willen des Menschen darstellt, die Stimme Gottes in uns hören läßt, war m dieser Tiefe und dieser Form bisher noch nicht gehört worden. Das Werk gehört heute noch zu den Grundbüchern unserer religiösen Philosophie. Nach dem Tode des Kalifen, der dem Patriarchen David ben Sakkai zu seinem Siege verholfen hatte, kehrte Rabbenu Saadja, dessen Ansehen inzwischen gewaltig gewachsen war, nach Sura zurück und nahm, verehrt von der gesamten jüdischen Welt, seine frühere hohe Stellung wieder ein. Es scheint auch eine Aussöhnung zwischen Gaon und Patriarchen zustande gekommen zu sein, denn als drei Jahre später (940) David ben Sakkai starb, setzte Rabbenu Saadja dessen Sohn in das Patriarchenamt ein. Dieser jllNgs Patriarch erlitt infolge einer Sßerleuntbttnq öen frühen Äob, unö Aabbeuu Saadja nahm dessen junges Kind, den Enkel seines grimmigsten Feindes, in fein Haus, um ihn für feine spätere hohe Aufgabe als Patriarch zu erziehen. Die vielen Leiden und Enttäuschungen zerbrachen den Körper, in dem ein so genialer Geist wohnte. 942 starb der Gaon, kaum 50 Jahre alt, und mit ihm starb auch der Glanz des Babylonischen Gaonates. Während der letzten Gaoniten hatte die Babylonische Schule schon mit den Schulen in Spanien zu konkurrieren, wohin ich bald der jüdische Geist vollends übertrug. Lichtgestalten aus dem jüdischen Mittelalter. Besprechung eines nicht erschienenen Büches. Plan soll nicht nur Bücher, die bereits düs Licht des Druckes erblickt haben, rezensierensönverN es scheint mir noch eher. Pflicht, auf Bücher, die des Verlegers harren, die Welt aufmerksam zu machen. Anläßlich meines Wiener Aufenthaltes legte mir der.mit einigen guten hebräischen Werken (u. a.v Wissenschaftlichen Kompientar zur „Hagada") gut eingeführte Gelehrte Schewach Knobel ein Manuskript vor, dem ich im Interesse unserer Literatur und unserer Jugend butt ijergeit ein 8. Jultz1928 baldiges Erscheinen wünschen möchte. Es find darin in schönem fließendem Hebräisch zehn Biographien enthalten, und zwar von Raschi, Rambam, Rosch, Tut, „Beth Josses", Remo, Tas, Schach „Mögen A w r o h o m " und „ P e r i M e g o d i m ". Hundertvierzig weitere Namen von Lehrern des Mittelalters sind in Zusammenhang mit den biographischen Abhandlungen mitsamt kurzen Daten angeführt. Die großen Lehrer sind nach den Namen ihrer Hauptwerke, unter denen sie der jüdischen Welt bekannt sind, genannt, und auch aus dem Grunde, weit neben dem Lebenslauf der Männer auch ein kurzes Bild ihrer Werke entworfen ist. Wer weiß, wieviel Unkenntnis über Zeit und Wirken der großen Kommentatoren und' Dezisoren auch in Beth hamedrasch-Kreisen herrscht, wird den Wert dieses Werkes voll ermessen. Vielleicht genügt dieser Hinweis, daß sich ein Verleger findet. um diesen Sfljüij für Die jüvlilge Dessenlischlöst zu heben. Cs wäre sehr erwünscht, mit der hebräischen zugleich eine deutsche Ausgabe herzustellen. —ß. Ls iff äüsWletzNch SM kt tzefttz m litt Inseratenfeit enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellglonsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. STERN gegründet. 1887 Cigaretten OCtARRHNf Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaisersträße 7 Kaiserstr8i Tc^IoilH“'i 339i Zeil 88 Versand hach auswärts DIE REISE! Prismenfeldstecher Photo-Apparate und Zubehör Kompasse und Höhenmessbarometer Reisethermo- und Barometer Autou. Schutzbrillen Schlesicky- Sf rohlein G. m. b. H. 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