Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1926)
- Date
- 1926-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 " 24 ] ii i. f Narr jrf>ie£>t man weiter mit derp ]]] KfiVirn, «n sinsn anderen Lisch, wo nach einigem Warten ein anderer Beamter quer über die Wasserzeichen einen Vermerk anbringt mit einem Blaustifte, der keine Spitze hat. Mit diesem herrlichen Dokumente gelangt man nun an einen Schalter, erhält eine Nummer, wartet damit etwa eine Stunde an einem anderen Schalter, gibt an einem dritten Paß und Bogen ab und wird in den Nebenraum an die Kasse geschickt, womit man glaubt, die Prozedur überstanden zu haben. Weit gefehlt! Hier beginnt's erst. In diesem schmalen, langen Korridor, der sich „Kasse" nennt, stauen sich die Menschen aus allen Teilen Europas und ganz H a l b a s i e n. Typen dabei, bei deren Anblick man unwillkürlich an seine Geldbörse greift und sich wundert, daß sie noch am Platze ist. Der Weg nach dem Balkan, nach der Türkei und nach dem ganzen Orient geht von Wien über diesen schmalen dunklen Korridor. Eingeweihte, die Bescheid wissen, bringen sich ihre Mahlzeiten mit und schlagen hier mit Kind und Kegel ihr Zelt auf. Immer neue Menschen, aber das Schalterchen ist noch blind, dahinter alles taub und tot. Da, nach langem Warten, geht der Schieber in die Höhe und es werden Namen aufgerufen, Namen, Namen, daß einem die Haare zu Berge stehen, Namen mit fünf Konsonanten hintereinander, vollgespickt mit C und Z und Cz, daß man glaubt, dem armen Beamten müßten alle Zähne brechen. Aller Ohren sind gespitzt, jeder hofft, bald den lieblichen Klang seines' Namen zu vernehmen. Aber nach fünf sechs Namen hat's der Mann hinter dem Schalter satt, schließt die Klappe, den Schieber nämlich, und das Warten beginnt von neuem, bis zum nächsten Aufruf. So vergehen Stunden, Stunden. Die Menge nimmt nicht ab. Lln^ einen Stbge^ertigten HEUf Mengen, WflftSt, ZÄHM, schimpft UNd WülttL MM bulgarische Familie hat sich aus dem Boden zu Tisch gefetzt und aus roten Tüchern duftende Nationalspeisen ausgepackt. Wieder geht der Schieber auf. Ein Aufatmen, Aufhorchen, glückhafte Erfüllung, schmerzliche Enttäuschung. Endlich nach dem dritten Schub bin auch ich an der Reihe, erlege die nötige Anzahl von Schillingen und erhalte dafür in vollkommen vertuschter Schreibmaschinenschrift vier Zeilen in den Paß eingedrückt, die zu entziffern weder mir noch meinen Freunden bis auf den heutigen Tag gelungen ist. Das ist das tschechoslovakische Visum! . . . Auf dem Dampfer. Der Dampfer, der mich in der Morgenfrühe des Pfingstsonntags die Donau hinab nach Preßburg trägt, ist nicht allzu groß und nichts weniger als elegant, er nimmt sich ungemein ernst, raucht und faucht und hat große Pläne im Kopf. Er fährt von Wien bis nach Rutfchuk am Schwarzen Meere und braucht dafür soviel Tage, wie ein Schiff der Triestinogesellschaft für die,Palästinafahrt braucht, wie ein Hapagdampfer fast bis zur amerikanischen Küste. Unten in der sogenannten dritten Klasse stehen Körbe, Kisten und Kasten und dazu gehörige Menschen. Zwischendeck. Fast glaubte ich, alle Gestalten vom Korridor des Konsulates hier wieder zu sehen. Der internationalen Bedeutung des Dampfers entsprechen die Inschriften an den verschiedenen Gebrauchseinrichtungen, die gut in einem halben Dutzend Sprachen gehalten sind. An der atugentüre eines gern Mn MkN KüMMMstS ist sprach' sich vir 8MM r l c i N c E n t c n t c Mw Mch ein gm Teil der großen vertreten: tschechisch, slovakisch, jugoslavisch, rumänisch und ganz oben versteckt auch deutsch. Deutschland wird hier der Sitz nicht verweigert. . . . Ein schwarzäugiges Mädchen am Büfett, das zu sauber ist, um Zigeunerin zu sein, verkauft mir eine Ansichtskarte und erzählt mir dabei ungefragt ihre eigene und des Schiffes Lebensgeschichte, wie sie durch alle Länder des Balkan fahren und wo sie überall anlegen. Sie sei die Tochter des Restaurateurs - und wohne den ganzen Sommer über auf dem Schiff. Sie spricht gleich schlecht all die Sprachen, die auf den diversen Türen angebracht sind, aber eine Briefmarke für die mir verkaufte Ansichtskarte besitzt sie nicht, wenigstens keine solche, die eine Beförderung von der tschechoslovakischen Post erhoffen ließe. Sie erklärt sich aber gern bereit, die Karte mitzunehmen und sie vom Landungsorte zu befördern. In Rutfchuk nämlich am nächsten Freitag, vielleicht auch schon früher am Donnerstag von B u k a r e st aus. Die Liebenswürdigkeit der Balkanmenschen ist rührend, aber Eile ist vom Satan. . . . Die Ufer auf beiden Seiten sind schön in ihrem matten taudurchperlten Grün, aber keineswegs von überwältigender Pracht. Hie und da zeichnen sich in der Ferne blaue Berge, Ausläufer der Karpathen, von der Ebene ab. Hübsche weiße, gartenumgebene Häuschen, rote Dächer eines sauberen Dörfchens, ein Waldrand von matten Tannen. Jetzt kommt ein hübscher Ort, der die MklW kilvkt. oBcr W sehr srievsllm Mw sllllsl am Donau? ftranD im Moigenschiafe vchm. Noch sin DökMn, ßfl dem unser Dampfer stolz vorübersegelt, er will ja bis zum nächsten Freitag in Rutfchuk sein. Und dann ist der Schloßberg von Preßburg sichtbar. Alle Mann an Bord. Es ist ein herrlicher Anblick und nach vier trostlosen Wiener Regentagen strahlende Sonne. Hier am Fuße ist der alte jüdische Friedhof mit den Gräbern des Rabbi Meschulam, des Chafam Sofer, hes Kefow Sofer usw. Heiliger Boden, den das Auge streift bei der Einfahrt in die alte Thorastadt. Das Schiff legt an, speit uns aus auf eine schlechte Brücke und steuert mit den Balkanmenschen weiter strom- Der Israelit 10. Juni 1926 nk, »führt unZ ymkin ln Dm Miwlichen SlAWM, läßt uns naß meiden und uderlntzl uns de? Pein" — bbü bm Zollschranke. Iw Ellis Island kann sich die Ausschiffung und die Landung der Emigrantentransporte nicht langwieriger und schleppender abwickeln als die Paß- und Zollrevision in diesem Holzschuppen vor Prehburgs Toren. Ich glaubte schon, unser Dampfer würde eher Rutfchuk erreichen, als ich den Tisch der Grenzbeamten, so stauten sich vor mir die Menschen, ohne daß Fluß in die Massen kam, ohne eine sichtliche Bewegung des Beamtenappartes vorne zu merken. Aber so lange ging es nun doch nicht. Zwei Stunden nach der Landung schon kann ich, umgeben von jungen neuen Freunden, in den schönen Straßen Preßburgs mit ihren Hellen Fassaden, hübschen Bauten und lieblichen Alleen promenieren. Eine herrliche Sonne leuchtete vom blauen Himmel, als wollte sie all die neuen Eindrücke in noch schöneres Licht rücken. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Straßenkypen. SMLsrmSMaW Md Viels flRö&ia MstMLk «Mä seien. VSkZitzt Rb&MMi öikärr ^nztgerr Mbelsatz, der alle Schußlegionen überflüssig macht, nämlich. H Irans »Gott schützt die Einfältigen" (Psalm l16. 6)*. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgefehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO Frankfurt a.M. INHABER A. STERN gegründet 1887 Cigaretten CIGARREN Tabake feinste Hamburger und Bremer Fabrikate Von Kans Amöor in Kaifa. Der Kuchenverkäufer: Er bildet denUebergang von arabischen zu jüdischen Typen; denn er ist ein sephardischer Jude, der wie alle eingeborenen Sepharden. sich in nichts, weder Kleidung noch Sprache, von den Arabern unterscheidet. Ein Zufall wollte es, daß ich ihn bei einem jüdischen Begräbnis sah, und als ich ihn am nächsten Tage fragte, ob er Jude sei. bejahte er dies ganz energisch. Sein Alter ist unbestimmbar — es dürste zwischen 38 und 60 liegen — aber auch für diese Grenzen kamt ic^ feeine Garantie NberMgß^ss würdigst« «N iüm ist f«in« Stimmet rr hat rtnr hohe Fistelstimme wie wir sie Knaben vor dem Mutieren oft bemerken und von weitem hört man ihn schon seine Kuchen, - eine Art Honigkuchen mit Mandeln bestreut. — anpreisend ausrufen. — Er zieht wie alle Kuchenhändler, es gibt deren in allen Städten eine große Anzahl, umher, die große Kuchenpfanne unter der einen, den dreibeinigen Tisch unter der anderen Hand. Kommt er zu einem belebten Platz, dann stellt er den Tisch aus, darauf das große Kuchenblech und bleibt, so lange das Geschäft blüht. Dann zieht er wieder weiter, nicht allzuoft vom Bespotte der Straßenjungen, die sich über seine hohe Stimme lustig machen, verfolgt; doch dies kümmert ihn nicht, er zieht trotzdem mit seinen Kuchen weiter durch die Stadt, tagaus — tagein.... Der wandernde Schuhmacher: ..Letaken Naalajim" mit diesem Ruf kündigt er sich an und die Hausfrauen bringen ihm ihre Schuhe zum Richten. Man kann nicht behaupten, daß er sein Handwerk meisterhaft versteht und ich zweifle auch daran, daß der 16jährige Junge überhaupt je Schusterei gelernt hat — aber er repariert Schuhe; er verlangt nicht viel dafür — und man nimmts nicht genau hier. Er fetzt sich vor jedes einzelne Haus — er erinnert mich oft an den österreichischen, heute auch schon im Aussterben begriffenen „Rastelbinder* — und richtet die Schuhe, bekommt fein Geld und zieht weiter, zum nächsten Haus. Und er ist eine Notwendigkeit, dieser wandernde Schuh-Ausbesserer, Den hier herautzen zum Beispiel, in Bath-Galim, gibt SS gar keinen Schnsterlaben mtb man rnützte iüeä^ll ßsr Kleinsten SaJje ßle Sdpitlpe trr ßle 51at>i tragen. Diese Art »fliegenden Geschäftes" ist überhaupt hier — unter Juden und Arabern gang und gäbe. Nicht nur Kuchenhändler und Schuhmacher, alle Arten von Gewerbe werden „fliegend" betrieben. Es kostet keine Miete und das Prinzip ist — amerikanisch! Nicht aus die Kunden warten. Ihnen nachlaufen! .... Palästinesischer MH. Der Heide vor Hillel wollte die ganze Thora ,auf einem Fuße" auslernen. Die heutige Jugend hat sich bereits „die Thora des einen Fußes" angeeignet. Beweis: Der Fußballmatch, der zu Ehren der Gesetzgebung am Sinai zwischen Makabi und Hasmonäj in Haifa am Schwuausfeste ausgetragen wurde. * »Doar Hajom" berichtet: Im Hafen Jaffas sind mit dem neuesten Schiffe vierhundert Juden und dreißig Chaluzim angekommen. Import von Havana-Cigarren und -Cigaretten Kaiserstraße 7 Kaiserstr 81 TeW“ H““ 3391 Zeil 88 Versand nach auswärts In. 6 .Kiisfeut J Birebrot unter Verwendung: biochem, Aufhausalzen das Volksbroft der Zukunft Man beachte den vorzüglichen Geschmack. 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Vogel Spessart 1382 u. 1383 BoyensiraBe 8-14! üausfia(fiings»1Däscfie nach Gewicht - naß, getrocknet und gemangelt f Damen- und Herren-Bügelwäsche ’ Abholung kostenlos Ein Professor für Hebräisch und Aesthetik (gemeint sein dürfte Dr. Josef Klausner) füllte zwei ganze Seiten des jüngst erschienenen „Haschiloach* mit Bibelsätzen und Sprüchen aus, um zu beweisen, wie sehr uns die Jüdische Legion, die Legion zum Verantwortlich für. den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz» Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: E.Schachr nowitz, ebenda. — Verlag .Israelit'»G.m.b.H., Frankfurt n. M Druck Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a> M.