Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1926)
- Date
- 1926-06-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 24 Der Israelit Wochenrundschau. Toleranz. Ein charakteristisches Zeichen des toleranisn Geistes, von dem der durch Herrn Dr. Jsmar Freund offenbar selbständig geleitete Berliner „Landesverband preußischer Synagogengemeinden" beherrscht ist, gibt die nachfolgende Verlautbarung Kenntnis, die uns mit der Bitte um Abdruck von unterrichteter Seite zugeht. „Auf Anregung des Preußischen Landesverbandes SyNLrgsgsngsttTsrnbsn irr «fjalfcerfictbi fjctffert nach Marburg eingelaben, welche arn 13. Mai dort stattfand. Die vom Preußischen Landtag im Januar bewilligten Staatsbeihilfen für leistungsschwache jüdische Gemeinden waren zum ersten Mal durch die beiden jüdischen Landesverbände in Preußen in der Weife zur Verteilung gebracht, daß man den einzelnen Gemeinden einen gebührenden Anteil für die Erteilung des Religionsunterrichts hatte zugehen lassen. Man war sich klar, daß dieser Weg bei der Kürze der Zeit (vor dem 1. April) wohl einmal beschritten werden mußte. Für die Zukunft aber erscheint es als das einzig Zweckmäßige, in den Gegenden, wo auf engerem Gebiet viele kleine Landgemeinden vorhanden sind, Unterrichtsbezirke zu bilden, in deren Gemeinden von einem evtl, neu anzustellenden Lehrer Religionsunterricht erteilt werden soll. Das gilt zunächst für den Regierungsbezirk Cassel mit seiner dicht wohnenden jüdischen Landbevölkerung. Die gründliche Aussprache am 13. Mai in Marburg zeigte die Uebereinstimmung der Ansichten und wird hoffentlich schon bald zu günstigen Resultaten führen. Im Interesse der Sache hatte der Halberstädter Verband darauf verzichtet, die Einladung zu dieser Besprechung von sich ausgehen zu lassen und hatte sich gern bereit erklärt, zu der Versammlung, zu welcher die Vorsteherämter die beiden preußischen Landesverbände eingeladen hatten, Vertreter zu entsenden. Ein Teil der hessischen Gemeinden gehört zum Halberstädter, ein Teil zum Berliner Verband. Die Religionsunterrichtsbezirke müssen naturgemäß nach geographischen Gründen gebildet werden und ohne Rücksicht darauf, ob die nahe' beieinander liegenden Gemeinden dem einen oder anderen Verbände angehören. Sollen Bezirke geschaffen werden, so kann es nur unter Mitwirkung beider Verbände geschehen, welche für die ihnen angeschlossenen Gemeinden Beiträge aus den ihnen zur Verfügung stehenden Staatsbeihilfen gewähren können. Der Berliner Verband hatte die Einladung nach Marburg nicht beantwortet und schließlich auch eine telegraphisch ausgesprochene Bitte um Teilnahme abgelehnt. Am Tage vor der angesetzten BIsssrrHllng im Bann kW Mlllllüllllg an m mu fleherämler nach Berlin zum gleichen Zweck, für den man sich in Marburg treffen wollte: Bildung von Religionslehrerbezirken! Die Vorsteherämter entsandten jedoch keinen Vertreter zu dieser Sitzung. Sie sprachen aber die Erwartung aus, daß recht bald ein Vertreter des Berliner Verbandes zur Aussprache nach einem Orte in Kurhessen kommen werde, da die vorliegenden Fragen Das Gedenken der Väter. Bemerkung zum Wochenabschnitte. Don Zsak Zoller in Merlin. Warum die Abstammung Korachs nur bis Lewi und nicht bis Jakob zurückgeführt wird, erklärt '"tn mit einer xainiri-Stelle: npy» jaa Tarn x^?i anip^na by mw *ian xbv laxy Vsr a’am wpniy (v"a myma) nüa irm abnpm laxiV, Jakob hat es vorausgesehen, daß die Nachkommen seines Sohnes Lewi sich einst dazu hergeben werden, den Kampf gegen Moses aufzunehmen, so war es sein Wunsch, daß bei dieser verdammenswerten Tat seine Ehre nicht leide und sein Name dabei nicht erwähnt werde. Deshalb wird, nach vvi» hier bei Lewi Halt gemacht, »i2a ina bx aVnpa. Es ist kaum anzunehmen, daß Jakob, da er den Korachaufstand voraussah, von keinem andern Gefühl als nur von dem der Angst um seine Ehre und seinen Namen beherrscht war, ohne sich »m das Las jwiev W «Solcher Wunsch würde mehr von Egoismus als von väterlichem Gefühle zeugen. Man geht daher nicht irre, wenn man in dem Wunsche Jakobs »ina Tnri bx übnpn. ein weihevolles Gebet für seine Nachkommen vermutet, annur gemeinsam mit den Vertretern aller dortigen Bezirke besprochen werden können. Dieser Besprechung sollten dann die Resultate der früheren Marburger Aussprache zu Grunde gelegt werden. Im Interesse des geordneten Religionsunterrichts geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß diese Konferenz recht bald stattfindet und zum gewünschten Erfolg führt. Wenn es den leitenden Männern des Berliner Verbandes ernst ist mit der Förderung des Religionsunterrichts in Kleingemeinden, so müssen sie in Zukunft auf eine Handlungsweise verzichten, die leicht mißdeutet werden könnte, und müssen MW auch dereil sein, in Kreisen, deren Gemeinden zum Teil dem Berliner zum Teil dem Halberstädter Verband angehören, mit dem Halberstädter Verband gemeinsam zu verhandeln." Es wild interessant sein, Wächst zu hören, was Herr Dr. Freund, der wohl für den Vorgang verantwortlich ist, zu der Angelegenheit zu sagen hat. Wenn der Verband heute schon, da er der staatlichen Anerkennung noch entbehrt, sich nicht scheut, seine eigenen Wltigliebsgernsinben berari 0« WwsJieven, wie es ln kiefern §«öe geschehen ist, so gibt das eine Vorstellung von dem, was die kleinen Gemeinden erst später, nachdem sie einmal in die öffentlich-rechtliche Körperschaft eingezwängt sind, zu erwarten haben werden. Eine neue nationale Autonomie in Litauen? Der Ausgang der Parlamentswahlen in Litauen und der Sieg der Demokratischen Partei läßt in d e m jüdischen Kreise, der zunächst den Prosit aus den Wahlen gezogen hat, die Hoffnungen auf die jüdische Autonomie neu aufleben. Vielleicht ist der Wunsch der Vater der Hoffnung und der durch die ITA. verbreiteten Gerüchte, aber es muh zugegeben werden, daß die Lage zur Zeit der Erfüllung dieser Sehnsucht günstig ist. In der von der litauischen Nationalversammlung geschaffenen Verfassung war für die Juden eine weitgehende sozial-kulturelle Autonomie vorgesehen, die von einem Ministerium für jüdische Angelegenheiten verwaltet wurde, so u. a. Autonomie der Gemeinden, der Schulen. Der jüdische Nationalrat war als die repräsentative Körperschaft der litauischen Judenheit gedacht. Das dann ans Ruder gekommene reaktionäre Regime hat nach und nach sämtliche autonomen Rechte der Juden außer Kraft gesetzt. Zuerst wurden das jüdische Ministerium, dann der Nationalrat, dann der Getttetttbeoerfcmtb für bte Sfulortomte ber ©einemben, bann die der Schulen abgebaut. Ein Gesetz verbot sogar den Gebrauch der jiddischen und hebräischen Sprache an den Geschäftsschildern. Nach langen Kämpfen wurde dieses Gesetz abgeschafft. Man hat in gut jüdischen Kreisen all diesen Institutionen keine Träne nachgeweint. gesichts der göttlichen Strafe, die sie einstens durch ihre Tat sich zuziehen. Die weisen Lehrer fragen, wieso der Satz »man '•di pN2» »rmn nx «jxi npsn »rmn nx mitten in die Tochacha (M. 3. 26) hinein gehört? Sichert doch das Gedenken der Väter Heil und Erlösung, was soll es nun mitten in den Flüchen? Der Dubnaer Maggid beantwortet dieses mit einem Gleichnis: Zwei Männer waren des Diebstahls angeklagt, der eine war von niederer Herkunft, bar der Erziehung und Bildung, der andere entstammte einer angesehenen Rabbinerfamilie. Während der erstere mit einer gelinderen Strafe davonkam, wurde der andere zu einer schweren Gefängnisstrafe verurteilt. „Soll ich. der Sohn und Enkel großer Männer, schlechter behandelt werden als der Mann von der Straße?" protestierte der Verurteilte. „Gewiß", erwiderte der Richter, „der Andere hatte es nicht besser vor sich gesehen. Du aber hattest ja leuchtendes Beispiel an Vater und Großvater, an der ganzen Ahnenreihe und hast dich dennoch dazu hergegeben, durch Uebeltat den Namen der großen Bäter zu schänden, du verdienst weit höhere Strafe". In diesem Sinne muß es ftrafverfchärfend wirken» wenn mitten im Abfall des jüdischen Volkes der Väter und Urväter (daher auch die umgekehrte Reihenfolge) gedacht wird. Damit haben wir auch den Schlüssel zu unserer Raschi-Erklärung. Jakob fürchtete, daß, wenn sein Name bei der Korachauflehnung mitgenannt werde, die ©ünbe der Koranen größer lmö ihr? Strafe noch schwerer würde. Darum betete er •>iäa “rnn ^x a^npni 'vsi xian ^x a*non. Und das Gebet ging in Erfüllung, indem der Stammbaum Korachs nicht bis Jakob zurückgeht, sondern schon bei L ewi halt macht. __ _ 10. Juni 1926 wiewohl der dabei zutage tretende böse Mille dev Regierung deprimierend genug war. Die zwischen den jüdischen Vertretern und den neuen Mehrheitsparteien gegenwärtig gepflogenen Verhandlungen gehen darauf hinaus, daß der Jüdische N a t i 0 n a l r a t, die Gemeinde- und Erziehungs -Autonomie wieder hergestellt werden; auf die Institution eines M i n i st e r i u m s für jüdische Angelegen- Heiken wird man anscheinenh verzichten. Die jüdische Autonomie an sich kann in einem Nationalstaate wie Litauen eine Notwendigkeit sein. Als Instrument in Händen der nationalen und sozialistischen Assimilation brachte sie Unsegen. Die Männer, die ihr heute Pate stehen, eröffnen keine besseren Aussichten. Darum sollten die Gesetzestreuen in Ausnutzung des großen Achtungserfolges bei ben lebten Wahlsrr atxf ber paläskinafahrk ' Von Max Landau. (Fortsetzung). *) Die Christen haben an den denkwürdigen Stätten ihrer Vergangenheit, mit denen Jerusalem besät ist, prächtige Kirchen hingebaut, die innen von Kostbarkeiten glitzern, riesige Klöster und Stifte, festungsartige Gebäude, Trotzburgen ihres triumphierenden Glaubens; die Moslems, die Herren des Landes und der Stadt, haben auf Moria, dem heiligen Berge, ihrem Gott ein Heiligtum errichtet: den Juden blieb von der Herrlichkeit Jeruschalaims nur ein Stück Mauer. Die eine Wand eines schmalen Gäßchens im armseligsten arabischen Viertel; einst umgab sie, zäunend und bergend, den stolzen Tempel Israels, heute hütet sie — mit ihren königlichen Steinen, die riesenhaft, wie von Eyklopenhand gehauen, aber ebenmäßig beschnitten und sein umrandet sind —, das Heiligtum der Fremden. Dies blieb von der Sammlung der Schönheit, der Wonne der Erde: ein Stück Mauer, mit Efeu bewachsen, in einem übelriechenden Armeleutequartier. Aber alle Liebe und alle anhängliche Treue haben die Juden auf dieses letzte Erbstück ihres geplünderten Hausrats übertragen; und nichts Köstlicheres kann es für einen echten Jerusalemiten geben, als in einem Hause zu wohnen, das einen 8LusL.licr <wj= {Jflt, Im Zickzack stets abfallender Gäßchen und Gänge kommt man hin; noch ehe man um die Ecke biegt, wird man von einem Spalier sitzender Bettler empfangen. Moderne Reise- *), Siehe Nr. 15 ds. Js. kleines Feuilleton. Me sollen wir nun wirklich beten? Die letzten Aufsätze über dieses Thema beschäftigen alle Gemüter sehr, und man schuldet den Autoren wirklich Dank, daß siedie Frage des „Schütteln s" beim Gebet aufgegriffen haben. Die letztens hierüber gebrachten Ausführungen stellten allerdings die privaten Ansichten des Herrn Verfassers dar. Wir sind aber gewohnt, in allen Dingen, und ganz besonders in religiösen Fragen, die Vorschriften des py pbV' dessen Autorität sich Ost und West unterordnet, zur Richtschnur unseres Handelns zu wählen. So haben wir in erster Linie zu untersuchen, welche Stellung der py jhto zu der hier angeschnittenen Frage nimmt, die nun einmal täglich wiederholt an uns herantritt. In rra '’O n"ix schreibt der b"i X"av. lanaa mwn naan mina pipizr njwa yyunrft appnan ’masy ba an by a^tenaw nypa pi nma mmiy pa »» 'n rmaxn "Es üben die Gewissenhaften den Gebrauch, sich während des Thaurolefens zu bewegen, entsprechend dem Zittern, das bxiV» bet NUN |na ergriff. Auch während des Gebetes bemeaert sie sich, roeil es heisttrmöSjf h'S- ,,-^>tergrt brittöM nma« p» unier 'jpy; SN28 1 nxsa ist der Ansicht, daß man sich nur bei »pa man bewegen soll, nicht aber in der mvy maty (r,p nawna y"a); in seinem rmaxa mtpy isa schreibt aber der gleiche mna, daß die Frommen sich auch in.