Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1926)
- Date
- 1926-06-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 10 JU. 26 Der Israelit 24. Juni 192« und wir eilten davon, bevor er uns erblickte. Und Iauch die letzten Liebesdienste an verstorbenen, «Großen Rad sind erlofchey. Aber wenn der Abend Ifrembett SSriiberr» in allen Fällen, die bem Vereine fommt, rnerdsn sie rvieder aufblitzen und sich bewegen, Igernell»et werken. @s ftnh {jter ältere unt» jüngere lauf iirii dfe, äiif iitt& ätz. . . . «Männer unter Führung von Gabaim, die ihre nun sind «m HM." (Fortsetzung folgt.) Wiener Impressionen. i ganze Seele dem Werke geweiht, versammelt. Alle chassidisch orientiert, der Gottesdienst nach fephardischem Ritus. Das dicke Gebetbuch, das mir, dem nichtchassidischen Fremden, liebenswürdig in die Hand gegeben wird, enthält neben Soharstellen und Aussprüchen des „Hatanja" auch Erklärungen des Wil- Wochenkalender. vom 26. Juni bis 3. JuM928./ vom 14. bis 21. Tamus 6688 IV. Rach Wien z u r ü ck. Da ich nicht warten konnte, bis mein Dampfer zurück Inaer Gaon, neben kabbalistischen Deutungen des Noam von Rutschuck kommt, benutzte ich Montag früh für die Rück- Elimlech, Gleichnisse vom Dubnaer Maggid und das fahrt nach Wien die elektrische Straßenbahn und muhte „Sendschreiben der Moral" von Rabbi Israel S a - die Erfahrung machen, daß der Weg vom Dampf zur lanter. Ein herrliches Gebetbuch, das mir geschicht- Elektrizität einen wesentlichen Fortschritt bedeutet, nicht lich mehr sagt als liturgisch, ein jüdisches Haus, in dem allein hinsichtlich der technischen Kultur. Hier spielt sich der „Raw" und der Gaon, der Chassidimrebbe und der die Paß- und Zollkontrolle so rasch und schmerzlos ab, Mussarlehrer friedlich und freundnachbarlich nebendaß man ohne Verlust einer Minute ganz unvermerkt einander wohnen. Da ich hier reden soll, knüpfe ich an sanft hinübergeleitet in die jenseitigen Gefilde. Ob und die Zusammenstellung in dem mir gereichten Gebetbuche was für Geld ich bei mir hätte, wurde ich vom Hüter Lemberger Druck an. des tschechoflooakifchen Staates auf dem exponiertesten Am zweiten Festtage muß der Gottesdienst in diesem Grenzposten gefragt. Geldausfuhr ist verboten. Es Vereinsbethause früher und rascher als sonst vor sich _ stand aber in meinem Paß, daß ich Schriftgehen. In einem fernen städtischen Spital hat ein armer l Es Ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratensteller und Redakteur sei, und er fragte nicht Bruder, ungenannt, ungekannt, in fremder Umgebung teil enthalkenen Empfehlungen ritueller Waren oder weiter. Die Tschechoslovaken sind Kulturmenschen und seine Seele ausgehaucht und soll heute auf den noch I sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre wissen Bescheid. . . . weiter liegenden jüdischen Friedhof hinausgetragen 1 *-... — — — — — — — — — — — werden. Die Gabbaim und ein großer Teil der Beter Mark und Schilling. werden dabei sein. Sie werden nahezu drei Stunden zu Den Wiener Droschkenkutscher, oder Fiaker, hat Fuß hinauswallen und ebensoviel für den Rückweg der liebe Gott im Dämmer zwischen Tag und Nacht brauchen. So werden ste das Fest der Gesetzgebung geschaffen, er ist eine so liebliche Mischung von Gemütfeiern. Ihre Familien werden das Festmahl ohne sie lichkeit und Grobheit, daß man mit ihm durchs Leben einnehmen. Das ist Opferfreude, das ist Mizwoliebe! (Frankfurt a.M. INHABER A. STERN gegründet 1887 fahren könnte, wenn er nicht erstens die Eigenschaft hätte. Und es ist nur eine der vielen Vereinigungen in dieser immer in umgekehrter Richtung zu fahren, zweitens am Riesenstadt, in der hinter den Gardinen der Judenbezrrke Ziele ungefähr das doppelte von dem ausgemachten Frau Sorge heute nicht weniger waltet als m allen Preise zu verlangen und drittens — stille internationale j Städten Ost- und Mitteleuropas. Samstag Jun. 26 14 nun 'i 'fi pia Sonntag 27 15 Montag 28 16 Dienstag 29 17 tiana ivs rtsratp Mittwoch 30 18 Donnerstag Juli 1 19 Freitag 2 20 Samstag 3 onrs 21 Konvention der Kutscher aller Welt — auf größere Geldstücke nicht herausgeben zu können. Da mich die Preßburger Trambahn in Wien an irgend einem Bahnhof absetzt, von wo aus man bequemer nach Sofia in Bulgarien gelangen kann, als in mein Quartier im zwanzigsten Bezirke, muß ich mich einer solchen Vom Lichtrade. Abends sind die Straßen des Außenbezirkes mäßig beleuchtet und mäßig belebt. In der Ferne bewegt sich riesige Lichtschrist langsam in der Runde. Es ist das Große Rad am Prater, das dem Fremden im Auf „führenden Persönlichkeit" anvertrauen, und sie entspricht und Ab das Dächermeer der Stadt zeigt, das dafür abends allen drei genannten Voraussetzungen — wozu noch ein mit seinen Riesenglühlichtern in der ganzen Stadt sicht- Neues kommt. bar ist. Am letzten Wiener Abend konzentrieren sich Der Mann weigert sich, am Ziele angelangt, partom meine Gedanken und Eindrücke auf das wandernde Licht, deutsches Geld in Zahlung zu nehmen. Und hier ist die das im langsamem Auf und Ab nie erlischt. . . . Grenze, wo die Gemütlichkeit aushört und die Grobheit Von Wien reden und dem „Prater" keine Erwähnung beginnt. Ich rede dem Mann gut zu, wie einer störrigen tun, wäre eine Versündigung gegen Geist und Wesen der Kuh — obwohl es ausgemacht ist, daß er männlichen Stadt. Der Prater ist ein großer Juxplaß von so und Geschlechts ist —, berufe mich auf den seligen „Drei- U0 viel Kilometern, wo Ueber- und Untermenschentum sich bund', auf diverse Verträge, auf die gemeinsamen Leiden die Hand reichen und der normale Alltagsmensch darunter des Krieges, auf die Anschlußbewegungen, zuletzt sogar mit aufgerissenem Munde und aufgerissenen Augen wanauf das vergessene „Mitteleuropa von Friedrich Naudelt. Man kann dort den „kleinsten Mann" sehen, der in mann und erreiche mit all dem, daß ich dem „Fiaker so einer Zylinderschachtel seine Fünfzimmerwohnung — mit viel deutsche Reichsmark zahlen darf, wie ich ihm oster- Alleinküche — hat und die „dickste Frau", die alle reichische Schillinge schuldig bin. Johann Strauß hätte Attraktionen des „Wurstelprater" aufwiegt. Man über unsere Unterhaltung eine neue Wiener Operette sieht ^s Gedärm eines Miniaturbergwerkes und freut Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO inkfurt a.M. INHABER A. STERN gegründet 18 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiscrstr 81 Te,e‘“ H““33,1 Zell 88 Versand nach auswärts D. 6 Birobrot I _ robrot EU unter Verwendung biochem, Aufbausalzeu das Volksbrot der Zukunft Man beachte den vorzüglichen Geschmack. Erhältlich in den mit den Biroplakaten ausgestatteten Lebensmittel - Geschäften BROTFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Hermesweg 8—12 - Hansa 3862 u.795. jfüj über Jooiet |jtei|^ her oJj/ne uns enthaltet toirb. SDia« „genießt" einen Tchifssuntergang und „erlebt" eine Hinrichtung. In einer Bude von kaum zwanzig Meter in der Höhe kann man den ganzen Himmel mit all seinen Planeten, einschließlich der Milchstraße und Nebengassen sie^rieben. Was Opferfreudigkeit vermag. Noch ein erlesener Genuß war mir in Wien beschieden Ich besuchte die Jessode Hathora-Schule, die, .. . .. geistig versorgt von einem Stabe begeisterter, hingebungssehen; all das umglitzert von tausend falschen Lichtern, die voller Lehrer, ein unermeßlicher Segen geworden ist für Glück und Schauer, Verheißung und Erfüllung vordie Stadt, in der heute Hunderttausende unserer Brüder gaukeln. Hierher kommen die Menschen, um für einige aus aller Herren Ländern ihre Heimat gefunden haben. Stunden mit dem Ballaste ihrer Sorgen alle Sand- Da sah ich neun- und zehnjährige Jungen, die ganz wie säcke der Kultur abzuwerfen und, einem dunklen Drange in Preßburg, mit Rowo und Abaje auf Du und Du folgend, in das wilde Urmenschentum zu verfallen. Darum standen und schwierige „Tausfaus" „ausredeten", daß rast man in der „Schwebebahn" durch Höhlen und einem das Herz aufging. Kleinere und größere Abtei- Klüfte, über Berg und Tal, wobei an einem ganz belungen, und überall die gleiche Liebe, der gleiche Eifer bei stimmten Punkte alle Insassen wie auf Kommando mit Lehrern und Schülern. In einer Abteilung sitzen Mädeinem wüsten Jndianergeheul anzeigen müssen, wie weit chen bei Chumisch und Tefilloh, die herrlichsten Kinderweg sie sich bereits von der Menschenkultur befinden. Um typen, die ich je in meinem Leben gesehen. Die Töchterdie üble Angewohnheit des Aufrechtgehens zu verlernen, erziehung, ein trauriges Kapitel im Osten, insbesondere in gelangt man auf eine „Rutschbahn", auf der man mit dem Galizien, sucht hier im großen Wien, wo sich Ost und Kopfe einige Minuten früher als mit den Beinen ans West die Hand reichen, ihre jüdischen Wege. Leiter der Ziel kommt. Eine „Achterbahn" nimmt dann die sündige Schule und, wie das hier üblich, mit all ihren materiellen Seele auf und würfelt sie im Schleudertempo eine zeit- Sorgen belasteter Oekonom, ist ein früherer Schüler der lang durch den Weltenraum, worauf in einer anderen Frankfurter Jeschiwoh, Rabbiner S. Neuwirth. Halle dieser Danteschen Hölle ein chinesischer Riesengötze Wenn er von den Sorgen der Anstalt spricht, verfinstert den glücklich Gelandeten in Empfang nimmt und auf sich sein Gesicht, spricht er aber von ihren Erfolgen — einem Karussell unter den Klängen des Walzertraumes und ich kann sie auf meinem Rundgang von Abteilung die ganze Skala der Seelenwanderung absolvieren läßt, zu Abteilung feststellen —, erglänzt sein Antlitz in Freude Haben die Menschen all dieses und vieles andere erlebt und Hoffnung, in der schöpferischen Freude des Meisters, und erlitten und sich in der Halle, die diesem Platz den der an seinem Werke, das von Leben durchflutet ist, nicht Namen gibt, kannibalisch gestärkt, so setzen sie sich in ein verzweifeln kann und mag. Zum Teil ist die Jessode Koupee des Großen Rades, werden langsam auf Hathora-Schule eine wertvolle Ergänzung der Vorbild- und ab „gerädert", und werfen noch einen Blick auf die lich geleiteten „Talmud Thora"-Schule, zum größeren Stadt mit ihrer Kultur, die ach so weit, so weit weg schon Teile lebt sie ihr eigenes Leben für eine große Reihe von liegt. „Küß die Hand, schönes Wien!- Schülern und Schülerinnen, die ausschließlich in dieser Da ich es vorziehe, statt vom Rade Wien, umgekehrt Schuls ihkö jüdische Ausbildung und Ertüchtigung erevn Mkll N«d gu bewundern, bekommt das haltert._ wandernde Licht an diesem Abende gang ander?» fast In der Dreihunderttausendgemeinde, die sich unter I symbolische Bedeutung für mich, dem losen Hängedach der „Kultusgemeinde" in unzählige — — — — — — — Synagogen und Bethausvereine zersplittert, gibt es I Abschied, mehr Interessen, Wünsche und Bedürfnisse, als der größte Gemeindeapparat befriedigen könnte. gute u. preiswerte Badeapparate bei: E.H/MiEnCO Am Eschenheimer Tor 3 Hansa Grosswäscherei vorm. 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Näheres durch Inserat und durch die Exhamidrasch in der Treugasse des zwanzigsten Be- Morgenblätter aus. Eine erlesene Attraktion für den pedition. zirkes einen Unterstützungsoerein „Bikkur Cholim" Kaffeetisch: ein großes Eisenbahnunglück in München,- kennen zu lernen, der hier sein Heim und sein Bethaus ein kleineres in Wien selbst. Das Auto saust durch die S^SLaL^itowi hat. Unterstützt werden vornehmlich Kranke in Spitälern, langsam erwachenden Straßen dem Westbahnhof zu. «öwttz, ebenda. — ob Mitglied oder nicht. Zu seinen Obliegenheiten gehören I Noch ein Blick auf den Praterstern. Die Lichter am > Druck Hermon Berlags-Akttengeseuschaft, Frankfurt a. M.