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Der Israelit · 1926-07-08 · Heft 28 (8.7.1926) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 28 (8.7.1926)
Date
1926-07-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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M- Die Perle von Aegypten. Die wundersame Geschichte einer jüdischen Tochter. Von S. Jzchaki. (Fortsetzung). Sprachlos standen die Mädchen eine Weile da, und wieder war es Milka, die das erste Wort fand. „Hast Du Vertrauen zu dieser Frau?" fragte sieroeljj es rttcf>i> lef, ^jörie fte gxttrt etrfiett Male sprechen/' „Die Polizei!" schauerte Feige, immer noch voller Angst. „D i e kann mich wenig schrecken", sagte Milka. „Wenn sich gute Menschen unserer annehmen.... Ja," setzte sie mit bitterem Spotte fort, „wenn sich gute Menschen finden, die uns beistehen, können wir es noch hier bis zur Auf - wafcherin in einem rituellen Restaurant bringen, und wir sehen dann aus wie Frau Fradel. Ich kenne die Welt und die Menschen, die sich eines schutzlosen Mädchens annehmen." Sie ballte die Fäuste, als wollte sie gegen die Welt anstürmen. Aber schon ertönte unten das Signal einer Hupe. Ein leichtes Auto , hielt vor dem Hause. Eine scharfe Stimme rief die Treppe herauf nach Reisele. Er war'es, es war kein Zweifel. Bevor noch Rabbiner, Polizei und sonst wer ihnen zu Hilfe kam. Was sie nun auch anfangen wollten, es mußte ein rascher Entschluß gefaßt werden. „Wir bleiben alle hier, oder gehen zusammen". sagte Reisele fest, ohne auf die Rufe von Itöfßtt ZU ¥ßÖ0ißm Ern Wiener ffcmt' tmb holte flumttt dett gepackten Koffer herunter. Sie wehrte ihm nicht. Er sagte, der Prinz (sie hörten ganz genau, „der Prinz") lasse bitten. Reisele gab keine Antwort. Rach wenigen Minuten stand der fremde Herr in Uniform selbst im Zimmer vor den Mädchen, stolz und aufrecht wie immer. Die Orden und Goldborden an seiner Brust leuchteten mehr denn je. Er sah etwas stutzig nach den ihm wobl nicht fremden, aber hier nicht erwarteten Gesichtern, gewann aber bald sein ruhiges Lächeln wieder und sagte: „Du wirst dich nun von Deinen Freundinnen verabschieden müssen, der Wagen wartet unten, es ist nicht mehr viel Zeit." Reisele sah starr abwechselnd zu dem Manne und zu den Mädchen hin, als erwartete sie. eine göttliche Eingebung, ein Zeichen vom Himmel. Dann aber sagte sie mit abgewandtem Gesichte: „Wir werden uns nicht voneinander trennen. Wir bleiben beisammen." „Du willst nicht mit?" Minutenlanges dumpfes Schweigen. „Ich möchte, wie ich es immer war, ritterlich bleiben, wie es mir schon mein Amt und meine Stellung gebietet, auch die Rücksicht auf die Frau. Es wäre mir daher im höchsten Grade peinlich, Gewalt gebrauchen zu m ü s s ß iT, faßte er scharf, mit taiter Galantem. „Mit welchem Rechte, mein Herr?" mischte sich jetzt Milka ein, da Reisele starr vor Entsetzen mit hilfesuchendem Auge, immer noch in Erwartung eines Wunders, dastand. „Mit dem Rechte eines Mannes auf feine Pflichterfüllung, mit dem Rechte, das die Pflicht dem Starken gewährt, den Schwachen vor Not und Elend schützen zu dürfen." - „Gegen seinen Willen?" „Auch gegen seinen Willen." „Wir werden uns den Schutz selbst verschaffen", kam das ukrainische Mädchen in Feuer. „Es wird auch hier im Lande noch Gerechtigkeit geben. Wir rufen nach der Polizei, sie ist schon auf dem Wege." Der Uniformierte lächelte in stoischer Ruhe und Ueberlegenheit. , „Gegen die Polizei in dieser Stadt bin ich reichlich gewappnet — er zeigte auf seine Orden. Ich könnte mich übrigens auf gewisse Papiere undUnterschriften berufen, mit denen diese e i n e — er zeigte auf Reisele — mir verpflichtet ist. Ich könnte mir auch alles ersparen. Es genügte e i n Wort, ein Wink, und meine Diener, die unten meiner Befehle harren, packten mit kräftiger Hand zu, bevor noch der Minutenzeiger fünf Striche.zurückgelegt hat. Aber t<3E> fagte ss schsn. gshs höfdllf Ö11S. Ich hiktk den *§chntz W?? $?nllemcmr &te|er fäll sich nicht aus Gewalt stützen. Auf alle Fälle mutz jeder Austritt, jedes.Aufsehen und besonders Einmischung der Polizei vermieden werden. Darf ich nun bitten?" streckte er selbstsicher der ganz verdutzt dastehenden Reisele den Arm entgegen. Da die drei wie angenagelt auf ihrem Platze standen, ohne Wort und ohne Bewegung, lenkte der Mann, an Reisele gewendet, noch einmal ein. „Was sollte Dich veranlassen, hier zu bleiben, wo nur Elend und Demütigung Deiner harrt? Ich bin ein mächtiger Mann, mächtiger als Ihr ahnt, das sollst Du erst später erfahren. Es soll keine Ruhmrederei sein, sondern Dir die Sicherheit geben. Die Landespolizei muß, obwohl ich sie nicht fürchte, aus dem Spiele bleiben. Die Nennung meines Namens in Verbindung mit der heute aufgedeckten unsauberen Geschichte, mit der ich in Wahrheit nichts zu tun habe, und mit der Verhaftung Heymfons wäre eine schwere Kompromittierung, die im Interesse meines Staates und der Sache, die ich vertrete, vermieden werden muß. Darum reisen wir gleich ohne Verzug." ..28ßtmt?" „C^ ist M wMp Wsg, nach Aegypten, durch den Atlantus und dann auf dem Mittelländischen Meere, an vielen Ländern und schönen Küsten vorbei, wo das Leben anders und besser ist als hier." Als wollte er die harten Worte von der Möglichkeit einer Gewaltanwendung wieder wett machen und das Vertrauen des Mädchens wieder ganz Herstellen, setzte er noch hinzu: „Es geht in erster Reihe um meinen Namen, aber auch um Deine Ehre und um mein Wort, mit dem ich mich für Deinen Schutz verpfändet habe und das ich nicht mehr einlösen könnte, wenn Du in die Hände der Polizei kämest." „Sind Sie nicht selber Polizei?" platzte jetzt Milka heraus, „Sie sind uns doch auf dem Schiffe als oberster Vertreter derselben vorgestellt worden und haben sich wohl auch selbst als solcher ausgegeben." „Was auf dem Schiffe vor sich ging, das wird sich noch klären, aber nicht jetzt und nicht hier. Mein Amt stellt mich über alle Polizeigewalt, und dennoch möchte ich hier, wie ich schon sagte, mit dieser nichts zu tun haben. Daß ich es aber nicht auf Seelenfang und Menschenraub abgesehen habe, werde ich bald beweisen. Du kannst", sagte er gedehnt, zu Reisele gewandt, „wenn es Dir beliebt, schon im ersten Hafen, den wir außerhalb Argentinien 3 aniaufcm an Land gehen, mein Manneswort darauf, ich halte Dich nicht, sondern im Gegenteil, ich statte Dich mit Geldmitteln und Empfehlungen aus, die Dir ein sorgenloses Leben unter Brüdern und Schwestern ermöglichen. Nur von hier müssen wir weg, und zwar schon gleich, in meinem, wie auch in Deinem eigenen Interesse." „Und meine Freundinnen?" Der Mann überlegte einen Augenblick, dann sägte er entschlossen: kr.rr „Ich fühle mich zwar nach der Richtung hin weniger an Wort und Verpflichtung gebunden. Aber immerhin sei es ihnen freigestellt, mit uns zu gehen. Ich würde es begrüßen, auch diese letzten Spuren der häßlichen Geschichte zu verwischen, wenn ich auch kein unmittelbares Interesse daran habe." Flehend und hilfesuchend sah Reisele zu ihren Freundinnen hin. Milka überlegte still und angestrengt. Sie sah auf der einen Seite lachende Küsten, blühende Inseln, sonnige Länder, ein neues freudvolles Leben unter Brüdern und Schwestern. Auf der anderen Seite stand vor ihrem Geistesauge Fradel, die zu Boden geknickte, getretene Aufwaschfrau in der Pensiou Melzer, mit ihrem wachsgelben, knochigen Gesichte, verzerrt von Rauch und Kummer. Es hieß nun. zu wählen zwischen dem mm U88 hm mtem WM. llnD als MM es noch irgend etwas in ihrem Inneren aufhalten, stürzte sie, ihre- Stimme überschlug sich fast, das Wort heraus: „Wir gehen mit Dir!" Und schon nach wenigen Minuten rollte der Wagen in Windeseile die Straße hinunter zum Hafen. Eine Stunde später stand der greise Rabbi Fischet mit zwei Männern der Kriminalpolizei vor der Türe des Hotels. Auch Frau Fradel war dabei. Die Sache war etwas länger gegangen, als sie erwartet hatten, bis die Polizeiämter mobil gemacht werden konnten. Es begann nun im Foyer des kleinen Hotels eine Untersuchung, ein Ausfragen des Personals. Keiner wüßte etwas Genaues, keiner wollte etwas Rechtes gesehen und gehört haben. Ein Mädchen habe hier eine Zeitlang gewohnt, ein stilles, ruhiges Mädchen, dessen Sprache man nicht verstand. Wer küm-. merte sich weiter um sie? Sie sei vor einer Stunde abgereist, mit unbekannten Zielen, mit einem unbekannten Herrn. Dttrrlit tjatte - bie SpoHgex £>enxfjtgi. Sie hatte ihre Pflicht getanihres Amtes gewaltet und war zufrieden. Der Rabbi aber wankte bestürzt nach Hause. Es war ihm vom Himmel nicht befchieden, eine heilige Pflicht zu erfüllen. Vielleicht hatte er es verabsäumt, alles zu tun, was ein Rabbi zur Rettung einer jüdischen Seele hätte tun müssen? „Eine jüdische Tochter", seufzte Fradel, als sie in später Nachtstunde die Treppe zu ihrer Dachkammer in der Pension Melzer hinaufkeuchte. „Und ich kam zu spät. Ich komme immer und überall zu spät im Leben, ob es um mich oder um andere geht." ' Und in überströmendem wehem Gefühle umarmte sie ihren im Bette friedlich schlafenden Jungen und küßte ihn leidenschaftlich ab, als müßte sie den Kleinen vor einer Welt und ihren Tücken mit ihrem Leibe schützen. (Fortsetzung folgt.) Rinderecke. S&ahh&tttt ®ftöb|ß (Sßött. Man kann nicht mit Bestimmtheit sagen, woher er stammte, und wo er seine erste Ausbildung bekommen hat. Rabbenu Saadja selbst führte seinen Stammbaum auf den Tana Rabbi Chan i n a b e n D o s s a zurück. Geboren 892 nach der üblichen Zeitrechnung in Aegypten, führte er sich mit zwanzig Jahren in die jüdische Welt mit einem hebräisch-arabischen Wörterbuche ein. Als er drei Jahre später nach Palästina kam, fand er dort die Ka-

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